Erste Hilfe bei Verbrennungen: Richtig handeln
Verbrennungen zählen zu den häufigsten Verletzungen im Alltag. Ob heiße Herdplatte, kochendes Wasser oder Sonnenbrand: Wer schnell und richtig handelt, kann den Heilungsverlauf entscheidend beeinflussen und Komplikationen vermeiden. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie Verbrennungen richtig einschätzen und welche Sofortmaßnahmen Sie ergreifen sollten.
Verbrennungsgrade verstehen
Ärzte teilen Verbrennungen nach ihrer Tiefe in verschiedene Grade ein. Diese Einstufung entscheidet über die richtige Behandlung und darüber, ob ärztliche Hilfe erforderlich ist.
Verbrennung 1. Grades: Nur die oberste Hautschicht (Epidermis) ist betroffen. Die Haut ist gerötet, geschwollen und schmerzhaft. Ein typisches Beispiel ist der leichte Sonnenbrand. Solche Verbrennungen heilen in der Regel innerhalb weniger Tage ab, ohne Narben zu hinterlassen.
Verbrennung 2. Grades: Hier ist auch die darunterliegende Hautschicht (Dermis) geschädigt. Es bilden sich schmerzhafte Blasen, die Haut ist stark gerötet und feucht. Mediziner unterscheiden zwischen oberflächlichen (2a) und tiefen (2b) Verbrennungen zweiten Grades. Oberflächliche heilen meist innerhalb von zwei Wochen, tiefe können Narben hinterlassen.
Verbrennung 3. Grades: Alle Hautschichten sind zerstört. Die betroffene Stelle ist weiß, bräunlich oder schwarz verfärbt und oft schmerzlos, da die Nervenenden zerstört sind. Solche Verbrennungen erfordern immer eine ärztliche Behandlung und oft Hauttransplantationen.
Sofortmaßnahmen bei Verbrennungen
Bei jeder Verbrennung gilt zuerst: Entfernen Sie die Hitzequelle sofort. Bringen Sie die betroffene Person aus der Gefahrenzone. Entfernen Sie vorsichtig die Kleidung im Bereich der Verbrennung, sofern sie nicht mit der Haut verklebt ist. Verklebte Kleidung reißen Sie niemals ab. Belassen Sie sie und überlassen Sie das Ablösen dem Rettungsdienst.
Richtig kühlen, aber wie?
Das Kühlen der Verbrennung ist eine wichtige Sofortmaßnahme, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Kühlen Sie die betroffene Stelle für 10 bis 20 Minuten mit fließendem, lauwarmem Wasser (circa 20 Grad Celsius). Verzichten Sie auf eiskaltes Wasser oder Eis, denn das kann zu Unterkühlung und zusätzlicher Gewebeschädigung führen.
Wichtig: Bei großflächigen Verbrennungen (mehr als 20 Prozent der Körperoberfläche) sollten Sie nicht kühlen, da hier die Gefahr einer Unterkühlung besteht. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist besondere Vorsicht geboten, denn sie kühlen schneller aus. Verzichten Sie auf Hausmittel wie Butter, Mehl, Zahnpasta oder Öl: Sie verschlimmern die Verletzung und erhöhen das Infektionsrisiko.
Wundversorgung nach dem Kühlen
Nach dem Kühlen decken Sie die Wunde steril ab. Verwenden Sie idealerweise eine sterile Wundauflage oder ein sauberes, fusselfreies Tuch. Wickeln Sie die Auflage locker um die betroffene Stelle, um Druck zu vermeiden. Brandblasen sollten Sie niemals öffnen, denn sie bilden einen natürlichen Schutz gegen Infektionen. Sind die Finger betroffen, verbinden Sie sie einzeln, damit sie nicht verkleben.
Wann den Notruf wählen?
Rufen Sie sofort den Rettungsdienst unter 112, wenn es sich um Verbrennungen 3. Grades handelt, die Verbrennung größer als die Handfläche des Betroffenen ist, Gesicht, Hände, Füße, Genitalien oder Gelenke betroffen sind, ein Inhalationstrauma (Einatmen heißer Dämpfe) vorliegt, Säuglinge oder Kleinkinder betroffen sind oder die betroffene Person Kreislaufprobleme zeigt. Über Ihr Gesundheitsamt erhalten Sie Informationen zu spezialisierten Verbrennungszentren in Ihrer Region.
Verbrennung oder Verbrühung?
Verbrühungen durch heiße Flüssigkeiten treten besonders bei Kindern häufig auf und können schwerwiegender sein als Verbrennungen. Heißes Wasser dringt durch die Kleidung und schädigt die Haut großflächig. Entfernen Sie bei Verbrühungen sofort die durchnässte Kleidung und kühlen Sie die betroffenen Stellen. Bei Kindern sollten Sie Verbrühungen immer ärztlich untersuchen lassen.
Heilung und Nachbehandlung
Leichte Verbrennungen 1. Grades heilen in der Regel innerhalb von drei bis sieben Tagen. Spezielle Brandsalben oder Gele mit Aloe Vera können den Heilungsprozess unterstützen. Bei Verbrennungen 2. Grades dauert die Heilung etwa zwei bis drei Wochen. Achten Sie auf Anzeichen einer Infektion wie zunehmende Rötung, Schwellung, Eiterbildung oder Fieber. Treten diese auf, suchen Sie umgehend einen Arzt auf. Die Arztsuche hilft Ihnen, schnell einen passenden Mediziner zu finden.
Verbrennungen vorbeugen
Im Haushalt lässt sich vielen Verbrennungen vorbeugen. Drehen Sie Topfgriffe am Herd nach hinten, nutzen Sie bei kleinen Kindern ein Herdschutzgitter und prüfen Sie die Wassertemperatur vor dem Baden. Schützen Sie sich vor Sonnenbränden mit geeigneter Kleidung und Sonnenschutz. Bewahren Sie Feuerwerk, Streichhölzer und Feuerzeuge sicher vor Kindern auf.
Häufig gestellte Fragen
- Was ist bei Verbrennungen als erstes zu tun?
- Entfernen Sie sofort die Hitzequelle und kühlen Sie die betroffene Stelle mit lauwarmem Wasser (15–20 °C) für 10–15 Minuten. Verwenden Sie kein Eis, denn das verstärkt den Gewebeschaden. Nehmen Sie Schmuck und nicht anhaftende Kleidung ab, bevor die Schwellung einsetzt.
- Wie erkenne ich den Schweregrad einer Verbrennung?
- Erstgradige Verbrennungen zeigen Rötung ohne Blasen (wie ein Sonnenbrand). Zweitgradige Verbrennungen bilden Blasen und sind sehr schmerzhaft. Drittgradige Verbrennungen zerstören alle Hautschichten; die Haut sieht lederartig, weiß oder schwarz aus und schmerzt oft weniger, weil die Nerven zerstört sind.
- Wann muss ich den Notruf (112) anrufen?
- Rufen Sie den Notruf bei Verbrennungen über 10 % der Körperoberfläche, bei drittgradigen Verbrennungen, bei Verbrennungen im Gesicht/Hals/Hände/Genitalien, bei Kinder und älteren Menschen sowie bei chemischen oder elektrischen Verbrennungen an.
- Was darf ich auf eine Verbrennung auftragen?
- Nichts! Keine Butter, kein Öl, keine Zahnpasta und keine Eiswürfel, das alles verschlimmert die Verletzung oder führt zu Infektionen. Decken Sie die Wunde nach dem Kühlen steril ab (sterile Wundauflage oder sauberes Tuch). Blasen stechen Sie niemals auf.
- Wie groß ist die Verbrennung, die ärztliche Behandlung erfordert?
- Verbrennungen zweitgradigen Grades ab einer Fläche größer als ein Handteller (ca. 1 % der Körperoberfläche) und alle drittgradigen Verbrennungen müssen ärztlich behandelt werden. Bei Kindern, Säuglingen und älteren Menschen gilt ein niedrigerer Schwellenwert.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.