Medizintechnik in Deutschland
Medizintechnik umfasst Geräte, Implantate, Instrumente, In-vitro-Diagnostika und medizinische Software zur Diagnose, Therapie und Pflege. Deutschland ist der größte Medizintechnikmarkt Europas: Über 1.500 Hersteller (ab 20 Beschäftigte) erwirtschafteten 2024 rund 41,4 Milliarden Euro, inklusive Kleinstunternehmen liegt die Branche bei etwa 55 Milliarden Euro und mehr als 210.000 Beschäftigten (SPECTARIS, BVMed 2024). Rund 68 Prozent des Umsatzes entfallen auf den Export, etwa 9 Prozent fließen in Forschung und Entwicklung, 93 Prozent der Unternehmen sind kleine und mittlere Betriebe. Geregelt wird der Markt durch die EU-Medizinprodukteverordnung MDR 2017/745. Im Verzeichnis finden Sie Hersteller, Händler und Zulieferer mit Standort, Produktbereich und Kontaktdaten für Kliniken, Praxen, Einkauf und Pflegeeinrichtungen.
Verzeichnis zuletzt aktualisiert im Mai 2026Medizintechnik
Medizintechnik umfasst Geräte, Implantate, Instrumente, In-vitro-Diagnostika und medizinische Software zur Diagnose, Therapie und Pflege. Deutschland ist der größte Medizintechnikmarkt Europas: Über 1.500 Hersteller (ab 20 Beschäftigte) erwirtschafteten 2024 rund 41,4 Milliarden Euro, inklusive Kleinstunternehmen liegt die Branche bei etwa 55 Milliarden Euro und mehr als 210.000 Beschäftigten (SPECTARIS, BVMed 2024). Rund 68 Prozent des Umsatzes entfallen auf den Export, etwa 9 Prozent fließen in Forschung und Entwicklung, 93 Prozent der Unternehmen sind kleine und mittlere Betriebe. Geregelt wird der Markt durch die EU-Medizinprodukteverordnung MDR 2017/745. Im Verzeichnis finden Sie Hersteller, Händler und Zulieferer mit Standort, Produktbereich und Kontaktdaten für Kliniken, Praxen, Einkauf und Pflegeeinrichtungen.
Häufige Fragen zu Medizintechnik
Was umfasst die Medizintechnik-Branche?
Medizintechnik deckt Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Geräten, Implantaten, Instrumenten, In-vitro-Diagnostika, Software und Zubehör ab, die zur Diagnose, Prävention, Überwachung oder Behandlung von Krankheiten dienen. Eine einheitliche gesetzliche Definition gibt es nicht.
Wie groß ist die deutsche Medizintechnikbranche?
Hersteller ab 20 Beschäftigten erzielten 2024 rund 41,4 Milliarden Euro Umsatz; inklusive Kleinstunternehmen liegt die Branche bei etwa 55 Milliarden Euro mit mehr als 210.000 Beschäftigten. Die Exportquote beträgt rund 68 Prozent, etwa 9 Prozent des Umsatzes fließen in Forschung und Entwicklung (SPECTARIS, BVMed 2024).
Wie viele Medizintechnikunternehmen gibt es in Deutschland?
Es gibt über 1.500 Hersteller mit mindestens 20 Beschäftigten und insgesamt rund 11.000 Unternehmen einschließlich Kleinstbetrieben. Etwa 93 Prozent sind kleine und mittlere Unternehmen, darunter viele spezialisierte Weltmarktführer.
Wie werden Medizinprodukte in Deutschland zugelassen?
Medizinprodukte müssen die EU-Medizinprodukteverordnung MDR 2017/745 erfüllen und das CE-Kennzeichen tragen. Je nach Risikoklasse ist eine Konformitätsbewertung durch eine Benannte Stelle nötig. In Deutschland ergänzt das MPDG die EU-Vorgaben, das BfArM ist für Vigilanz zuständig.
Was unterscheidet die Risikoklassen I, IIa, IIb und III?
Die Risikoklasse bestimmt den Aufwand der Konformitätsbewertung. Klasse I (geringes Risiko, etwa Pflaster) genügt meist die Selbsterklärung. Klasse IIa (etwa Hörgeräte) und IIb (etwa Beatmungsgeräte) erfordern eine Benannte Stelle. Klasse III (höchstes Risiko, etwa Herzklappen und aktive Implantate) verlangt die vollständige Prüfung der klinischen und technischen Dokumentation.
Welche MDR-Übergangsfristen gelten aktuell?
Nach Verordnung (EU) 2023/607 dürfen Bestandsprodukte unter Bedingungen weiter vermarktet werden: Klasse III und implantierbare Klasse IIb bis 31. Dezember 2027, übrige Klasse IIb, Klasse IIa und sterile Klasse I bis 31. Dezember 2028. Voraussetzung sind ein MDR-Antrag bis 26. Mai 2024 und ein Vertrag mit einer Benannten Stelle bis 26. September 2024.
Was ist EUDAMED?
EUDAMED ist die zentrale europäische Datenbank für Medizinprodukte. Sie bündelt Angaben zu Herstellern, Produkten (mit Unique Device Identifier, UDI), Benannten Stellen, Bescheinigungen und Vigilanz. Vier Module sind ab dem 28. Mai 2026 verpflichtend zu nutzen.
Was ist eine DiGA (App auf Rezept)?
Eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) ist ein Medizinprodukt in Form einer App oder Software, das Ärzte verordnen und die Krankenkasse erstattet. Die Aufnahme erfolgt über das Fast-Track-Verfahren des BfArM; im BfArM-Verzeichnis sind rund 60 DiGA gelistet (Stand 2026).
Welche Zertifizierungen braucht ein Medizintechnikunternehmen?
Neben dem CE-Kennzeichen nach MDR 2017/745 ist ein Qualitätsmanagementsystem nach ISO 13485 Standard. Für In-vitro-Diagnostika gilt zusätzlich die IVDR 2017/746, Software als Medizinprodukt wird nach IEC 62304 entwickelt, vernetzte Geräte unterliegen Cybersecurity-Anforderungen nach IEC 81001-5-1.
Wo sitzen die wichtigsten Medizintechnik-Cluster in Deutschland?
Tuttlingen in Baden-Württemberg gilt als Weltzentrum für chirurgische Instrumente, das Medical Valley um Erlangen und Nürnberg führt in Bildgebung und Digital Health. Weitere Zentren sind Jena (Optik), Berlin-Brandenburg (kardiovaskuläre Technik) sowie Nordrhein-Westfalen mit der Leitmesse MEDICA in Düsseldorf.
Wo finde ich Medizintechnikunternehmen in Deutschland?
Branchenverbände wie SPECTARIS und BVMed führen Mitgliederlisten, EU-weit registrierte Hersteller stehen in der Datenbank EUDAMED. Auf Sanoliste sind deutsche Medizintechnikunternehmen nach Bundesland und Stadt verzeichnet, inklusive Kontaktdaten.
Deutschland als Medizintechnik-Standort
Die deutsche Medizintechnik zählt zu den leistungsstärksten Branchen weltweit. Deutschland ist der größte Medizintechnikmarkt Europas und steht für rund ein Viertel des europäischen Marktvolumens. Charakteristisch ist eine mittelständisch geprägte Struktur mit zahlreichen spezialisierten Weltmarktführern, sogenannten Hidden Champions, neben wenigen Großkonzernen.
| Kennzahl | Wert (2024) |
|---|---|
| Branchenumsatz (Hersteller ab 20 Beschäftigte) | rund 41,4 Mrd. Euro (plus 2,5 Prozent) |
| Umsatz inklusive Kleinstunternehmen | rund 55 Mrd. Euro |
| Inlandsumsatz / Auslandsumsatz | 13,2 Mrd. / 28,2 Mrd. Euro |
| Exportquote | rund 68 Prozent |
| Forschungsquote (Anteil am Umsatz) | rund 9 Prozent |
| Beschäftigte | mehr als 210.000 |
| Unternehmen | über 1.500 Hersteller, rund 11.000 inkl. Kleinstunternehmen |
| Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen | rund 93 Prozent |
Quellen: SPECTARIS Jahrbuch Medizintechnik 2024/2025, BVMed, Statistisches Bundesamt.
Was zählt zur Medizintechnik? Die Produktbereiche
Es gibt keine einheitliche gesetzliche Definition der Medizintechnik. Der Begriff bündelt alle Produkte, die zur Diagnose, Prävention, Überwachung, Behandlung oder Linderung von Krankheiten dienen. SPECTARIS gliedert die Branche in acht Produktbereiche, ergänzt um mehrere fachlich eigenständige Felder:
- Bildgebende Systeme: Röntgen, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT), Ultraschall, PET.
- Diagnosesysteme: EKG, Blutdruckmessung, Funktionsdiagnostik.
- Therapiesysteme: Beatmungs-, Dialyse- und Infusionstechnik.
- Chirurgie und Intervention: OP-Systeme, Endoskope, Anästhesietechnik, chirurgische Instrumente.
- Implantate: aktive Implantate wie Herzschrittmacher, passive Implantate wie Endoprothesen.
- Rehabilitation und Hilfsmittel: Prothetik, Orthetik, Rollstühle.
- Verbrauchsmaterial: Verbandmittel, Spritzen, Kanülen, Katheter.
- E-Health und Software: Medizinsoftware, Software as a Medical Device (SaMD), digitale Gesundheitsanwendungen.
Fachlich eigenständig betrachtet werden zudem die In-vitro-Diagnostik (IVD) und Labortechnik, die Dentaltechnik, die Orthopädietechnik sowie die Ophthalmologie.
Regionale Cluster und Hochburgen
Die deutsche Medizintechnik ist regional stark konzentriert. Baden-Württemberg ist Standort Nummer eins, gefolgt von Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen. Diese vier Bundesländer vereinen über drei Viertel der führenden Unternehmen.
- Tuttlingen (Baden-Württemberg): Weltzentrum der Medizintechnik mit über 400 Unternehmen und rund 8.000 Beschäftigten, Schwerpunkt chirurgische Instrumente, Endoskope und OP-Technik. Netzwerk MedicalMountains.
- Medical Valley Erlangen Nürnberg (Bayern): 2010 vom BMBF als Spitzencluster ausgezeichnet, führend in Bildgebung und Digital Health, Ankerunternehmen Siemens Healthineers.
- Jena (Thüringen): über 150 Jahre Tradition in Optik und Photonik, Ankerunternehmen Carl Zeiss Meditec mit Ophthalmologie und Mikrochirurgie.
- Berlin-Brandenburg (HealthCapital): über 300 Medizintechnikunternehmen, Schwerpunkt kardiovaskuläre Technik, Ankerunternehmen Biotronik.
- Nordrhein-Westfalen: starke Gesundheitswirtschaft, Düsseldorf ist Austragungsort der MEDICA, der weltgrößten Medizintechnikmesse.
- Hamburg und Schleswig-Holstein (Life Science Nord): über 500 Unternehmen der Life-Science-Branche, darunter Drägerwerk in Lübeck.
Führende Medizintechnikunternehmen in Deutschland
Neben einigen global tätigen Konzernen prägen vor allem spezialisierte Mittelständler die Branche. Eine Auswahl umsatzstarker Hersteller mit Sitz in Deutschland:
| Unternehmen | Sitz | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Siemens Healthineers | Erlangen | Bildgebung, Labordiagnostik, Strahlentherapie |
| Fresenius Medical Care | Bad Homburg | Dialyse und Nierenersatztherapie |
| B. Braun (mit Aesculap) | Melsungen / Tuttlingen | Infusionstherapie, chirurgische Instrumente |
| Drägerwerk | Lübeck | Beatmung, Anästhesie, Patientenmonitoring |
| Karl Storz | Tuttlingen | Endoskopie, minimalinvasive Chirurgie |
| Carl Zeiss Meditec | Jena | Ophthalmologie, Mikrochirurgie |
| Ottobock | Duderstadt | Prothetik und Orthetik |
| Biotronik | Berlin | Herzrhythmus- und Gefäßtherapie |
| Brainlab | München | chirurgische Navigation und Software |
| Paul Hartmann | Heidenheim | Wundversorgung und Verbandmittel |
Im Verzeichnis finden Sie diese Unternehmen ebenso wie tausende mittelständische Hersteller, Händler und Zulieferer aus ganz Deutschland.
Zulassung: MDR, IVDR und CE-Kennzeichen
Medizinprodukte dürfen in der EU nur mit CE-Kennzeichen in Verkehr gebracht werden. Maßgeblich ist die EU-Medizinprodukteverordnung MDR 2017/745, anwendbar seit dem 26. Mai 2021, die die früheren Richtlinien MDD und AIMDD abgelöst hat. Für In-vitro-Diagnostika gilt die IVDR 2017/746, anwendbar seit dem 26. Mai 2022. In Deutschland ergänzt das Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetz (MPDG) die EU-Vorgaben; das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist für Vigilanz und Risikobewertung zuständig, die Marktüberwachung liegt bei den Landesbehörden.
Der Aufwand der Konformitätsbewertung richtet sich nach der Risikoklasse:
| Klasse | Risiko | Beispiele | Bewertung |
|---|---|---|---|
| I | gering | Pflaster, Brillenfassungen | in der Regel Selbsterklärung des Herstellers |
| IIa | mittel | Hörgeräte, Ultraschallgeräte | Benannte Stelle erforderlich |
| IIb | erhöht | Beatmungsgeräte, Defibrillatoren | Benannte Stelle, strengere Prüfung |
| III | hoch | Herzklappen, aktive Implantate | vollständige Prüfung der klinischen und technischen Dokumentation |
Hersteller müssen zusätzlich ein Qualitätsmanagementsystem nach ISO 13485 vorhalten. Medizinische Software wird nach IEC 62304 entwickelt und unterliegt wachsenden Cybersecurity-Anforderungen (IEC 81001-5-1). Eine Benannte Stelle (Notified Body) prüft Produkte ab Klasse IIa.
Aktuelle Übergangsfristen und EUDAMED
Die Umstellung auf die MDR läuft gestaffelt. Bestandsprodukte mit gültigem Altzertifikat dürfen unter Bedingungen übergangsweise weiter auf dem Markt bleiben (Verordnung (EU) 2023/607):
- bis 26. Mai 2026: implantierbare Sonderanfertigungen der Klasse III.
- bis 31. Dezember 2027: Produkte der Klasse III sowie implantierbare Produkte der Klasse IIb.
- bis 31. Dezember 2028: übrige Klasse IIb, Klasse IIa, sterile Produkte der Klasse I sowie hochgestufte Klasse-I-Produkte.
Voraussetzung ist unter anderem ein MDR-Antrag bis 26. Mai 2024 und ein Vertrag mit einer Benannten Stelle bis 26. September 2024. Für In-vitro-Diagnostika gelten eigene Fristen (Klasse D bis Ende 2027, Klasse C bis Ende 2028, Klasse B und sterile A bis Ende 2029).
Parallel wird die europäische Datenbank EUDAMED verbindlich: Vier Module (Akteure, Produkte und UDI, Benannte Stellen und Bescheinigungen sowie Marktüberwachung) sind ab dem 28. Mai 2026 verpflichtend zu nutzen.
Innovationsfelder: KI, Robotik und DiGA
Die Branche treibt mehrere Zukunftsfelder voran. KI-gestützte Diagnostik und Bildauswertung erhalten zunehmend Zulassungen als Software as a Medical Device (SaMD), unterliegen seit Inkrafttreten der EU-KI-Verordnung jedoch zusätzlichen Anforderungen. Robotergestützte und minimalinvasive Chirurgie erhöhen die Präzision bei komplexen Eingriffen, Point-of-Care-Diagnostik ermöglicht Schnelltests direkt am Behandlungsort.
Eine deutsche Besonderheit sind digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), die Apps auf Rezept. Über das Fast-Track-Verfahren des BfArM gelangen geprüfte Anwendungen in die Erstattung; im BfArM-Verzeichnis sind rund 60 DiGA gelistet (Stand 2026), seit dem 1. Januar 2025 ist ein Datensicherheitsnachweis verpflichtend. Weitere Schwerpunkte sind Telemonitoring, vernetzte Geräte und Nachhaltigkeit über den gesamten Produktlebenszyklus.
Herausforderungen der Branche
Trotz solider Nachfrage steht die Branche unter Druck. In der BVMed-Herbstumfrage 2025 nennen 80 Prozent der Unternehmen steigende bürokratische Kosten und 65 Prozent höhere MDR-Zertifizierungskosten als zentrale Belastung, rund die Hälfte erwartet sinkende Gewinne. Die Zahl der Benannten Stellen ist mit der MDR deutlich zurückgegangen, was zu Engpässen und Verzögerungen bei der Zertifizierung führt, besonders für kleine Hersteller und Nischenprodukte. Hinzu kommen Fachkräftemangel, gestiegene Material- und Energiekosten sowie ein intensiver Wettbewerb mit den USA und China. Die Verbände BVMed und SPECTARIS fordern daher Bürokratieabbau und eine ressortübergreifende Medizintechnikstrategie.
Medizintechnikunternehmen gezielt finden
Dieses Verzeichnis bündelt Hersteller, Händler und Zulieferer der deutschen Medizintechnik mit Profil, Standort und Kontaktdaten. Einkäufer, Krankenhäuser, Praxen, Apotheken und Pflegeeinrichtungen finden gezielt den passenden Anbieter, sortiert nach Bundesland und Stadt. Jeder Eintrag enthält Adresse, Telefon, Website und, soweit verfügbar, Angaben zu Produktbereich und Ansprechpartnern. Nutzen Sie die Übersichten nach Region, um Partner in Ihrer Nähe zu finden.