Antibiotika richtig einnehmen

Antibiotika gehören zu den wichtigsten Medikamenten der modernen Medizin. Sie bekämpfen bakterielle Infektionen und retten damit Leben. Ihre volle Wirkung entfalten sie jedoch nur bei korrekter Einnahme. Eine falsche Anwendung gefährdet nicht nur den Behandlungserfolg, sondern begünstigt auch resistente Bakterien, eines der größten Gesundheitsprobleme unserer Zeit.

Wie wirken Antibiotika?

Antibiotika wirken ausschließlich gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Bei Erkältungen, Grippe oder den meisten Halsschmerzen bleiben sie deshalb wirkungslos. Man unterscheidet zwei Haupttypen: Bakterizide Antibiotika töten Bakterien direkt ab, bakteriostatische hemmen deren Wachstum und Vermehrung. Welches Antibiotikum passt, wählt der Arzt nach Art der Infektion und dem verursachenden Erreger aus.

Die wichtigsten Einnahmeregeln

Zeitabstände einhalten

Die Einnahmeintervalle entscheiden über einen gleichmäßigen Wirkstoffspiegel im Blut. Verordnet der Arzt dreimal täglich, bedeutet das alle acht Stunden, nicht einfach morgens, mittags und abends. Bei zweimal täglich nehmen Sie das Antibiotikum alle zwölf Stunden ein. Stellen Sie sich bei Bedarf einen Wecker, auch nachts, um die Zeiten einzuhalten. Schwankende Blutspiegel senken die Wirksamkeit und fördern Resistenzen.

Vor, zum oder nach dem Essen?

Die Angabe zur Einnahme bei Mahlzeiten ist wichtig, denn Nahrung kann die Aufnahme bestimmter Antibiotika beeinflussen. „Nüchtern“ bedeutet mindestens eine Stunde vor oder zwei Stunden nach dem Essen. „Zum Essen“ heißt während oder direkt nach der Mahlzeit. Lesen Sie den Beipackzettel sorgfältig und fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker. Weitere Informationen zu Arzneimitteln finden Sie in der Pharma-Übersicht auf sanoliste.de.

Mit ausreichend Wasser einnehmen

Nehmen Sie Antibiotika stets mit einem vollen Glas Wasser (mindestens 200 ml) ein. Wasser fördert die Auflösung und Aufnahme des Wirkstoffs. Meiden Sie Milch und Milchprodukte bei bestimmten Antibiotika wie Tetrazyklinen und Fluorchinolonen, denn Kalzium kann die Wirkstoffaufnahme um bis zu 50 Prozent reduzieren. Halten Sie hier einen zeitlichen Abstand von mindestens zwei Stunden ein.

Therapie vollständig abschließen

Nehmen Sie Antibiotika immer genau so lange ein, wie vom Arzt verordnet, auch wenn Sie sich bereits besser fühlen. Brechen Sie die Therapie zu früh ab, überleben möglicherweise nicht alle Bakterien. Die überlebenden Bakterien können Resistenzen entwickeln, und die Infektion kann zurückkehren. Bei manchen neueren Therapiekonzepten legt der Arzt allerdings eine kürzere Behandlungsdauer fest, folgen Sie deshalb stets seiner Anweisung.

Wechselwirkungen mit anderen Mitteln

Antibiotika können mit verschiedenen anderen Substanzen in Wechselwirkung treten. Auf Alkohol verzichten Sie während der Einnahme generell, denn er belastet die Leber zusätzlich und kann bei einigen Antibiotika wie Metronidazol schwere Unverträglichkeitsreaktionen auslösen. Bestimmte Antibiotika können die Wirkung der Antibabypille herabsetzen, verwenden Sie deshalb zusätzliche Verhütung.

Auch Mineralstoffe wie Eisen, Kalzium, Magnesium und Zink können die Aufnahme bestimmter Antibiotika beeinträchtigen. Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die Sie einnehmen. Die Apothekensuche hilft Ihnen, eine Apotheke für kompetente Beratung zu finden.

Mögliche Nebenwirkungen

Wie alle Medikamente können auch Antibiotika Nebenwirkungen haben. Am häufigsten treten Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit und Bauchschmerzen auf. Sie entstehen, weil Antibiotika nicht nur krankmachende Bakterien, sondern auch die nützliche Darmflora angreifen. Probiotische Joghurts oder spezielle Präparate können helfen, die Darmflora zu schützen und wieder aufzubauen.

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind allergische Reaktionen (Hautausschlag, Juckreiz), Pilzinfektionen (besonders Scheidenpilz bei Frauen) und Lichtempfindlichkeit der Haut. Bei schweren Reaktionen wie Atemnot, starker Schwellung oder anhaltendem Durchfall suchen Sie sofort ärztliche Hilfe auf.

Antibiotikaresistenzen, eine wachsende Gefahr

Die Weltgesundheitsorganisation zählt Antibiotikaresistenzen zu den größten Bedrohungen für die globale Gesundheit. Resistente Bakterien entstehen vor allem durch unnötige Verschreibungen bei viralen Infekten, vorzeitigen Therapieabbruch, unzureichende Dosierung sowie den massiven Einsatz in der Tierhaltung. Jeder Einzelne kann zum Kampf gegen Resistenzen beitragen, indem er Antibiotika nur nach ärztlicher Verordnung einnimmt und die Therapievorschriften strikt befolgt.

Was tun mit übrig gebliebenen Antibiotika?

Bewahren Sie übrig gebliebene Antibiotika niemals für spätere Beschwerden auf und geben Sie sie nicht an andere Personen weiter. Entsorgen Sie Restbestände über die Apotheke oder den Restmüll, nicht über die Toilette oder das Waschbecken, denn Antibiotika im Abwasser fördern die Resistenzbildung.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich Antibiotika immer vollständig aufnehmen?
Ja, unbedingt. Die vom Arzt verordnete Einnahmedauer muss vollständig eingehalten werden, auch wenn Sie sich bereits besser fühlen. Ein vorzeitiger Abbruch lässt resistente Bakterien überleben und kann zu einem Rückfall führen.
Wirken Antibiotika auch gegen Erkältungen und Grippe?
Nein. Antibiotika wirken ausschließlich gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Erkältungen und Grippe werden durch Viren verursacht, sodass Antibiotika hier wirkungslos sind und nur unnötig Resistenzen fördern.
Was tun bei vergessener Antibiotika-Dosis?
Holen Sie die vergessene Dosis nach, sobald Sie sich erinnern, es sei denn, es ist fast Zeit für die nächste Einnahme. Nehmen Sie niemals doppelte Dosen ein. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten.
Kann ich Antibiotika mit Milch einnehmen?
Bei bestimmten Antibiotika wie Tetrazyklinen und Fluorchinolonen sollte Milch und milchhaltigen Produkten ferngehalten werden, da Kalzium die Wirkstoffaufnahme um bis zu 50 % hemmen kann. Nehmen Sie Antibiotika immer mit einem vollen Glas Wasser.
Wie beeinflussen Antibiotika die Darmflora?
Antibiotika töten nicht nur krankmachende Bakterien, sondern auch nützliche Darmbakterien. Probiotika (z. B. Lactobacillus-Präparate aus der Apotheke) können helfen, die Darmflora schneller zu erholen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.