Klinische Studie – Phasen, Anforderungen und Bedeutung für die Arzneimittelzulassung

Eine klinische Studie (klinische Prüfung) ist eine systematische wissenschaftliche Untersuchung an Menschen, bei der neue Arzneimittel, Therapien oder Medizinprodukte auf Sicherheit und Wirksamkeit getestet werden. Ohne erfolgreiche klinische Studien ist keine Arzneimittelzulassung möglich; sie bilden das Herzstück der evidenzbasierten Medizin.

Klinische Studien gliedern sich in vier Phasen. In Phase I wird die Verträglichkeit des neuen Wirkstoffs erstmals an einer kleinen Gruppe gesunder Probanden (20–100 Personen) untersucht. Ziel ist es, die maximale tolerierte Dosis und das pharmakokinetische Profil zu ermitteln. Phase II testet die Wirksamkeit und optimale Dosierung an einer größeren Patientengruppe (100–500 Patienten) mit der Zielerkrankung. In Phase III wird die Wirksamkeit in einer großen, oft multinationalen Studie (1.000–10.000 Patienten) gegenüber Placebo oder Standardtherapie belegt – dies ist die Grundlage für den Zulassungsantrag. Phase IV umfasst Post-Marketing-Studien nach der Zulassung, um seltene Nebenwirkungen und Langzeiteffekte zu erfassen.

Klinische Studien müssen in Deutschland bei der BfArM-Datenbank (DRKS) und für EU-Studien im EU Clinical Trials Register angemeldet werden. Die Genehmigung durch das BfArM oder die EMA sowie eine positive Bewertung durch eine unabhängige Ethikkommission sind Pflicht. Der rechtliche Rahmen in der EU ist die EU-Verordnung 536/2014 (Clinical Trials Regulation), die ein einheitliches europäisches Genehmigungsverfahren über das CTIS-Portal etabliert hat.

Die Anforderungen an das Studiendesign folgen den Good Clinical Practice (GCP)-Leitlinien. Randomisierte, doppelblinde und placebo-kontrollierte Studien gelten als Goldstandard. Die Einwilligung der Studienteilnehmer nach ausführlicher Aufklärung (Informed Consent) ist ethisch und rechtlich unabdingbar. Die statistische Planung (Fallzahlberechnung, Endpunktdefinition, Auswertung) muss vor Studienbeginn im Protokoll festgelegt sein.

Für Pharmaunternehmen sind klinische Studien die kostenintensivste Phase der Arzneimittelentwicklung – Phase-III-Studien können mehrere Hundert Millionen Euro kosten. Lohnhersteller (CROs) bieten Dienstleistungen für die Studiendurchführung an. Für Orphan Drugs gelten reduzierte Anforderungen, um die Entwicklung von Arzneimitteln für seltene Erkrankungen zu fördern. Nach Studienabschluss müssen vollständige Studienergebnisse publiziert werden – auch negative Resultate, um Publikationsbias zu vermeiden.

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