OTC-Arzneimittel – Rezeptfreie Medikamente für die Selbstmedikation

OTC-Arzneimittel (Over-the-Counter) sind rezeptfreie Arzneimittel, die ohne ärztliche Verschreibung in Apotheken – und teilweise auch im Einzelhandel – erhältlich sind. Sie sind für die Selbstmedikation bei häufigen, unkomplizierten Beschwerden bestimmt und stellen einen erheblichen Wirtschaftsfaktor für Pharmaunternehmen und pharmazeutischen Großhandel dar.

In Deutschland unterscheidet man apothekenpflichtige OTC-Arzneimittel (die nur in Apotheken erhältlich sind) von freiverkäuflichen Arzneimitteln (die auch in Drogerien und Supermärkten verkauft werden dürfen). Die Apothekenpflicht gilt für OTC-Präparate, bei denen eine fachkundige Beratung zur sicheren Anwendung sinnvoll ist – zum Beispiel bei Schmerzmitteln, Erkältungspräparaten oder Antiallergika. Freiverkäuflich sind nur wenige, besonders gut verträgliche Produkte wie bestimmte Vitaminpräparate oder Pflanzensäfte.

Entscheidend ist, welche Arzneimittel überhaupt ohne Rezept abgegeben werden dürfen: Das Bundesministerium für Gesundheit legt auf Empfehlung eines Sachverständigenausschusses beim BfArM fest, welche Wirkstoffe verschreibungspflichtig sind. Wirkstoffe können vom Rx- in den OTC-Status überführt werden (sog. OTC-Switch), wenn ausreichende Erfahrungen mit der sicheren Selbstmedikation vorliegen. Bekannte OTC-Switches in Deutschland sind etwa Omeprazol (Sodbrennen), Loratadin (Allergie) oder Orlistat (Gewichtsmanagement).

Die Werbung für OTC-Arzneimittel ist zwar gegenüber Verbrauchern erlaubt, aber streng reguliert durch das Heilmittelwerbegesetz (HWG). Heilsversprechen sind untersagt; Werbung muss sachlich und wahrheitsgemäß sein. Im Gegensatz dazu ist Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel gegenüber Laien vollständig verboten. Im GKV-System werden OTC-Präparate grundsätzlich nicht erstattet – Ausnahmen gelten für Kinder unter 12 Jahren und bestimmte Indikationen.

Der OTC-Markt in Deutschland ist einer der größten in Europa, angeführt von Erkältungspräparaten, Schmerzmitteln, Magen-Darm-Mitteln und Dermatika. Apotheken beraten beim Kauf und prüfen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Auch Online-Apotheken dürfen OTC-Arzneimittel verkaufen, müssen aber in Deutschland registriert sein und das EU-weit einheitliche Sicherheitslogo tragen. Sanitätshäuser ergänzen das Angebot mit Hilfsmitteln, die häufig zusammen mit OTC-Präparaten benötigt werden.

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