Butylscopolamin: Spasmolytikum bei Krämpfen im Bauchraum

Butylscopolamin, chemisch korrekt Butylscopolaminiumbromid, ist ein krampflösender Wirkstoff für die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts, der Gallenwege und der ableitenden Harnwege. In Deutschland ist er vor allem unter dem Handelsnamen Buscopan bekannt und in niedriger Dosierung apothekenpflichtig ohne Rezept erhältlich.

Der Wirkstoff leitet sich vom Scopolamin ab, trägt jedoch eine quartäre Ammoniumgruppe. Diese chemische Änderung hat eine entscheidende Konsequenz: Die Substanz ist stark hydrophil, überwindet die Blut-Hirn-Schranke praktisch nicht und erzeugt daher keine zentralen Nebenwirkungen wie Verwirrtheit oder Halluzinationen, die für Scopolamin typisch sind.

Wirkmechanismus

Butylscopolamin blockiert Muskarinrezeptoren an der glatten Muskulatur und wirkt damit als Parasympatholytikum. Der von Acetylcholin ausgelöste Kontraktionsreiz wird unterbrochen, der Muskeltonus sinkt und der Krampf löst sich. Zusätzlich hemmt der Wirkstoff die Erregungsübertragung in den Nervengeflechten der Darmwand.

Die Wirkung ist weitgehend auf die Organe beschränkt, in denen ein Spasmus vorliegt. Auf normal tonisierte Muskulatur hat der Wirkstoff nur geringen Einfluss, was die vergleichsweise gute Verträglichkeit erklärt.

Die orale Bioverfügbarkeit ist mit unter zehn Prozent sehr niedrig, weil die quartäre Struktur schlecht aus dem Darm aufgenommen wird. Der Wirkstoff reichert sich jedoch bevorzugt in der Darmwand an, also genau dort, wo er wirken soll. Bei intravenöser Gabe tritt die Wirkung innerhalb weniger Minuten ein, nach oraler Einnahme dauert es etwa 20 bis 30 Minuten.

Anwendungsgebiete

Zugelassen ist Butylscopolamin bei:

  • krampfartigen Schmerzen im Magen-Darm-Bereich
  • Krämpfen der Gallenwege und der ableitenden Harnwege
  • Reizdarmsyndrom mit krampfartigen Beschwerden
  • schmerzhafter Regelblutung

In der Klinik wird die injizierbare Form zusätzlich bei diagnostischen und therapeutischen Eingriffen eingesetzt, etwa zur Ruhigstellung des Darms bei einer Endoskopie oder bei bildgebenden Untersuchungen des Bauchraums.

Bei krampfartigen Bauchschmerzen ohne geklärte Ursache ersetzt die Behandlung mit einem Spasmolytikum keine Diagnostik. Halten die Beschwerden länger an, verschlimmern sie sich oder treten Fieber, Erbrechen, Blut im Stuhl oder eine harte Bauchdecke hinzu, ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.

Dosierung und Einnahme

Übliche Dosierung bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren:

  • Dragees: 1 bis 2 Dragees zu je 10 mg, bis zu dreimal täglich
  • Tageshöchstdosis in der Selbstmedikation: 60 mg
  • Zäpfchen: 1 Zäpfchen zu 10 mg, bis zu fünfmal täglich
  • Anwendungsdauer ohne ärztlichen Rat: höchstens 3 Tage

Die Dragees werden unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit geschluckt. Eine Einnahme unabhängig von den Mahlzeiten ist möglich.

Die parenterale Anwendung mit 20 mg pro Ampulle ist verschreibungspflichtig und bleibt der ärztlichen Anwendung vorbehalten. Sie wird eingesetzt, wenn eine rasche Wirkung erforderlich ist oder eine orale Einnahme nicht möglich erscheint.

Für Kinder unter 12 Jahren ist die rezeptfreie Anwendung nicht vorgesehen. Eine Behandlung in dieser Altersgruppe gehört in ärztliche Hand.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen ergeben sich aus der anticholinergen Wirkung und betreffen typischerweise:

  • Mundtrockenheit
  • Akkommodationsstörungen mit verschwommenem Sehen
  • Herzklopfen und beschleunigten Puls
  • verminderte Schweißproduktion mit trockener Haut
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen bis zum Harnverhalt

Weil der Wirkstoff die Blut-Hirn-Schranke kaum überwindet, fehlen die zentralnervösen Nebenwirkungen, die bei anderen Anticholinergika auftreten. Verwirrtheit, Halluzinationen und ausgeprägte Sedierung sind unter Butylscopolamin nicht zu erwarten.

Selten kommt es zu allergischen Hautreaktionen. Sehr selten wurden schwere Überempfindlichkeitsreaktionen bis zum anaphylaktischen Schock beschrieben, vor allem nach intravenöser Gabe.

Nach intravenöser Anwendung kann der Blutdruck kurzzeitig abfallen und die Herzfrequenz ansteigen. Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit ist deshalb Vorsicht geboten.

Wechselwirkungen

Verstärkte anticholinerge Wirkung ist zu erwarten bei gleichzeitiger Einnahme von:

  • trizyklischen Antidepressiva wie Amitriptylin
  • Antihistaminika der ersten Generation
  • Antipsychotika, insbesondere niedrigpotenten
  • Amantadin und Chinidin
  • anderen Anticholinergika wie Oxybutynin oder Tolterodin

Dopaminantagonisten wie Metoclopramid und Butylscopolamin heben ihre Wirkung auf die Magen-Darm-Motorik gegenseitig auf. Die gleichzeitige Anwendung ist deshalb wenig sinnvoll.

Die Wirkung von Betablockern auf die Herzfrequenz kann abgeschwächt werden, weil Butylscopolamin die Frequenz eher steigert.

Besondere Hinweise

Butylscopolamin darf nicht angewendet werden bei:

  • Engwinkelglaukom
  • Myasthenia gravis
  • mechanischen Verengungen im Magen-Darm-Trakt und Darmverschluss
  • Megakolon
  • Tachyarrhythmien
  • Prostatavergrößerung mit Restharnbildung

Bei unerkanntem Engwinkelglaukom kann die Anwendung einen akuten Glaukomanfall auslösen. Treten während der Behandlung Augenschmerzen, Rötung mit Sehverschlechterung oder das Sehen von Farbringen um Lichtquellen auf, ist sofort augenärztliche Hilfe erforderlich.

In Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Daten vor. Die Anwendung sollte auf Fälle beschränkt bleiben, in denen der Nutzen ärztlich gegen das Risiko abgewogen wurde.

Durch Akkommodationsstörungen kann das Sehvermögen vorübergehend eingeschränkt sein. Beim Führen von Fahrzeugen ist das zu berücksichtigen.

Häufig gestellte Fragen

Ist Buscopan dasselbe wie Butylscopolamin?

Buscopan ist der Handelsname, Butylscopolamin der Wirkstoffname. Chemisch korrekt heißt der Wirkstoff Butylscopolaminiumbromid. Neben Buscopan gibt es zahlreiche Generika mit demselben Wirkstoff.

Macht Butylscopolamin müde?

In der Regel nicht. Durch die quartäre Ammoniumgruppe gelangt der Wirkstoff kaum ins Gehirn, sodass zentrale Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Verwirrtheit oder Halluzinationen praktisch nicht auftreten. Das unterscheidet ihn deutlich vom verwandten Scopolamin.

Wie schnell wirkt Butylscopolamin?

Nach Einnahme eines Dragees setzt die Wirkung nach etwa 20 bis 30 Minuten ein. Bei intravenöser Gabe in der Klinik wirkt der Stoff innerhalb weniger Minuten. Die orale Aufnahme in den Blutkreislauf ist gering, der Wirkstoff reichert sich jedoch gezielt in der Darmwand an.

Wie lange darf man Butylscopolamin ohne Arzt einnehmen?

In der Selbstmedikation sollte die Anwendung drei Tage nicht überschreiten. Halten die Krämpfe an oder verstärken sie sich, ist eine ärztliche Abklärung nötig. Bei Fieber, Erbrechen, Blut im Stuhl oder harter Bauchdecke ist sofort ärztliche Hilfe erforderlich.

Wer darf Butylscopolamin nicht einnehmen?

Der Wirkstoff ist unter anderem bei Engwinkelglaukom, Myasthenia gravis, Darmverschluss, Megakolon, schnellen Herzrhythmusstörungen und bei Prostatavergrößerung mit Restharn nicht geeignet. Bei bestehenden Vorerkrankungen sollte vor der Anwendung ärztlicher oder apothekerlicher Rat eingeholt werden.

Quellen

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