Bimekizumab

IL 17A und IL 17F Antikörper bei Psoriasis und axialer Spondyloarthritis

Bimekizumab ist ein humanisierter monoklonaler IgG1 Antikörper, der von UCB Pharma entwickelt und 2021 von der Europäischen Arzneimittel Agentur unter dem Handelsnamen Bimzelx zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Plaque Psoriasis bei Erwachsenen zugelassen wurde. 2023 kamen die Zulassungen für psoriatische Arthritis und axiale Spondyloarthritis hinzu. Bimekizumab ist derzeit der einzige verfügbare Antikörper, der sowohl IL 17A als auch IL 17F gleichzeitig neutralisiert, zwei zentrale Zytokine der Entzündungsachse bei psoriatischen Erkrankungen.

Klinische Phase III Studien wie BE VIVID, BE READY und BE SURE zeigten bei Plaque Psoriasis ein bemerkenswert hohes Ansprechen: in Woche 16 erreichten etwa 85 Prozent der Behandelten eine 90 prozentige Verbesserung im PASI Score, rund 60 Prozent wurden erscheinungsfrei (PASI 100). Damit liegen die Ergebnisse über denen der bislang vorhandenen IL 17A selektiven Antikörper wie Secukinumab oder Ixekizumab. Für Patienten mit hartnäckiger Psoriasis ist Bimekizumab ein bedeutender Therapiefortschritt.

Wirkmechanismus

Interleukin 17 ist ein proinflammatorisches Zytokin, das maßgeblich an der Pathogenese entzündlicher Hauterkrankungen und Spondyloarthritiden beteiligt ist. Die Familie umfasst unter anderem IL 17A und IL 17F, die sowohl als Homodimere als auch als heterodimeres IL 17A/F vorkommen. Beide aktivieren den IL 17 Rezeptorkomplex (IL 17RA/RC) und treiben die Expression antimikrobieller Peptide, Chemokine und weiterer proinflammatorischer Zytokine in Keratinozyten, Synoviozyten und Endothelzellen voran.

Selektive Antikörper wie Secukinumab und Ixekizumab blockieren ausschließlich IL 17A. Bimekizumab bindet sowohl IL 17A als auch IL 17F mit hoher Affinität und neutralisiert damit auch Heterodimere. Diese duale Blockade unterdrückt die Entzündungskaskade vollständiger und erklärt die überdurchschnittliche klinische Wirksamkeit.

Die Halbwertszeit liegt bei etwa 23 Tagen. Die subkutane Gabe erreicht innerhalb weniger Tage therapeutische Plasmaspiegel. Die Ausscheidung erfolgt wie bei anderen monoklonalen Antikörpern überwiegend über den proteolytischen Abbau, es sind keine hepatischen oder renalen Dosisanpassungen nötig.

Anwendungsgebiete

  • Mittelschwere bis schwere Plaque Psoriasis bei Erwachsenen, die für eine systemische Therapie in Frage kommen
  • Aktive psoriatische Arthritis bei Erwachsenen nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle DMARDs oder TNF Inhibitoren
  • Aktive axiale Spondyloarthritis inklusive ankylosierender Spondylitis und nicht röntgenologischer Form
  • Hidradenitis suppurativa bei Erwachsenen mit moderater bis schwerer Ausprägung (Indikationserweiterung 2024)

Dosierung und Anwendung

Plaque Psoriasis: 320 mg (zwei Fertigspritzen à 160 mg) subkutan in den Wochen 0, 4, 8, 12 und 16, danach alle 8 Wochen. Bei Patienten über 120 kg Körpergewicht und unzureichendem Ansprechen kann eine fortgesetzte 4 wöchige Intervallgabe erwogen werden. Psoriatische Arthritis und axiale Spondyloarthritis: 160 mg alle 4 Wochen, bei Psoriasis Arthritis mit gleichzeitiger mittelschwerer bis schwerer Plaque Psoriasis 320 mg alle 4 Wochen über 16 Wochen, dann 320 mg alle 8 Wochen.

Die Injektion erfolgt in Oberschenkel, Bauchdecke (mindestens 5 cm vom Nabel entfernt) oder Oberarm. Die Applikationsstelle innerhalb einer Körperregion wechseln, um lokale Reaktionen zu vermeiden. Erste Gaben üblicherweise unter ärztlicher Supervision, nach Schulung ist die Selbstinjektion möglich.

Niereninsuffizienz und Leberinsuffizienz: keine Dosisanpassung notwendig, Pharmakokinetik wird durch beide Organfunktionen nicht relevant beeinflusst. Ältere Patienten über 65 Jahre: keine Dosisanpassung, klinische Erfahrung bei Sehr Betagten begrenzt.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (über 10 Prozent): Infektionen der oberen Atemwege, orale Candidose (deutlich häufiger als unter IL 17A selektiven Blockern, bis zu 14 Prozent der Patienten).

Häufig (1 bis 10 Prozent): Kopfschmerzen, Pilzinfektionen der Haut, Follikulitis, Fatigue, Ausschlag, Diarrhoe, Akne, Reaktion an der Injektionsstelle, Gastroenteritis, konjunktivale Infektion.

Gelegentlich bis selten: Reaktivierung einer latenten Tuberkulose, schwere invasive Pilzinfektionen, chronisch entzündliche Darmerkrankung mit Neuaufnahme oder Exazerbation, Überempfindlichkeitsreaktionen, Neutropenie.

Wichtig zur Candidose: Die Mund und Rachencandidose ist meist oberflächlich und gut durch topische oder orale Antimykotika kontrollierbar. Prophylaktische Mundhygiene und rasches Reagieren bei weißlichen Belägen oder Zungenbrennen senken das Risiko schwerer Verläufe.

Wechselwirkungen

  • Lebendimpfstoffe (MMR, Varizellen, Gelbfieber, Zoster Lebendimpfstoff): während und mindestens 5 Halbwertszeiten nach letzter Gabe (etwa 4 Monate) vermeiden
  • Totimpfstoffe: können gegeben werden, Immunantwort teilweise abgeschwächt, besonders bei Influenza und Pneumokokken jährliche Auffrischung empfohlen
  • Andere biologische Therapien (TNF Inhibitoren, IL 12/23 Blocker): Kombination wird nicht empfohlen wegen additivem Infektionsrisiko
  • Methotrexat, Ciclosporin, konventionelle DMARDs: Kombination bei Psoriasis Arthritis möglich, Monitoring verstärkt
  • CYP Substrate: Biologika beeinflussen CYP Enzyme theoretisch über Reduktion systemischer Entzündung, klinisch meist nicht relevant

Besondere Hinweise

Screening vor Therapiestart: Tuberkulose (Interferon γ Release Assay oder Mendel Mantoux Test), Hepatitis B und C Serologie, HIV Status bei Risiko. Impfstatus prüfen und Lebendimpfungen mindestens 4 Wochen vor Therapiebeginn auffrischen.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Bei bekannter Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn ist Bimekizumab zurückhaltend einzusetzen. Unter IL 17 Blockade wurde in Einzelfällen Neuaufnahme oder Exazerbation einer CED berichtet. Bei neuen abdominellen Beschwerden während der Therapie muss gastroenterologisch abgeklärt werden.

Schwangerschaft: Erfahrungen sind begrenzt. Bei Kinderwunsch und bei Konzeption sollte die Indikation geprüft und die Therapie gegebenenfalls pausiert werden. IgG Antikörper passieren die Plazenta ab dem zweiten Trimenon. Stillzeit: Übergang in die Muttermilch nicht abschließend quantifiziert, Stillen unter Therapie nicht pauschal empfohlen, individuelle Abwägung.

Monitoring: klinisches Ansprechen nach PASI oder BASDAI, Infektzeichen, Mundschleimhaut regelmäßig, Leber und Nierenwerte, Blutbild, Lipide. Bei ausbleibender Besserung nach 16 Wochen Therapieumstellung erwägen.

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Häufig gestellte Fragen

Wie schnell wirkt Bimekizumab bei Psoriasis?

Erste sichtbare Verbesserungen der Plaques zeigen sich oft schon nach 2 bis 4 Wochen. Der volle klinische Effekt ist nach Woche 16 zu beurteilen. In Studien erreichten über 80 Prozent der Patienten in diesem Zeitraum eine 90 prozentige Verbesserung im PASI Score, viele wurden vollständig erscheinungsfrei.

Warum bekomme ich öfter Soor im Mund?

IL 17A und IL 17F sind entscheidend für die Abwehr gegen Pilze, insbesondere Candida albicans. Durch die duale Blockade beider Zytokine wird diese Abwehr gezielt gedämpft, was die Inzidenz oraler Candidose erhöht. Regelmäßige Mundhygiene, frühzeitige topische Antimykotika und Zuckerkarenz helfen, das Problem klein zu halten.

Kann ich Bimekizumab selbst spritzen?

Ja. Nach ärztlicher Schulung durch den behandelnden Dermatologen oder Rheumatologen kann die Fertigspritze oder der Autoinjektor zu Hause selbst angewendet werden. Die Applikation erfolgt subkutan in Oberschenkel, Bauchdecke oder Oberarm, die Stelle sollte regelmäßig gewechselt werden.

Was passiert bei Wirkverlust?

Etwa 5 bis 10 Prozent der Patienten entwickeln unter Langzeittherapie neutralisierende Antikörper gegen Bimekizumab, die die Wirksamkeit abschwächen können. Bei erneut auftretenden Schüben wird die Indikation neu bewertet, alternative Biologika oder JAK Inhibitoren stehen zur Verfügung. Eine individuelle Therapieumstellung erfolgt durch den Facharzt.

Quellen

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