Ustekinumab: IL-12 und IL-23-Inhibitor bei Psoriasis und Morbus Crohn

Ustekinumab ist ein vollständig humaner monoklonaler Antikörper. Er bindet selektiv die gemeinsame p40-Untereinheit der Interleukine IL-12 und IL-23 und neutralisiert sie. Diese Zytokine steuern die Aktivierung und Differenzierung von Th1- und Th17-Zellen, die an der Pathophysiologie von Psoriasis, Psoriasis-Arthritis und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen beteiligt sind. Ustekinumab (Handelsname Stelara) ist seit 2009 in der EU zugelassen.

Anders als TNF-Inhibitoren setzt Ustekinumab an einem eigenen Wirkprinzip an und eignet sich auch für Patienten, die auf TNF-Blocker nicht ausreichend angesprochen haben. Biosimilars zu Ustekinumab sind seit 2024 verfügbar. Das Sicherheitsprofil ist günstig, mit einem geringeren Tuberkulose-Reaktivierungsrisiko als TNF-Inhibitoren.

Wirkmechanismus

Die p40-Untereinheit ist eine strukturelle Komponente, die IL-12 und IL-23 gemeinsam haben. IL-12 fördert die Differenzierung naiver T-Zellen zu Th1-Zellen, die INF-gamma und TNF-alpha produzieren. IL-23 stabilisiert Th17-Zellen, die IL-17A, IL-17F und IL-22 sezernieren. Durch Bindung an die p40-Untereinheit blockiert Ustekinumab beide Zytokin-Rezeptorinteraktionen simultan und hemmt damit die Th1- und Th17-abhängigen Entzündungsprozesse, die für Psoriasis und die entzündliche Darmerkrankung charakteristisch sind.

Anwendungsgebiete

Ustekinumab ist zugelassen für mittelschwere bis schwere Plaque-Psoriasis bei Erwachsenen, die auf andere systemische Therapien nicht ausreichend angesprochen haben, für Psoriasis-Arthritis (allein oder in Kombination mit MTX) und für moderaten bis schweren aktiven Morbus Crohn. Seit 2023 ist Ustekinumab auch für Colitis ulcerosa zugelassen. Bei Psoriasis kommt Ustekinumab als Biologic der zweiten Linie zum Einsatz, also nach Versagen oder Unverträglichkeit von MTX, Ciclosporin oder Acitretin.

Dosierung und Einnahme

Bei Psoriasis: initial 45 mg subkutan (bei Körpergewicht über 100 kg: 90 mg), dann 45 oder 90 mg nach vier Wochen, danach alle zwölf Wochen. Bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Induktionsdosis intravenös gewichtsadaptiert (260 mg bei unter 55 kg, 390 mg bei 55 bis 85 kg, 520 mg bei über 85 kg), dann 90 mg subkutan alle acht Wochen als Erhaltungstherapie. Die deutlich längeren Dosierungsintervalle im Vergleich zu anderen Biologika erhöhen die Patientenakzeptanz.

Nebenwirkungen

Ustekinumab wird allgemein gut vertragen. Nasopharyngitis und Infektionen der oberen Atemwege sind die häufigsten Nebenwirkungen. Injektionsstellenreaktionen sind bei subkutaner Gabe möglich. Ein Infektionsrisiko besteht, fällt insgesamt aber geringer aus als bei TNF-Inhibitoren; schwere Infektionen sind selten. Das Tuberkulose-Reaktivierungsrisiko ist geringer als bei TNF-Hemmern, weshalb positiver Tuberkulin-Test keine absolute Kontraindikation ist, aber Monitoring erfordert. Sehr selten wurden Fälle reversibler posteriorer Leukenzephalopathie (RPLS) berichtet. Nicht-melanozytärer Hautkrebs wurde in Langzeitstudien leicht häufiger beobachtet.

Wechselwirkungen

Lebendimpfstoffe sind während der Ustekinumab-Therapie kontraindiziert. Totimpfstoffe können gegeben werden; der Impferfolg kann unter Immunsuppression vermindert sein. Andere Immunsuppressiva erhöhen das Infektionsrisiko. Bei gleichzeitiger Cyclosporin-Gabe ist Vorsicht geboten. Substrate von CYP450-Enzymen: Ustekinumab normalisiert durch die Entzündungshemmung erhöhte Entzündungs-CYP-Spiegel, was theoretisch die Pharmakokinetik von CYP-Substraten beeinflussen kann (klinisch selten relevant).

Besondere Hinweise

Ustekinumab ist verschreibungspflichtig. Vor Therapiebeginn: Tuberkulose-Screening, Hepatitis-B-Serologie, Impfstatus überprüfen. Während der Therapie sind keine routinemäßigen Laborkontrolle zwingend vorgeschrieben, aber regelmäßige klinische Beurteilung ist sinnvoll. Schwangerschaft sollte vermieden werden; ausreichende Kontrazeption während und für mindestens 15 Wochen nach Ende der Therapie. Daten zur Anwendung in der Schwangerschaft sind begrenzt; das Nutzen-Risiko-Verhältnis muss individuell bewertet werden.

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Häufig gestellte Fragen

Warum hat Ustekinumab ein geringeres Tuberkulose-Risiko als TNF-Inhibitoren?

TNF-alpha ist zentral für die Bildung und Aufrechterhaltung von Granulomen, die Mykobakterien in latenten Infektionen einschließen. Eine TNF-Blockade zerstört diese Granulome und kann zur Reaktivierung führen. Ustekinumab greift an einem anderen Punkt der Immunantwort an (IL-12/23-Achse) und beeinträchtigt die granulombildende Funktion weniger stark, was das TB-Risiko reduziert.

Was ist der Vorteil des langen Dosierungsintervalls von 12 Wochen?

Ustekinumab wird bei Psoriasis nach der Einleitungsphase nur alle zwölf Wochen injiziert. Das entspricht vier Injektionen pro Jahr, verglichen mit 26 oder mehr Injektionen bei wöchentlichen TNF-Inhibitoren. Diese geringe Injektionsfrequenz verbessert die Therapiehaftung und Lebensqualität der Patienten erheblich.

Ist Ustekinumab auch bei Morbus Crohn wirksam?

Ja. Ustekinumab ist für mittelschweren bis schweren Morbus Crohn zugelassen und zeigt in klinischen Studien eine signifikante Verbesserung der Krankheitsaktivität und Remissionsraten. Die Zulassung für Colitis ulcerosa folgte 2023. Ustekinumab gehört damit zu den wenigen Biologika, die sowohl bei Haut- als auch bei Darmindikationen wirken.

Quellen

  • EMA: Stelara (Ustekinumab) Summary of Product Characteristics 2023
  • ECCO-Leitlinie Morbus Crohn 2023
  • Lebwohl M et al: Ustekinumab for Psoriasis. N Engl J Med 2022