Ulipristal: Selektiver Progesteron Rezeptor Modulator (SPRM) zur Notfallkontrazeption

Ulipristal ist ein selektiver Progesteron Rezeptor Modulator (SPRM). In der niedrigeren Dosis von 30 mg ist es als ellaOne in Europa zur Notfallkontrazeption nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Verhütungspanne bis 120 Stunden zugelassen. Auf dieser Seite finden Sie die Pillar Page zum Wirkstoff Ulipristal in seiner Notfallkontrazeptions Variante. Die Salzform Ulipristalacetat (UPA) ist die einzige in Arzneimitteln verwendete Form. Eine ausführliche separate Darstellung der höheren 5 mg Dosis (Esmya, Myoma Indikation) finden Sie unter /wirkstoff/ulipristalacetat.

ellaOne wurde 2009 in der EU zugelassen und ist seit 2015 in Deutschland rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Damit ist Ulipristal neben Levonorgestrel die zweite Säule der hormonellen Notfallkontrazeption. Die Wirksamkeit und das längere Anwendungsfenster machen Ulipristal zur ersten Wahl in vielen Leitlinien. Die Notfallkontrazeption ersetzt keine reguläre Verhütung und sollte als Ausnahme verstanden werden, sie ist aber ein wichtiges Recht der reproduktiven Gesundheit.

Wirkmechanismus

Ulipristal bindet mit hoher Affinität an den Progesteron Rezeptor. Dort wirkt es teils agonistisch, teils antagonistisch je nach Gewebe. Die Hauptwirkung in der Notfallkontrazeption ist die Verzögerung oder Hemmung der Ovulation, indem der präovulatorische LH Anstieg unterdrückt wird. Auch nach Beginn des LH Anstiegs ist Ulipristal noch wirksam, was es Levonorgestrel überlegen macht: Letzteres wirkt nur, wenn der LH Peak noch nicht eingesetzt hat.

Daneben verändert Ulipristal die Endometriumempfänglichkeit, wodurch eine Implantation einer eventuell befruchteten Eizelle erschwert sein kann. Dieser Effekt ist klinisch weniger relevant für die Notfallkontrazeption als die Ovulationsverschiebung. Wichtig: Ulipristal ist keine Abortpille, es wirkt vor der Implantation und beendet keine bestehende Schwangerschaft. Diese Abgrenzung wird in der Beratung häufig nicht klar genug kommuniziert.

Pharmakokinetisch wird Ulipristalacetat oral gut resorbiert, die Halbwertszeit liegt bei etwa 32 Stunden. Es wird über CYP3A4 metabolisiert.

Anwendungsgebiete

  • Notfallkontrazeption (ellaOne, 30 mg): nach ungeschütztem Verkehr oder Verhütungspanne bis 120 Stunden (5 Tage)
  • Symptomatische Behandlung von Uterusmyomen (Esmya, 5 mg, Indikation eingeschränkt): seit der EMA Auflage 2020 nur bei Frauen ohne Alternative und ohne Lebervorerkrankung; ausführliche Pillar Page unter Ulipristalacetat

Dosierung und Einnahme

Notfallkontrazeption: eine einzelne Tablette 30 mg Ulipristalacetat (ellaOne) so bald wie möglich, spätestens 120 Stunden nach dem Risikoereignis. Die Wirksamkeit ist im gesamten Zeitfenster gut, in den ersten 24 Stunden allerdings am höchsten.

Bei Erbrechen innerhalb von 3 Stunden nach Einnahme: erneute Einnahme einer Tablette empfohlen. Hormonelle Verhütung danach: Ulipristal kann hormonelle Kontrazeptiva temporär in ihrer Wirkung beeinträchtigen. Bis zur nächsten Periode muss zusätzlich mit Kondom verhütet werden, hormonelle Verhütung darf erst 5 Tage nach Ulipristal Einnahme begonnen oder fortgesetzt werden.

Stillzeit: Stillpause für eine Woche nach Einnahme empfohlen, in dieser Zeit Muttermilch abpumpen und verwerfen.

Nebenwirkungen

Häufig: Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, Veränderungen der Periodenblutung (vorgezogen oder verzögert um wenige Tage, manchmal stärker), Schmierblutung.

Gelegentlich: Erbrechen, Diarrhö, Akne, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Brustspannen.

Selten: allergische Reaktionen, in seltenen Fällen Schwangerschaftskomplikationen wenn die Notfallkontrazeption versagt hat. Die Hochdosis Anwendung von Ulipristal (5 mg) bei Myomen wurde 2020 mit einigen schweren Leberschäden assoziiert; bei der Einzeldosis 30 mg ellaOne ist dieses Risiko nicht beschrieben.

Wechselwirkungen

  • Hormonelle Kontrazeptiva (Pille, Pflaster, Vaginalring): Ulipristal kann deren Wirksamkeit reduzieren; bis 5 Tage nach Ulipristal Einnahme zusätzlich mit Kondom verhüten
  • Levonorgestrel als Notfallkontrazeptivum: nicht in Kombination einnehmen, beide konkurrieren um den Progesteron Rezeptor und schwächen sich gegenseitig ab
  • CYP3A4 Induktoren (Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Johanniskraut, Efavirenz): reduzieren die Ulipristal Wirkung erheblich; bei diesen Patientinnen wird vorzugsweise eine Kupfer Spirale als Notfallkontrazeption empfohlen
  • Magensäureblocker (PPI, H2 Blocker): reduzieren Resorption marginal, klinisch wahrscheinlich nicht relevant
  • Starke CYP3A4 Hemmer (Ketoconazol): erhöhen Spiegel, klinisch meist nicht relevant

Besondere Hinweise

Nach Einnahme: die nächste Periode kann früher oder später als erwartet einsetzen, mit veränderter Stärke. Tritt sie mehr als sieben Tage später ein als erwartet, sollte ein Schwangerschaftstest gemacht werden, um eine eingetretene Schwangerschaft auszuschließen.

Apothekenberatung: ellaOne ist in Deutschland rezeptfrei, die Beratung in der Apotheke umfasst die Anwendung, Wechselwirkungen mit hormoneller Verhütung, das Verhalten bei Erbrechen und die Notwendigkeit eines Schwangerschaftstests bei Periodenausbleiben.

Wiederholte Anwendung: Ulipristal kann im selben Zyklus mehrfach angewendet werden, ist aber nicht für regelmäßige Verhütung gedacht. Wer wiederholt Notfallkontrazeption benötigt, sollte ein Beratungsangebot zur regelmäßigen Verhütung wahrnehmen.

Schwangerschaft: Ulipristal ist bei bestehender Schwangerschaft kontraindiziert, da es auch progesteronantagonistische Effekte hat. Wenn die Notfallkontrazeption versagt und eine Schwangerschaft eintritt, weisen aktuelle Daten nicht auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko hin, eine pränatale Beratung ist trotzdem sinnvoll.

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Häufig gestellte Fragen

Wann sollte ich ellaOne einnehmen, wann lieber die Pille danach mit Levonorgestrel?

ellaOne (Ulipristal) wirkt bis zu 120 Stunden nach dem Risikoereignis und bleibt auch nach Beginn des LH Anstiegs wirksam. Levonorgestrel ist nur bis 72 Stunden zugelassen und verliert nach Beginn des LH Anstiegs deutlich an Wirkung. Daher ist Ulipristal in den meisten Leitlinien Mittel der ersten Wahl, vor allem wenn die Einnahme später als 72 Stunden nach dem Ereignis erfolgt oder die Risikoperiode in der späten Follikelphase lag.

Ist ellaOne eine Abtreibungspille?

Nein. Ulipristal verschiebt oder verhindert die Ovulation und kann die Endometrium Empfänglichkeit verändern. Es wirkt vor der Implantation. Eine bereits eingetretene Schwangerschaft (Implantation der Eizelle in der Gebärmutter) wird durch ellaOne nicht beendet.

Schadet die Notfallkontrazeption meiner Fruchtbarkeit?

Nein. Eine einmalige Einnahme von Ulipristal hat keine bekannten Langzeitfolgen für die Fruchtbarkeit. Die normale Verhütung sollte allerdings nicht durch Notfallkontrazeption ersetzt werden, weil deren Wirksamkeit pro Zyklus geringer ist als die einer regulären Methode.

Was tun, wenn die Periode ausbleibt?

Setzt die nächste Periode mehr als sieben Tage später ein als erwartet, sollten Sie einen Schwangerschaftstest machen. Eine Schwangerschaft trotz Notfallkontrazeption ist selten, aber möglich. Bei positivem Test ist eine zeitnahe ärztliche Konsultation sinnvoll.

Quellen

Rechtliche Hinweise und Haftungsausschluss

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