Ebrantil: Wirkstoff, Zusammensetzung und Anwendung
Ebrantil ist ein verschreibungspflichtiger Blutdrucksenker und wird von Cheplapharm vertrieben. Es ist in der Notfallmedizin und auf Intensivstationen fest etabliert.
Der enthaltene Wirkstoff hat einen doppelten Angriffspunkt, der ihn von anderen Blutdrucksenkern unterscheidet und seinen Platz in der Akutmedizin erklärt.
Ebrantil enthält den Wirkstoff Urapidil. Ausführliche Informationen zu Wirkweise, Dosierung und Nebenwirkungen finden Sie auf der Seite Urapidil.
Welcher Wirkstoff ist enthalten?
Ebrantil enthält Urapidil. Es handelt sich um einen Blutdrucksenker mit zwei Wirkkomponenten.
In der Peripherie blockiert der Wirkstoff Alpha-1-Rezeptoren an den Blutgefäßen. Die Gefäße erweitern sich, der periphere Widerstand sinkt und mit ihm der Blutdruck.
Im Hirnstamm aktiviert er zusätzlich Serotonin-5-HT1A-Rezeptoren. Diese zentrale Komponente dämpft die Gegenregulation des Körpers.
Genau darin liegt der praktische Vorteil. Reine Alpha-1-Blocker lösen einen Blutdruckabfall aus, den der Körper mit einem Anstieg der Herzfrequenz beantwortet. Diese Reflextachykardie erhöht den Sauerstoffbedarf des Herzens und ist bei koronarer Herzkrankheit unerwünscht. Bei Urapidil fällt sie durch die zentrale Wirkung deutlich geringer aus.
Ausführliche Angaben zu Wirkweise, Dosierung und Nebenwirkungen finden Sie auf der Seite Urapidil.
Darreichungsformen und Stärken
Im Handel sind unter anderem:
- Ebrantil i.v. Injektionslösung zu 25 mg und 50 mg zur Anwendung durch medizinisches Fachpersonal
- Ebrantil Retardkapseln zu 30 mg, 60 mg und 90 mg für die Dauerbehandlung
Die beiden Formen dienen unterschiedlichen Zwecken. Die Injektionslösung wird im Notfall eingesetzt und langsam unter kontinuierlicher Blutdruckkontrolle gegeben, gegebenenfalls als Dauerinfusion.
Die Retardkapseln werden zweimal täglich eingenommen und dienen der Dauerbehandlung des Bluthochdrucks. Sie dürfen nicht geöffnet oder zerkaut werden.
Anwendungsgebiete laut Fachinformation
Anwendungsgebiete laut Fachinformation:
- hypertensive Krise und schwere Blutdruckentgleisung
- Blutdrucksenkung während und nach Operationen
- kontrollierte Blutdrucksenkung bei Bluthochdruck in der Narkose
- Bluthochdruck als Dauerbehandlung, in der Retardform
In der Notfallmedizin gehört Urapidil zu den gebräuchlichsten Substanzen bei schwerer Blutdruckentgleisung. Der Blutdruck lässt sich damit gut steuern, weil die Wirkung rasch einsetzt und sich über die Infusionsgeschwindigkeit anpassen lässt.
Ein weiterer Einsatzbereich ist die schwere Blutdruckentgleisung in der Schwangerschaft. Neben Dihydralazin und Nifedipin gehört Urapidil hier zu den etablierten Optionen, weil viele moderne Blutdrucksenker in der Schwangerschaft ausgeschlossen sind.
Der Blutdruck darf nicht zu rasch gesenkt werden, weil sonst die Durchblutung lebenswichtiger Organe leidet. In der Schwangerschaft gilt das in besonderem Maß.
Wichtige Hinweise
Zum Präparat:
- verschreibungspflichtig
- Zulassungsinhaber: Cheplapharm Arzneimittel GmbH
- Injektionslösung ausschließlich durch medizinisches Fachpersonal
- Retardkapseln nicht öffnen oder zerkauen
Schwindel, Kopfschmerz und Übelkeit treten zu Behandlungsbeginn häufig auf und beruhen auf der Gefäßerweiterung.
Bei der Dauerbehandlung ist ein Blutdruckabfall beim Aufstehen zu beachten, insbesondere bei älteren Menschen und zu Beginn der Behandlung. Daraus ergibt sich eine erhöhte Sturzgefahr.
Bei einer Verengung der Aortenklappe oder einem arteriovenösen Shunt darf das Präparat nicht angewendet werden.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Wirkstoff ist in Ebrantil?
Ebrantil enthält Urapidil, einen Blutdrucksenker mit doppeltem Angriffspunkt. Er blockiert Alpha-1-Rezeptoren an den Blutgefäßen und aktiviert zugleich Serotonin-5-HT1A-Rezeptoren im Hirnstamm.
Warum verursacht Ebrantil kaum Herzrasen?
Reine Alpha-1-Blocker lösen eine Reflextachykardie aus, weil der Körper den Blutdruckabfall mit einem Anstieg der Herzfrequenz beantwortet. Die zentrale Komponente von Urapidil dämpft diese Gegenregulation, sodass der Puls deutlich weniger ansteigt.
Was ist der Unterschied zwischen Ebrantil i.v. und Ebrantil retard?
Die Injektionslösung wird im Notfall unter kontinuierlicher Blutdruckkontrolle durch medizinisches Fachpersonal gegeben. Die Retardkapseln werden zweimal täglich eingenommen und dienen der Dauerbehandlung des Bluthochdrucks.
Wird Ebrantil in der Schwangerschaft eingesetzt?
Bei schwerer Blutdruckentgleisung gehört Urapidil neben Dihydralazin und Nifedipin zu den etablierten Optionen. Viele moderne Blutdrucksenker sind in der Schwangerschaft ausgeschlossen, insbesondere ACE-Hemmer und Sartane.
Dürfen die Retardkapseln geöffnet werden?
Nein. Durch Öffnen oder Zerkauen wird die verzögerte Freisetzung aufgehoben. Die Kapseln werden unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen.
Quellen
- Fachinformation Ebrantil i.v. 25 mg und 50 mg Injektionslösung sowie Ebrantil Retardkapseln, Cheplapharm Arzneimittel GmbH.
- Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie
- AWMF S2k-Leitlinie Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen
Rechtliche Hinweise und Haftungsausschluss
Diese Seite dient ausschließlich der sachlichen Information über die Zusammensetzung eines Arzneimittels und stellt keine medizinische Beratung, keine Empfehlung und keine Aufforderung zur Anwendung dar. Sie ersetzt nicht den Rat eines approbierten Arztes oder Apothekers. Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen nur nach ärztlicher Verordnung angewendet werden. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fachinformation und Gebrauchsinformation des Herstellers. Angaben zu Zusammensetzung, Stärken und Anwendungsgebieten können sich ändern und unterscheiden sich zwischen einzelnen Präparaten desselben Handelsnamens.