Rivotril: Wirkstoff, Zusammensetzung und Anwendung

Rivotril ist ein verschreibungspflichtiges Antiepileptikum aus der Gruppe der Benzodiazepine und wird von Cheplapharm vertrieben.

Das Präparat wirkt bei nahezu allen Anfallsformen, unterliegt aber einer grundsätzlichen Einschränkung, die vor Behandlungsbeginn bekannt sein sollte.

Rivotril enthält den Wirkstoff Clonazepam. Ausführliche Informationen zu Wirkweise, Dosierung und Nebenwirkungen finden Sie auf der Seite Clonazepam.

Welcher Wirkstoff ist enthalten?

Rivotril enthält Clonazepam. Es handelt sich um ein Benzodiazepin mit ausgeprägt antiepileptischer Wirkung.

Der Wirkstoff bindet an eine eigene Stelle des GABA-A-Rezeptors und verstärkt dort die Wirkung des hemmenden Botenstoffs GABA. Der Chloridkanal öffnet sich häufiger, die Nervenzelle wird schwerer erregbar, und die Ausbreitung der krankhaften Entladung wird unterbunden.

Besonders zuverlässig wirkt die Substanz bei myoklonischen Anfällen und bei Absencen, also gerade bei den Anfallsformen, bei denen manche anderen Antiepileptika versagen.

Die entscheidende Einschränkung ist die Toleranzentwicklung. Bei fortlaufender Anwendung passt sich der Rezeptor an, und die antiepileptische Wirkung lässt innerhalb von Wochen bis Monaten nach. Die dämpfende Wirkung bleibt dabei länger erhalten als die erwünschte.

Ausführliche Angaben zu Wirkweise, Dosierung, Abhängigkeit und Ausschleichen finden Sie auf der Seite Clonazepam.

Darreichungsformen und Stärken

Im Handel sind unter anderem:

  • Rivotril Tabletten zu 0,5 mg
  • Rivotril Tabletten zu 2 mg
  • Rivotril Tropfen zum Einnehmen
  • Rivotril Injektionslösung zur Anwendung durch medizinisches Fachpersonal

Die Tropfenlösung erleichtert die feine Dosierung bei Kindern und ist beim langsamen Ausschleichen besonders nützlich, weil sich damit sehr kleine Schritte abbilden lassen.

Die Injektionslösung wird im Status epilepticus eingesetzt, also bei einem anhaltenden Anfall, der nicht von selbst endet.

Anwendungsgebiete laut Fachinformation

Anwendungsgebiete laut Fachinformation:

  • myoklonische Anfälle
  • Absencen einschließlich atypischer Formen
  • tonisch-klonische und fokale Anfälle
  • Lennox-Gastaut-Syndrom und weitere Epilepsiesyndrome des Kindesalters
  • Status epilepticus

Für die Dauerbehandlung der Epilepsie ist Clonazepam keine Substanz der ersten Wahl. Wegen der nachlassenden Wirkung und des Abhängigkeitspotenzials kommt es als Zusatz zu einer Basissubstanz oder als zeitlich begrenzte Überbrückung zum Einsatz.

Im Status epilepticus dagegen ist ein Benzodiazepin das Mittel der ersten Wahl und in dieser Situation unverzichtbar.

Die Anwendung bei Panikstörung, Restless-Legs-Syndrom oder Schlafstörungen liegt in Deutschland außerhalb der Zulassung und ist wegen des Abhängigkeitspotenzials kritisch zu beurteilen.

Wichtige Hinweise

Zum Präparat:

  • verschreibungspflichtig
  • Zulassungsinhaber: Cheplapharm Arzneimittel GmbH
  • Benzodiazepine unterliegen besonderen verschreibungsrechtlichen Regeln
  • Abhängigkeitspotenzial, Verordnung zeitlich begrenzen und regelmäßig überprüfen

Das Absetzen erfolgt sehr langsam über Wochen bis Monate. Ein abruptes Beenden kann Entzugserscheinungen, Anfallshäufungen und einen Status epilepticus auslösen. Wegen der langen Halbwertszeit treten Entzugserscheinungen verzögert auf, teils erst nach mehreren Tagen.

Bei Kindern ist die vermehrte Speichel- und Bronchialsekretion zu beachten, weil sie die Atemwege verlegen kann.

Die Kombination mit Opioiden ist besonders gefährlich, weil sich die atemdepressive Wirkung beider Substanzgruppen addiert. Bei älteren Menschen erhöhen Müdigkeit, Muskelschwäche und Gangunsicherheit die Sturzgefahr erheblich.

Häufig gestellte Fragen

Welcher Wirkstoff ist in Rivotril?

Rivotril enthält Clonazepam, ein Benzodiazepin mit ausgeprägt antiepileptischer Wirkung. Es verstärkt die Wirkung des hemmenden Botenstoffs GABA am GABA-A-Rezeptor und macht die Nervenzelle dadurch schwerer erregbar.

In welchen Stärken gibt es Rivotril?

Im Handel sind Tabletten zu 0,5 und 2 Milligramm, eine Tropfenlösung zum Einnehmen sowie eine Injektionslösung für die Anwendung durch medizinisches Fachpersonal.

Warum lässt die Wirkung von Rivotril nach?

Bei fortlaufender Anwendung passt sich der GABA-A-Rezeptor an und wird unempfindlicher. Die antiepileptische Wirkung lässt dadurch innerhalb von Wochen bis Monaten nach, während die dämpfende Wirkung länger erhalten bleibt.

Darf Rivotril abrupt abgesetzt werden?

Nein. Ein abruptes Beenden kann Entzugserscheinungen, Anfallshäufungen und einen Status epilepticus auslösen. Das Ausschleichen erfolgt sehr langsam über Wochen bis Monate; die Tropfenlösung erleichtert dabei die feine Abstufung.

Macht Rivotril abhängig?

Ja. Wie alle Benzodiazepine besitzt Clonazepam ein Abhängigkeitspotenzial, das sich bereits nach wenigen Wochen regelmäßiger Anwendung entwickeln kann. Die Verordnung sollte deshalb zeitlich begrenzt und regelmäßig überprüft werden.

Quellen

Rechtliche Hinweise und Haftungsausschluss

Diese Seite dient ausschließlich der sachlichen Information über die Zusammensetzung eines Arzneimittels und stellt keine medizinische Beratung, keine Empfehlung und keine Aufforderung zur Anwendung dar. Sie ersetzt nicht den Rat eines approbierten Arztes oder Apothekers. Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen nur nach ärztlicher Verordnung angewendet werden. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fachinformation und Gebrauchsinformation des Herstellers. Angaben zu Zusammensetzung, Stärken und Anwendungsgebieten können sich ändern und unterscheiden sich zwischen einzelnen Präparaten desselben Handelsnamens.