Targin: Wirkstoff, Zusammensetzung und Anwendung

Targin ist ein verschreibungspflichtiges starkes Schmerzmittel und wird von Mundipharma vertrieben. Es unterliegt den betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften.

Die Zusammensetzung wirft regelmäßig Fragen auf, weil das Präparat neben einem Opioid ausgerechnet dessen Gegenmittel enthält. Dahinter steht eine gezielte pharmakologische Konstruktion.

Targin enthält den Wirkstoff Oxycodon und Naloxon. Ausführliche Informationen zu Wirkweise, Dosierung und Nebenwirkungen finden Sie auf der Seite Oxycodon und Naloxon.

Welcher Wirkstoff ist enthalten?

Targin enthält eine feste Kombination aus Oxycodonhydrochlorid und Naloxonhydrochlorid in Retardtabletten. Das Mischungsverhältnis beträgt zwei Teile Oxycodon zu einem Teil Naloxon.

Die Bestandteile im Einzelnen:

  • Oxycodon, ein stark wirksames Opioid, das die Schmerzlinderung bewirkt
  • Naloxon, ein Opioidantagonist, der ausschließlich im Darm wirken soll

Der scheinbare Widerspruch löst sich über den Abbauweg auf. Nach der Einnahme wird Naloxon bei der ersten Leberpassage zu über 95 Prozent abgebaut. Im Kreislauf kommt praktisch nichts an, sodass die schmerzlindernde Wirkung von Oxycodon im Gehirn unberührt bleibt.

Bevor Naloxon die Leber erreicht, blockiert es jedoch die Opioidrezeptoren in der Darmwand. Genau dort verursacht Oxycodon die Verstopfung, die zu den belastendsten und dauerhaftesten Nebenwirkungen einer Opioidbehandlung zählt. Die Kombination soll dieser Verstopfung entgegenwirken, ohne die Schmerzlinderung zu schwächen.

Dieselbe Substanz Naloxon wird in anderer Darreichung als Notfallmedikament bei Opioidüberdosierung eingesetzt. Dann wird sie gespritzt oder als Nasenspray gegeben und umgeht damit die Leberpassage.

Darreichungsformen und Stärken

Targin Retardtabletten sind in folgenden Stärken im Handel:

  • 5 mg Oxycodon und 2,5 mg Naloxon
  • 10 mg Oxycodon und 5 mg Naloxon
  • 20 mg Oxycodon und 10 mg Naloxon
  • 40 mg Oxycodon und 20 mg Naloxon

Die Stärkeangabe nennt stets zuerst den Oxycodonanteil. Die Retardformulierung setzt den Wirkstoff über zwölf Stunden frei, weshalb die Einnahme zweimal täglich erfolgt.

Die Tabletten dürfen nicht geteilt, zerkleinert oder zerkaut werden. Dadurch würde die verzögerte Freisetzung aufgehoben und die gesamte Menge auf einmal freigesetzt, was zu einer gefährlichen Überdosierung führen kann.

Anwendungsgebiete laut Fachinformation

Zugelassen ist Targin bei:

  • starken Schmerzen, die nur mit Opioidanalgetika ausreichend behandelt werden können
  • Restless-Legs-Syndrom in schwerer bis sehr schwerer Ausprägung nach Versagen der dopaminergen Behandlung

Die Anwendung bei starken Schmerzen richtet sich nach dem Stufenschema der Schmerzbehandlung und setzt voraus, dass schwächere Mittel nicht ausreichen.

Die Zulassung beim Restless-Legs-Syndrom ist eine Besonderheit dieser Wirkstoffkombination und auf schwere Verläufe nach dem Versagen anderer Behandlungen begrenzt.

Über Indikation, Dosierung und Behandlungsdauer entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Wichtige Hinweise

Zum Präparat:

  • verschreibungspflichtig und betäubungsmittelrechtlich erfasst
  • Hersteller und Zulassungsinhaber: Mundipharma
  • Retardtabletten, Einnahme zweimal täglich
  • Tabletten dürfen nicht geteilt oder zerkleinert werden

Bei mittelschwerer und schwerer Leberfunktionsstörung ist besondere Vorsicht geboten. Ist die Leberfunktion stark eingeschränkt, entfällt der schützende erste Leberdurchgang, und Naloxon kann in den Kreislauf gelangen und die Schmerzlinderung aufheben.

Wie bei allen Opioiden bestehen Risiken für Atemdepression, Sedierung, Abhängigkeit und Entzugserscheinungen beim abrupten Absetzen. Die Fahrtüchtigkeit ist zu Behandlungsbeginn und nach Dosisänderungen eingeschränkt.

Die Kombination mit Benzodiazepinen und anderen dämpfenden Substanzen erhöht das Risiko einer Atemdepression erheblich.

Häufig gestellte Fragen

Welche Wirkstoffe sind in Targin?

Targin enthält eine feste Kombination aus Oxycodonhydrochlorid und Naloxonhydrochlorid im Verhältnis zwei zu eins. Oxycodon ist das schmerzlindernde Opioid, Naloxon ein Opioidantagonist, der ausschließlich im Darm wirken soll.

Warum ist in Targin ein Opioidgegenmittel enthalten?

Naloxon soll der opioidbedingten Verstopfung entgegenwirken. Es blockiert die Opioidrezeptoren in der Darmwand, wird danach aber bei der ersten Leberpassage zu über 95 Prozent abgebaut. Im Kreislauf kommt praktisch nichts an, sodass die Schmerzlinderung im Gehirn erhalten bleibt.

Was bedeutet die Angabe 10/5 mg bei Targin?

Die erste Zahl nennt den Oxycodonanteil, die zweite den Naloxonanteil. Targin 10/5 mg enthält also 10 Milligramm Oxycodon und 5 Milligramm Naloxon. Das Verhältnis ist bei allen Stärken zwei zu eins.

Darf man Targin-Tabletten teilen?

Nein. Durch Teilen, Zerkleinern oder Zerkauen wird die verzögerte Freisetzung aufgehoben, und die gesamte Wirkstoffmenge wird auf einmal frei. Das kann zu einer gefährlichen Überdosierung führen.

Ist Targin ein Betäubungsmittel?

Ja. Wegen des Oxycodonanteils unterliegt Targin den betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften mit entsprechenden Anforderungen an Verschreibung, Lagerung und Dokumentation.

Quellen

Rechtliche Hinweise und Haftungsausschluss

Diese Seite dient ausschließlich der sachlichen Information über die Zusammensetzung eines Arzneimittels und stellt keine medizinische Beratung, keine Empfehlung und keine Aufforderung zur Anwendung dar. Sie ersetzt nicht den Rat eines approbierten Arztes oder Apothekers. Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen nur nach ärztlicher Verordnung angewendet werden. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fachinformation und Gebrauchsinformation des Herstellers. Angaben zu Zusammensetzung, Stärken und Anwendungsgebieten können sich ändern und unterscheiden sich zwischen einzelnen Präparaten desselben Handelsnamens.