Keppra: Wirkstoff, Zusammensetzung und Anwendung
Keppra ist ein verschreibungspflichtiges Antiepileptikum und wird von UCB vertrieben. Es gehört zu den heute am häufigsten eingesetzten Substanzen bei Epilepsie.
Der Handelsname steht auf Rezept und Medikationsplan, während in Leitlinien und Arztbriefen die Wirkstoffbezeichnung verwendet wird.
Keppra enthält den Wirkstoff Levetiracetam. Ausführliche Informationen zu Wirkweise, Dosierung und Nebenwirkungen finden Sie auf der Seite Levetiracetam.
Welcher Wirkstoff ist enthalten?
Keppra enthält Levetiracetam. Es handelt sich um ein Antiepileptikum, dessen Wirkprinzip sich von allen älteren Substanzen dieser Gruppe unterscheidet.
Ältere Antiepileptika greifen an Natriumkanälen, Calciumkanälen oder am GABA-System an. Levetiracetam bindet stattdessen an ein Eiweiß in den Bläschen, die an der Nervenendigung die Botenstoffe speichern, das synaptische Vesikelprotein 2A.
Über diese Bindung wird die Freisetzung der Botenstoffe bei krankhaft gesteigerter Aktivität gedämpft, ohne die normale Signalübertragung wesentlich zu beeinflussen.
Praktisch bedeutsam sind zwei Eigenschaften: Der Wirkstoff wird kaum über die Leberenzyme abgebaut, weshalb er ungewöhnlich wenige Wechselwirkungen aufweist. Und er wird überwiegend unverändert über die Nieren ausgeschieden, weshalb die Dosis an die Nierenfunktion angepasst wird.
Ausführliche Angaben zu Wirkweise, Dosierung und Nebenwirkungen finden Sie auf der Seite Levetiracetam.
Darreichungsformen und Stärken
Im Handel sind unter anderem:
- Filmtabletten zu 250, 500, 750 und 1000 mg
- Lösung zum Einnehmen mit 100 mg je Milliliter
- Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung für die Klinik
- Granulat für Kinder
Die Lösung zum Einnehmen erleichtert die feine Dosierung bei Kindern und bei Patienten mit Schluckbeschwerden. Die Infusionslösung ermöglicht die Fortführung der Behandlung, wenn eine Einnahme vorübergehend nicht möglich ist.
Die Einnahme erfolgt zweimal täglich, unabhängig von den Mahlzeiten. Levetiracetam ist außerdem als Generikum zahlreicher Hersteller erhältlich.
Anwendungsgebiete laut Fachinformation
Zugelassen ist Keppra unter anderem bei:
- fokalen Anfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung, als alleinige Behandlung und in Kombination
- myoklonischen Anfällen bei juveniler myoklonischer Epilepsie, als Zusatzbehandlung
- primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen bei idiopathischer generalisierter Epilepsie, als Zusatzbehandlung
Bei neu diagnostizierter Epilepsie gehört Levetiracetam zu den bevorzugten Substanzen. Ausschlaggebend sind das breite Wirkspektrum, das geringe Wechselwirkungspotenzial und die Möglichkeit, vergleichsweise rasch aufzudosieren.
Ein Vorteil gegenüber älteren Substanzen wie Carbamazepin liegt darin, dass die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel nicht beeinträchtigt wird.
Das Absetzen erfolgt ausschleichend. Ein abruptes Beenden kann Anfälle auslösen.
Wichtige Hinweise
Zum Präparat:
- verschreibungspflichtig
- Zulassungsinhaber: UCB Pharma
- Einnahme zweimal täglich
- Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion erforderlich
Die praktisch bedeutsamste Nebenwirkung betrifft nicht den Körper, sondern die Psyche. Reizbarkeit, Aggressivität, Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmung treten unter Levetiracetam häufiger auf als unter vielen anderen Antiepileptika.
Diese Veränderungen werden von Betroffenen oft nicht von sich aus berichtet, während Angehörige sie deutlich bemerken. Ein gezieltes Nachfragen und die Einbeziehung des Umfelds sind deshalb sinnvoll.
Müdigkeit und Schläfrigkeit sind zu Behandlungsbeginn häufig und lassen im Verlauf meist nach.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Wirkstoff ist in Keppra?
Keppra enthält Levetiracetam, ein Antiepileptikum. Es bindet an das synaptische Vesikelprotein 2A und dämpft dadurch die Freisetzung von Botenstoffen bei krankhaft gesteigerter Nervenaktivität.
In welchen Stärken gibt es Keppra?
Im Handel sind Filmtabletten zu 250, 500, 750 und 1000 Milligramm, eine Lösung zum Einnehmen mit 100 Milligramm je Milliliter, Granulat für Kinder sowie ein Konzentrat zur Infusion für die Klinik.
Warum hat Levetiracetam so wenige Wechselwirkungen?
Der Wirkstoff wird kaum über die Cytochrom-Enzyme der Leber abgebaut und beeinflusst diese auch nicht. Die Ausscheidung erfolgt überwiegend unverändert über die Nieren. Deshalb wird auch die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel nicht beeinträchtigt.
Welche Nebenwirkungen sind besonders zu beachten?
Neben Müdigkeit vor allem psychische Veränderungen wie Reizbarkeit, Aggressivität, Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmung. Betroffene berichten diese oft nicht von sich aus, während Angehörige sie bemerken. Ein gezieltes Nachfragen ist deshalb sinnvoll.
Gibt es Keppra als Generikum?
Ja. Levetiracetam ist von zahlreichen Herstellern als Generikum erhältlich. Wirkstoff und Stärken entsprechen dem Originalpräparat.
Quellen
- Fachinformation Keppra 250 mg, 500 mg, 750 mg und 1000 mg Filmtabletten, UCB Pharma GmbH.
- EMA: Europäischer Beurteilungsbericht zu Keppra
- AWMF S1-Leitlinie Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter
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Diese Seite dient ausschließlich der sachlichen Information über die Zusammensetzung eines Arzneimittels und stellt keine medizinische Beratung, keine Empfehlung und keine Aufforderung zur Anwendung dar. Sie ersetzt nicht den Rat eines approbierten Arztes oder Apothekers. Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen nur nach ärztlicher Verordnung angewendet werden. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fachinformation und Gebrauchsinformation des Herstellers. Angaben zu Zusammensetzung, Stärken und Anwendungsgebieten können sich ändern und unterscheiden sich zwischen einzelnen Präparaten desselben Handelsnamens.