Spiriva: Wirkstoff, Zusammensetzung und Anwendung
Spiriva ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel zur Inhalation und wird von Boehringer Ingelheim vertrieben. Es gehört zur Basis der Dauerbehandlung bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung.
Das Präparat gibt es in zwei sehr unterschiedlichen Anwendungssystemen, was regelmäßig zu Verwechslungen führt.
Spiriva enthält den Wirkstoff Tiotropium. Ausführliche Informationen zu Wirkweise, Dosierung und Nebenwirkungen finden Sie auf der Seite Tiotropium.
Welcher Wirkstoff ist enthalten?
Spiriva enthält Tiotropiumbromid. Es handelt sich um ein langwirksames inhalatives Anticholinergikum.
Der Wirkstoff blockiert Muskarinrezeptoren an der Bronchialmuskulatur und unterbindet damit den Dauerreiz, der die Atemwege verengt. Die Muskulatur erschlafft, der Atemwegsquerschnitt nimmt zu.
Die Besonderheit ist die Wirkdauer von rund 24 Stunden bei nur einer Anwendung pro Tag. Sie beruht nicht auf einer langsamen Ausscheidung, sondern darauf, dass sich der Wirkstoff außergewöhnlich langsam vom entscheidenden Rezeptor löst.
Ausführliche Angaben zu Wirkweise, Dosierung und Nebenwirkungen finden Sie auf der Seite Tiotropium.
Der kurzwirksame Vorgänger aus derselben Substanzgruppe ist der Wirkstoff in Atrovent, der mehrmals täglich angewendet werden muss.
Darreichungsformen und Stärken
Im Handel sind zwei Systeme:
- Spiriva HandiHaler mit Hartkapseln zu 18 Mikrogramm, ein Pulversystem
- Spiriva Respimat mit 2,5 Mikrogramm je Sprühstoß, zwei Sprühstöße täglich ergeben 5 Mikrogramm
Die Zahlen sind nicht unmittelbar vergleichbar, weil sich die Systeme in der Menge unterscheiden, die tatsächlich in der Lunge ankommt. Beide Anwendungsformen sind aufeinander abgestimmt.
Der HandiHaler setzt einen kräftigen Einatemzug voraus. Der Respimat erzeugt eine langsam austretende Sprühwolke und stellt geringere Anforderungen an die Einatemkraft, was ihn für Patienten mit schwacher Atmung geeignet macht.
Die Kapseln für den HandiHaler dürfen unter keinen Umständen geschluckt werden. Sie sind ausschließlich zur Inhalation im zugehörigen Gerät bestimmt.
Anwendungsgebiete laut Fachinformation
Zugelassen ist Spiriva bei:
- Erhaltungstherapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung zur Linderung der Beschwerden
- Vorbeugung von Verschlechterungsschüben bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung
- ergänzender Erhaltungstherapie beim Asthma bronchiale, wenn die Standardbehandlung nicht ausreicht, in der Darreichung als Respimat
Für die Behandlung akuter Atemnot ist Spiriva nicht geeignet. Die Wirkung setzt erst nach etwa 30 Minuten ein, das Maximum wird nach ein bis drei Stunden erreicht. Patienten benötigen zusätzlich ein schnell wirksames Bedarfsspray.
Beim Asthma bronchiale ist die Substanz niemals eine Alleinbehandlung. Sie wird stets zusätzlich zu einem inhalativen Kortikosteroid gegeben.
Wichtige Hinweise
Zum Präparat:
- verschreibungspflichtig
- Hersteller und Zulassungsinhaber: Boehringer Ingelheim
- Anwendung einmal täglich zur gleichen Tageszeit
- HandiHaler-Kapseln niemals schlucken
Der wichtigste Anwendungsfehler ist das Schlucken der Kapseln. Der Wirkstoff wird aus dem Darm kaum aufgenommen, sodass eine geschluckte Kapsel praktisch wirkungslos bleibt und die Behandlung ins Leere läuft, ohne dass die Betroffenen den Grund erkennen.
Beim Respimat ist versehentliches Sprühen in Richtung der Augen zu vermeiden. Bei entsprechender Veranlagung kann daraus ein Glaukomanfall entstehen.
Besondere Vorsicht ist bei Engwinkelglaukom, Prostatavergrößerung und eingeschränkter Nierenfunktion geboten. Die häufigste Nebenwirkung ist Mundtrockenheit; Ausspülen nach der Anwendung lindert sie.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Wirkstoff ist in Spiriva?
Spiriva enthält Tiotropiumbromid, ein langwirksames inhalatives Anticholinergikum. Es blockiert Muskarinrezeptoren an der Bronchialmuskulatur und erweitert die Atemwege über etwa 24 Stunden.
Was ist der Unterschied zwischen HandiHaler und Respimat?
Der HandiHaler ist ein Pulversystem mit Kapseln zu 18 Mikrogramm und benötigt einen kräftigen Einatemzug. Der Respimat erzeugt eine langsam austretende Sprühwolke mit 2,5 Mikrogramm je Sprühstoß und eignet sich für Patienten mit schwacher Atmung. Für die ergänzende Asthmabehandlung ist nur der Respimat zugelassen.
Dürfen die Spiriva-Kapseln geschluckt werden?
Nein, unter keinen Umständen. Sie sind ausschließlich zur Inhalation im HandiHaler bestimmt. Der Wirkstoff wird aus dem Darm kaum aufgenommen, sodass eine geschluckte Kapsel praktisch wirkungslos bleibt.
Hilft Spiriva bei akuter Atemnot?
Nein. Die Wirkung setzt erst nach etwa 30 Minuten ein. Für die akute Atemnot wird ein kurzwirksames Bedarfsspray benötigt, das zusätzlich zur Verfügung stehen muss.
Warum genügt eine Anwendung pro Tag?
Tiotropium löst sich außergewöhnlich langsam vom entscheidenden Rezeptor der Bronchialmuskulatur. Die Wirkdauer wird also von der Bindung am Rezeptor bestimmt und nicht von der Verweildauer im Blut.
Quellen
- Fachinformation Spiriva 18 Mikrogramm Hartkapseln mit Pulver zur Inhalation und Spiriva Respimat 2,5 Mikrogramm, Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG.
- EMA: Europäischer Beurteilungsbericht zu Spiriva
- Nationale VersorgungsLeitlinie COPD
Rechtliche Hinweise und Haftungsausschluss
Diese Seite dient ausschließlich der sachlichen Information über die Zusammensetzung eines Arzneimittels und stellt keine medizinische Beratung, keine Empfehlung und keine Aufforderung zur Anwendung dar. Sie ersetzt nicht den Rat eines approbierten Arztes oder Apothekers. Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen nur nach ärztlicher Verordnung angewendet werden. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fachinformation und Gebrauchsinformation des Herstellers. Angaben zu Zusammensetzung, Stärken und Anwendungsgebieten können sich ändern und unterscheiden sich zwischen einzelnen Präparaten desselben Handelsnamens.