Pradaxa: Wirkstoff, Zusammensetzung und Anwendung
Pradaxa ist ein verschreibungspflichtiger Gerinnungshemmer und wird von Boehringer Ingelheim vertrieben. Es gehört zu den direkten oralen Antikoagulanzien.
Unter den Vertretern dieser Gruppe nimmt das Präparat eine Sonderstellung ein, weil für seinen Wirkstoff als einzigem ein spezifisch wirkendes Gegenmittel zugelassen ist.
Pradaxa enthält den Wirkstoff Dabigatran. Ausführliche Informationen zu Wirkweise, Dosierung und Nebenwirkungen finden Sie auf der Seite Dabigatran.
Welcher Wirkstoff ist enthalten?
Pradaxa enthält Dabigatranetexilat. Dabei handelt es sich um ein Prodrug, das im Körper erst in die eigentlich wirksame Form Dabigatran umgewandelt wird.
Dabigatran hemmt Thrombin, den Gerinnungsfaktor IIa. Thrombin steht am Ende der Gerinnungskaskade und wandelt Fibrinogen in Fibrin um, das Gerüst des Blutgerinnsels. Wird es blockiert, kann sich kein stabiles Gerinnsel bilden.
Darin unterscheidet sich das Präparat von den übrigen direkten oralen Antikoagulanzien. Rivaroxaban, Apixaban und Edoxaban setzen eine Stufe früher an und hemmen den Faktor Xa.
Ausführliche Angaben zu Wirkweise, Dosierung, Nierenfunktion und Gegenmittel finden Sie auf der Seite Dabigatran.
Ein Vertreter der Faktor-Xa-Hemmer aus derselben Substanzgruppe ist der Wirkstoff in Lixiana.
Darreichungsformen und Stärken
Pradaxa Hartkapseln sind in folgenden Stärken im Handel:
- 75 mg
- 110 mg
- 150 mg
Die Kapseln dürfen unter keinen Umständen geöffnet, zerkaut oder zerteilt werden. Der Grund ist pharmakologisch: Die Bioverfügbarkeit der intakten Kapsel liegt nur bei etwa 6 bis 7 Prozent. Wird das Pellet ohne Kapselhülle eingenommen, steigt die aufgenommene Menge um ein Vielfaches und damit das Blutungsrisiko.
Der Wirkstoff ist stark feuchtigkeitsempfindlich. Die Kapseln bleiben bis zur Einnahme im Originalblister oder in der Originalflasche. Ein Umfüllen in Dosetten oder Wochenboxen ist nicht zulässig, angebrochene Flaschen sind nach vier Monaten zu verwerfen.
Anwendungsgebiete laut Fachinformation
Zugelassen ist Pradaxa bei:
- Vorbeugung von Schlaganfall und systemischer Embolie bei nicht valvulärem Vorhofflimmern mit mindestens einem Risikofaktor
- Behandlung tiefer Venenthrombosen und Lungenembolien bei Erwachsenen
- Vorbeugung erneuter tiefer Venenthrombosen und Lungenembolien
- primäre Vorbeugung venöser Thromboembolien nach elektivem Hüft- oder Kniegelenkersatz
Bei akuter Venenthrombose oder Lungenembolie wird nicht sofort mit Pradaxa begonnen. Vorgeschaltet ist eine mindestens fünftägige Behandlung mit einem parenteralen Gerinnungshemmer.
Bei mechanischen Herzklappenprothesen darf das Präparat nicht eingesetzt werden. Dort bleibt der Vitamin-K-Antagonist die einzige belegte Option.
Über Indikation, Dosis und Behandlungsdauer entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Wichtige Hinweise
Zum Präparat:
- verschreibungspflichtig
- Hersteller und Zulassungsinhaber: Boehringer Ingelheim
- Einnahme zweimal täglich
- Kapseln niemals öffnen, nicht in Dosetten umfüllen
Mit Idarucizumab steht ein spezifisch wirkender Antikörper zur Verfügung, der die gerinnungshemmende Wirkung innerhalb von Minuten aufhebt. Er wird bei lebensbedrohlichen Blutungen und vor dringenden Eingriffen gegeben. Für die Faktor-Xa-Hemmer existiert kein gleichwertig etabliertes Vorgehen.
Der Wirkstoff wird zu etwa 80 Prozent über die Nieren ausgeschieden. Die Nierenfunktion ist vor Behandlungsbeginn zu prüfen und im Verlauf zu kontrollieren.
Beschwerden im Oberbauch sind eine Besonderheit dieser Substanz und betreffen etwa jeden zehnten Behandelten. Ursache ist der saure Kern der Kapsel, der für die Aufnahme benötigt wird. Die Einnahme zu einer Mahlzeit lindert die Beschwerden häufig.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Wirkstoff ist in Pradaxa?
Pradaxa enthält Dabigatranetexilat, ein Prodrug, das im Körper in die wirksame Form Dabigatran umgewandelt wird. Dabigatran hemmt Thrombin, den Gerinnungsfaktor IIa.
Warum dürfen Pradaxa-Kapseln nicht geöffnet werden?
Die Bioverfügbarkeit der intakten Kapsel liegt nur bei etwa 6 bis 7 Prozent. Wird das Pellet ohne Kapselhülle eingenommen, steigt die aufgenommene Menge um ein Vielfaches an und damit das Blutungsrisiko erheblich.
Darf man Pradaxa in eine Dosette umfüllen?
Nein. Der Wirkstoff ist stark feuchtigkeitsempfindlich und kann sich außerhalb des Originalblisters oder der Originalflasche zersetzen. Angebrochene Flaschen sind nach vier Monaten zu verwerfen.
Gibt es ein Gegenmittel für Pradaxa?
Ja. Idarucizumab ist ein Antikörperfragment, das Dabigatran bindet und die gerinnungshemmende Wirkung innerhalb von Minuten aufhebt. Pradaxa ist damit das einzige der direkten oralen Antikoagulanzien mit einem spezifisch zugelassenen Gegenmittel.
Was ist der Unterschied zu Lixiana?
Beide sind direkte orale Antikoagulanzien, greifen aber an unterschiedlichen Stellen an. Pradaxa hemmt Thrombin und wird zweimal täglich eingenommen, Lixiana hemmt den Faktor Xa und wird einmal täglich eingenommen. Für Pradaxa existiert zudem ein spezifisches Gegenmittel.
Quellen
- Fachinformation Pradaxa 75 mg, 110 mg und 150 mg Hartkapseln, Boehringer Ingelheim International GmbH.
- EMA: Europäischer Beurteilungsbericht zu Pradaxa
- AWMF S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie
Rechtliche Hinweise und Haftungsausschluss
Diese Seite dient ausschließlich der sachlichen Information über die Zusammensetzung eines Arzneimittels und stellt keine medizinische Beratung, keine Empfehlung und keine Aufforderung zur Anwendung dar. Sie ersetzt nicht den Rat eines approbierten Arztes oder Apothekers. Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen nur nach ärztlicher Verordnung angewendet werden. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fachinformation und Gebrauchsinformation des Herstellers. Angaben zu Zusammensetzung, Stärken und Anwendungsgebieten können sich ändern und unterscheiden sich zwischen einzelnen Präparaten desselben Handelsnamens.