Atrovent: Wirkstoff, Zusammensetzung und Anwendung
Atrovent ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel zur Inhalation und wird von Boehringer Ingelheim vertrieben. Es wird bei Erkrankungen mit verengten Atemwegen eingesetzt.
Der Handelsname ist seit Jahrzehnten etabliert und in der Praxis geläufiger als die Wirkstoffbezeichnung, was die häufige Suche nach der Zusammensetzung erklärt.
Atrovent enthält den Wirkstoff Ipratropiumbromid. Ausführliche Informationen zu Wirkweise, Dosierung und Nebenwirkungen finden Sie auf der Seite Ipratropiumbromid.
Welcher Wirkstoff ist enthalten?
Atrovent enthält Ipratropiumbromid. Es handelt sich um ein kurzwirksames inhalatives Anticholinergikum.
Der Wirkstoff blockiert Muskarinrezeptoren an der glatten Muskulatur der Bronchien. Dadurch entfällt der über den Nervus vagus vermittelte Dauerreiz, die Muskulatur erschlafft und der Atemwegsquerschnitt nimmt zu.
Chemisch handelt es sich um eine quartäre Ammoniumverbindung. Die dauerhafte elektrische Ladung verhindert, dass der Wirkstoff aus den Atemwegen nennenswert ins Blut übertritt. Die Wirkung bleibt dadurch weitgehend auf die Lunge beschränkt.
Ausführliche Angaben zu Wirkweise, Wirkeintritt, Dosierung und Nebenwirkungen finden Sie auf der Seite Ipratropiumbromid.
Für die Dauerbehandlung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung wurde Ipratropiumbromid weitgehend durch langwirksame Vertreter abgelöst, etwa durch den Wirkstoff in Spiriva.
Darreichungsformen und Stärken
Im Handel sind unter anderem:
- Atrovent N Dosieraerosol mit 20 Mikrogramm je Sprühstoß
- Atrovent LS Inhalationslösung zur Verneblung
- Fertiginhalat in Einzeldosisbehältnissen zur Verneblung
- Atrovent N Nasenspray zur Behandlung von Fließschnupfen
Das Nasenspray ist von den inhalativen Zubereitungen zu unterscheiden. Es enthält denselben Wirkstoff, dient jedoch einem anderen Zweck und wird anders dosiert.
Ipratropiumbromid ist außerdem Bestandteil fester Kombinationen mit einem Beta-2-Sympathomimetikum. Diese Kombinationen werden vor allem in der akuten Verschlechterung eingesetzt.
Anwendungsgebiete laut Fachinformation
Zugelassen sind die inhalativen Zubereitungen bei:
- chronisch obstruktiver Lungenerkrankung mit reversibler Atemwegsverengung
- chronischer Bronchitis mit und ohne Lungenemphysem
- Asthma bronchiale als ergänzende Behandlung
- akuter Atemwegsverengung, in der Regel kombiniert mit einem kurzwirksamen Beta-2-Sympathomimetikum
Zu beachten ist der vergleichsweise langsame Wirkeintritt nach etwa 15 bis 30 Minuten. Für die alleinige Selbstbehandlung eines akuten Anfalls ist die Substanz deshalb nicht geeignet; dafür wird ein schnell wirksames Präparat benötigt.
Über die Auswahl, die Dosierung und die Kombination mit anderen inhalativen Arzneimitteln entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Wichtige Hinweise
Zum Präparat:
- verschreibungspflichtig
- Hersteller und Zulassungsinhaber: Boehringer Ingelheim
- Dosieraerosol, Inhalationslösung und Nasenspray sind unterschiedliche Zubereitungen mit eigener Dosierung
- kein Ersatz für die entzündungshemmende Basisbehandlung beim Asthma bronchiale
Bei der Verneblung soll ein Mundstück verwendet werden. Gelangt der Nebel in die Augen, kann es zu Pupillenerweiterung, verschwommenem Sehen und bei entsprechender Veranlagung zu einem Glaukomanfall kommen.
Besondere Vorsicht ist bei Engwinkelglaukom, Prostatavergrößerung und Blasenentleerungsstörungen geboten.
Die Inhalationstechnik sollte in regelmäßigen Abständen überprüft werden, da Anwendungsfehler eine häufige und leicht behebbare Ursache für unzureichende Wirkung sind.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Wirkstoff ist in Atrovent?
Atrovent enthält Ipratropiumbromid, ein kurzwirksames inhalatives Anticholinergikum. Es blockiert Muskarinrezeptoren an der Bronchialmuskulatur, wodurch diese erschlafft und sich die Atemwege erweitern.
Wie schnell wirkt Atrovent?
Die Wirkung setzt nach etwa 15 bis 30 Minuten ein, erreicht nach ein bis zwei Stunden ihr Maximum und hält vier bis sechs Stunden an. Für die alleinige Behandlung eines akuten Anfalls ist das zu langsam.
Was ist der Unterschied zwischen Atrovent und Spiriva?
Beide enthalten ein Anticholinergikum, unterscheiden sich aber in der Wirkdauer. Atrovent enthält das kurzwirksame Ipratropiumbromid und wird mehrmals täglich angewendet. Spiriva enthält das langwirksame Tiotropium und reicht einmal täglich.
Ist Atrovent verschreibungspflichtig?
Ja. Sowohl die inhalativen Zubereitungen als auch das Nasenspray sind verschreibungspflichtig.
Darf Atrovent mit einem Asthmaspray kombiniert werden?
Die Kombination mit einem kurzwirksamen Beta-2-Sympathomimetikum ist üblich und in der akuten Verschlechterung ausdrücklich sinnvoll, weil beide Substanzen über unterschiedliche Signalwege wirken. Über die konkrete Kombination entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Quellen
- Fachinformation Atrovent N Dosieraerosol und Atrovent LS Inhalationslösung, Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG.
- Nationale VersorgungsLeitlinie COPD
- Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma
Rechtliche Hinweise und Haftungsausschluss
Diese Seite dient ausschließlich der sachlichen Information über die Zusammensetzung eines Arzneimittels und stellt keine medizinische Beratung, keine Empfehlung und keine Aufforderung zur Anwendung dar. Sie ersetzt nicht den Rat eines approbierten Arztes oder Apothekers. Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen nur nach ärztlicher Verordnung angewendet werden. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fachinformation und Gebrauchsinformation des Herstellers. Angaben zu Zusammensetzung, Stärken und Anwendungsgebieten können sich ändern und unterscheiden sich zwischen einzelnen Präparaten desselben Handelsnamens.