Marcumar: Wirkstoff, Zusammensetzung und Anwendung

Marcumar ist ein verschreibungspflichtiger Gerinnungshemmer und über Jahrzehnte der Standard in Deutschland gewesen. Der Handelsname wird bis heute oft als Sammelbegriff für die gesamte Substanzgruppe verwendet.

Auch wenn die direkten oralen Antikoagulanzien das Präparat in vielen Anwendungsgebieten abgelöst haben, bleibt es in bestimmten Situationen ohne Alternative.

Marcumar enthält den Wirkstoff Phenprocoumon. Ausführliche Informationen zu Wirkweise, Dosierung und Nebenwirkungen finden Sie auf der Seite Phenprocoumon.

Welcher Wirkstoff ist enthalten?

Marcumar enthält Phenprocoumon. Eine Tablette enthält 3 Milligramm des Wirkstoffs. Es handelt sich um einen Vitamin-K-Antagonisten aus der Gruppe der Cumarine.

Der Wirkstoff hemmt in der Leber ein Enzym, das verbrauchtes Vitamin K wieder in seine wirksame Form zurückführt. Vitamin K wird benötigt, um vier Gerinnungsfaktoren nach ihrer Herstellung so zu verändern, dass sie funktionsfähig werden.

Daraus folgt eine Eigenheit, die im Alltag oft für Verwirrung sorgt. Die Hemmung wirkt nur auf neu gebildete Gerinnungsfaktoren. Die bereits im Blut zirkulierenden müssen erst abgebaut werden, weshalb die Wirkung erst nach 36 bis 72 Stunden einsetzt.

Phenprocoumon hat mit etwa 150 Stunden eine ungewöhnlich lange Halbwertszeit. Der international gebräuchliche Vertreter Warfarin liegt bei rund 40 Stunden. Die Einstellung dauert dadurch länger, ist im stabilen Zustand aber gleichmäßiger.

Ausführliche Angaben zu Wirkweise, INR-Steuerung, Wechselwirkungen und Ernährung finden Sie auf der Seite Phenprocoumon.

Darreichungsformen und Stärken

Im Handel sind:

  • Marcumar Tabletten mit 3 mg Phenprocoumon
  • Phenprocoumon als Generikum weiterer Hersteller, unter anderem unter dem Namen Falithrom

Die Tabletten sind teilbar, weil die Dosis individuell sehr unterschiedlich ausfällt. Der Bedarf schwankt zwischen einzelnen Menschen um ein Mehrfaches, was auf erbliche Unterschiede am Zielenzym und am abbauenden Enzym zurückgeht.

Ein Wechsel zwischen Präparaten verschiedener Hersteller sollte nur nach Rücksprache erfolgen, weil er eine erneute Kontrolle der Einstellung erfordert.

Anwendungsgebiete laut Fachinformation

Anwendungsgebiete laut Fachinformation:

  • Behandlung und Vorbeugung von tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien
  • Vorbeugung von Schlaganfall und Embolien bei Vorhofflimmern
  • Vorbeugung von Embolien bei künstlichen Herzklappen
  • Vorbeugung von Embolien nach Herzinfarkt bei entsprechender Konstellation
  • Vorbeugung des Verschlusses von Gefäßprothesen

Bei mechanischen Herzklappenprothesen ist Phenprocoumon ohne Alternative. Die direkten oralen Antikoagulanzien haben sich dort als unterlegen erwiesen und dürfen nicht eingesetzt werden. Dasselbe gilt bei mittelschwerer bis schwerer Mitralklappenstenose und beim Antiphospholipidsyndrom.

Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz bleibt das Präparat ebenfalls von Bedeutung, weil die neueren Substanzen überwiegend über die Nieren ausgeschieden werden.

Bei Vorhofflimmern und Venenthrombosen ohne diese Besonderheiten werden heute überwiegend direkte orale Antikoagulanzien bevorzugt. Bei stabil eingestellten Patienten besteht jedoch kein zwingender Anlass zur Umstellung.

Wichtige Hinweise

Zum Präparat:

  • verschreibungspflichtig
  • Zulassungsinhaber: Meda Pharma, Teil von Viatris
  • Steuerung ausschließlich über den INR-Wert
  • Antikoagulationsausweis mitführen

Der INR-Wert wird anfangs engmaschig, bei stabiler Einstellung etwa alle drei bis vier Wochen kontrolliert. Nach jeder Änderung der Begleitmedikation, bei Erkrankungen und bei Ernährungsumstellung ist eine zusätzliche Kontrolle erforderlich.

Wegen der langen Halbwertszeit wirkt sich jede Dosisänderung erst nach mehreren Tagen vollständig aus. Eine zu rasche Nachsteuerung führt regelmäßig zum Überschießen in die Gegenrichtung.

Bei der Ernährung kommt es nicht auf den Verzicht auf Vitamin K an, sondern auf Gleichmäßigkeit. Kohlsorten, grünes Blattgemüse und Spinat sind reich an Vitamin K. Problematisch sind plötzliche Änderungen der Essgewohnheiten, nicht der regelmäßige Verzehr.

Mit Vitamin K1 steht ein Gegenmittel zur Verfügung. Bei lebensbedrohlicher Blutung wird zusätzlich Prothrombinkomplexkonzentrat gegeben, das sofort wirkt.

Häufig gestellte Fragen

Welcher Wirkstoff ist in Marcumar?

Marcumar enthält Phenprocoumon, einen Vitamin-K-Antagonisten aus der Gruppe der Cumarine. Eine Tablette enthält 3 Milligramm. Der Wirkstoff hemmt die Rückführung von Vitamin K in seine wirksame Form.

Warum wirkt Marcumar erst nach Tagen?

Die Hemmung betrifft nur neu gebildete Gerinnungsfaktoren. Die bereits im Blut zirkulierenden müssen erst abgebaut werden, was 36 bis 72 Stunden dauert. Deshalb wird zu Beginn überlappend mit Heparin behandelt.

Muss man auf grünes Gemüse verzichten?

Nein. Entscheidend ist nicht der Verzicht, sondern die Gleichmäßigkeit. Wer Kohl, Blattgemüse und Spinat regelmäßig in ähnlicher Menge isst, ist gut einstellbar. Problematisch sind plötzliche Änderungen der Essgewohnheiten.

Wann wird Marcumar noch verwendet?

Vor allem bei mechanischen Herzklappenprothesen, bei mittelschwerer bis schwerer Mitralklappenstenose und beim Antiphospholipidsyndrom. Dort sind die direkten oralen Antikoagulanzien unterlegen oder nicht zugelassen. Auch bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz bleibt es von Bedeutung.

Gibt es ein Gegenmittel für Marcumar?

Ja, Vitamin K1 hebt die Wirkung auf. Wegen der langen Halbwertszeit von Phenprocoumon dauert die vollständige Normalisierung jedoch Tage. Bei lebensbedrohlicher Blutung wird zusätzlich Prothrombinkomplexkonzentrat gegeben, das sofort wirkt.

Quellen

Rechtliche Hinweise und Haftungsausschluss

Diese Seite dient ausschließlich der sachlichen Information über die Zusammensetzung eines Arzneimittels und stellt keine medizinische Beratung, keine Empfehlung und keine Aufforderung zur Anwendung dar. Sie ersetzt nicht den Rat eines approbierten Arztes oder Apothekers. Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen nur nach ärztlicher Verordnung angewendet werden. Maßgeblich ist stets die aktuelle Fachinformation und Gebrauchsinformation des Herstellers. Angaben zu Zusammensetzung, Stärken und Anwendungsgebieten können sich ändern und unterscheiden sich zwischen einzelnen Präparaten desselben Handelsnamens.