Bacitracin: Topisches Polypeptid Antibiotikum gegen grampositive Bakterien

Bacitracin ist ein zyklisches Polypeptid Antibiotikum, das aus Kulturen von Bacillus licheniformis gewonnen wird. Entdeckt wurde es 1945. Heute setzen Ärzte es fast ausschließlich topisch ein, also bei Hautinfektionen mit grampositiven Bakterien. Bekannte Handelsnamen sind Nebacetin (in Kombination mit Neomycin), Polysporin sowie zahlreiche Salben mit Polymyxin B oder Neomycin.

Wegen ausgeprägter Nephrotoxizität hat man die systemische Anwendung von Bacitracin weitgehend verlassen. Heute kommt der Wirkstoff in topischen Salben zum Einsatz: bei kleineren Hautinfektionen, oberflächlichen Wunden und in der postoperativen Wundbehandlung. In der amerikanischen Hausmedizin gilt die Bacitracin Salbe (Polysporin, Triple Antibiotic Ointment) als klassisches Hausmittel für Schürfwunden und kleine Schnitte.

Wirkmechanismus

Bacitracin hemmt die bakterielle Zellwandsynthese durch Blockierung der Dephosphorylierung des Lipidcarriers C55 isoprenylpyrophosphat (Bactoprenol). Dieser Lipidcarrier transportiert die Vorstufen der Mureinsynthese durch die Zellmembran. Die Hemmung führt zur Akkumulation der Vorstufen und Stoppen der Zellwandsynthese, mit folgender Lyse der wachsenden Bakterien.

Das Wirkspektrum umfasst grampositive Bakterien einschließlich Staphylococcus aureus (auch viele MRSA Stämme), Streptokokken, Corynebakterien, Clostridien sowie einige gramnegative Erreger wie Neisserien. Pseudomonas aeruginosa und die meisten gramnegativen Enterobacterales sind resistent. Die Kombination von Bacitracin mit Polymyxin B oder Neomycin in topischen Salben erweitert das Spektrum auf gramnegative Erreger.

Bei topischer Anwendung wird Bacitracin nicht oder nur minimal systemisch resorbiert. Bei intakten Hautstellen ist die systemische Aufnahme praktisch null, bei beschädigter Haut, Wunden oder großflächiger Anwendung kann eine geringe Resorption auftreten.

Anwendungsgebiete

  • Topische Behandlung kleinerer Hautinfektionen: Pyodermien, Impetigo contagiosa, Folliculitis, Furunkulose
  • Oberflächliche Wunden und Schürfwunden: als prophylaktische Anwendung gegen Wundinfektion
  • Postoperative Wundbehandlung: nach kleineren Eingriffen
  • Otitis externa: in Tropfenform bei bakteriellen Außenohrinfektionen
  • Konjunktivitis und Blepharitis: als Augensalbe
  • Schwangerschaftsstreifen oder Wundpflege: off label, nicht etablierte Indikation

Dosierung und Anwendung

Topische Salbe: dünn auf die betroffene Hautstelle auftragen, ein bis dreimal täglich. Wundabdeckung optional, je nach Wundsituation.

Augensalbe: kleine Menge (ca. 1 cm Strang) in den Bindehautsack ein bis dreimal täglich. Bei akuter Konjunktivitis Anwendung über 5 bis 7 Tage.

Anwendungsdauer: begrenzt auf etwa 7 bis 10 Tage, um allergische Sensibilisierung und Resistenzentwicklung zu reduzieren. Bei chronischen oder ausgedehnten Infektionen ärztliche Beratung.

Vor Anwendung: Wunde mit Wasser oder Kochsalzlösung reinigen, danach Salbe auftragen. Nicht auf großflächige Wunden, Verbrennungen oder offene Hautstellen ohne ärztliche Beratung anwenden.

Nebenwirkungen

Häufig: meist sehr gut verträglich. Lokale Hautreaktionen wie Brennen, Pruritus, Rötung selten.

Gelegentlich: allergisches Kontaktekzem, vor allem bei langfristiger oder wiederholter Anwendung. Bacitracin ist ein häufiger Auslöser von Kontaktallergien und steht auf der Liste der Standard Allergene in Patch Tests.

Selten, aber wichtig: schwere allergische Reaktionen einschließlich Anaphylaxie, vor allem bei vorbestehender Sensibilisierung; Photosensibilität; bei systemischer Resorption über große Wundflächen Nephrotoxizität, Ototoxizität (vor allem in Kombination mit Aminoglykosiden).

Wichtig: Bacitracin ist eines der häufigsten Antibiotika, die zu Kontaktallergie führen. Bei chronischen Wunden mit langfristiger Antibiotika Salbenanwendung kann eine Sensibilisierung entstehen, die sich als zunehmende Wundverschlimmerung zeigt. In diesem Fall sollte auf alternative Antiseptika (Polihexanid, Octenidin) umgestellt werden.

Wechselwirkungen

  • Andere topische Antibiotika oder Antiseptika: Kombination möglich (z. B. Bacitracin plus Polymyxin B), aber nicht zugleich mit anderen anionischen Wirkstoffen
  • Aminoglykoside (Neomycin, Gentamicin): additive Nephrotoxizität und Ototoxizität bei systemischer Resorption
  • Glukokortikoide topisch: in Kombinationspräparaten möglich, kurzzeitige Anwendung
  • Andere nephrotoxische Wirkstoffe: Vorsicht bei beschädigter Haut

Besondere Hinweise

Schwangerschaft und Stillzeit: topische Anwendung gilt als sicher, da systemische Resorption am intakten Haut praktisch null ist. In der Stillzeit nicht direkt auf Brust oder Brustwarzen anwenden.

Kontaktallergie: Bacitracin ist ein häufiger Allergie Auslöser, vor allem bei chronischen Wunden. Bei sich verschlechternden Wunden trotz Therapie an Kontaktallergie denken und Patch Test in Erwägung ziehen.

Antibiotic Stewardship: moderne Wundantiseptika wie Polihexanid und Octenidin haben Bacitracin in der Wundbehandlung in vielen Anwendungsbereichen ersetzt, weil sie ein breiteres Wirkspektrum, geringere Allergierate und keine Resistenzentwicklung haben. Für die Behandlung manifest infizierter Wunden bleiben spezifische topische Antibiotika allerdings ein wichtiger Baustein.

Bei großflächiger Anwendung oder offenen Wunden: wegen möglicher systemischer Resorption mit Nephrotoxizität ist eine ärztliche Beratung erforderlich.

Resistenzlage: die Resistenzraten gegen Bacitracin sind regional unterschiedlich, in vielen Regionen aber noch akzeptabel niedrig für die kurzzeitige topische Anwendung.

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Häufig gestellte Fragen

Wirkt Bacitracin auch bei größeren Wunden?

Bacitracin eignet sich für die topische Anwendung bei kleineren Hautinfektionen und oberflächlichen Wunden. Bei größeren Wunden, tiefen Verletzungen, chronischen Wunden oder bei Verdacht auf eine systemische Infektion brauchen Sie eine ärztliche Beurteilung. Möglicherweise sind dann systemische Antibiotika oder spezifische Wundbehandlungen erforderlich.

Wie hoch ist das Allergie Risiko?

Bacitracin gilt als klassischer Auslöser von Kontaktallergien. Bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Wunden und langfristiger antibiotischer Salbenanwendung kann sich nach Wochen bis Monaten eine Sensibilisierung entwickeln. Sie zeigt sich als zunehmender Pruritus, Rötung oder Wundverschlimmerung. In Patch Tests finden sich bei einem relevanten Anteil der Allergiepatientinnen positive Reaktionen. Wechseln Sie bei Verdacht auf alternative Antiseptika.

Warum wird Bacitracin oft mit Neomycin oder Polymyxin B kombiniert?

Bacitracin wirkt vor allem gegen grampositive Bakterien, hat aber Lücken bei gramnegativen Erregern. Die Kombination mit Neomycin (Aminoglykosid, gegen viele gramnegative wirksam) oder Polymyxin B (gegen Pseudomonas und einige andere gramnegative wirksam) erweitert das Wirkspektrum auf eine breite Palette typischer Wundinfektionserreger. Diese Kombinationen sind in der Wundbehandlung weit verbreitet (Triple Antibiotic Ointment in den USA, Nebacetin in Deutschland).

Sollte ich bei jeder kleinen Schürfwunde Bacitracin Salbe verwenden?

Nein. Bei den meisten kleinen, sauberen Schürfwunden genügen eine Reinigung mit Wasser und Kochsalzlösung, bei Bedarf ein Antiseptikum wie Polihexanid und ein steriler Verband. Antibiotische Salben wie Bacitracin sind sinnvoll bei Verdacht auf Kontamination, bei manifester Infektion oder bei Wunden in stark besiedelten Hautarealen. Übermäßige Anwendung fördert Resistenzentwicklung und Allergisierung.

Quellen

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