Bromazepan: Verbreitete Schreibvariante von Bromazepam

Bromazepan ist eine häufig auftretende Schreibvariante des Wirkstoffs Bromazepam. Korrekt heißt die Substanz Bromazepam (Endung am, wie bei allen Benzodiazepinen). Die Verwechslung mit Bromazepan entsteht durch Tippfehler oder durch falsche Übertragung beim Schreiben. Pharmakologisch handelt es sich um die gleiche Substanz, einen klassischen Benzodiazepin Anxiolytikum mittlerer Wirkdauer.

Bromazepam ist seit 1974 unter dem Handelsnamen Lexotanil und zahlreichen Generika erhältlich. Der Wirkstoff wird vor allem zur kurzfristigen Behandlung von Angst , Anspannungs und Erregungszuständen eingesetzt. Aufgrund des Abhängigkeitspotentials sollte die Therapiedauer in der Regel auf 4 bis 8 Wochen begrenzt bleiben.

Wirkmechanismus

Bromazepam bindet wie alle Benzodiazepine an die Benzodiazepin Bindungsstelle des GABA A Rezeptors, einem Liganden gesteuerten Chloridkanal. Die Bindung verstärkt allosterisch die Wirkung von GABA, dem wichtigsten hemmenden Neurotransmitter im ZNS. Die Öffnungswahrscheinlichkeit des Chloridkanals steigt, das Neuron wird hyperpolarisiert und seine Erregbarkeit sinkt.

Aus dieser GABAergen Verstärkung resultieren die typischen Effekte:

  • Anxiolyse durch Hemmung limbischer Strukturen
  • Sedierung über kortikale und thalamische Bahnen
  • Muskelrelaxation auf spinaler Ebene
  • Antikonvulsive Wirkung
  • Anterograde Amnesie

Bromazepam hat eine Halbwertszeit von 10 bis 20 Stunden, eine mittlere Wirkdauer und kaum aktive Metaboliten. Im Vergleich zu Diazepam ist die Akkumulationsneigung geringer.

Anwendungsgebiete

  • Akute und chronische Spannungs , Erregungs und Angstzustände: kurzfristig in psychisch belastenden Situationen, vor Eingriffen und in Krisensituationen
  • Schlafstörungen mit Angstkomponente: wenn die Angst die Schlafstörung dominiert
  • Vegetative Begleitsymptome bei Herz Kreislauf , Magen Darm und Atemwegserkrankungen: bei psychogenen Anteilen
  • Prämedikation: Off Label vor diagnostischen oder operativen Eingriffen

Bromazepam ist nicht zur Behandlung der Depression oder einer chronischen Angststörung als Monotherapie geeignet. Bei generalisierter Angststörung sind SSRI, SNRI, Pregabalin oder Buspirone die Mittel der Wahl, Benzodiazepine bleiben Reserve.

Dosierung und Einnahme

Ambulanter Bereich: 1,5 bis 3 mg dreimal täglich, in leichten Fällen auch 3 mg Einzeldosis abends. Maximale Dosis ambulant: 12 mg pro Tag.

Stationär: bis 24 mg pro Tag in Einzelfällen, unter engmaschiger Überwachung.

Ältere Patienten und eingeschränkte Leberfunktion: initial halbe Dosis, langsamer Aufbau, da erhöhte Empfindlichkeit und verminderter Metabolismus.

Die Anwendungsdauer sollte 4 bis 8 Wochen einschließlich Ausschleichphase nicht überschreiten. Längere Anwendung nur bei strenger Indikation und nach individueller Risiko Nutzen Abwägung.

Ausschleichen: Bei Therapie über mehrere Wochen muss langsam reduziert werden, oft über mehrere Wochen, um Entzugssymptome zu vermeiden.

Nebenwirkungen

Häufig: Müdigkeit, Schläfrigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrations und Reaktionsstörungen, Muskelschwäche, anterograde Amnesie.

Gelegentlich: verwaschene Sprache, Doppeltsehen, Übelkeit, Mundtrockenheit, Hypotonie, Hautausschlag.

Selten: paradoxe Reaktionen mit Unruhe, Erregung, Aggressivität, Albträumen, vor allem bei älteren Patienten und Kindern; Atemdepression, vor allem bei Kombination mit anderen ZNS Dämpfern.

Wichtige Risiken:

  • Toleranz: Wirkungsabschwächung bereits nach wenigen Wochen
  • Abhängigkeit: sowohl psychisch als auch physisch, schon nach 4 bis 6 Wochen regelmäßiger Einnahme
  • Entzugssymptome beim Absetzen: verstärkte Angst, Schlaflosigkeit, Tremor, Schwitzen, Muskelschmerzen, in schweren Fällen Krampfanfälle und Delir
  • Sturzrisiko bei älteren Patienten: deutlich erhöht durch Sedierung und Muskelrelaxation
  • Demenz Risiko: Beobachtungsstudien zeigen einen Zusammenhang zwischen Langzeit Benzodiazepin Anwendung und kognitivem Abbau

Wechselwirkungen

  • Andere ZNS Dämpfer (Alkohol, Opioide, Antipsychotika, sedierende Antihistaminika): additive Sedierung, Atemdepression; Kombination mit Opioiden ist klassische Risikokonstellation für Atemstillstand
  • Starke CYP3A4 Hemmer (Ketoconazol, Itraconazol, HIV Proteaseinhibitoren, Erythromycin): Spiegelerhöhung, verstärkte Sedierung
  • Starke CYP3A4 Induktoren (Rifampicin, Carbamazepin, Johanniskraut): Spiegelabfall, Wirkungsverlust
  • Cimetidin, Omeprazol: moderate Spiegelerhöhung
  • Levodopa: abgeschwächte Antiparkinson Wirkung

Besondere Hinweise

Schwangerschaft: nicht empfohlen, insbesondere im ersten Trimenon. In der Spätschwangerschaft Risiko für Floppy Infant Syndrom mit Hypotonie, Trinkschwäche und Atemdepression beim Neugeborenen sowie Entzugssyndrome.

Stillzeit: Übertritt in die Muttermilch, daher nicht empfohlen.

Kinder und Jugendliche: nicht empfohlen, paradoxe Reaktionen häufiger.

Ältere Patienten: erhöhte Empfindlichkeit, Sturz und Frakturgefahr, kognitive Störungen. PRISCUS Liste stuft Benzodiazepine als potentiell ungeeignet ein.

Suchtanamnese: bei Patienten mit Alkohol oder Drogenabhängigkeit Anwendung möglichst vermeiden, da hohes Missbrauchspotential.

Engmaschige Überwachung: bei eingeschränkter Atemfunktion, Schlafapnoe, Myasthenia gravis, Glaukomanfall.

Verkehrstüchtigkeit: insbesondere zu Therapiebeginn, bei Dosiserhöhung und in Kombination mit Alkohol nicht gegeben.

Verwandte Wirkstoffe

Häufig gestellte Fragen

Heißt der Wirkstoff Bromazepan oder Bromazepam?

Korrekt ist Bromazepam. Bromazepan ist eine verbreitete Schreibvariante, vermutlich durch Tippfehler. Beide Begriffe meinen denselben Wirkstoff.

Wie schnell macht Bromazepam abhängig?

Bei regelmäßiger Einnahme können sich Toleranz und Abhängigkeit bereits nach 4 bis 6 Wochen entwickeln. Schon kürzere Therapieintervalle können zu Entzugssymptomen führen. Daher sollte die Therapie möglichst kurz und niedrig dosiert sein.

Was ist beim Absetzen zu beachten?

Nach mehrwöchiger Einnahme darf nicht abrupt abgesetzt werden. Empfohlen wird ein langsames Ausschleichen über mehrere Wochen, oft begleitet von einem Wechsel auf länger wirksame Benzodiazepine wie Diazepam, um die Reduktion zu erleichtern.

Darf ich Alkohol trinken, wenn ich Bromazepam nehme?

Nein. Alkohol und Benzodiazepine wirken sich gegenseitig verstärkend auf das ZNS aus. Die Kombination kann zu starker Sedierung, Atemdepression und tödlichen Verläufen führen. Auch geringe Alkoholmengen sind während der Therapie zu vermeiden.

Quellen

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