Macrogol: osmotisches Laxans bei chronischer Verstopfung

Macrogol, chemisch Polyethylenglykol, ist ein osmotisch wirksames Abführmittel und gilt bei chronischer Verstopfung als Mittel der ersten Wahl. In Arzneimitteln kommen vor allem die Typen Macrogol 3350 und Macrogol 4000 zum Einsatz, häufig kombiniert mit Elektrolyten. Bekannte Handelsnamen sind Movicol und Laxofalk, daneben gibt es zahlreiche Generika.

Der Wirkstoff unterscheidet sich grundlegend von stimulierenden Abführmitteln. Er greift nicht in die Darmnerven ein, sondern wirkt rein physikalisch. Macrogol wird weder aufgenommen noch verstoffwechselt und verlässt den Körper unverändert. Daraus folgen die gute Verträglichkeit und die Eignung für eine längerfristige Anwendung.

Wirkmechanismus

Macrogol ist ein langkettiges Polymer, das über Wasserstoffbrücken große Mengen Wasser bindet. Dieses Wasser wird im Darmlumen zurückgehalten, statt in den Körper aufgenommen zu werden. Der Stuhl bleibt dadurch weich und sein Volumen nimmt zu.

Die Volumenzunahme dehnt die Darmwand, was den natürlichen Entleerungsreflex auslöst. Die Darmpassage beschleunigt sich, ohne dass die Darmmuskulatur pharmakologisch stimuliert wird.

Da der Wirkstoff nicht resorbiert wird, treten keine systemischen Effekte auf. Er wird nicht von Darmbakterien abgebaut, weshalb im Gegensatz zu Lactulose kaum Blähungen entstehen.

Ein Gewöhnungseffekt ist nicht bekannt. Die häufig geäußerte Sorge, ein Abführmittel mache den Darm auf Dauer träge, trifft für Macrogol nach heutigem Kenntnisstand nicht zu. Auch ein relevanter Elektrolytverlust bleibt aus, sofern die Zubereitung Elektrolyte enthält.

Anwendungsgebiete

Zugelassen ist Macrogol bei:

  • chronischer Verstopfung bei Erwachsenen und Kindern
  • Koprostase, also der Ansammlung verhärteten Stuhls im Enddarm
  • zur Darmreinigung vor einer Darmspiegelung oder vor Operationen, in hoher Dosierung mit Elektrolytzusatz

Die deutsche Leitlinie zur chronischen Obstipation führt Macrogol als Substanz mit der besten Evidenzlage auf. Es wird eingesetzt, wenn Ballaststoffe, ausreichende Trinkmenge und Bewegung allein nicht ausreichen.

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Vorbeugung und Behandlung der Verstopfung unter einer Opioidtherapie. Diese Nebenwirkung tritt bei nahezu allen Patienten auf und bildet sich anders als Übelkeit oder Müdigkeit nicht durch Gewöhnung zurück. Ein Laxans gehört deshalb von Beginn an zum Behandlungsplan.

Auch bei Kindern und in Schwangerschaft und Stillzeit ist Macrogol nach ärztlicher Rücksprache einsetzbar, weil es nicht in den Blutkreislauf gelangt.

Dosierung und Einnahme

Übliche Dosierung bei chronischer Verstopfung:

  • Erwachsene: 1 bis 3 Beutel täglich, je nach Präparat 10 bis 13 g Macrogol pro Beutel
  • die Erhaltungsdosis wird auf die niedrigste Menge eingestellt, die einen weichen Stuhl sichert
  • Kinder ab 2 Jahren: Dosierung nach Alter und Körpergewicht, nur nach ärztlicher Anweisung

Bei Koprostase:

  • deutlich höhere Tagesdosen über wenige Tage, ausschließlich unter ärztlicher Anleitung

Das Pulver wird in der auf der Packung angegebenen Menge Wasser vollständig aufgelöst, üblicherweise etwa 125 Milliliter je Beutel. Die vorgegebene Flüssigkeitsmenge ist Teil der Wirkung und darf nicht reduziert werden.

Die Wirkung setzt nicht sofort ein. Üblich sind 24 bis 48 Stunden bis zum ersten Stuhlgang, in manchen Fällen bis zu 72 Stunden. Diese Verzögerung ist normal und kein Zeichen für ein Versagen der Behandlung. Eine vorschnelle Dosissteigerung führt lediglich zu Durchfall.

Für die Darmreinigung vor einer Koloskopie gelten eigene, wesentlich höhere Dosierungsschemata mit mehreren Litern Trinklösung nach ärztlicher Vorgabe.

Nebenwirkungen

Häufig, meist mild und dosisabhängig:

  • Bauchschmerzen und Bauchgeräusche
  • Blähungen
  • Übelkeit
  • Durchfall bei zu hoher Dosierung

Die Nebenwirkungen lassen sich in der Regel durch eine Dosisreduktion beherrschen. Tritt Durchfall auf, wird die Dosis verringert, nicht das Mittel abgesetzt.

Selten kommt es zu Hautreaktionen wie Ausschlag, Juckreiz oder Quaddeln. Sehr selten wurden schwere Überempfindlichkeitsreaktionen beschrieben.

Bei bestimmungsgemäßer Anwendung sind Elektrolytstörungen nicht zu erwarten, weil die gebräuchlichen Zubereitungen Natrium, Kalium und Chlorid in ausgleichender Menge enthalten. Bei sehr hohen Dosierungen zur Darmreinigung und bei Patienten mit Herz- oder Nierenerkrankungen ist eine Kontrolle sinnvoll.

Wechselwirkungen

Macrogol wird nicht aufgenommen und tritt daher nicht in pharmakokinetische Wechselwirkungen im eigentlichen Sinn ein. Die beschleunigte Darmpassage kann jedoch die Aufnahme anderer gleichzeitig eingenommener Arzneimittel vermindern.

Praktische Konsequenzen:

  • zeitlicher Abstand von mindestens ein bis zwei Stunden zu anderen oral eingenommenen Arzneimitteln
  • besondere Aufmerksamkeit bei Arzneimitteln mit enger therapeutischer Breite wie Digoxin, Schilddrüsenhormonen oder Antiepileptika
  • bei hormonellen Verhütungsmitteln ist die Sicherheit theoretisch beeinträchtigt, wenn kurz nach der Einnahme starker Durchfall auftritt

Da Macrogol keine Darmnerven stimuliert, entfällt die bei stimulierenden Laxanzien beschriebene Kaliumverarmung und die daraus folgende Wirkverstärkung von Herzglykosiden.

Besondere Hinweise

Macrogol darf nicht angewendet werden bei:

  • Darmverschluss oder Verdacht darauf
  • Darmdurchbruch
  • schweren entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa im akuten Schub oder toxischem Megakolon
  • bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff

Bei plötzlich aufgetretener Verstopfung mit Erbrechen, starken Bauchschmerzen, aufgetriebenem Bauch oder fehlendem Windabgang darf kein Abführmittel eingenommen werden. Diese Zeichen können auf einen Darmverschluss hindeuten und erfordern sofortige ärztliche Abklärung.

Verstopfung, die neu auftritt, sich über Wochen verändert oder mit Blut im Stuhl, ungewolltem Gewichtsverlust oder einer Änderung der Stuhlform einhergeht, gehört ärztlich abgeklärt, bevor dauerhaft behandelt wird.

Bei Patienten mit eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion sollte die hochdosierte Anwendung zur Darmreinigung nur unter Kontrolle erfolgen.

Zubereitungen ohne Elektrolytzusatz sind für die kurzfristige Anwendung gedacht. Für eine längere Therapie sind Kombinationen mit Elektrolyten vorzuziehen.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert es, bis Macrogol wirkt?

In der Regel 24 bis 48 Stunden, in Einzelfällen bis zu 72 Stunden. Diese Verzögerung ist normal, weil der Wirkstoff zunächst Wasser im Darm binden muss. Eine vorzeitige Dosiserhöhung führt meist nur zu Durchfall.

Macht Macrogol den Darm träge?

Nach heutigem Kenntnisstand nicht. Macrogol wirkt rein physikalisch durch Wasserbindung und greift nicht in die Nervenversorgung des Darms ein. Ein Gewöhnungseffekt wie bei stimulierenden Abführmitteln ist nicht bekannt, weshalb der Wirkstoff auch längerfristig eingesetzt werden kann.

Was ist der Unterschied zwischen Macrogol und Lactulose?

Beide wirken osmotisch, aber auf unterschiedlichem Weg. Lactulose wird von Darmbakterien vergoren, wobei Gase entstehen, die zu Blähungen und Bauchkrämpfen führen können. Macrogol wird nicht abgebaut und ist deshalb in der Regel besser verträglich. Studien zeigen zudem eine bessere Wirksamkeit.

Darf man Macrogol in der Schwangerschaft nehmen?

Macrogol gelangt nicht in den Blutkreislauf und gilt in Schwangerschaft und Stillzeit als geeignete Option, wenn Ballaststoffe und ausreichende Trinkmenge nicht ausreichen. Die Anwendung sollte dennoch ärztlich abgestimmt werden.

Warum bekommt man Macrogol zusammen mit Opioiden verordnet?

Opioide verlangsamen die Darmbewegung und führen bei nahezu allen Patienten zu Verstopfung. Anders als Übelkeit oder Müdigkeit verschwindet diese Nebenwirkung nicht durch Gewöhnung. Ein osmotisches Laxans wie Macrogol gehört deshalb von Behandlungsbeginn an dazu.

Quellen

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