Manitol: Schreibvariante des osmotischen Diuretikums Mannitol
Manitol ist eine häufige Schreibvariante des korrekten Wirkstoffnamens Mannitol. Beide Bezeichnungen meinen den gleichen Zuckeralkohol, der medizinisch als osmotisches Diuretikum, intrakranielles Druckmittel und in der Inhalationstherapie der Cystischen Fibrose eingesetzt wird. Mannitol wird in der Natur in vielen Pflanzen, Algen und Pilzen gebildet.
Im klinischen Alltag findet sich Mannitol vor allem als 10 oder 20 prozentige intravenöse Lösung. Die Anwendung erfolgt in der Notfallmedizin, Neurochirurgie, Augenheilkunde und Anästhesie. Eine inhalative Formulierung (Bronchitol) wird in der CF Therapie eingesetzt.
Wirkmechanismus
Mannitol ist ein osmotisch wirksamer Zuckeralkohol, der im Körper kaum metabolisiert wird und renal frei filtriert, aber im Tubulus nicht rückresorbiert wird. Daraus ergeben sich folgende Wirkungen:
- Osmotische Diurese: erhöhte Osmolarität im Tubulus zieht Wasser in das Lumen, führt zu vermehrter Ausscheidung von Wasser, Natrium und Chlorid
- Reduktion des intrakraniellen Drucks: erhöhte Plasmaosmolarität zieht Flüssigkeit aus dem Hirngewebe in die Blutgefäße, intrakranieller Druck sinkt
- Reduktion des Augeninnendrucks: ähnlich wie im Gehirn, vor allem bei akutem Glaukomanfall
- Inhalation in CF: osmotischer Effekt zieht Wasser in das Bronchialsekret, verbessert mukoziliäre Clearance
Die Wirkung tritt bei intravenöser Gabe innerhalb von 15 bis 30 Minuten ein und hält 2 bis 6 Stunden an.
Anwendungsgebiete
- Hirnödem und erhöhter intrakranieller Druck: nach Schlaganfall, Schädel Hirn Trauma, intrakraniellen Tumoren
- Akuter Glaukomanfall: rasche Senkung des Augeninnendrucks vor chirurgischer Versorgung
- Akute Niereninsuffizienz: in einigen Protokollen als forcierte Diurese; klinische Relevanz heute kontrovers, eher historisch
- Vergiftungen: Forcierung der renalen Ausscheidung wasserlöslicher Toxine
- Cystische Fibrose: Inhalation zur Verbesserung der mukoziliären Clearance (Bronchitol)
- Vorbereitung urologischer Eingriffe: Spüllösung in der Transurethralen Resektion der Prostata (TURP) hat heute durch alternative Spülflüssigkeiten an Bedeutung verloren
Dosierung und Anwendung
Hirnödem oder erhöhter intrakranieller Druck: 0,25 bis 1 g pro kg Körpergewicht intravenös als Bolus oder Kurzinfusion über 15 bis 30 Minuten. Wiederholung alle 4 bis 6 Stunden bei klinischer Notwendigkeit.
Akuter Glaukomanfall: 1,5 bis 2 g pro kg intravenös über 30 Minuten als Notfalltherapie.
Bronchitol Inhalation bei CF: 400 mg zweimal täglich über einen speziellen Trockenpulver Inhalator, nach vorheriger Toleranzprüfung.
Anwendung: über zentralvenösen oder großlumigen peripheren Zugang, da hyperosmolare Lösung Venenreizung verursachen kann. Engmaschige Kontrolle von Elektrolyten, Volumenstatus, Nierenfunktion und Osmolalität.
Nebenwirkungen
Häufig: Polyurie, Durst, Mundtrockenheit, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, lokale Reizung an der Injektionsstelle.
Gelegentlich: Elektrolytstörungen (Hyponatriämie oder Hypernatriämie, Hypokaliämie), Hypotonie oder Hypertonie, Tachykardie, Sehstörungen, Schwindel.
Selten und sehr selten: akutes Nierenversagen bei Hochdosistherapie, Hypervolämie bis Lungenödem, intrakranielle Rebound Hypertonie nach Beendigung, anaphylaktoide Reaktionen, Krampfanfälle, Auskristallisation in der Lösung bei zu kühler Lagerung.
Inhalation Bronchitol: Husten, Bronchospasmus, Halsschmerzen, Hämoptyse selten. Vor erster Anwendung Toleranzprüfung mit Spirometrie.
Wichtige Punkte:
- Engmaschige Kontrolle von Volumen, Elektrolyten, Nierenfunktion
- Bei Anuria oder schwerer dekompensierter Herzinsuffizienz kontraindiziert
- Nach Beendigung Rebound Hirnödem möglich, vor allem bei längerer Anwendung
Wechselwirkungen
- Andere Diuretika: additive Wirkung auf Wasser und Elektrolyte
- Nephrotoxische Substanzen (Aminoglykoside, Cisplatin, Ciclosporin): erhöhtes Risiko für Nierenschädigung
- Lithium: beschleunigte Lithium Ausscheidung, Spiegelabfall
- Antikoagulantien und Diuretika: verstärkte Diurese und Hypotonie
- Glykoside (Digoxin): erhöhtes Risiko für Toxizität bei Hypokaliämie
Besondere Hinweise
Schwangerschaft: bei klarer Indikation und unter strikter ärztlicher Überwachung möglich. Daten begrenzt.
Stillzeit: bei kurzfristiger Anwendung meist unproblematisch.
Kontraindikationen: Anuria nicht durch reversible Ursachen, schwere Herzinsuffizienz mit Lungenödem, intrakranielle Blutung außer in OP Vorbereitung, schwere Dehydratation.
Lagerung: Mannitol Lösungen können bei Kühlung auskristallisieren. Vor Anwendung visuell prüfen, ggf. erwärmen und durch Filter geben. Niemals Lösungen mit sichtbaren Kristallen infundieren.
Inhalation: Bronchitol erfordert eine Toleranzprüfung mit Spirometrie vor der ersten Anwendung, da bei einigen Patienten Bronchospasmus auftritt.
Patientenkommunikation: intravenöse Anwendung erfolgt in der Regel im klinischen Setting unter engmaschiger Überwachung. Patientinnen und Patienten unter Bronchitol Inhalation sollten über Anwendungstechnik, mögliche Reizungen und korrekte Hygiene des Inhalators aufgeklärt werden.
Verwandte Wirkstoffe
- Mannitol, korrekte Schreibung des gleichen Wirkstoffs
- Aztreonam, inhalatives Antibiotikum bei CF
- Etomidate, Hypnotikum in der Notfallmedizin
- Sevofluran, volatiles Anästhetikum
Häufig gestellte Fragen
Manitol oder Mannitol?
Korrekt ist Mannitol mit zwei n. Manitol ist eine häufige Schreibvariante. Beide bezeichnen den gleichen Zuckeralkohol mit identischen pharmakologischen Eigenschaften.
Wie schnell senkt Mannitol den intrakraniellen Druck?
Innerhalb von 15 bis 30 Minuten nach intravenöser Gabe sinkt der intrakranielle Druck deutlich. Die Wirkung hält etwa 2 bis 6 Stunden an. Eine engmaschige Überwachung von Druck, Volumen und Elektrolyten ist obligat.
Was bedeutet Rebound Hirnödem?
Bei längerer Anwendung kann Mannitol über die Blut Hirn Schranke ins Hirngewebe übertreten und nach Ende der Therapie reverse Osmose induzieren, was zu erneutem Hirnödem führt. Dieses Risiko ist klinisch relevant und beeinflusst die Therapiedauer.
Wie hilft Mannitol bei Cystischer Fibrose?
Inhaliertes Mannitol erzeugt einen osmotischen Gradienten in den Bronchien. Wasser zieht in das zähe Schleimsekret, das dadurch dünnflüssiger wird und besser abgehustet werden kann. Die mukoziliäre Clearance verbessert sich, was die Lungenfunktion langfristig stabilisieren kann.
Quellen
- EMA Europäische Arzneimittelagentur
- BfArM Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
- AWMF Leitlinien Schädel Hirn Trauma und CF
- Gelbe Liste Mannitol Wirkstoffprofil
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