Nonivamid: Wirkung als Capsaicin Analogon

Nonivamid (auch Pelargonsäurevanillylamid) ist ein synthetisches Capsaicin Analogon, das in topischen Schmerzpräparaten eingesetzt wird. Chemisch ist Nonivamid dem natürlichen Capsaicin aus der Chilischote sehr ähnlich, verfügt aber über bessere Stabilität und einheitlichere Wirkstärke. In Deutschland ist Nonivamid in verschiedenen Schmerzcremes und Salben enthalten, die zur lokalen Behandlung von muskuloskelettalen Schmerzen wie Verspannungen, Rheuma und Muskelschmerzen angewendet werden. Bekannte Präparate mit Nonivamid sind Finalgon, ABC Wärmecreme und einige weitere rezeptfreie Schmerzsalben.

Die Anwendung von Nonivamid Cremes ist seit Jahrzehnten in der Selbstmedikation etabliert und basiert auf der wärmenden und durchblutungsfördernden Wirkung. Die Substanz wirkt nicht klassisch entzündungshemmend wie ein NSAR, sondern über eine andere Wirkungsweise mit Aktivierung sensorischer Nervenfasern und Auslösung einer reaktiven Hyperämie der Haut. Dadurch entsteht ein angenehm warmes Gefühl, das bei vielen muskuloskelettalen Beschwerden subjektiv als wohltuend empfunden wird.

Wirkmechanismus

Nonivamid wirkt wie Capsaicin durch Aktivierung des TRPV1 Rezeptors (Transient Receptor Potential Vanilloid 1) auf primären sensorischen Nervenfasern. Diese Rezeptoren werden auch durch Hitze (über 43 Grad Celsius) und chemische Reize aktiviert. Die Aktivierung führt zu einem Calcium und Natrium Einstrom in die Nervenzellen und löst eine starke Erregung mit dem Empfinden von Wärme, Brennen oder Schmerz aus. Bei wiederholter oder anhaltender Stimulation kommt es zur Desensibilisierung der Nozizeptoren, was die analgetische Komponente erklärt.

Lokal führt die Aktivierung der C Fasern auch zur Freisetzung neurogener Mediatoren wie Substanz P und CGRP (Calcitonin Gene Related Peptide). Diese verursachen eine Vasodilatation und reaktive Hyperämie der Haut, die als wärmendes Hautrötungsphänomen bemerkbar wird. Die verstärkte Hautdurchblutung soll die Versorgung des darunterliegenden Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen verbessern und den Abtransport von Stoffwechselprodukten unterstützen.

Bei längerer Anwendung von Nonivamid kann eine Verarmung der Substanz P Speicher in den C Fasern auftreten, was zu einer chronischen analgetischen Wirkung beitragen kann. Anders als hochkonzentriertes Capsaicin (Qutenza Pflaster mit 8 Prozent Capsaicin) wird Nonivamid in Cremes und Salben in viel niedrigerer Konzentration verwendet, sodass die akute Wärmewirkung dominiert.

Anwendungsgebiete

  • Muskuloskelettale Schmerzen: Muskelverspannungen, Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Schulterschmerzen, Lumbago
  • Sportverletzungen: Muskelzerrungen, Prellungen, Verstauchungen (nach Akutphase mit Kühlung)
  • Rheumatische Beschwerden: Arthrosen, chronische Polyarthritis (lokale symptomatische Therapie)
  • Lumboischialgie und ähnliche Schmerzsyndrome als adjuvante lokale Therapie
  • Vor sportlicher Belastung: Aufwärmung der Muskulatur und Vorbeugung gegen Muskelverspannung

Nonivamid ist nicht zur Anwendung an verletzter, entzündeter Haut, an Schleimhäuten oder bei akuten Entzündungen geeignet. Bei akuten Verletzungen mit Schwellung sollte zunächst Kühlung und keine Wärmecreme angewendet werden.

Dosierung und Anwendung

Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren: dünne Schicht der Creme oder Salbe 2 bis 3 mal täglich auf die schmerzende Stelle auftragen und einreiben. Anwendungsdauer in der Regel 1 bis 2 Wochen, bei chronischen Beschwerden ärztliche Rücksprache.

Behandlungsfläche: nicht großflächig auftragen, in der Regel begrenzt auf die schmerzhafte Stelle. Maximale Behandlungsfläche etwa 100 cm² zu einer Zeit.

Verabreichung: auf gereinigte, trockene und intakte Haut auftragen, sanft einmassieren bis die Creme einzieht. Nach Anwendung Hände gründlich waschen, weil Nonivamid auf Schleimhäuten und in den Augen starke Brennreaktionen auslöst.

Wichtig: nach Anwendung 1 bis 2 Stunden warten, bevor die Stelle mit Wasser benetzt wird (zum Beispiel beim Duschen oder Sport mit starker Schweißbildung), weil Wärme und Wasser die Wirkung verstärken können und unangenehmes Brennen auslösen.

Niereninsuffizienz / Leberinsuffizienz: bei lokaler Anwendung in üblicher Konzentration in der Regel keine Anpassung erforderlich.

Bei zu starker Brennsensation: Creme mit pflanzlichem Öl (Mandelöl, Olivenöl) oder fetthaltiger Creme abwischen, da Nonivamid lipophil ist und mit Wasser schlecht entfernt werden kann.

Nebenwirkungen

Sehr häufig: lokale Hautrötung, Wärmegefühl, Brennen, Stechen oder Kribbeln an der Anwendungsstelle, vor allem zu Therapiebeginn.

Häufig: Pruritus, Hautrötung über das behandelte Areal hinaus, vorübergehende Hautirritation. Bei sehr empfindlicher Haut kann eine Quaddelbildung oder Bläschenbildung auftreten.

Gelegentlich: Kontaktekzem oder allergische Reaktion mit Hautausschlag, Pruritus, Schwellung. Bei Verschlechterung Behandlung absetzen.

Selten: sehr starke Reaktionen mit Blasenbildung, anaphylaktische Reaktionen.

Bei Kontakt mit Augen oder Schleimhäuten: sehr starkes Brennen, Tränenfluss, Bindehautrötung, ggf. Atembeschwerden bei Kontakt mit der Atemschleimhaut. Sofortige gründliche Spülung mit Wasser oder Pflanzenöl, ärztliche Rücksprache bei Augenkontakt.

Bei Anwendung mit Wärmequellen oder Heißduschen: Verstärkung der Brennsensation bis zur unerträglichen Reizung möglich.

Wechselwirkungen

  • Andere topische Wirkstoffe auf der gleichen Hautstelle: Mindestabstand zur Anwendung, weil sich Wirkungen verstärken oder verändern können.
  • Wärmequellen: Heizdecken, Wärmflaschen, Sauna, Solarium und heiße Bäder im behandelten Bereich vermeiden, weil Wärme die Wirkung deutlich verstärkt.
  • Andere Capsaicin oder Capsicum Präparate: nicht gleichzeitig verschiedene capsaicinhaltige Cremes auf gleicher Hautstelle anwenden.
  • NSAR und andere Schmerzmittel systemisch: Kombination möglich, wenn Wirkungsmechanismen unterschiedlich.
  • Kortison Cremes: bei zeitversetzter Anwendung möglich, jedoch nicht direkt aufeinander auftragen.

Besondere Hinweise

Schwangerschaft: begrenzte Daten, lokale kleinflächige Anwendung bei strenger Indikation und ärztlicher Rücksprache. Stillzeit: nicht im Brustbereich anwenden, sonst gut verträglich bei lokaler Anwendung.

Kinder: Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren nur nach ärztlicher Beratung.

Kontraindikationen: bekannte Überempfindlichkeit gegen Capsaicin oder andere Vanilloide, offene Wunden, entzündliche Hauterkrankungen, geschädigte Haut, Schleimhäute, Anwendung in der Nähe der Augen und Genitalien.

Vor Anwendung: bei sehr empfindlicher Haut Verträglichkeitstest an einer kleinen Hautfläche.

Während der Anwendung: bei sehr starkem Brennen, Blasenbildung oder ungewöhnlichen Hautreaktionen Therapie abbrechen.

Lebensstil: nach Anwendung kein heißes Bad, keine Sauna, keine Wärmflasche auf der behandelten Stelle für mindestens 1 bis 2 Stunden. Vor sportlicher Aktivität mit starker Schweißbildung Wartezeit oder kleinere Menge.

Verkehrstüchtigkeit: nicht beeinträchtigt durch lokale Anwendung.

Das könnte Sie auch interessieren

  • Capsaicin, natürlicher Wirkstoff aus Chili für topische Schmerztherapie
  • Diclofenac, NSAR topisch bei muskuloskelettalen Schmerzen
  • Ibuprofen, NSAR systemisch und topisch
  • Lidocain, Lokalanästhetikum als topisches Schmerzmittel
  • Menthol, Kühlmittel als Alternative zu Wärmesalbe

Häufig gestellte Fragen

Warum brennt eine Wärmecreme mit Nonivamid auf der Haut?

Nonivamid aktiviert TRPV1 Rezeptoren auf sensorischen Nervenfasern, die normalerweise auf Hitze reagieren. Dadurch entsteht das Empfinden von Wärme oder Brennen, ohne dass die Hautoberfläche tatsächlich erhitzt wird. Gleichzeitig kommt es zur Erweiterung der Hautgefäße und sichtbarer Hautrötung. Diese Wirkungsweise unterscheidet sich grundsätzlich von einer entzündungshemmenden Therapie wie mit Ibuprofen oder Diclofenac.

Was tun, wenn die Creme zu stark brennt?

Mit pflanzlichem Öl (Mandelöl, Olivenöl) oder einer fetthaltigen Creme die Stelle abwischen, weil Nonivamid lipophil ist und mit Wasser schlecht entfernt werden kann. Mit Wasser allein wird das Brennen oft sogar verstärkt. Bei sehr empfindlicher Reaktion kühl trocken auflegen, nicht kratzen. Beim nächsten Mal kleinere Menge anwenden oder eine andere Therapieoption wählen.

Sollte ich nach Nonivamid Anwendung warm baden oder duschen?

Nicht in den ersten 1 bis 2 Stunden, weil Wärme und Wasser die Wirkung deutlich verstärken können und unangenehmes oder schmerzhaftes Brennen auslösen können. Danach ist Duschen problemlos möglich. Wer eine Wärmesalbe vor dem Sport benutzt, sollte vorsichtig dosieren, weil Schweißbildung das Brennen verstärken kann.

Wann ist Wärmecreme nicht geeignet?

Bei akuten Verletzungen mit Schwellung, Hämatom oder offenen Wunden ist Wärmecreme kontraindiziert. In der Akutphase einer Verletzung wirkt Kühlung besser, weil sie die Schwellung und Entzündung reduziert. Wärmecreme ist erst sinnvoll, wenn die akute Phase vorüber ist und Verspannungen oder muskuläre Beschwerden im Vordergrund stehen. Auch bei entzündlicher Haut, Schleimhäuten und in der Nähe von Augen ist die Anwendung kontraindiziert.

Quellen

Rechtliche Hinweise und Haftungsausschluss

Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar. Sie ersetzen nicht den Rat eines approbierten Arztes oder Apothekers. Alle Angaben basieren auf zum Zeitpunkt der Erstellung veröffentlichten Fachinformationen und anerkannten wissenschaftlichen Quellen, maßgeblich ist stets die jeweils aktuelle Fachinformation des Herstellers. Sanoliste übernimmt keine Haftung für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der dargestellten Informationen. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie den Notruf 112.