Olmesartan: Angiotensin-II-Rezeptorblocker zur Blutdrucksenkung

Olmesartan gehört zur Gruppe der Angiotensin-II-Rezeptorblocker, kurz Sartane. Es senkt den Blutdruck, indem es die gefäßverengende Wirkung des Hormons Angiotensin II blockiert. Im Handel ist es unter Namen wie Olmetec und Votum sowie als zahlreiche Generika, auch in Kombination mit Hydrochlorothiazid oder Amlodipin.

Sartane zählen wie ACE-Hemmer zu den Basissubstanzen der Bluthochdruckbehandlung. Sie werden meist dann eingesetzt, wenn ein ACE-Hemmer wegen des typischen trockenen Reizhustens nicht vertragen wird. Eine Besonderheit von Olmesartan ist eine seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung am Darm, die lange nicht erkannt wurde.

Wirkmechanismus

Olmesartan blockiert selektiv den AT1-Rezeptor für Angiotensin II. Dieses Hormon ist der stärkste körpereigene Gefäßverenger und fördert zusätzlich die Ausschüttung von Aldosteron, das Natrium und Wasser zurückhält. Wird der Rezeptor blockiert, entspannen sich die Gefäße, der periphere Widerstand sinkt und der Blutdruck fällt.

Über die reine Blutdrucksenkung hinaus wirkt die Hemmung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems dem Umbau von Herz und Gefäßen entgegen. Auch die Eiweißausscheidung über die Nieren wird vermindert, was bei diabetischer Nierenerkrankung von Bedeutung ist.

Anders als ACE-Hemmer greift Olmesartan nicht in den Abbau von Bradykinin ein. Der bei ACE-Hemmern häufige trockene Reizhusten tritt deshalb unter Sartanen deutlich seltener auf. Auch das Risiko für ein Angioödem ist geringer, aber nicht aufgehoben.

Olmesartanmedoxomil ist ein Prodrug, das bereits während der Aufnahme aus dem Darm zur wirksamen Form gespalten wird. Die Ausscheidung erfolgt etwa zur Hälfte über die Nieren und zur Hälfte über die Galle. Ein Abbau über das Cytochrom-P450-System findet praktisch nicht statt, was die Zahl der Wechselwirkungen gering hält.

Anwendungsgebiete

Zugelassen ist Olmesartan bei:

  • essenzieller Hypertonie bei Erwachsenen
  • Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen ab 6 Jahren, je nach Präparat

In den Behandlungsempfehlungen zur Hypertonie gehören Sartane zu den fünf Substanzgruppen der ersten Wahl. Sie werden häufig von Beginn an mit einem Calciumkanalblocker oder einem Thiaziddiuretikum kombiniert, weil eine Zweifachkombination in niedriger Dosierung wirksamer und verträglicher ist als eine Einzelsubstanz in hoher Dosierung.

Besonders geeignet sind Sartane bei Patienten mit Diabetes, mit Eiweißausscheidung über die Nieren, nach Herzinfarkt und bei Herzinsuffizienz, wenn ein ACE-Hemmer nicht vertragen wird.

Dosierung und Einnahme

Übliche Dosierung bei Erwachsenen:

  • Beginn mit 10 mg einmal täglich
  • übliche Erhaltungsdosis 20 mg einmal täglich
  • bei unzureichender Wirkung Steigerung auf 40 mg täglich
  • darüber hinaus ist keine weitere Blutdrucksenkung zu erwarten

Die Einnahme erfolgt einmal täglich, unabhängig von den Mahlzeiten, möglichst zur gleichen Tageszeit.

Die volle blutdrucksenkende Wirkung entwickelt sich über etwa zwei bis vier Wochen. Eine vorzeitige Dosissteigerung ist deshalb selten sinnvoll.

Bei leichter bis mäßiger Nierenfunktionsstörung ist keine Anpassung der Anfangsdosis erforderlich, die Höchstdosis sollte jedoch 20 Milligramm nicht überschreiten. Bei schwerer Nierenfunktionsstörung liegen nur begrenzte Daten vor.

Bei Patienten mit Flüssigkeitsmangel oder unter hochdosierter Entwässerungstherapie sollte niedrig begonnen werden, da sonst ein ausgeprägter Blutdruckabfall bei der ersten Gabe auftreten kann.

Nebenwirkungen

Häufig:

  • Schwindel und Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Atemwegsinfekte und Rachenentzündung
  • Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall
  • Anstieg von Kalium, Kreatinin und Harnsäure

Selten bis sehr selten:

  • ausgeprägter Blutdruckabfall
  • Verschlechterung der Nierenfunktion bis zum Nierenversagen
  • Angioödem mit Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Kehlkopf
  • Muskelschmerzen und Muskelkrämpfe
  • Leberwerterhöhungen

Eine Besonderheit von Olmesartan ist die sprueähnliche Enteropathie. Dabei kommt es Monate bis Jahre nach Behandlungsbeginn zu schweren chronischen Durchfällen mit erheblichem Gewichtsverlust, teils mit Zottenschwund im Dünndarm wie bei Zöliakie. Die Beschwerden bilden sich nach Absetzen des Wirkstoffs zurück.

Diese Nebenwirkung wird häufig verkannt, weil der zeitliche Abstand zum Behandlungsbeginn groß ist und zunächst an eine Zöliakie oder eine chronisch entzündliche Darmerkrankung gedacht wird. Bei chronischem Durchfall mit Gewichtsverlust unter Olmesartan sollte deshalb immer ein Zusammenhang mit dem Arzneimittel erwogen werden.

Ein Kaliumanstieg ist die klinisch bedeutsamste laborchemische Nebenwirkung. Er tritt vor allem bei eingeschränkter Nierenfunktion, bei Diabetes und bei Kombination mit kaliumsparenden Substanzen auf.

Wechselwirkungen

Klinisch relevante Kombinationen:

  • kaliumsparende Diuretika, Kaliumpräparate, Aldosteronantagonisten und Trimethoprim erhöhen das Risiko für gefährlich hohe Kaliumwerte
  • nichtsteroidale Antirheumatika schwächen die blutdrucksenkende Wirkung ab und können die Nierenfunktion verschlechtern
  • Lithium wird verzögert ausgeschieden, der Spiegel steigt
  • andere blutdrucksenkende Mittel verstärken die Wirkung

Die gleichzeitige Anwendung mit einem ACE-Hemmer oder mit Aliskiren wird nicht empfohlen. Die doppelte Blockade des Renin-Angiotensin-Systems erhöht das Risiko für Blutdruckabfall, Kaliumanstieg und Nierenfunktionsstörungen, ohne einen entsprechenden Nutzen zu bieten. Bei Diabetikern und bei eingeschränkter Nierenfunktion ist die Kombination mit Aliskiren kontraindiziert.

Die Dreierkombination aus einem Sartan, einem Diuretikum und einem nichtsteroidalen Antirheumatikum kann die Nierenfunktion akut verschlechtern, besonders bei Flüssigkeitsmangel.

Besondere Hinweise

Olmesartan darf nicht angewendet werden bei:

  • Schwangerschaft
  • beidseitiger Nierenarterienstenose
  • schwerer Leberfunktionsstörung und Gallenwegsverschluss
  • gleichzeitiger Anwendung von Aliskiren bei Diabetes oder eingeschränkter Nierenfunktion

Die Anwendung in der Schwangerschaft ist streng untersagt. Substanzen, die in das Renin-Angiotensin-System eingreifen, können beim ungeborenen Kind schwere Schädigungen der Nieren und des Schädels verursachen und zu Fruchtwassermangel führen. Bei geplanter oder festgestellter Schwangerschaft muss der Wirkstoff sofort abgesetzt und auf eine geeignete Alternative gewechselt werden.

Kontrollen während der Behandlung:

  • Kalium und Kreatinin, insbesondere in den ersten Wochen und nach Dosisänderungen
  • Blutdruck
  • bei Durchfall mit Gewichtsverlust gezielte Abklärung einer sprueähnlichen Enteropathie

Bei Erkrankungen mit Flüssigkeitsverlust wie Durchfall, Erbrechen oder Fieber sollte ärztlich geprüft werden, ob die Einnahme vorübergehend pausiert wird, um ein akutes Nierenversagen zu vermeiden.

Zu Behandlungsbeginn und nach Dosiserhöhungen kann Schwindel das Reaktionsvermögen beeinträchtigen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Olmesartan und einem ACE-Hemmer?

Beide greifen in das Renin-Angiotensin-System ein, jedoch an unterschiedlicher Stelle. ACE-Hemmer verhindern die Bildung von Angiotensin II und hemmen zugleich den Abbau von Bradykinin, was den typischen trockenen Reizhusten verursacht. Olmesartan blockiert nur den Rezeptor, weshalb Husten deutlich seltener auftritt.

Was ist die sprueähnliche Enteropathie unter Olmesartan?

Dabei handelt es sich um schwere chronische Durchfälle mit erheblichem Gewichtsverlust, die Monate bis Jahre nach Behandlungsbeginn auftreten können. Im Dünndarm zeigt sich teils ein Zottenschwund wie bei Zöliakie. Nach Absetzen des Wirkstoffs bilden sich die Beschwerden zurück. Bei chronischem Durchfall unter Olmesartan sollte immer an diese Ursache gedacht werden.

Warum darf man Olmesartan in der Schwangerschaft nicht einnehmen?

Substanzen, die das Renin-Angiotensin-System hemmen, können beim ungeborenen Kind schwere Schädigungen der Nieren und der Schädelknochen verursachen und zu Fruchtwassermangel führen. Bei geplanter oder festgestellter Schwangerschaft muss sofort auf eine geeignete Alternative gewechselt werden.

Welche Blutwerte müssen kontrolliert werden?

Kalium und Kreatinin sollten insbesondere in den ersten Behandlungswochen und nach jeder Dosisänderung kontrolliert werden. Ein Kaliumanstieg tritt vor allem bei eingeschränkter Nierenfunktion, bei Diabetes und bei Kombination mit kaliumsparenden Substanzen auf.

Darf man Olmesartan mit einem ACE-Hemmer kombinieren?

Nein, diese Kombination wird nicht empfohlen. Die doppelte Blockade des Renin-Angiotensin-Systems erhöht das Risiko für Blutdruckabfall, gefährlich hohe Kaliumwerte und Nierenfunktionsstörungen, ohne einen entsprechenden Nutzen zu bringen.

Quellen

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