Oxaliplatin: Wirkung, Anwendungsgebiete und Hinweise

Oxaliplatin ist ein Zytostatikum aus der Gruppe der Platinverbindungen, das in der Krebstherapie eingesetzt wird. Es gehört zur dritten Generation der Platinderivate und unterscheidet sich in seiner chemischen Struktur und seinem Wirkspektrum von den älteren Platinverbindungen Cisplatin und Carboplatin. Oxaliplatin wirkt, indem es die DNA von Krebszellen schädigt und damit deren Teilung hemmt. In der Behandlung des Darmkrebses hat Oxaliplatin eine besonders wichtige Rolle eingenommen und ist Bestandteil mehrerer etablierter Chemotherapieprotokolle.

Wirkweise von Oxaliplatin

Oxaliplatin gelangt in Zellen und wird dort zu reaktiven Platinkomplexen umgewandelt. Diese Komplexe binden kovalent an die DNA der Zelle und bewirken vor allem Quervernetzungen (sogenannte Addukte) innerhalb eines DNA-Strangs sowie zwischen zwei DNA-Strängen. Durch diese Vernetzungen wird die DNA so beschädigt, dass die Zelle sie nicht mehr korrekt ablesen oder replizieren kann. Die Zellteilung wird gestoppt, und die Zelle wird in programmierten Zelltod (Apoptose) geleitet.

Ein wesentlicher Vorteil von Oxaliplatin gegenüber Cisplatin ist seine Wirksamkeit in Tumorzellen, die gegenüber Cisplatin resistent sind. Dies liegt an unterschiedlichen Erkennungs- und Reparaturmechanismen für die jeweiligen DNA-Addukte: Cisplatin-Addukte werden von bestimmten DNA-Reparatursystemen erkannt und entfernt, Oxaliplatin-Addukte hingegen nicht, was sie in manchen Tumorzellen wirksamer macht.

Oxaliplatin entfaltet seine optimale Wirkung in Kombination mit anderen Zytostatika, insbesondere mit 5-Fluorouracil und Folinsäure. Diese Kombinationen sind unter den Bezeichnungen FOLFOX (verschiedene Varianten) bekannt und in der Darmkrebstherapie standardmäßig eingesetzt.

Anwendungsgebiete

Kolorektales Karzinom

Das wichtigste Anwendungsgebiet von Oxaliplatin ist das kolorektale Karzinom, also Darmkrebs aus Dickdarm und Rektum. Oxaliplatin wird eingesetzt:

  • Als adjuvante Therapie nach vollständiger Resektion von Darmkrebs im Stadium III (mit Lymphknotenbefall), um das Rückfallrisiko zu senken
  • Zur Behandlung des metastasierten kolorektalen Karzinoms in Kombination mit 5-Fluorouracil und Folinsäure (FOLFOX-Protokoll) oder in Kombination mit Capecitabin (XELOX-Protokoll)
  • In Kombination mit anderen Wirkstoffen wie Bevacizumab oder Cetuximab bei metastasierter Erkrankung, je nach molekularpathologischem Profil des Tumors

Die Studienevidenz für Oxaliplatin beim kolorektalen Karzinom ist umfangreich und hat zu seiner festen Verankerung in nationalen und internationalen Therapieleitlinien geführt.

Weitere Tumorentitäten

Außerhalb der Zulassung wird Oxaliplatin in einigen Ländern auch bei anderen Tumorarten eingesetzt, darunter Magenkarzinom, Pankreaskarzinom, hepatozelluläres Karzinom und bestimmte Ovarialkarzinome. Die Evidenzlage variiert je nach Indikation und wird von Onkologen im Einzelfall bewertet.

Applikation und Dosierung

Oxaliplatin wird ausschließlich intravenös als Infusion verabreicht. Es steht als Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung zur Verfügung. Die Infusion dauert typischerweise zwei bis sechs Stunden. Die Dosierung richtet sich nach der Körperoberfläche des Patienten und wird in mg pro Quadratmeter Körperoberfläche angegeben. Im FOLFOX-Protokoll erfolgt die Oxaliplatin-Gabe alle zwei Wochen. Die genaue Dosis und der Rhythmus werden vom Onkologen anhand des Therapieprotokolls und der individuellen Verträglichkeit festgelegt. Dosisreduktionen können bei Auftreten von Nebenwirkungen erforderlich sein.

Hinweis zur Löslichkeit

Oxaliplatin ist in Kochsalzlösung instabil und muss in 5-prozentiger Glucoselösung aufgelöst und verabreicht werden. Kochsalzhaltige Infusionslösungen führen zur Inaktivierung des Wirkstoffs und dürfen nicht verwendet werden. Auch aluminium- oder chloridhaltige Materialien sollten bei der Zubereitung vermieden werden. Diese pharmazeutischen Besonderheiten werden von geschultem medizinischem Fachpersonal beachtet.

Charakteristische Nebenwirkung: Polyneuropathie

Die bekannteste und klinisch besonders relevante Nebenwirkung von Oxaliplatin ist die periphere Neuropathie, also eine Schädigung der peripheren Nerven. Diese tritt in zwei Formen auf:

Akute sensorische Neuropathie

Bereits kurz nach der Infusion kann es zu akuten sensorischen Beschwerden kommen, insbesondere einem Kribbeln, Taubheitsgefühl oder einem schmerzhaften Kältegefühl in Händen, Füßen und um den Mund. Diese Beschwerden werden durch Kälte verstärkt und bessern sich in der Regel innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen nach der Infusion. Patienten sollten kalte Getränke und den Kontakt mit kalten Gegenständen nach der Infusion für einige Zeit meiden.

Kumulative chronische Neuropathie

Bei wiederholter Anwendung von Oxaliplatin kann sich eine kumulative chronische Polyneuropathie entwickeln, die sich in anhaltenden Empfindungsstörungen, Kribbeln, verminderter Berührungs- und Temperaturwahrnehmung sowie Koordinationsproblemen äußert. Diese Beschwerden können die Alltagsaktivitäten und Lebensqualität erheblich einschränken. Die Neuropathie kann nach Therapieende persistieren oder sich nur langsam und unvollständig bessern. Die kumulative Gesamtdosis ist ein wichtiger Faktor für das Ausmaß der Neuropathie. Bei fortschreitender Neuropathie kann eine Dosisreduktion oder eine Therapiepause notwendig werden.

Weitere unerwünschte Wirkungen

  • Übelkeit und Erbrechen sind häufig und werden durch Antiemetika begleitend behandelt
  • Durchfall kann auftreten, insbesondere in Kombination mit 5-Fluorouracil
  • Knochenmarkdepression mit Verringerung von weißen Blutkörperchen, roten Blutkörperchen und Blutplättchen erfordert regelmäßige Blutbildkontrollen
  • Alopezie (Haarausfall) tritt weniger ausgeprägt auf als bei vielen anderen Zytostatika
  • Infusionsreaktionen wie allergische Reaktionen sind möglich und erfordern medizinische Überwachung während der Infusion
  • Leberfunktionsstörungen wurden beschrieben, besonders bei längerem Einsatz

Oxaliplatin auf Sanoliste

Auf Sanoliste finden Sie onkologische Zentren und Fachärzte für internistische Onkologie, die bei der Behandlung von Darmkrebs und anderen Tumorerkrankungen spezialisierte Betreuung anbieten. Die Chemotherapie mit Oxaliplatin erfordert spezialisierte onkologische Begleitung, engmaschige Blutbildkontrollen und eine gute Kommunikation zwischen Patient und medizinischem Team.

Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und ersetzen nicht das Gespräch mit einem Onkologen oder einer Onkologin. Oxaliplatin ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und wird ausschließlich in medizinischen Einrichtungen unter fachärztlicher Aufsicht angewendet.

Häufige Fragen zu Oxaliplatin

Wie kann ich die Kälteempfindlichkeit nach Oxaliplatin-Infusion lindern?

Die akute Kälteempfindlichkeit nach Oxaliplatin-Infusion entsteht durch eine vorübergehende Schädigung von Nervenfasern, die durch Kälte verstärkt wird. Empfohlen wird, nach der Infusion für einige Tage keine eiskalten Speisen oder Getränke zu sich zu nehmen, Handschuhe beim Greifen kalter Gegenstände zu tragen und sich warm zu halten. Das Berühren von Metallgegenständen aus dem Kühlschrank sollte vermieden werden. Diese Maßnahmen können die Beschwerden deutlich lindern. Bei stärkeren Beschwerden sollte das Behandlungsteam informiert werden.

Was ist das FOLFOX-Protokoll?

FOLFOX ist die Abkürzung für ein Chemotherapieprotokoll, das Folinsäure (FOL), 5-Fluorouracil (F) und Oxaliplatin (OX) kombiniert. Es gibt verschiedene Varianten, beispielsweise FOLFOX4 und FOLFOX6, die sich in den Dosierungen und der Applikationsweise leicht unterscheiden. FOLFOX wird alle zwei Wochen als mehrstündige Infusion verabreicht. Die Kombination der drei Wirkstoffe nutzt unterschiedliche Wirkmechanismen: 5-Fluorouracil und Folinsäure hemmen die DNA-Synthese über die Thymidylatsynthase, während Oxaliplatin direkt die DNA schädigt. Die Kombination ist synergistisch wirksam.

Ist die Neuropathie durch Oxaliplatin dauerhaft?

Bei einem Teil der Patienten bildet sich die Polyneuropathie nach Abschluss der Therapie zurück, bei anderen können die Beschwerden langfristig oder dauerhaft bestehen bleiben. Die Prognose hängt vom Ausmaß der Neuropathie zum Zeitpunkt des Therapieendes und von individuellen Faktoren ab. Leichtere Beschwerden haben eine bessere Prognose zur Rückbildung als ausgeprägte Neuropathien. Eine physiotherapeutische Betreuung und gegebenenfalls medikamentöse Behandlung der neuropathischen Schmerzen können die Lebensqualität verbessern. Das medizinische Team informiert individuell über die Möglichkeiten.