Secukinumab

IL 17A Antikörper bei Psoriasis und Spondyloarthritiden

Secukinumab ist ein vollständig humaner monoklonaler IgG1 Antikörper, der Interleukin 17A selektiv neutralisiert. Novartis brachte die Substanz 2015 unter dem Handelsnamen Cosentyx auf den Markt. Secukinumab war der erste zugelassene IL 17A Inhibitor und hat sich schnell als eine der wichtigsten Biologika der Dermatologie und Rheumatologie etabliert. Zugelassen ist Secukinumab bei mittelschwerer bis schwerer Plaque Psoriasis, bei psoriatischer Arthritis, bei ankylosierender Spondylitis und nicht röntgenologischer axialer Spondyloarthritis, bei Hidradenitis suppurativa und in der Pädiatrie bei juveniler idiopathischer Arthritis und Plaque Psoriasis ab 6 Jahren.

Die klinische Wirksamkeit von Secukinumab auf Haut und Gelenke ist durch zahlreiche Phase III Studien (ERASURE, FIXTURE, MEASURE, FUTURE) gut belegt. In der Psoriasis erreichen etwa 80 Prozent der Behandelten nach 12 Wochen eine 75 prozentige Verbesserung im PASI Score, rund 60 Prozent eine 90 prozentige. Die Sicherheitsdaten über mittlerweile mehr als 10 Jahre Anwendung sind günstig, was Secukinumab zu einer der am häufigsten verschriebenen Biologika bei entzündlichen Hauterkrankungen macht.

Wirkmechanismus

Interleukin 17A ist ein proinflammatorisches Zytokin, das vor allem von T Helfer 17 Zellen, aber auch von anderen Immunzellen produziert wird. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung chronisch entzündlicher Hauterkrankungen und Spondyloarthritiden. Secukinumab bindet mit hoher Affinität an IL 17A und verhindert die Interaktion mit dem IL 17 Rezeptorkomplex.

Durch diese Blockade werden nachgeschaltete Signalwege unterbrochen, die in Keratinozyten, Synoviozyten und Enthesen proinflammatorische Gene aktivieren. Die Folge ist eine Reduktion von Chemokinausschüttung, Entzündungszellinfiltration und Gewebeumbau. In der Haut heilen die Plaques ab, in den Gelenken sinkt die Entzündungsaktivität, in der Wirbelsäule nehmen entzündliche Läsionen ab.

Die Halbwertszeit liegt bei etwa 27 Tagen. Nach subkutaner Gabe wird Secukinumab langsam resorbiert, therapeutische Plasmaspiegel werden in den ersten Wochen aufgebaut. Die Ausscheidung erfolgt wie bei anderen monoklonalen Antikörpern über den proteolytischen Abbau. Dosisanpassungen bei Nieren oder Leberinsuffizienz sind nicht notwendig.

Anwendungsgebiete

  • Mittelschwere bis schwere Plaque Psoriasis bei Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren, die für eine systemische Therapie in Frage kommen
  • Aktive psoriatische Arthritis mit unzureichendem Ansprechen auf konventionelle DMARDs oder TNF Inhibitoren
  • Aktive ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) mit unzureichendem Ansprechen auf konventionelle Therapie
  • Aktive nicht röntgenologische axiale Spondyloarthritis mit objektiven Entzündungszeichen (CRP Erhöhung, MRT Zeichen)
  • Aktive Hidradenitis suppurativa bei Erwachsenen
  • Juvenile idiopathische Arthritis: Enthesitis assoziierte Arthritis und juvenile Psoriasis Arthritis bei Kindern ab 6 Jahren

Dosierung und Anwendung

Plaque Psoriasis bei Erwachsenen: 300 mg subkutan in den Wochen 0, 1, 2, 3 und 4, danach alle 4 Wochen als Erhaltungsdosis. Bei Patienten mit Körpergewicht ab 90 kg und unzureichendem Ansprechen auf 300 mg alle 4 Wochen ist eine Dosiseskalation auf 450 mg alle 4 Wochen möglich. Psoriatische Arthritis: 150 mg in den Wochen 0, 1, 2, 3 und 4, danach alle 4 Wochen. Bei vorangegangenem TNF Versagen oder gleichzeitiger mittelschwerer bis schwerer Plaque Psoriasis 300 mg.

Ankylosierende Spondylitis und axiale Spondyloarthritis: 150 mg in den Wochen 0, 1, 2, 3 und 4, danach alle 4 Wochen. Hidradenitis suppurativa: 300 mg in den Wochen 0, 1, 2, 3 und 4, danach alle 4 Wochen, bei unzureichendem Ansprechen Umstellung auf alle 2 Wochen möglich.

Pädiatrische Patienten: gewichtsabhängige Dosierung, bei Plaque Psoriasis in üblichem Schema. Die Injektion erfolgt subkutan in Oberschenkel, Bauchdecke (mindestens 5 cm vom Nabel entfernt) oder Oberarm. Verschiedene Applikationsstellen im Wechsel verwenden. Nach Schulung ist die Selbstinjektion zu Hause möglich.

Nebenwirkungen

Sehr häufig und häufig: Infektionen der oberen Atemwege (Nasopharyngitis), Rhinitis, orale Candidose, Reaktionen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Diarrhoe, Pruritus, Urtikaria.

Gelegentlich: orale Herpes, Otitis externa, Konjunktivitis, Muskelschmerzen, Rückenschmerzen, Tinea Infektionen, Follikulitis.

Selten, aber wichtig: schwere Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Anaphylaxie, Reaktivierung latenter Tuberkulose, opportunistische Infektionen, Exazerbation oder Neuaufnahme einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (besonders Morbus Crohn).

Candidose: IL 17A ist entscheidend für die Abwehr gegen Candida. Unter Secukinumab ist die Inzidenz oraler, genitaler und kutaner Candidosen erhöht, wenn auch geringer als unter Bimekizumab. Die meisten Fälle sind oberflächlich und gut behandelbar.

Wechselwirkungen

  • Lebendimpfstoffe (MMR, Varizellen, Gelbfieber, Zoster Lebendimpfstoff): während und mindestens 5 Halbwertszeiten nach Therapieende vermeiden
  • Totimpfstoffe: können verabreicht werden, Immunantwort teilweise abgeschwächt, Influenza und Pneumokokken Impfung empfohlen
  • Methotrexat, Ciclosporin, Leflunomid, konventionelle DMARDs: Kombination bei Psoriasis Arthritis möglich, bei Secukinumab Monotherapie oft effektive Kontrolle
  • Andere biologische Therapien (TNF Inhibitoren, IL 12/23 Blocker): Kombination wird nicht empfohlen
  • CYP Substrate: Biologika beeinflussen CYP Enzyme theoretisch über Entzündungsreduktion, klinisch meist nicht relevant

Besondere Hinweise

Screening vor Therapiestart: Tuberkulose Test (IGRA oder Mendel Mantoux), Hepatitis B und C Serologie, HIV Status bei Risiko. Impfstatus prüfen und Lebendimpfungen mindestens 4 Wochen vor Therapiebeginn auffrischen.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Bei bekannter Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn ist Secukinumab zurückhaltend einzusetzen. Unter IL 17A Blockade wurden neue Fälle oder Exazerbationen beschrieben, auch wenn der Effekt komplex ist. Neue oder verstärkte abdominelle Beschwerden während der Therapie erfordern gastroenterologische Abklärung.

Schwangerschaft: Daten begrenzt, Anwendung nur nach sorgfältiger Nutzen Risiko Abwägung. IgG Antikörper passieren die Plazenta im zweiten und dritten Trimenon. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während und bis mindestens 20 Wochen nach Therapieende eine sichere Kontrazeption anwenden. Stillzeit: Übergang in die Muttermilch nicht sicher quantifiziert, Stillen nicht pauschal empfohlen, individuelle Abwägung.

Monitoring: klinisches Ansprechen nach PASI, BASDAI, DLQI, Gelenkuntersuchung. Infektzeichen regelmäßig erfragen. Blutbild, Leberwerte jährlich oder bei Klinikänderung. Mundschleimhaut und Genitalhygiene bei Candidose Rezidiven, topische Antimykotika bei Bedarf.

Pen und Fertigspritze: Der Autoinjektor Pen (SensoReady) und die Fertigspritze sind nach Schulung für die Selbstanwendung vorgesehen. Die Aufbewahrung erfolgt im Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad Celsius. Vor Anwendung 15 bis 30 Minuten auf Zimmertemperatur bringen, um Injektionsschmerzen zu reduzieren.

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Häufig gestellte Fragen

Wie schnell wirkt Secukinumab bei Psoriasis?

Erste sichtbare Verbesserungen zeigen sich oft schon in den ersten 4 Wochen. Der volle Effekt ist nach 16 Wochen zu beurteilen, 80 Prozent der Behandelten erreichen dann eine 75 prozentige Verbesserung im PASI Score. Bei unzureichendem Ansprechen nach 16 Wochen kann die Indikation überprüft oder die Dosis erhöht werden.

Ist Secukinumab sicher in der Langzeitanwendung?

Die Sicherheitsdaten erstrecken sich mittlerweile über mehr als 10 Jahre kontinuierlicher Anwendung. Die Häufigkeit schwerer Infektionen, Malignome und kardiovaskulärer Ereignisse ist nicht signifikant erhöht. Das Hauptaugenmerk bleibt auf oberflächlichen Candidosen und auf der Frage der chronisch entzündlichen Darmerkrankung gerichtet.

Wann Secukinumab, wann Bimekizumab?

Beide wirken gegen IL 17A, Bimekizumab zusätzlich gegen IL 17F. In Vergleichsstudien zeigt Bimekizumab etwas höhere Raten an PASI 90 und PASI 100, allerdings auch häufiger orale Candidose. Die Wahl richtet sich nach individuellem Ansprechen, Risikoprofil und Adhärenz. Secukinumab ist wegen langer Markterfahrung weiterhin eine bewährte erste oder zweite Linie.

Kann ich unter Therapie geimpft werden?

Totimpfstoffe wie jährliche Grippeimpfung, Pneumokokken, COVID 19 und HPV sind unter Therapie möglich und ausdrücklich empfohlen, die Immunantwort ist aber teilweise abgeschwächt. Lebendimpfstoffe wie MMR, Varizellen, Gelbfieber oder Zoster Lebendimpfstoff sollten idealerweise vor Therapiestart aufgefrischt werden, während der Therapie sind sie kontraindiziert.

Quellen

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