Tadalafil: PDE-5-Inhibitor mit langer Wirkdauer bei erektiler Dysfunktion, BPH und pulmonaler Hypertonie
Tadalafil ist ein selektiver Phosphodiesterase-Typ-5-Inhibitor (PDE-5-Inhibitor). Lilly brachte den Wirkstoff 2003 unter dem Handelsnamen Cialis auf den Markt. Mit einer Halbwertszeit von etwa 17,5 Stunden wirkt Tadalafil deutlich länger als Sildenafil und entfaltet seine Wirkung bis zu 36 Stunden. Diese lange Wirkdauer macht ihn zum langwirksamsten PDE-5-Inhibitor und hat ihm den informellen Namen "Wochenendpille" eingebracht.
Tadalafil ist das einzige Präparat dieser Klasse, das neben der erektilen Dysfunktion (ED) auch für die Behandlung des benignen Prostatahyperplasie-bedingten Harntraktsymptoms (BPS/BPH) zugelassen ist. Unter dem Handelsnamen Adcirca dient es zusätzlich der Therapie der pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH). Seit dem Patentablauf stehen zahlreiche Generika zur Verfügung.
Wirkmechanismus
Wie alle PDE-5-Inhibitoren verstärkt Tadalafil die NO-cGMP-Signalkaskade. Stickstoffmonoxid (NO) aktiviert die lösliche Guanylylcyclase, was zur Bildung von zyklischem Guanosinmonophosphat (cGMP) führt. cGMP entspannt die glatte Gefäß- und Schwellkörpermuskulatur über Aktivierung der Proteinkinase G (PKG). PDE-5 baut cGMP ab; Tadalafil hemmt diesen Abbau selektiv und verlängert so die entspannende Wirkung.
Im Corpus cavernosum penis führt dies zu vermehrtem Bluteinstrom und Erektion (nur in Kombination mit sexueller Stimulation). In der Harnblase und Prostata entspannt Tadalafil die glatte Muskulatur und erleichtert so die Miktion bei BPH-Symptomen. In der Lungenstrombahn senkt Tadalafil den pulmonalarteriellen Gefäßwiderstand bei PAH.
Tadalafil zeigt im Vergleich zu Sildenafil eine deutlich geringere Hemmung von PDE-6 (Netzhaut) und PDE-11 (Muskeln, Hoden), was das Profil der Nebenwirkungen beeinflusst: Sehstörungen und Farbsehen-Veränderungen treten seltener auf, Muskel- und Rückenschmerzen dagegen etwas häufiger.
Anwendungsgebiete
- Erektile Dysfunktion (ED): Bedarfsdosierung (10 oder 20 mg vor dem Geschlechtsverkehr) oder Dauertherapie (2,5 oder 5 mg täglich)
- Benigne Prostatahyperplasie (BPH) und Harntraktsymptome: 5 mg täglich; auch gleichzeitige Behandlung von ED und BPH möglich
- Pulmonale arterielle Hypertonie (PAH): 40 mg einmal täglich (Adcirca) zur Verbesserung der Belastungstoleranz
Dosierung und Einnahme
ED, Bedarfsdosierung: 10 mg etwa 30 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr; bei unzureichender Wirksamkeit auf 20 mg steigerbar; bei guter Verträglichkeit auf 5 mg reduzierbar; maximal einmal täglich. Die Wirkung kann bis zu 36 Stunden anhalten. ED oder BPH, Dauertherapie: 2,5 mg oder 5 mg täglich, zur gleichen Tageszeit unabhängig vom Zeitpunkt der sexuellen Aktivität. PAH: 40 mg einmal täglich.
Tadalafil kann unabhängig von Mahlzeiten und Alkohol (in moderaten Mengen) eingenommen werden, da Nahrung die Resorption nicht beeinflusst. Bei Niereninsuffizienz (GFR unter 30 ml/min) und Leberinsuffizienz (Child-Pugh C) ist Tadalafil kontraindiziert; bei milder bis moderater Einschränkung gilt eine Maximaldosis von 10 mg ohne Dosisanpassung für die tägliche Gabe.
Nebenwirkungen
Häufig (über 10 %): Kopfschmerzen, Dyspepsie, Rückenschmerzen (durch moderate PDE-11-Hemmung in der Skelettmuskulatur), Myalgien, Hautrötung (Flush), Nasopharyngitis.
Gelegentlich (1–10 %): Schwindel, Sehstörungen (seltener als unter Sildenafil), Blutdruckabfall (orthoststatische Hypotonie), Nasenbluten, Hyperhidrose.
Selten, klinisch bedeutsam: Priapismus (urologischer Notfall bei Erektion über 4 Stunden), plötzlicher Hörverlust, NAION (nicht-arteritische anteriore ischämische Optikusneuropathie), schwere Hypotonie bei Kombination mit Nitraten.
Wechselwirkungen
- Nitrate und NO-Donoren: Absolute Kontraindikation; potenzielle lebensbedrohliche Hypotonie. Mindestabstand nach letzter Tadalafil-Dosis: 48 Stunden (aufgrund der langen Halbwertszeit)
- Alpha-1-Blocker (Doxazosin, Tamsulosin, Alfuzosin): Additive Blutdrucksenkung; bei kombinierter ED/BPH-Therapie kann Tadalafil 5 mg täglich mit niedrig dosierten Alpha-Blockern kombiniert werden; Blutdrucküberwachung empfohlen
- Starke CYP3A4-Hemmer (Ritonavir, Ketoconazol, Itraconazol, Clarithromycin): Starker Anstieg der Tadalafil-Exposition; Maximaldosis 10 mg alle 72 Stunden; bei Ritonavir maximal 10 mg alle 72 Stunden
- CYP3A4-Induktoren (Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Johanniskraut): Deutlich reduzierte Tadalafil-Spiegel; verminderte Wirksamkeit
- Antihypertensiva: Additive, meist moderate Blutdrucksenkung; klinisch relevant bei Hochdosiskombinationen oder bestehender Hypotonie
Besondere Hinweise
Nitrat-Karenz: Aufgrund der langen Halbwertszeit von Tadalafil (17,5 Stunden) muss bei Patienten, die Nitrate benötigen (z. B. bei einem Herzinfarkt), ein Mindestabstand von 48 Stunden nach der letzten Tadalafil-Einnahme eingehalten werden. Dies ist länger als bei Sildenafil (24 Stunden) und muss in Notfallsituationen bekannt sein.
Tägliche Niedrigdosis: Die tägliche Einnahme von 5 mg bietet gegenüber der Bedarfsdosierung den Vorteil einer spontaneren Sexualität ohne Planung. Studien zeigen vergleichbare Wirksamkeit bei möglicherweise besserem Adhärenz-Verhalten. Zudem kann die 5-mg-Dauertherapie BPH-Symptome langfristig lindern.
Kardiovaskuläres Screening: Vor der Verordnung sollte die kardiovaskuläre Belastbarkeit beurteilt werden. Patienten mit aktiver Herzerkrankung, schwerer Herzinsuffizienz, unkontrollierten Rhythmusstörungen oder kürzlichem Herzinfarkt sollten Tadalafil nicht anwenden.
Schwangerschaft und Stillzeit: Tadalafil ist für Frauen nur in der Indikation PAH zugelassen. In Schwangerschaft und Stillzeit gelten strenge Einschränkungen; bei PAH muss der Nutzen sorgfältig abgewogen werden.
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Häufig gestellte Fragen
Warum heißt Tadalafil "Wochenendpille"?
Tadalafil hat eine Halbwertszeit von rund 17,5 Stunden und wirkt dadurch bis zu 36 Stunden. Wer am Freitagabend eine Tablette einnimmt, kann so über das gesamte Wochenende eine verbesserte Erektionsfähigkeit erreichen, ohne jede Einnahme im Bezug zum Geschlechtsverkehr planen zu müssen.
Kann Tadalafil auch bei Prostatabeschwerden eingenommen werden?
Ja. Tadalafil 5 mg täglich ist als einziger PDE-5-Inhibitor auch für die Behandlung von Harntraktsymptomen durch benigne Prostatahyperplasie (BPH) zugelassen. Der Wirkstoff kann ED und BPH-Beschwerden gleichzeitig ansprechen, ohne dass Sie zusätzliche Medikamente benötigen.
Darf ich bei Tadalafil Alkohol trinken?
In moderaten Mengen ist Alkohol bei Tadalafil vertretbar. Beide Substanzen senken den Blutdruck; größere Alkoholmengen können diesen Effekt verstärken und zu Schwindel, Benommenheit oder Ohnmacht führen. Empfohlen werden nicht mehr als 5 Einheiten Alkohol.
Ist Tadalafil rezeptpflichtig?
In Deutschland ist Tadalafil in allen Dosierungen und Indikationen rezeptpflichtig. Anders als Sildenafil 50 mg ist es nicht rezeptfrei verfügbar. Sie erhalten Tadalafil ausschließlich über die Apotheke mit ärztlichem Rezept.