Xylometazolin

Abschwellendes Nasenspray, Alpha Sympathomimetikum

Xylometazolin ist ein lokal angewandtes α Sympathomimetikum, das als abschwellendes Nasenspray oder Nasentropfen zur kurzfristigen Therapie einer behinderten Nasenatmung eingesetzt wird. Der Wirkstoff wurde 1959 durch Ciba zur Marktreife entwickelt, die bekanntesten Handelsnamen in Deutschland sind Otriven, Olynth und Snup, hinzu kommen zahlreiche Generika. Die Substanz ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und gehört zu den meistverkauften Arzneimitteln bei Erkältungskrankheiten überhaupt.

Xylometazolin wirkt schnell, zuverlässig und lokal begrenzt. Die Anwendung ist bewusst auf wenige Tage limitiert, weil eine zu lange Behandlung zur Rhinitis medicamentosa führen kann, einer therapieinduzierten Dauerverstopfung der Nase. Für die richtige Nutzung in Selbstmedikation und in der ärztlichen Verordnung lohnt sich deshalb ein Blick auf Wirkmechanismus, Dosierung und typische Fehler.

Wirkmechanismus

Xylometazolin ist ein selektiver Agonist an α1 Adrenozeptoren und mit geringerer Affinität an α2 Adrenozeptoren der glatten Gefäßmuskulatur. In der Nasenschleimhaut führt die Aktivierung dieser Rezeptoren zu einer Vasokonstriktion der präkapillären Arteriolen und der postkapillären venösen Sinus. Das Volumen der Schleimhaut nimmt ab, die Nasenatmung verbessert sich binnen Minuten.

Der Wirkeintritt erfolgt nach 5 bis 10 Minuten, die Wirkdauer liegt zwischen 8 und 12 Stunden. Die systemische Resorption ist bei ordnungsgemäßer Anwendung gering, bei Kleinkindern und bei übermäßiger Anwendung kann sie jedoch relevant werden. Über α2 Rezeptoren wirkt die Substanz zentral und kann bei Resorption Sedierung oder Blutdruckeffekte verursachen, besonders bei Säuglingen.

Bei zu langer Anwendung tritt eine Reboundkongestion auf. Die anhaltende Vasokonstriktion führt zur reaktiven Vasodilatation und zur Rezeptorhochregulation, die Nase schwillt immer schneller wieder zu. Wiederholte Anwendung verschärft diesen Teufelskreis und kann in der Rhinitis medicamentosa münden. Deshalb gilt international die Empfehlung, die Anwendung auf maximal 7 Tage zu begrenzen.

Anwendungsgebiete

  • Akute Rhinitis bei Erkältung zur kurzfristigen Erleichterung der Nasenatmung
  • Sinusitis als begleitende Maßnahme zur Öffnung der Ostien und zur Drainage der Nebenhöhlen
  • Otitis media und Tubenkatarrh zur Öffnung der Tuba auditiva
  • Vor diagnostischen Eingriffen in Nase und Nasennebenhöhlen zur besseren Sicht
  • Flugreisen mit Tubenverschluss zur Druckequalisation bei Erkältung

Dosierung und Anwendung

Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren: Lösung 0,1 Prozent, 1 Sprühstoß oder 2 bis 3 Tropfen in jedes Nasenloch bis zu dreimal täglich. Kinder 6 bis 12 Jahre: Lösung 0,05 Prozent, 1 Sprühstoß oder 2 bis 3 Tropfen in jedes Nasenloch bis zu dreimal täglich. Kinder 2 bis 6 Jahre: Lösung 0,05 Prozent nur unter ärztlicher Aufsicht. Säuglinge und Kleinkinder unter 2 Jahren: spezielle 0,025 Prozent Zubereitungen, nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt.

Die Anwendung sollte 5 bis maximal 7 Tage nicht überschreiten. Vor der Gabe Nase putzen, Sprayflasche senkrecht halten und nach oben außen in das Nasenloch richten. Der Kopf bleibt aufrecht, nicht gleichzeitig einatmen, um Aspiration in den Rachen zu vermeiden. Nach Anwendung die Sprayspitze mit einem sauberen Tuch abwischen, eigene Flasche nicht mit anderen teilen.

Niereninsuffizienz und Leberinsuffizienz: keine Dosisanpassung, weil die systemische Exposition bei topischer Anwendung minimal ist. Schwangere und Stillende sollten die niedrigere 0,05 Prozent Konzentration bevorzugen und die Anwendung noch kürzer halten.

Nebenwirkungen

Häufig (1 bis 10 Prozent): Brennen in der Nase, trockene Nasenschleimhaut, Niesreiz, Nasenbluten vor allem bei trockener Schleimhaut.

Gelegentlich (0,1 bis 1 Prozent): Reboundkongestion bei Überdosierung, Rhinitis medicamentosa bei Dauergebrauch, Kopfschmerzen, Herzklopfen, Blutdruckanstieg bei Hypertonikern.

Selten: allergische Hautreaktionen, Schlafstörungen, Halluzinationen bei Kindern, systemische Effekte bei Säuglingen wie Hypothermie, Bradykardie und Atemdepression.

Wichtig: Rhinitis medicamentosa entsteht bei wochen oder monatelangem Gebrauch. Sie erfordert ein schrittweises Absetzen, unter Umständen mit topischen Glukokortikoiden zur Entzugsbehandlung. Bei Kindern unter 2 Jahren darf Xylometazolin nur in altersgerechter Konzentration und nur nach ärztlicher Rücksprache angewendet werden.

Wechselwirkungen

  • Monoaminooxidase Hemmer (MAO Hemmer, Tranylcypromin, Moclobemid): innerhalb von 14 Tagen nach Absetzen eines MAO Hemmers keine Anwendung, sonst hypertensive Krisen möglich
  • Trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin, Imipramin): verstärkte sympathomimetische Wirkung, Blutdruckanstiege
  • Betablocker (Propranolol): paradoxer Blutdruckanstieg theoretisch möglich, klinisch meist nicht relevant
  • Andere blutdruckwirksame Substanzen: theoretische Verschiebung der Blutdrucklage, bei therapieresistenter Hypertonie Anwendung überdenken

Besondere Hinweise

Kontraindikationen: Rhinitis sicca (trockene Entzündung), Zustand nach transsphenoidaler Hypophysenoperation oder anderer Operation mit Eröffnung der Dura mater, Engwinkelglaukom, schwere Herz Kreislauf Erkrankungen, Phäochromozytom, schwere Hypertonie, Hyperthyreose.

Schwangerschaft: Nach Rücksprache mit dem Arzt möglich, vorzugsweise niedrig dosierte 0,05 Prozent Lösung, Anwendung strikt auf das nötige Minimum beschränken. Stillzeit: Zurückhaltung, Übergang in die Muttermilch nicht sicher quantifiziert, alternativ Nasendusche mit Kochsalzlösung.

Alternativen: Isotone und hypertone Kochsalzlösungen, Meerwasser Nasensprays, Dampfinhalationen, Kopfhochlagerung. Bei allergischer Rhinitis sind Antihistaminika und nasale Glukokortikoide die kausalere Therapie. Bei chronischer Rhinosinusitis ist ärztliche Abklärung notwendig, Xylometazolin ist dafür ungeeignet.

Monitoring: Anwendungsdauer auf der Packung notieren, spätestens nach 7 Tagen pausieren. Bei anhaltender Nasenverstopfung HNO ärztliche Abklärung. Aufklärung über Rhinitis medicamentosa ist Teil jeder Apothekenabgabe.

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Häufig gestellte Fragen

Wie lange darf ich Xylometazolin anwenden?

Maximal 5 bis 7 Tage ohne Unterbrechung. Darüber hinaus droht die Rhinitis medicamentosa, eine therapieinduzierte Dauerverstopfung der Nase. Wenn die Beschwerden nach einer Woche nicht abklingen, ist eine ärztliche Abklärung nötig, die Ursache könnte eine Sinusitis oder eine andere Erkrankung sein.

Was ist eine Rhinitis medicamentosa?

Sie entsteht durch wochen oder monatelangen Gebrauch abschwellender Nasensprays. Die Schleimhaut reagiert mit reaktiver Gefäßweitstellung und Rezeptorhochregulation, jede weitere Anwendung wirkt immer kürzer und schlechter. Therapie ist ein schrittweises Absetzen, oft kombiniert mit nasalen Glukokortikoiden.

Darf ich Xylometazolin in der Schwangerschaft nehmen?

Nach Rücksprache mit dem Frauenarzt oder Apotheker ist eine kurzzeitige Anwendung möglich, bevorzugt in der niedriger dosierten Kinderkonzentration 0,05 Prozent und so kurz wie möglich. Als Alternative bieten sich Nasenduschen mit physiologischer Kochsalzlösung oder Meerwassersprays an.

Kann Xylometazolin bei Kindern gefährlich sein?

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die systemische Resorption höher, Überdosierungen können Hypothermie, Bradykardie und Atemdepression auslösen. Deshalb existieren altersgerechte Konzentrationen, die streng eingehalten werden müssen. Bei Kindern unter 2 Jahren nur nach ärztlicher Rücksprache.

Quellen

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