Adapalen: Wirkung als Retinoid bei Akne
Adapalen (Handelsnamen Differin, Epiduo in Kombination mit Benzoylperoxid sowie Generika) ist ein synthetisches Retinoid der dritten Generation, das speziell für die topische Anwendung entwickelt wurde. In Deutschland ist Adapalen eine etablierte und in Leitlinien empfohlene Erstlinientherapie der leichten bis mittelschweren Acne vulgaris. Im Vergleich zu klassischen Retinoiden wie Tretinoin oder Isotretinoin (oral) hat Adapalen ein günstigeres Verträglichkeitsprofil bei vergleichbarer Wirksamkeit, weil es selektiver an Retinoid Rezeptor Subtypen bindet.
Der Wirkstoff steht in 0,1 prozentiger und 0,3 prozentiger Konzentration als Creme oder Gel zur Verfügung, einzeln oder in Kombination mit Benzoylperoxid (2,5 oder 3 Prozent). Diese Kombinationspräparate adressieren mehrere Aknepathomechanismen gleichzeitig und sind in der Praxis besonders effektiv. Die Therapie ist auf eine konsistente Anwendung über mehrere Wochen ausgelegt, weil sich erste sichtbare Verbesserungen oft erst nach etwa vier bis acht Wochen einstellen.
Wirkmechanismus
Adapalen bindet selektiv an die nukleären Retinoid Rezeptoren RAR beta und RAR gamma in Keratinozyten. Es normalisiert die Differenzierung und Verhornung der Talgdrüsenausführungsgänge, reduziert die Bildung von Mikrokomedonen und löst bestehende Komedonen auf. Diese komedolytische und anti komedogene Wirkung ist die Basis der Aknetherapie.
Zusätzlich wirkt Adapalen entzündungshemmend, indem es die Aktivität neutrophiler Granulozyten und entzündliche Mediatoren wie Leukotriene und Prostaglandine reduziert. Auch eine modulierende Wirkung auf die Sekretion von Talg über Veränderung der Lipidkomposition ist beschrieben, wobei Adapalen weniger antiseborrhoisch wirkt als Isotretinoin.
Die systemische Resorption ist nach topischer Anwendung sehr gering, weil Adapalen lipophil und schlecht durch intakte Haut absorbiert wird. Plasmaspiegel liegen meist unter der Nachweisgrenze, klinisch relevante systemische Wirkungen treten daher praktisch nicht auf. Trotzdem gilt für alle Retinoide eine restriktive Anwendung in der Schwangerschaft.
Anwendungsgebiete
- Acne vulgaris in komedonaler, papulopustulöser und milder bis mittelschwerer Form
- Erhaltungstherapie nach erfolgreicher Akneabheilung zur Vermeidung von Rezidiven
- Off Label bei aktinischer Keratose, photoaging, Pseudofolliculitis barbae und einigen Pigmentstörungen, individuelle Indikation
- Off Label in der adjuvanten Therapie der Hidradenitis suppurativa in Frühstadien, individuell
Adapalen ist nicht indiziert bei Akne conglobata, Akne fulminans oder bei Patienten, die bereits eine systemische Isotretinoin Therapie erhalten. Bei tiefen entzündlichen Knoten und Zysten sind in der Regel zusätzliche systemische Maßnahmen wie orale Antibiotika oder Isotretinoin nötig.
Dosierung und Anwendung
Adapalen 0,1 Prozent Gel oder Creme: einmal täglich abends auf gereinigte und trockene Haut auftragen, dünne Schicht über das gesamte betroffene Areal, nicht nur auf einzelne Pickel.
Adapalen 0,3 Prozent Gel: bei stärkerer Akne nach individueller Verordnung, ebenfalls einmal täglich abends.
Kombinationspräparate (Adapalen plus Benzoylperoxid): einmal täglich abends, gleiche Auftragstechnik. Die Kombination ist meist wirksamer als einzelne Wirkstoffe.
Erste Wochen: wegen der hautreizenden Wirkung kann die Anwendung anfangs jeden zweiten oder dritten Abend reduziert werden, mit langsamer Steigerung auf täglich.
Reinigung: milde nicht reizende Reinigungsmittel verwenden, scharfe Tonics, Alkohol haltige Lotionen und intensive Peelings vermeiden, weil sich Reizungen sonst summieren.
Sonnenschutz: tagsüber konsequent mit Lichtschutzfaktor mindestens 30, weil Adapalen die Lichtempfindlichkeit erhöht.
Therapiedauer: erste sichtbare Verbesserungen oft nach 4 bis 8 Wochen, volle Wirkung nach 12 Wochen. Erhaltungstherapie mehrere Monate sinnvoll.
Nebenwirkungen
Sehr häufig: Hauttrockenheit, Schuppung, Rötung, Brennen oder Stechen nach dem Auftragen, Pruritus, Verschlechterung der Akne in den ersten zwei bis vier Wochen (sogenannte Initialreaktion).
Häufig: Kontaktdermatitis, lokale Hautreizung, Sonnenempfindlichkeit, vorübergehende Hyperpigmentierung in dunklen Hauttypen.
Gelegentlich bis selten: Schwellungen, Hautverfärbungen, allergische Reaktionen.
Initialreaktion: in den ersten zwei bis vier Wochen kann sich das Hautbild scheinbar verschlechtern, weil tiefliegende Mikrokomedonen an die Oberfläche kommen. Diese Phase ist normal und vorübergehend.
Augen und Schleimhäute: nicht in Augen, Lippen oder Nasenschleimhäute eintragen, weil ausgeprägte Reizungen drohen.
Wechselwirkungen
- Andere Retinoide (Tretinoin topisch, Tazarotene): Kombination meist überflüssig und stark hautreizend.
- Salicylsäure und alpha Hydroxysäuren: zusätzliches Reizpotenzial, bei kombinierter Anwendung Hautrötung und Schuppung verstärkt.
- Topische Antibiotika (Clindamycin, Erythromycin): sinnvolle Kombination bei entzündlicher Akne, oft als Fixkombination.
- Benzoylperoxid: in Kombinationspräparaten optimiert, separat aufgetragen kann es Adapalen oxidativ inaktivieren, deshalb idealerweise zeitlich getrennt oder als Fixprodukt.
- UV Exposition und Solarium: erhöhte Lichtempfindlichkeit, Sonnenschutz konsequent, Sonnenbrand vermeiden.
- Hautpflegeprodukte mit Alkohol oder Adstringenzien: verstärken Trockenheit und Reizung.
Besondere Hinweise
Schwangerschaft: Adapalen wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen, weil systemische Retinoide teratogen sind und für topische Retinoide eine sehr begrenzte Datenlage existiert. Frauen im gebärfähigen Alter sollten zuverlässig verhüten oder das Präparat absetzen, wenn eine Schwangerschaft eintritt. Stillzeit: Anwendung auf großen Hautarealen und im Bereich der Brust vermeiden.
Kinder: ab 9 oder 12 Jahren je nach Präparat zugelassen, wenn Akne klar diagnostiziert ist.
Vor Therapiebeginn: Anamnese auf Hauterkrankungen, Allergien, andere topische Wirkstoffe, geplante UV Exposition, Kosmetikroutine. Aufklärung über Initialreaktion, langsame Aufdosierung und konsequenten Sonnenschutz.
Lifestyle: Akne wird durch komedogene Kosmetika, mechanische Reizung (Helmkinnriemen, Telefonhörer auf der Haut), bestimmte Sportarten mit Schwitzen und ungeeignete Hautpflege verstärkt. Eine angepasste, milde, hydratisierende Pflege unterstützt die Therapie.
Wann zum Hautarzt: bei tiefen entzündlichen Knoten, Vernarbung, ausgedehnter Akne über mehrere Areale, psychischer Belastung oder fehlender Besserung nach drei Monaten ist eine fachärztliche Beurteilung sinnvoll. Hier kann eine systemische Therapie mit Antibiotika oder Isotretinoin diskutiert werden.
Verkehrstüchtigkeit: nicht beeinträchtigt durch topische Anwendung.
Das könnte Sie auch interessieren
- Isotretinoin, systemisches Retinoid bei schwerer Akne
- Clindamycin, topisches und systemisches Antibiotikum in der Aknetherapie
- Doxycyclin, orales Tetrazyklin bei mittelschwerer Akne
- Dexpanthenol, hautregenerierende Pflege bei retinoidbedingter Trockenheit
- Nicotinamid, Vitamin B3 bei Akne und Hautbarrierestörungen
Häufig gestellte Fragen
Warum wird die Akne in den ersten Wochen schlimmer?
Adapalen aktiviert die Ausstoßung von Mikrokomedonen, die schon unter der Hautoberfläche vorhanden waren. Sie kommen jetzt an die Oberfläche und werden sichtbar. Diese Initialreaktion klingt nach zwei bis vier Wochen ab, wer durchhält, sieht meist deutliche Verbesserungen ab Woche acht.
Kann ich Adapalen morgens anwenden?
Adapalen wird abends bevorzugt, weil tagsüber das Sonnenlicht die Haut zusätzlich reizen würde. Wer morgens benutzt, muss konsequent einen hohen Lichtschutzfaktor auftragen. Die abendliche Routine ist einfacher und in den meisten Studien etabliert.
Was tun bei starker Hautreizung unter Adapalen?
Die Anwendung kann anfangs auf jeden zweiten oder dritten Abend reduziert werden. Eine milde feuchtigkeitsspendende Pflege etwa 30 Minuten vor dem Auftragen reduziert die Reizung. Aggressive Reinigungsmittel, Peelings und Alkoholtoner sollten pausiert werden. Wenn die Reizung trotzdem ausgeprägt bleibt, hilft eine kurze Pause oder ein Wechsel auf eine niedrigere Konzentration.
Hilft Adapalen auch gegen Falten?
Topische Retinoide haben in Studien die Hautstruktur und feine Falten verbessern können, das gilt für Tretinoin besser belegt als für Adapalen. Die Wirkung ist moderat und nur bei langer regelmäßiger Anwendung sichtbar. Eine Off Label Anwendung sollte nach dermatologischer Beratung erfolgen.
Quellen
- Gelbe Liste, Adapalen Wirkstoffprofil
- BfArM, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
- AWMF, S2k Leitlinie Akne
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft
Rechtliche Hinweise und Haftungsausschluss
Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar. Sie ersetzen nicht den Rat eines approbierten Arztes oder Apothekers. Arzneimittel sollten stets nur nach ärztlicher Verordnung oder apothekenpflichtiger Abgabe eingenommen werden. Alle Angaben basieren auf zum Zeitpunkt der Erstellung veröffentlichten Fachinformationen und anerkannten wissenschaftlichen Quellen, maßgeblich ist stets die jeweils aktuelle Fachinformation des Herstellers. Sanoliste übernimmt keine Haftung für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der dargestellten Informationen. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie den Notruf 112.