Donezepil: Häufige Schreibvariante von Donepezil bei Alzheimer Demenz
Donezepil ist eine in der Bevölkerung häufige Schreibvariante des Wirkstoffs Donepezil (mit p in der Mitte). Beide Begriffe bezeichnen denselben Wirkstoff, einen reversiblen Acetylcholinesterase Hemmer der zweiten Generation, der in der Behandlung der leichten bis schweren Alzheimer Demenz eingesetzt wird. Die korrekte Schreibweise nach internationalem nicht proprietärem Namen (INN) lautet Donepezil. Die ausführliche Pillar Page finden Sie unter /wirkstoff/donepezil.
Donepezil wurde 1996 zugelassen und ist heute der meistverordnete Acetylcholinesterase Hemmer in Deutschland und vielen anderen Ländern. Bekannte Handelsnamen sind Aricept (Originator) und zahlreiche Generika. Das Medikament hat den Vorteil einer ein mal täglichen Einnahme und eines etablierten Sicherheitsprofils, was es vor allem bei kognitiv eingeschränkten Patientinnen und Patienten praktikabel macht.
Wirkmechanismus
Bei der Alzheimer Demenz gehen früh cholinerge Neurone im Nucleus basalis Meynert und in anderen subcortikalen Kernen zugrunde. Der dadurch bedingte Mangel an Acetylcholin im Hippocampus und Cortex korreliert mit der Verschlechterung von Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Alltagskompetenz.
Donepezil hemmt reversibel und selektiv die Acetylcholinesterase im synaptischen Spalt. Acetylcholin bleibt länger verfügbar und kann postsynaptische muskarinische und nikotinerge Rezeptoren stärker stimulieren. Im Gegensatz zu Galantamin moduliert Donepezil nicht zusätzlich nikotinerge Rezeptoren. Im Gegensatz zu Rivastigmin hemmt Donepezil ausschließlich Acetylcholinesterase, nicht Butyrylcholinesterase.
Pharmakokinetisch wird Donepezil oral mit hoher Bioverfügbarkeit (etwa 100 Prozent) resorbiert, Halbwertszeit etwa 70 Stunden, was die ein mal tägliche Einnahme erlaubt. Metabolisierung über CYP3A4 und CYP2D6, Eliminierung renal nach Konjugation.
Anwendungsgebiete
- Leichte, mittelschwere und schwere Demenz vom Alzheimer Typ: primäres Indikationsgebiet, in Deutschland für alle Schweregrade zugelassen
- Gemischte Demenz mit vaskulärer Komponente: off label, gestützt auf Subgruppenanalysen
- Lewy Body Demenz und Parkinson Demenz: off label, oft Rivastigmin bevorzugt
- Vaskuläre Demenz isoliert: nicht zugelassen, Wirksamkeit unsicher
Dosierung und Einnahme
Initialdosis: 5 mg einmal täglich abends über 4 bis 6 Wochen, dann Steigerung auf 10 mg bei guter Verträglichkeit. Bei schwerer Demenz kann die Dosis auf 23 mg täglich erhöht werden (in Deutschland nicht zugelassen, in den USA verfügbar).
Einnahme: abends, vor dem Schlafengehen, mit oder ohne Nahrung. Die abendliche Einnahme reduziert die Wahrnehmung von Übelkeit und gastrointestinalen Effekten und passt zu der oft verbesserten kognitiven Aktivität in den Morgenstunden.
Niereninsuffizienz und Leberinsuffizienz: in der Regel keine Dosisanpassung, bei schwerer Leberinsuffizienz Vorsicht.
Nebenwirkungen
Sehr häufig bis häufig: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, lebhafte Träume oder Albträume, Muskelkrämpfe.
Gelegentlich: Bradykardie, AV Block, Synkope, Sturz mit Frakturrisiko, Tremor, Inkontinenz, Verschlechterung depressiver Symptomatik.
Selten: Stevens Johnson Syndrom, akute generalisierte exanthematische Pustulose, Krampfanfälle, Hepatotoxizität, malignes neuroleptisches Syndrom.
Wichtig: cholinerge Effekte können Sturz, Inkontinenz und Bradykardie verursachen. Vor Therapiebeginn sollte ein EKG erwogen werden, um vorbestehende AV Blockierungen zu erkennen. Eine langsame Aufdosierung verringert die gastrointestinalen Nebenwirkungen erheblich.
Wechselwirkungen
- Anticholinergika (Oxybutynin, Amitriptylin, Diphenhydramin, Tolterodin, Solifenacin): heben die Donepezil Wirkung weitgehend auf, sollten möglichst vermieden werden
- Betablocker und Digoxin: additive Bradykardie, Risiko AV Block
- Succinylcholin und andere Muskelrelaxanzien: verlängerte neuromuskuläre Blockade, prä anästhesiologische Aufklärung erforderlich
- CYP3A4 Hemmer (Ketoconazol, Erythromycin): erhöhen Donepezil Spiegel
- CYP2D6 Hemmer (Paroxetin, Fluoxetin, Bupropion): ähnliche Spiegelerhöhung
- NSAR: erhöhtes Risiko gastrointestinaler Ulzera durch verstärkte Säuresekretion
Besondere Hinweise
Schwangerschaft und Stillzeit: nicht zugelassen, da Alzheimer Demenz im gebärfähigen Alter eine Rarität ist.
Anästhesie: Patientinnen, Patienten und Anästhesistinnen oder Anästhesisten müssen über die laufende Donepezil Therapie informiert sein, da depolarisierende Muskelrelaxanzien verlängert wirken können.
Therapieziel und Verlauf: Donepezil verlangsamt im Mittel den kognitiven Abbau über sechs bis zwölf Monate, kann den Verlauf aber nicht aufhalten. Eine Wirksamkeitsbeurteilung erfolgt nach drei bis sechs Monaten anhand MMST/MoCA, ADL Skalen und subjektivem Eindruck der Angehörigen.
Absetzen: bei Verschlechterung trotz Therapie und im Übergang zur sehr schweren Demenz wird ein Wechsel zu Memantin oder eine Kombinationstherapie diskutiert. Eine schrittweise Reduktion über zwei bis vier Wochen ist üblich, um kognitive Verschlechterung zu beobachten.
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Häufig gestellte Fragen
Ist Donezepil dasselbe wie Donepezil?
Ja. Donezepil ist eine in der Bevölkerung häufige Schreibvariante von Donepezil. Die korrekte INN Schreibweise ist Donepezil mit p in der Mitte. Beide bezeichnen denselben Wirkstoff (ATC N06DA02), einen reversiblen Acetylcholinesterase Hemmer.
Heilt Donepezil Alzheimer?
Nein. Donepezil lindert die Symptome und verlangsamt im Mittel den kognitiven Abbau über sechs bis zwölf Monate, beeinflusst aber den krankhaften Untergang der Nervenzellen nicht ursächlich. Eine Heilung ist mit Acetylcholinesterase Hemmern derzeit nicht möglich.
Was ist der Unterschied zu Galantamin oder Rivastigmin?
Alle drei sind Cholinesterase Hemmer für die Alzheimer Demenz. Donepezil wird ein mal täglich genommen und ist gut etabliert. Galantamin moduliert zusätzlich nikotinerge Rezeptoren. Rivastigmin hemmt zusätzlich die Butyrylcholinesterase und ist als Pflaster verfügbar (gut bei Schluckstörungen). Die Auswahl richtet sich nach Verträglichkeit und Komorbiditäten.
Wann sollte Donepezil abgesetzt werden?
Bei deutlicher Verschlechterung trotz Therapie, im Übergang zur sehr schweren Demenz mit Verlust der Selbstpflegefähigkeit, oder bei intolerablen Nebenwirkungen. Auch bei Bettlägerigkeit und Sterbephase ist eine Therapieüberprüfung sinnvoll. Das Absetzen erfolgt schrittweise über 2 bis 4 Wochen mit Verlaufsbeurteilung.
Quellen
- EMA, Aricept (Donepezil) EPAR
- AWMF S3 Leitlinie Demenzen (DGN, DGPPN)
- Gelbe Liste, Donepezil Wirkstoffprofil
- BfArM, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
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