Dextromethorphanhydrobromid: Antitussivum Salzform
Dextromethorphanhydrobromid ist die Salzform des Wirkstoffs Dextromethorphan, die in den meisten Hustenstillern (Antitussiva) verwendet wird. Auf Beipackzetteln und in der Roten Liste begegnet diese längere Bezeichnung Patienten häufig, wenn sie ihr Hustenmittel genauer untersuchen. Pharmakologisch wirkt das gleiche Molekül wie Dextromethorphan, das Hydrobromid ist die salzbildende Komponente, die die Wasserlöslichkeit und Stabilität des Wirkstoffs verbessert. In Deutschland ist Dextromethorphanhydrobromid in vielen rezeptfreien Hustensäften und Hustenstiller Tabletten enthalten und wird gegen trockenen Reizhusten eingesetzt.
Bekannte Handelsnamen mit Dextromethorphanhydrobromid sind Wick MediNait, Sedotussin Hustenstiller, NeoTussan, Hustenstiller ratiopharm und einige weitere. Die ausführlichen Informationen zum Wirkstoff Dextromethorphan finden Sie auf unserer Dextromethorphan Pillar Page. Diese Seite hier konzentriert sich auf die Salzform und auf praktische Hinweise zur Anwendung von Hustenstillern mit Dextromethorphanhydrobromid.
Begriffsklärung
Pharmakologisch ist Dextromethorphan die wirksame Substanz. Im rein chemischen Sinne wird sie zur besseren Stabilität und Wasserlöslichkeit als Salz mit Bromwasserstoffsäure (HBr) verbunden, woraus das Salz Dextromethorphanhydrobromid entsteht. Im Körper dissoziiert das Salz und gibt das aktive Dextromethorphan frei, das dann seine Wirkung im Hustenzentrum entfaltet. Eine alternative Salzform ist Dextromethorphanpolistirex, die in einigen Retardformulierungen vorkommt.
Der Unterschied zwischen Dextromethorphan und Dextromethorphanhydrobromid ist also rein formulierungstechnisch und betrifft den Wirkstoff selbst nicht. In der Beratung in Apotheken oder in der ärztlichen Verschreibung werden die Bezeichnungen oft synonym verwendet. Die Dosierung ist immer auf das Salz Dextromethorphanhydrobromid bezogen, weil dies die im Präparat enthaltene Form ist.
Wirkmechanismus
Dextromethorphan wirkt über das Hustenzentrum in der Medulla oblongata und unterdrückt den Hustenreflex zentral. Im Gegensatz zu Codein hat Dextromethorphan kaum analgetische und kaum suchtfördernde Wirkung in therapeutischen Dosen. Die hustenstillende Wirkung wird durch Bindung an sigma 1 Rezeptoren und durch NMDA Antagonismus vermittelt. Detaillierte pharmakologische Informationen finden Sie auf der Dextromethorphan Pillar Page.
Anwendungsgebiete
- Trockener Reizhusten bei Erkältung, akuter Bronchitis oder anderen viralen Atemwegsinfektionen
- Hustenanfälle in der Nacht, die den Schlaf behindern
- Reizhusten nach Atemwegsreizung, auch nach Inhalation von Reizgasen oder Staub
- Adjuvant bei symptomatischer Erkältungstherapie in Kombinationspräparaten mit Decongestiva und Schmerzmitteln
Dextromethorphanhydrobromid ist nicht geeignet bei produktivem Husten mit Schleimbildung, weil die Hustenunterdrückung den Sekretabtransport behindern und Sekretstau begünstigen kann.
Dosierung und Anwendung
Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren: 10 bis 30 mg alle 4 bis 6 Stunden, maximal 120 mg pro Tag. Bei Retardformulierungen 60 mg 2 mal täglich.
Kinder 6 bis 11 Jahre: 5 bis 15 mg alle 4 bis 6 Stunden, maximal 60 mg pro Tag. Bei jüngeren Kindern nur nach ärztlicher Beratung.
Anwendungsdauer: in der Regel 3 bis 5 Tage, bei längeren Beschwerden ärztliche Abklärung.
Verabreichung: Tabletten, Tropfen oder Saft mit Wasser einnehmen, unabhängig von Mahlzeiten. Saft vor Anwendung gut schütteln.
Niereninsuffizienz: in der Regel keine Anpassung erforderlich. Leberinsuffizienz: Vorsicht bei schwerer Beeinträchtigung wegen Akkumulation, Dosisreduktion erwägen.
Wichtig: nicht in Kombination mit MAO Hemmern, Risiko Serotoninsyndrom. Mindestabstand 14 Tage nach Absetzen eines MAO Hemmers.
Nebenwirkungen
Häufig: Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Magen Darm Beschwerden, Mundtrockenheit.
Gelegentlich: Verstopfung, Verwirrtheit, Schlafstörung, Tachykardie, allergische Hautreaktionen.
Selten bis sehr selten: Halluzinationen, dissoziative Wirkungen (besonders bei Überdosierung), Atemdepression bei sehr hohen Dosen, anaphylaktische Reaktionen, Serotoninsyndrom bei Kombination mit Serotonergika.
Bei Überdosierung: Erregung, Koordinationsstörung, Halluzinationen, Tachykardie, Tachypnoe, Hyperreflexie, Krampfanfälle, Atemdepression, Koma. Notfall mit symptomatischer Therapie und ggf. Naloxon.
Hinweis: Dextromethorphan hat in hohen Dosen ein dissoziatives Missbrauchspotenzial, weshalb Apothekenabgabe begrenzt ist.
Wechselwirkungen
- MAO Hemmer (Tranylcypromin, Linezolid, Selegilin): Kontraindikation, Risiko Serotoninsyndrom mit Hyperthermie und kardiovaskulärem Schock.
- SSRI, SNRI, andere Serotonergika (Fluoxetin, Citalopram, Tramadol, Triptane): Risiko Serotoninsyndrom, Vorsicht und Kombination nur unter ärztlicher Aufsicht.
- CYP2D6 Inhibitoren (Paroxetin, Fluoxetin, Bupropion, Chinidin, Terbinafin): erhöhte Dextromethorphan Spiegel, Vorsicht.
- Andere zentral dämpfende Substanzen (Alkohol, Benzodiazepine, Antihistaminika): additive Sedierung.
- Antitussiva und Mukolytika (Acetylcystein, Ambroxol): Kombination kann Sekretstau begünstigen, gleichzeitige Anwendung vermeiden.
- Bromionen aus dem Salz: bei chronischer hochdosierter Anwendung theoretisch Bromismus möglich, klinisch praktisch nicht relevant.
Besondere Hinweise
Schwangerschaft: nicht in den ersten 3 Monaten, danach nur bei strenger Indikation in niedrigster wirksamer Dosis. Stillzeit: Übergang in die Muttermilch, Vorsicht und ggf. Stillpause.
Kinder: ab 6 Jahren rezeptfrei, bei jüngeren Kindern nur nach ärztlicher Beratung.
Kontraindikationen: bekannte Überempfindlichkeit, gleichzeitige oder kürzlich beendete MAO Hemmer Therapie, schwere Atemwegserkrankung mit Insuffizienz, produktiver Husten, Säuglinge unter 2 Jahren, Asthma in akuter Phase.
Vor Anwendung: bei länger als 3 Wochen anhaltendem Husten, Bluthusten, Atemnot, Fieber oder ungewöhnlichen Begleitsymptomen ärztliche Abklärung obligat.
Während der Therapie: bei ausbleibender Besserung oder Verschlechterung der Symptomatik ärztliche Vorstellung.
Lebensstil: kein Alkohol während der Therapie wegen additiver zentraler Dämpfung. Bei rauchender Person zusätzliches Risiko für anhaltende Hustensymptomatik.
Verkehrstüchtigkeit: Dextromethorphan kann müde und schwindlig machen, daher in der ersten Zeit der Anwendung Vorsicht beim Autofahren oder Bedienen schwerer Maschinen.
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- Pentoxyverin, weiteres zentral wirksames Antitussivum
- Acetylcystein, Sekretolytikum bei produktivem Husten
- Ambroxol, Mukolytikum bei zähem Schleim
Häufig gestellte Fragen
Ist Dextromethorphanhydrobromid das gleiche wie Dextromethorphan?
Pharmakologisch ja. Dextromethorphanhydrobromid ist nur die Salzform mit Bromwasserstoff, die in den meisten Hustenmitteln verwendet wird. Im Körper wird der Wirkstoff Dextromethorphan freigesetzt und entfaltet die hustenstillende Wirkung. Die Dosierung ist auf die Salzform bezogen, weil sie der im Präparat enthaltenen Form entspricht.
Wann sollte ich kein Dextromethorphan nehmen?
Nicht bei produktivem Husten mit Schleim, weil das Abhusten unterdrückt wird. Auch nicht bei gleichzeitiger oder kürzlich beendeter MAO Hemmer Therapie wegen Risiko Serotoninsyndrom. Vorsicht bei Asthma in akuter Phase, schwerer Lungenkrankheit mit Insuffizienz und in den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten. Bei Husten länger als 3 Wochen, Bluthusten oder Atemnot ist ärztliche Abklärung notwendig.
Macht Dextromethorphanhydrobromid süchtig?
In therapeutischen Dosen ist Dextromethorphan kein Suchtmittel. Bei sehr hohen Dosen können dissoziative Wirkungen mit Halluzinationen auftreten, weshalb Dextromethorphan in einigen Ländern auf Missbrauchsfähigkeit kontrolliert wird. In Deutschland ist die Apothekenabgabe in größeren Mengen begrenzt, um Missbrauch zu verhindern. Bei sachgemäßer Anwendung ist das Risiko gering.
Was bedeutet die Bezeichnung Hydrobromid am Ende des Namens?
Das Hydrobromid bezeichnet die Salzform des Wirkstoffs mit Bromwasserstoffsäure. Diese Salzbildung verbessert die Wasserlöslichkeit und Stabilität des Wirkstoffs in der Tablette oder im Saft. Die enthaltenen Bromionen sind in der üblichen Dosierung pharmakologisch nicht relevant. Der Wirkstoff wird nach Einnahme im Körper freigesetzt und entfaltet seine hustenstillende Wirkung.
Quellen
- Gelbe Liste, Dextromethorphan Wirkstoffprofil
- BfArM, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
- AWMF Leitlinien zu akutem und chronischem Husten
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