Dapson: Wirkung bei Lepra und Hauterkrankungen

Dapson (Diaminodiphenylsulfon, Handelsnamen Dapson Fatol sowie Generika) ist ein Sulfon Antibiotikum mit zusätzlicher antientzündlicher Wirkung. In Deutschland ist Dapson in mehreren Indikationen etabliert: als Bestandteil der Multidrug Therapie der Lepra, in der Behandlung der Dermatitis herpetiformis Duhring, als Mittel der Reserve bei Pneumozystose Pneumonie sowie bei einigen entzündlichen Hauterkrankungen mit neutrophiler Komponente.

Im klinischen Alltag wird Dapson überwiegend von Dermatologen und Infektiologen verschrieben. Die Substanz hat ein anspruchsvolles Sicherheitsprofil: Hämolytische Anämie, Methämoglobinämie und seltene aber schwere Hypersensitivitätsreaktionen wie das DRESS Syndrom oder Stevens Johnson Syndrom verlangen sorgfältige Patientenauswahl, eine G6PD Mangel Diagnostik vor Therapiebeginn und engmaschige Begleitung.

Wirkmechanismus

Dapson ist strukturell mit den Sulfonamiden verwandt und hemmt das bakterielle Enzym Dihydropteroatsynthase. Dadurch wird die Folatsynthese in Bakterien blockiert und das Wachstum vor allem von Mycobacterium leprae und Pneumocystis jirovecii gestoppt. Klinisch wirkt Dapson bakteriostatisch.

Neben der antibakteriellen Wirkung hat Dapson eine antientzündliche Komponente, die in der Dermatologie genutzt wird. Es hemmt die Funktion neutrophiler Granulozyten, reduziert deren Migration und die Freisetzung von Myeloperoxidase und Leukotrienen. Diese Effekte erklären die Wirksamkeit bei Erkrankungen mit neutrophiler Entzündung wie Dermatitis herpetiformis, Lupus erythematodes der Haut oder Pyoderma gangraenosum.

Pharmakokinetisch zeigt Dapson eine hohe orale Bioverfügbarkeit über 90 Prozent. Die Halbwertszeit beträgt 20 bis 30 Stunden, was eine ein bis zwei mal tägliche Anwendung erlaubt. Der Abbau erfolgt überwiegend hepatisch durch N Acetylierung und CYP3A4 vermittelte N Hydroxylierung. Der Metabolit Hydroxylamin ist verantwortlich für die Methämoglobinbildung und die hämolytischen Effekte.

Anwendungsgebiete

  • Lepra als Bestandteil der WHO Multidrug Therapie zusammen mit Rifampicin und Clofazimin
  • Dermatitis herpetiformis Duhring, eine bullöse Hauterkrankung im Zusammenhang mit Zöliakie, mit dramatischer Symptomverbesserung
  • Pneumozystose (PCP) zur Prophylaxe oder Therapie bei HIV positiven Patienten und bei Trimethoprim Sulfamethoxazol Unverträglichkeit
  • Lupus erythematodes der Haut bei Versagen anderer Therapien
  • Pyoderma gangraenosum, Bullöses Pemphigoid, lineare IgA Dermatose und weitere neutrophile Dermatosen
  • Acne vulgaris in topischer Form (5 oder 7,5 Prozent Gel) bei mittelschwerer entzündlicher Akne
  • Off Label bei Toxoplasmose Prophylaxe bei HIV positiven Patienten

Dapson ist nicht erste Wahl bei einfachen bakteriellen Infektionen. Für Sulfonamidsensible Erreger sind andere Substanzen besser geeignet. Eine Selbstmedikation gibt es nicht.

Dosierung und Einnahme

Lepra: 100 mg täglich oral, in Kombination mit Rifampicin 600 mg monatlich (überwacht) und Clofazimin nach WHO Schema.

Dermatitis herpetiformis: Beginn mit 50 mg pro Tag, Steigerung auf 100 bis 200 mg pro Tag je nach Wirkung. Eine glutenfreie Diät reduziert langfristig den Bedarf.

Pneumozystose Prophylaxe: 100 mg pro Tag oder 50 mg zwei mal täglich. Therapie der manifesten Pneumozystose 100 mg pro Tag in Kombination mit Trimethoprim oder Pyrimethamin.

Akne topisch: 5 oder 7,5 prozentiges Gel ein bis zwei mal täglich auf die betroffenen Hautareale.

Einnahme oral: mit oder ohne Mahlzeit, ausreichend Wasser. Tabletten unzerkaut schlucken.

Niereninsuffizienz: bei eGFR unter 60 ml pro Minute Vorsicht und engmaschige Beobachtung wegen kumulativer Toxizität. Leberinsuffizienz: bei schwerer Beeinträchtigung Dosisanpassung erforderlich.

Therapiedauer: bei Lepra mehrere Monate bis Jahre nach WHO Schema, bei Dermatitis herpetiformis langfristig (oft Jahre), bei Pneumozystose Prophylaxe solange die Immunsuppression besteht.

Nebenwirkungen

Sehr häufig: hämolytische Anämie mit Müdigkeit, Blässe und Atemnot, vor allem bei höheren Dosen. Methämoglobinämie mit Zyanose, Kopfschmerzen, Schwindel und Belastungsdyspnoe.

Häufig: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Hautausschlag, Pruritus, periphere Neuropathie bei Langzeittherapie.

Selten, aber relevant: Dapson Hypersensitivitätssyndrom mit Fieber, Hautausschlag, Eosinophilie und Organbeteiligung (Leber, Niere, Lunge), oft 4 bis 8 Wochen nach Therapiebeginn. DRESS Syndrom (Drug Reaction with Eosinophilia and Systemic Symptoms) und Stevens Johnson Syndrom als sehr seltene aber lebensbedrohliche Reaktionen.

G6PD Mangel: bei Glukose 6 Phosphat Dehydrogenase Mangel besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere hämolytische Krisen. Vor Therapie G6PD Test obligat, bei Mangel Dapson nur nach strenger Indikation.

Bei Langzeittherapie: regelmäßige Kontrollen von Blutbild, Methämoglobin, Lebertransaminasen und Nierenfunktion.

Bei topischer Anwendung: Hauttrockenheit, Erythem, Pruritus, vorübergehende Hautirritationen. Systemische Wirkungen sind sehr selten.

Wechselwirkungen

  • Trimethoprim: synergistische Wirkung bei Pneumozystose, gemeinsame Anwendung etabliert. Risiko für Hyperkaliämie und Methämoglobinämie additiv.
  • Rifampicin: starke CYP3A4 Induktion, reduziert Dapson Spiegel deutlich, höhere Dosen können nötig sein.
  • Probenecid: hemmt die renale Sekretion und erhöht Spiegel.
  • Andere methämoglobinbildende Substanzen (Phenytoin, Lokalanästhetika, Nitrate): additive Methämoglobinämie, Vorsicht.
  • Andere myelotoxische Wirkstoffe (Methotrexat, Azathioprin): additive Knochenmarksuppression.
  • Antiretrovirale Therapie: bei HIV Patienten genaue Therapieplanung in spezialisierten Zentren, vor allem bei Komedikation mit Proteaseinhibitoren.
  • Lebendimpfstoffe: bei Anwendung als Immunmodulator (off label) Vorsicht.

Besondere Hinweise

Schwangerschaft: bei Lepra und Dermatitis herpetiformis bei klarer Indikation einsetzbar. Im dritten Trimenon Vorsicht wegen Methämoglobinämie beim Neugeborenen, Folsäuresubstitution. Stillzeit: Übergang in die Muttermilch, Hämolyse beim Säugling möglich, vor allem bei G6PD Mangel des Kindes. Anwendung individuell entscheiden.

Kinder: in der pädiatrischen Indikation bei Lepra und Dermatitis herpetiformis möglich, gewichtsadaptiert.

G6PD Test: vor jeder Therapie obligat. Bei Mangel sind alternative Therapien zu bevorzugen, in Ausnahmefällen niedrige Dosis mit engmaschiger Hämolyse Beobachtung.

HLA Typisierung: bei Patienten asiatischer Herkunft kann eine HLA B 13:01 Testung das Risiko für Dapson Hypersensitivitätssyndrom abschätzen.

Vor Therapiebeginn: komplettes Blutbild, Differentialblutbild, Methämoglobin, Bilirubin, Leberwerte, Nierenwerte, G6PD Status, gegebenenfalls HLA B 13:01.

Monitoring: in der Aufdosierungsphase wöchentliche Blutbildkontrollen, später monatlich. Bei Hinweisen auf Hypersensitivitätssyndrom (Fieber, Exanthem, Eosinophilie) sofortiges Absetzen.

Lifestyle bei Dermatitis herpetiformis: konsequente glutenfreie Diät reduziert die Symptome und langfristig die benötigte Dapson Dosis. Eine ernährungsmedizinische Beratung ist essentiell.

Verkehrstüchtigkeit: bei Schwindel oder Anämiezeichen eingeschränkt, individuelle Beurteilung.

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  • Rifampicin, Bestandteil der Lepra Multidrug Therapie
  • Methotrexat, alternatives Immunsuppressivum bei bullösen Dermatosen
  • Nicotinamid, in Kombination bei bullösem Pemphigoid
  • Doxycyclin, Tetrazyklin in Kombination bei dermatologischen Indikationen
  • Adapalen, topisches Retinoid bei Akne

Häufig gestellte Fragen

Warum brauche ich vor Therapie einen G6PD Test?

Bei Glukose 6 Phosphat Dehydrogenase Mangel reagiert der Körper auf Dapson mit schwerer Hämolyse, die zu Anämie, Niereninsuffizienz und im Extremfall zur Lebensgefahr führen kann. Der Test schützt vor diesem Risiko. Bei nachgewiesenem Mangel werden alternative Therapien bevorzugt.

Was ist eine Methämoglobinämie?

Methämoglobin entsteht, wenn das Eisen im Hämoglobin oxidiert wird und nicht mehr reversibel Sauerstoff binden kann. Symptome sind Zyanose, Atemnot, Kopfschmerzen und Erschöpfung. Niedrige Spiegel sind oft asymptomatisch, höhere benötigen Therapie mit Methylenblau und Therapiepause.

Wie schnell wirkt Dapson bei Dermatitis herpetiformis?

Bei Dermatitis herpetiformis tritt eine deutliche Symptomverbesserung oft innerhalb von 24 bis 72 Stunden ein. Die juckenden Bläschen lassen rasch nach. Eine glutenfreie Diät reduziert langfristig den Dapson Bedarf, weshalb beide Maßnahmen kombiniert werden.

Brauche ich unter Dapson regelmäßige Blutkontrollen?

Ja. In den ersten Wochen wöchentlich Blutbild und Methämoglobin, danach monatlich oder alle drei Monate. Bei Hinweisen auf Hypersensitivitätsreaktion mit Fieber, Hautausschlag oder Eosinophilie ist eine sofortige ärztliche Abklärung notwendig.

Quellen

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