Lactolose: Häufige Schreibvariante von Lactulose (osmotisches Laxans)
Lactolose ist eine in der Bevölkerung häufige Schreibvariante des Wirkstoffs Lactulose (mit u in der Mitte). Beide Begriffe bezeichnen exakt denselben Wirkstoff, ein synthetisches Disaccharid aus Galaktose und Fruktose, das als osmotisches Laxans und bei hepatischer Enzephalopathie eingesetzt wird. Eine ausführliche Pillar Page mit der korrekten Schreibweise finden Sie unter /wirkstoff/lactulose.
Lactulose wurde in den 1950er Jahren synthetisiert und ist seither eines der meistverordneten Magen Darm Medikamente in Deutschland. Bekannte Handelsnamen sind Bifiteral, Lactulose AL, Lactulose Stada und Duphalac. Der Wirkstoff ist sowohl rezeptfrei in Apotheken als auch als ärztliche Verordnung verfügbar und wird in unterschiedlichen Darreichungsformen (Sirup, Pulver, Lösung) angeboten.
Wirkmechanismus
Lactulose wird im menschlichen Dünndarm nicht aufgespalten oder resorbiert, weil unsere Verdauungsenzyme die spezifische Bindung zwischen Galaktose und Fruktose nicht trennen können. Die Substanz gelangt unverändert in das Kolon, wo Bakterien (vor allem Bifidobakterien und Laktobazillen) sie zu kurzkettigen Fettsäuren wie Milchsäure, Essigsäure und Buttersäure fermentieren.
Drei Effekte erklären die klinische Wirkung:
Erstens binden die entstehenden Säuren osmotisch Wasser im Darmlumen, der Stuhl wird weicher und voluminöser, die Peristaltik nimmt zu (Laxans Wirkung).
Zweitens senken die Säuren den pH Wert im Kolon. Ammoniak (NH3) aus dem Eiweißstoffwechsel wird zu Ammonium (NH4+) protoniert und kann die Darmwand kaum noch passieren, sodass weniger Stickstoff ins Blut zurückkehrt. Dieser Effekt wird therapeutisch bei der hepatischen Enzephalopathie genutzt.
Drittens fördert die saure, kohlenhydratreiche Umgebung das Wachstum saccharolytischer Bakterien gegenüber proteolytischen, was die Ammoniakbildung weiter reduziert.
Anwendungsgebiete
- Chronische und akute Obstipation: bei Erwachsenen, Kindern, Schwangeren und Stillenden geeignet
- Hepatische Enzephalopathie: Behandlung und Sekundärprophylaxe bei Leberzirrhose, Standard nach DGVS und EASL Leitlinien
- Stuhlweichmacher nach perianalen Eingriffen, bei Hämorrhoiden, Analfissur
- Reizdarmsyndrom mit Obstipation: als Option neben Macrogol
- Geriatrische Patienten: opioidinduzierte Obstipation, Immobilitätsobstipation
Dosierung und Einnahme
Obstipation Erwachsene: initial 15 bis 45 ml Sirup pro Tag, anschließend Erhaltungsdosis 15 bis 30 ml. Kinder bis 6 Jahre: 5 ml/Tag, schrittweise Anpassung. Säuglinge: Beginn mit 1 bis 3 ml/Tag.
Hepatische Enzephalopathie: akut 30 bis 45 ml dreimal täglich oral, Ziel sind zwei bis drei weiche Stühle pro Tag. Bei komatösen Patientinnen und Patienten Gabe als rektales Laktulose Klysma 300 ml in 700 ml Wasser, alle 4 bis 6 Stunden, bis Patient ansprechbar.
Wirkungseintritt: die laxierende Wirkung tritt nach 1 bis 2 Tagen ein, weil die Bakterien im Kolon Zeit für die Fermentation brauchen. Eine zu rasche Dosissteigerung führt typischerweise zu Blähungen ohne nennenswerte zusätzliche Wirkung.
Nebenwirkungen
Häufig: Blähungen, Bauchkrämpfe, Übelkeit, vor allem in den ersten Tagen oder bei rascher Dosissteigerung. Bei sachgerechter Aufdosierung legen sich diese Beschwerden meist innerhalb einer Woche.
Gelegentlich bis selten: Diarrhö mit Elektrolytstörung (Hypokaliämie, Hypernatriämie) bei Überdosierung, Dehydratation bei älteren Menschen mit reduziertem Trinkverhalten, allergische Reaktionen.
Wichtig: Bei Galaktoseintoleranz, hereditärer Fruktoseintoleranz, Glukose Galaktose Malabsorption oder mechanischem Ileus ist Lactulose kontraindiziert. Bei Verdacht auf Subileus Rücksprache mit dem Arzt.
Wechselwirkungen
- Antibiotika (Neomycin, Rifaximin): können die Lactulose Fermentation reduzieren und so die ammoniaksenkende Wirkung dämpfen; bei hepatischer Enzephalopathie wird die Kombination dennoch oft bewusst eingesetzt
- Magensäureblocker (PPI, H2 Blocker): kein direkter pharmakokinetischer Konflikt
- Andere Laxanzien: additive Wirkung, Risiko Diarrhö
- Kaliumverlierende Diuretika: Risiko Hypokaliämie steigt
Besondere Hinweise
Schwangerschaft und Stillzeit: Lactulose gilt als Mittel der ersten Wahl bei Schwangeren mit Obstipation, da sie nicht resorbiert wird und nicht in die Muttermilch gelangt.
Wirkungseintritt: Patientinnen und Patienten sollten wissen, dass Lactulose anders als Stimulanzien (Bisacodyl, Senna) verzögert wirkt. Bei akuter Stuhlverhaltung sind stimulierende Laxanzien geeigneter.
Hepatische Enzephalopathie als Therapieziel: Es geht nicht um eine möglichst starke Diarrhö, sondern um zwei bis drei weiche Stühle pro Tag. Eine Überdosierung mit profuser Diarrhö erhöht das Risiko von Dehydratation und Elektrolytverschiebungen, die wiederum eine Enzephalopathie verschlechtern können.
Geschmack: manche Patientinnen und Patienten empfinden den Sirup als unangenehm süß. In Wasser oder Saft verdünnt ist er besser tolerierbar.
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Häufig gestellte Fragen
Ist Lactolose dasselbe wie Lactulose?
Ja. Lactolose ist eine häufige Schreibvariante von Lactulose (mit u). Beide bezeichnen denselben Wirkstoff (ATC A06AD11), ein synthetisches Disaccharid als osmotisches Laxans.
Wie schnell wirkt Lactulose?
Die laxierende Wirkung tritt nach ein bis zwei Tagen ein, weil die Bakterien im Dickdarm Zeit für die Fermentation brauchen. Wer nach wenigen Stunden eine Wirkung erwartet, wird enttäuscht.
Warum bekomme ich nach Lactulose Blähungen?
Die Fermentation im Kolon erzeugt Gase. Eine langsame Aufdosierung über mehrere Tage bessert die Verträglichkeit deutlich. Wer trotzdem Probleme hat, profitiert oft vom Wechsel auf Macrogol, das nicht fermentiert wird.
Darf ich Lactulose dauerhaft nehmen?
Ja. Lactulose verursacht keine Toleranz und kann auch über Monate und Jahre eingenommen werden, insbesondere bei chronischer Verstopfung oder hepatischer Enzephalopathie. Anders als bei stimulierenden Laxanzien droht keine Atonie des Darms.
Quellen
- Gelbe Liste, Lactulose Wirkstoffprofil
- AWMF S2k Leitlinie chronische Obstipation und DGVS Leitlinie Leberzirrhose
- BfArM, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
- EASL Clinical Practice Guidelines, hepatische Enzephalopathie
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