L Dopa: Synonym für Levodopa bei Morbus Parkinson
L Dopa ist das gebräuchliche Synonym für Levodopa, der wirksamsten Substanz in der Therapie des Morbus Parkinson. Der Begriff steht für die linksdrehende (L) Form von 3,4 Dihydroxyphenylalanin (Dopa), eine natürliche Vorstufe des Neurotransmitters Dopamin. Die Schreibweise mit Bindestrich (L Dopa) entspricht der biochemischen Konvention zur Kennzeichnung der Stereochemie. Pharmakologisch ist L Dopa identisch mit Levodopa.
Levodopa wurde 1961 erstmals erfolgreich zur Therapie der Parkinson Symptome eingesetzt. Seitdem ist es trotz vieler Folgewirkstoffe Goldstandard bei motorischen Symptomen, vor allem in fortgeschrittenen Stadien. In handelsüblichen Präparaten wird L Dopa stets in Kombination mit einem peripheren DOPA Decarboxylase Hemmer angeboten (Carbidopa oder Benserazid), was die Bioverfügbarkeit im ZNS erhöht und periphere Nebenwirkungen reduziert.
Wirkmechanismus
L Dopa wird im Dünndarm aktiv über den großen neutralen Aminosäure Transporter (LAT 1) resorbiert. Die Substanz passiert die Blut Hirn Schranke ebenfalls über LAT 1 und wird im Striatum durch das Enzym DOPA Decarboxylase (Aromatische L Aminosäure Decarboxylase) zu Dopamin umgewandelt. Dopamin füllt die durch das Absterben dopaminerger Neurone der Substantia nigra entleerten Speicher und stellt eine annähernd physiologische Neurotransmission wieder her.
Carbidopa oder Benserazid hemmen die periphere DOPA Decarboxylase, ohne die Blut Hirn Schranke zu durchqueren. Dadurch wird verhindert, dass L Dopa schon im peripheren Gewebe in Dopamin umgesetzt wird. Effekte wie Übelkeit, Hypotonie und Tachykardie werden reduziert, gleichzeitig kann die Levodopa Dosis um etwa 75 % gesenkt werden bei gleicher zentraler Wirkung.
Im Verlauf einer mehrjährigen Therapie nimmt die Wirkdauer einer einzelnen Dosis ab (Wearing Off), und es treten Bewegungsstörungen (Dyskinesien) auf. Diese motorischen Komplikationen sind nicht durch L Dopa selbst, sondern durch das Fortschreiten der Erkrankung und die pulsatile Stimulation der dopaminergen Rezeptoren bedingt.
Anwendungsgebiete
- Idiopathischer Morbus Parkinson: Hauptindikation, in allen Stadien der Erkrankung
- Atypische Parkinson Syndrome: oft schlechtere Wirksamkeit, kann aber zur Diagnose oder symptomatischen Linderung versucht werden
- Restless Legs Syndrom: in niedriger Dosis bei intermittierender Symptomatik
- Off Label: dopa responsives Dystonie Syndrom (Segawa Syndrom)
Dosierung und Einnahme
Standard Tagesdosis: 300 bis 800 mg L Dopa, verteilt auf 3 bis 5 Einzelgaben. Aufdosierung schrittweise über 2 bis 4 Wochen.
Restless Legs Syndrom: 50 bis 200 mg vor dem Schlafengehen.
Anwendungstipps:
- Einnahme 30 bis 60 Minuten vor Mahlzeiten, da Aminosäuren aus Eiweiß die Resorption hemmen
- Bei gastrointestinalen Beschwerden Einnahme mit kleinem kohlenhydratreichen Snack möglich
- Tägliche Eiweißzufuhr planen, oft Verlagerung auf Abend (Eiweiß umverteilte Diät)
- Retardpräparate (Madopar Depot, Sinemet CR) für stabilere Wirkspiegel, vor allem nachts
- Schmelztabletten oder Lösung für rasche Wirkung in Off Phasen
Im fortgeschrittenen Stadium kann eine kontinuierliche Levodopa Carbidopa Gabe über Jejunalsonde (Duodopa) oder über Pumpe (Foslevodopa Foscarbidopa subkutan) sinnvoll sein.
Nebenwirkungen
Häufig: Übelkeit, Erbrechen, orthostatische Hypotonie, Dyskinesien (chorea ähnliche Bewegungen), Mundtrockenheit, Schlafstörungen, lebhafte Träume, Verfärbung von Urin und Schweiß rotbraun.
Häufig im Verlauf: motorische Wirkfluktuationen (Wearing Off, On Off Phänomene), nicht motorische Symptome wie Halluzinationen, Verwirrtheit, Impulskontrollstörungen (Spielsucht, Hypersexualität).
Selten: malignes neuroleptisches ähnliches Syndrom bei abruptem Absetzen, schwere kardiovaskuläre Reaktionen, Somnolenz Attacken, ausgeprägte Halluzinationen, Anämie, Leukopenie.
Wichtige Punkte:
- Übelkeit und orthostatische Hypotonie meist zu Therapiebeginn, im Verlauf besser
- Dyskinesien treten meist nach mehreren Jahren Therapie auf
- Nicht abrupt absetzen wegen Risiko des malignen ähnlichen Syndroms
- Impulskontrollstörungen ernst nehmen, regelmäßig erfragen, oft sind die Patienten schamhaft
Wechselwirkungen
- Klassische MAO Hemmer: Risiko hypertensiver Krisen, Kombination kontraindiziert
- Selektive MAO B Hemmer (Selegilin, Rasagilin): klinisch nutzbar zur Wirkungsverlängerung
- Antipsychotika (außer Clozapin und Quetiapin): antagonistische Wirkung am Dopamin Rezeptor, Verschlechterung der Parkinson Symptome
- Metoclopramid: antagonistische dopaminerge Wirkung, kontraindiziert
- Eisenpräparate: reduzierte Resorption durch Komplexbildung, Mindestabstand 2 Stunden
- Eiweißreiche Mahlzeiten: reduzierte Resorption
- Reserpin: antagonistische Wirkung, Kombination meiden
- Anästhesie mit Halothan: Risiko für Arrhythmien
Besondere Hinweise
Schwangerschaft und Stillzeit: begrenzte Daten, individuelle Abwägung. Daten zu Schwangerschaftsverläufen aus Registern zeigen kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko.
Engwinkelglaukom: Vorsicht.
Operationen: Therapie möglichst nicht unterbrechen, vor allem nicht abrupt. Bei Notfalloperationen Anästhesieteam informieren.
Kontraindikationen: akute Psychose, schweres Engwinkelglaukom, schwere Herzinsuffizienz, frischer Myokardinfarkt mit Reizleitungsstörung, malignes Melanom.
Therapietreue: Levodopa muss zuverlässig eingenommen werden, da bereits ein Auslassen einer Dosis zu motorischen Verschlechterungen führen kann. Patienten und Angehörige profitieren von strukturierter Tagesplanung und Wochendosetten.
Patientenkommunikation: die Erfahrung mit Levodopa ist sehr individuell. Manche profitieren über Jahre stabil, andere entwickeln frühzeitig motorische Komplikationen. Eine ehrliche Aufklärung über das Wirkprofil und die zu erwartenden Veränderungen über die Krankheitsdauer hinweg unterstützt die Patientinnen und Patienten in einer realistischen Therapieplanung.
Verwandte Wirkstoffe
- Levodopa, identische Substanz, Standardschreibung
- Benserazid, peripherer Decarboxylasehemmer
- Galantamin, Cholinesterasehemmer bei Demenz
- Memantine, NMDA Antagonist bei Demenz
Häufig gestellte Fragen
L Dopa oder Levodopa?
Beides bezeichnet die gleiche Substanz. L Dopa ist die biochemisch korrekte Schreibung mit Hinweis auf die linksdrehende Stereochemie. Levodopa ist der internationale Wirkstoffname. In Beipackzetteln und Fachinformationen findet sich meist Levodopa.
Warum darf ich L Dopa nicht direkt mit dem Essen einnehmen?
Eiweißreiche Mahlzeiten enthalten andere große neutrale Aminosäuren, die mit L Dopa um den gleichen Transporter im Darm und an der Blut Hirn Schranke konkurrieren. Bei gleichzeitiger Einnahme wird die Resorption deutlich verschlechtert, die Wirkung ist instabil. Eine Pause von 30 bis 60 Minuten vor oder 2 Stunden nach Eiweißgaben optimiert die Wirkung.
Was sind Wearing Off und Dyskinesien?
Wearing Off bezeichnet das Nachlassen der Wirkung gegen Ende eines Dosisintervalls mit Wiederauftreten der Parkinson Symptome. Dyskinesien sind unwillkürliche, oft choreatiforme Bewegungen, die meist auf dem Höhepunkt der L Dopa Wirkung auftreten. Beide gehören zu den späten motorischen Komplikationen einer langjährigen Therapie und sind nicht durch L Dopa selbst, sondern durch die Dynamik der Erkrankung bedingt.
Was sind Impulskontrollstörungen?
Unter dopaminerger Therapie können einige Patienten neue, impulshafte Verhaltensmuster entwickeln, etwa krankhaftes Spielen, übermäßiges Einkaufen, Hypersexualität oder zwanghaftes Essen. Diese Symptome sind nicht selten und betreffen das soziale Umfeld stark. Sie sollten aktiv erfragt werden, da Patienten oft schamhaft schweigen. Die Anpassung der Therapie kann Linderung bringen.
Quellen
- EMA Europäische Arzneimittelagentur
- BfArM Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
- AWMF S2k Leitlinie Idiopathisches Parkinson Syndrom
- Gelbe Liste Levodopa Wirkstoffprofil
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