Laktulose: Osmotisches Laxans bei Obstipation und hepatischer Enzephalopathie
Laktulose ist die im deutschen Sprachraum verbreitete Schreibweise für Lactulose (englisch lactulose), ein synthetisches, nicht resorbierbares Disaccharid aus Galaktose und Fruktose. Bekannte Handelsnamen sind Bifiteral, Lactulose AL, Lactulose Stada und Duphalac. Auf /wirkstoff/lactulose finden Sie die ausführliche Pillar Page mit der internationalen Schreibweise.
Im Alltag begegnet Laktulose als süßlich schmeckender Sirup oder als Pulver. Patientinnen und Patienten setzen sie meist gegen chronische Verstopfung ein, in der Klinik ist Laktulose das Standardmittel zur Behandlung und Prävention der hepatischen Enzephalopathie bei Leberzirrhose. Diese doppelte Rolle macht Laktulose zu einem der am häufigsten verordneten Magen Darm Medikamente in Deutschland.
Wirkmechanismus
Laktulose wird im Dünndarm nicht aufgespalten oder aufgenommen, weil dem menschlichen Verdauungssystem die nötige Disaccharidase fehlt. Sie gelangt daher unverändert in das Kolon, wo Bakterien (vor allem Bifidobakterien und Laktobazillen) sie zu kurzkettigen Fettsäuren wie Milchsäure, Essigsäure und Buttersäure fermentieren.
Drei Effekte erklären die klinische Wirkung. Erstens binden die entstehenden Säuren osmotisch Wasser im Darmlumen, der Stuhl wird weicher und voluminöser, die Peristaltik nimmt zu. Zweitens senken die Säuren den pH Wert im Kolon. Ammoniak (NH3) aus dem Eiweißstoffwechsel wird zu Ammonium (NH4+) protoniert und kann die Darmwand kaum noch passieren, sodass weniger Stickstoff ins Blut zurückkehrt. Drittens fördert die saure, kohlenhydratreiche Umgebung das Wachstum saccharolytischer Bakterien gegenüber proteolytischen, was die Ammoniakbildung weiter reduziert. Diese Effekte erklären sowohl die laxierende als auch die ammoniaksenkende Wirkung.
Anwendungsgebiete
- Chronische und akute Obstipation: bei Erwachsenen, Kindern, Schwangeren und Stillenden geeignet
- Hepatische Enzephalopathie: Behandlung und Sekundärprophylaxe bei Leberzirrhose, Standard nach Leitlinien der DGVS und EASL
- Stuhlweichmacher nach perianalen Eingriffen, bei Hämorrhoiden, Analfissur
- Reizdarmsyndrom mit Obstipation: als Option neben Macrogol
- Geriatrische Patienten: opioidinduzierte Obstipation, Immobilitätsobstipation
Dosierung und Einnahme
Obstipation Erwachsene: initial 15 bis 45 ml Sirup pro Tag, anschließend Erhaltung 15 bis 30 ml. Die Wirkung tritt verzögert nach ein bis zwei Tagen ein. Kinder bis sechs Jahre: 5 ml/Tag, schrittweise Anpassung. Säuglinge: Beginn mit 1 bis 3 ml/Tag.
Hepatische Enzephalopathie: Akut 30 bis 45 ml dreimal täglich oral, Ziel sind zwei bis drei weiche Stühle pro Tag. Bei komatösen Patienten Gabe als rektales Laktulose Klysma 300 ml in 700 ml Wasser, alle 4 bis 6 Stunden, bis Patient ansprechbar.
Diabetes mellitus: Laktulose ist nicht zuckerfrei, enthält aber nur wenig fermentierbares Substrat für die Hyperglykämie und gilt für Diabetiker als anwendbar. Eine Galaktose Belastung sollte bei Galaktosämie vermieden werden.
Nebenwirkungen
Häufig: Blähungen, Bauchkrämpfe, Übelkeit, vor allem in den ersten Tagen oder bei rascher Dosissteigerung. Bei sachgerechter Aufdosierung legen sich diese Beschwerden meist innerhalb einer Woche.
Gelegentlich bis selten: Diarrhö mit Elektrolytstörung (Hypokaliämie, Hypernatriämie) bei Überdosierung, Dehydratation bei älteren Menschen mit reduziertem Trinkverhalten, allergische Reaktionen.
Wichtig: Bei Galaktoseintoleranz, hereditärer Fruktoseintoleranz, Glukose Galaktose Malabsorption oder mechanischem Ileus ist Laktulose kontraindiziert. Bei Verdacht auf Subileus Rücksprache mit dem Arzt.
Wechselwirkungen
- Antibiotika (Neomycin, Rifaximin): können die Laktulose Fermentation reduzieren und so die ammoniaksenkende Wirkung dämpfen; bei hepatischer Enzephalopathie wird die Kombination dennoch oft bewusst eingesetzt, da der Gesamteffekt überwiegt
- Magensäureblocker (PPI, H2 Blocker): kein direkter pharmakokinetischer Konflikt, aber veränderter Säurepuffer kann Effekte modifizieren
- Andere Laxanzien: additive Wirkung, Risiko Diarrhö
- Kaliumverlierende Diuretika: Risiko Hypokaliämie steigt
Besondere Hinweise
Schwangerschaft und Stillzeit: Laktulose gilt als Mittel der ersten Wahl bei Schwangeren mit Obstipation, da sie nicht resorbiert wird und nicht in die Muttermilch gelangt.
Wirkungseintritt: Patientinnen und Patienten sollten wissen, dass Laktulose anders als Stimulanzien (Bisacodyl, Senna) verzögert wirkt. Eine zu rasche Dosissteigerung führt typischerweise zu Blähungen ohne nennenswerte zusätzliche Wirkung.
Hepatische Enzephalopathie als Therapieziel: Es geht nicht um eine möglichst starke Diarrhö, sondern um zwei bis drei weiche Stühle pro Tag. Eine Überdosierung mit profuser Diarrhö erhöht das Risiko von Dehydratation und Elektrolytverschiebungen, die wiederum eine Enzephalopathie verschlechtern können.
Geschmack: manche Patientinnen und Patienten empfinden den Sirup als unangenehm süß. In Wasser oder Saft verdünnt ist er besser tolerierbar.
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Häufig gestellte Fragen
Wie schnell wirkt Laktulose?
Die laxierende Wirkung tritt typischerweise nach ein bis zwei Tagen ein, weil die Bakterien im Dickdarm Zeit für die Fermentation brauchen. Wer nach wenigen Stunden eine Wirkung erwartet, wird enttäuscht. Bei akuter Stuhlverhaltung sind stimulierende Laxanzien wie Bisacodyl oder rektale Maßnahmen geeigneter.
Warum bekomme ich nach Laktulose so starke Blähungen?
Die Fermentation im Kolon erzeugt Wasserstoff, Methan und CO2, die zu Blähungen führen. Eine langsame Aufdosierung über mehrere Tage bessert die Verträglichkeit deutlich. Wer trotzdem Probleme hat, profitiert oft vom Wechsel auf Macrogol, das nicht fermentiert wird.
Darf ich Laktulose dauerhaft nehmen?
Ja. Laktulose verursacht keine Toleranz und kann auch über Monate und Jahre eingenommen werden, insbesondere bei chronischer Verstopfung oder hepatischer Enzephalopathie. Anders als bei stimulierenden Laxanzien droht keine Atonie des Darms.
Wie wirkt Laktulose bei Leberkranken gegen Verwirrtheit?
Bei fortgeschrittener Leberzirrhose kann der Körper Ammoniak aus dem Darm nicht ausreichend entgiften. Ammoniak wirkt im Gehirn neurotoxisch und führt zu Konzentrationsstörungen, Persönlichkeitsveränderungen, Schlafrhythmusstörungen bis zum Leberkoma. Laktulose senkt den Kolon pH, bindet Ammoniak als nicht resorbierbares Ammonium und reduziert ammoniakproduzierende Bakterien. Patientinnen und Patienten sollen zwei bis drei weiche Stühle pro Tag haben.
Quellen
- Gelbe Liste, Lactulose Wirkstoffprofil
- AWMF S2k Leitlinie chronische Obstipation und DGVS Leitlinie Leberzirrhose
- BfArM, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
- EASL Clinical Practice Guidelines, hepatische Enzephalopathie
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