Polihexanid: PHMB Antiseptikum zur Wundbehandlung und Konservierung

Polihexanid (auch Polyhexamethylenbiguanid, kurz PHMB) ist ein synthetisches biokompatibles Antiseptikum mit breitem antimikrobiellen Spektrum. Es wurde ursprünglich als Konservierungsmittel in Kontaktlinsenlösungen und Schwimmbadwasser entwickelt und ist seit den 2000er Jahren als modernes Wundantiseptikum etabliert. Bekannte Handelsnamen sind Lavasept, Prontosan und Serasept (in Kombination mit Octenidin).

Polihexanid hat sich zu einem Standardantiseptikum bei chronischen Wunden, Verbrennungen, kontaminierten Wunden und in der Augenheilkunde entwickelt. Im Vergleich zu älteren Antiseptika wie Povidon Iod, Wasserstoffperoxid oder Ethanol zeichnet es sich durch sehr gute Gewebeverträglichkeit, breite mikrobielle Wirkung und keine zytotoxische Wirkung auf Wundheilungszellen aus.

Wirkmechanismus

Polihexanid bindet aufgrund seiner kationischen Ladung an die negativ geladenen sauren Phospholipide und Lipopolysaccharide der Bakterienzellmembran und Pilzzellwand. Dies führt zu einer Veränderung der Membranpermeabilität und schließlich zur Lyse der Mikroorganismen. Die positiv geladenen Polyhexamethylenbiguanid Moleküle werden von den negativen mikrobiellen Membranen wesentlich stärker angezogen als von den überwiegend neutralen menschlichen Zellen, was die Selektivität für Mikroben erklärt.

Das Wirkspektrum umfasst grampositive und gramnegative Bakterien einschließlich MRSA, ESBL Bildner, Pseudomonas aeruginosa, sowie Hefen, Schimmelpilze und einige Viren. Auch in Biofilmen ist Polihexanid wirksam, was bei chronischen Wunden mit etablierten Biofilmen eine wichtige Eigenschaft ist. Resistenzentwicklung gegen Polihexanid ist nach jahrelanger Anwendung nicht beschrieben, was es im Hinblick auf Antibiotic Stewardship besonders attraktiv macht.

Pharmakokinetisch ist die systemische Resorption nach topischer Anwendung minimal, lokale Wirkung im Wundgrund und in der Wundflüssigkeit. Polihexanid wird nicht abgebaut und reichert sich nicht im Gewebe an.

Anwendungsgebiete

  • Chronische Wunden: Ulcus cruris venosum, diabetisches Fußsyndrom, Druckgeschwüre, postoperative Wundheilungsstörungen
  • Akute kontaminierte Wunden: Verletzungen, Schürfwunden, traumatische Wunden
  • Verbrennungen: erste und zweite Grades
  • Konservierung in Augentropfen, Kontaktlinsenlösungen und Nasensprays
  • Mundspülungen: bei Parodontitis, Mundschleimhautentzündungen, vor zahnchirurgischen Eingriffen
  • Antiseptische Begleitung von Wundverbänden

Dosierung und Anwendung

Wundspülung: 0,02 oder 0,04 Prozent Lösung (Lavasept, Prontosan) zur Spülung der Wunde, mehrere Minuten Einwirkzeit, dann Versorgung mit Wundverband. Bei Bedarf bei jedem Verbandswechsel wiederholen.

Wundgel: 0,1 Prozent Polihexanid in viskosem Gel zur Anwendung in tiefen Wunden, Wundtaschen und bei trockener Wundheilung.

Kompressen: mit 0,02 Prozent Lösung getränkt, als feuchte Wundauflage.

Anwendungsdauer: begrenzt auf etwa 2 bis 3 Wochen bei akuten Wunden, bei chronischen Wunden in regelmäßigen Abständen über längere Zeit, mit fortlaufender Beurteilung der Wundheilung.

Ohne ärztliche Rücksprache: bei kleinen oberflächlichen Wunden Selbstanwendung möglich, bei größeren oder chronischen Wunden ärztliche Begleitung wichtig.

Nebenwirkungen

Häufig: meist sehr gut verträglich. Selten leichte lokale Hautreizung, Brennen oder Pruritus.

Gelegentlich: allergisches Kontaktekzem, vor allem bei langfristiger Anwendung.

Selten, aber wichtig: Polihexanid sollte nicht in den Mittelohrbereich, in das ZNS oder bei Penetration in die Bauchhöhle, in tiefen Knorpel oder Hyalinknochen angewendet werden, da theoretisch zellschädigende Effekte möglich sind. Auch Anwendung an der Speicheldrüsen und in tiefen Augenkammern wird nicht empfohlen.

Wichtig: obwohl Polihexanid im Vergleich zu vielen anderen Antiseptika ein günstigeres Sicherheitsprofil hat, sollte die Anwendung in spezifischen anatomischen Situationen (Mittelohr, ZNS) vermieden werden. Bei chronischen Wunden ohne Verbesserung über mehrere Wochen ist eine ärztliche Reevaluation der Therapie sinnvoll.

Wechselwirkungen

  • Anionische Tenside (Seifen): können die kationische Wirkung von Polihexanid neutralisieren, vor Anwendung Wunde mit Wasser oder Kochsalzlösung spülen, nicht mit Seife
  • Andere Antiseptika (Povidon Iod, Wasserstoffperoxid, Octenidin): sollten nicht zugleich verwendet werden, eines pro Anwendung
  • Wundverband Materialien (Hydrogels, Kollagene): können Polihexanid binden und die Wirkung reduzieren

Besondere Hinweise

Schwangerschaft und Stillzeit: topische Anwendung gilt als sicher, da systemische Resorption minimal ist.

Wundheilung: Polihexanid hat im Vergleich zu Wasserstoffperoxid und Povidon Iod den Vorteil, die Wundheilung weniger zu beeinträchtigen. Studien zeigen sogar verbesserte Wundheilung im Vergleich zu Kochsalzlösung allein bei chronischen Wunden mit Biofilm.

Anwendungsdauer und Reevaluation: chronische Wunden benötigen ein interdisziplinäres Behandlungskonzept (Wundmanagement, Behandlung der Grundkrankheit, Mobilisation, Ernährung). Polihexanid ist ein wichtiger Baustein, ersetzt aber nicht die Diagnostik und Therapie der Grundursache (z. B. venöse Insuffizienz, Diabetes, Druckentlastung).

Allergische Reaktion: bei langfristiger Anwendung über Monate kann sich ein allergisches Kontaktekzem entwickeln. Bei neuen Hautausschlägen oder Rötungen Wechsel auf alternatives Antiseptikum oder Beendigung erwägen.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Vorteil von Polihexanid gegenüber Wasserstoffperoxid?

Wasserstoffperoxid wirkt antiseptisch, schädigt aber gleichzeitig die Wundheilungszellen (Fibroblasten, Keratinozyten) und verzögert die Granulation. Polihexanid wirkt antibakteriell ohne nennenswerte Zytotoxizität auf menschliche Zellen, was die Wundheilung nicht beeinträchtigt. Daher ist Polihexanid heute meist die bevorzugte Wahl bei chronischen Wunden und sensiblen Wundheilungssituationen.

Brennt Polihexanid auf der Wunde?

Polihexanid wird im Vergleich zu Octenidin und vielen anderen Antiseptika sehr gut vertragen, mit minimalem Brennen oder Pruritus. Manche Patientinnen und Patienten bemerken bei der ersten Anwendung ein leichtes Brennen, das sich aber nach Sekunden bis wenigen Minuten gibt.

Kann ich Polihexanid bei meinem Kind verwenden?

Ja, Polihexanid ist auch für Kinder geeignet. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Anwendung möglich, sollte aber nur nach ärztlicher Beratung erfolgen, vor allem bei größeren Wunden oder Verbrennungen.

Wie lange darf ich Polihexanid anwenden?

Bei akuten Wunden 2 bis 3 Wochen, bei chronischen Wunden auch über längere Zeit unter ärztlicher Begleitung. Bei chronischen Wunden ohne Verbesserung über mehrere Wochen sollte eine umfassende Reevaluation der Wundheilung mit Diagnostik der Grundursache erfolgen.

Quellen

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