Bupropion NDRI zur Behandlung von Depression und Raucherentwöhnung

Bupropion ist ein Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (NDRI) und unterscheidet sich grundlegend von SSRI und SNRI, da es weder die Serotoninwiederaufnahme hemmt noch an Serotoninrezeptoren wirkt. In Deutschland ist Bupropion unter dem Handelsnamen Elontril (als Retardtablette) zur Behandlung der Depression sowie unter Zyban zur Raucherentwöhnung zugelassen. Die chemische Struktur ähnelt dem Phenylethylamin und dem Amphetamin, die klinische Wirkung ist jedoch deutlich milder und das Missbrauchspotenzial gering.

Die fehlende serotonerge Komponente macht Bupropion besonders interessant für Patienten, die unter SSRI-typischen Nebenwirkungen wie sexueller Dysfunktion oder Gewichtszunahme leiden. Außerdem fehlt das Absetzsyndrom, das bei SSRI und SNRI häufig auftritt. Der aktivierende Charakter von Bupropion eignet sich gut für Patienten mit gehemmter, antriebsloser Depression, kann jedoch bei ängstlich-agitierten Patienten ungünstig sein.

Wirkmechanismus

Bupropion hemmt selektiv die Wiederaufnahmetransporter für Noradrenalin (NET) und Dopamin (DAT), ohne dabei den Serotonintransporter (SERT) relevant zu beeinflussen. Durch die erhöhten synaptischen Noradrenalin- und Dopaminspiegel im präfrontalen Kortex und im mesolimbischen System werden Antrieb, Motivation, kognitive Funktionen und Stimmung verbessert. Der dopaminerge Effekt erklärt auch die Wirksamkeit bei der Raucherentwöhnung: Nikotin entfaltet seine Belohnungswirkung über dopaminerge Schaltkreise, die durch Bupropion ebenfalls moduliert werden.

Ein zusätzlicher Mechanismus von pharmakologischer Bedeutung ist die Blockade nikotinischer Acetylcholinrezeptoren (nAChR). Diese Wirkung trägt wahrscheinlich zur Wirksamkeit bei der Raucherentwöhnung bei und erklärt, warum Bupropion die Entzugssymptome bei der Nikotinentwöhnung mildert. Die Halbwertszeit von Bupropion selbst beträgt nur etwa 20 Stunden, der aktive Metabolit Hydroxybupropion jedoch bis zu 24 Stunden, was die einmal tägliche Gabe der Retardformulierung ermöglicht.

Anders als trizyklische Antidepressiva zeigt Bupropion keine relevante Antihistamin-, Anticholinerg- oder Alphablockerwirkung. Dies erklärt das günstige Sicherheitsprofil bei kardiovaskulären Erkrankungen und den fehlenden sedierenden Effekt. Die Anfallsschwelle wird jedoch gesenkt, was die wichtigste klinische Einschränkung darstellt.

Anwendungsgebiete

Zugelassene Indikationen in Deutschland:

  • Episoden einer Major Depression (Elontril 150/300 mg Retardtabletten)
  • Raucherentwöhnung bei Erwachsenen als Teil eines umfassenden Unterstützungsprogramms (Zyban 150 mg)

Off-Label-Anwendungen mit Evidenzbasis:

  • ADHS bei Erwachsenen (insbesondere wenn Stimulanzien kontraindiziert oder nicht toleriert werden)
  • Sexuelle Dysfunktion unter SSRI (als Wechsel oder Augmentation)
  • Gewichtsreduktion bei Adipositas (in den USA als Kombination mit Naltrexon, Contrave, zugelassen)
  • Augmentation bei bipolarer Depression (vorsichtig, da Manie-Induktion möglich)

Dosierung und Einnahme

Depression (Elontril): Beginn mit 150 mg/Tag für mindestens eine Woche. Steigerung auf 300 mg/Tag als Zieldosis. In Ausnahmefällen bis 450 mg/Tag (off-label). Einnahme morgens, da Bupropion aktivierend wirkt und Schlafstörungen verursachen kann, wenn es abends eingenommen wird.

Raucherentwöhnung (Zyban): Beginn mit 150 mg/Tag für 6 Tage, dann 150 mg zweimal täglich mit einem Mindestabstand von 8 Stunden. Der Rauchstopp wird für die zweite Behandlungswoche geplant. Behandlungsdauer 7–9 Wochen.

Wichtige Einnahmeregeln: Retardtabletten müssen unzerkaut und unzerteilt geschluckt werden. Das Zerdrücken oder Kauen erhöht das Anfallsrisiko durch rasche Freisetzung des Wirkstoffs. Zwischen zwei Einzeldosen müssen mindestens 8 Stunden liegen. Die Tagesdosis von 300 mg soll nicht überschritten werden (bei Depression), da das Anfallsrisiko dosisabhängig steigt.

Niereninsuffizienz und Lebererkrankungen: Bei schwerer Niereninsuffizienz (GFR unter 30 ml/min) Reduktion auf 150 mg jeden zweiten Tag. Bei Lebererkrankungen ebenfalls reduzierte Dosis.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (über 10 %): Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Übelkeit, Schwindel. Der aktivierende Charakter führt bei vielen Patienten initial zu Nervosität und Schlafproblemen.

Häufig (1–10 %): Tremor, Tachykardie, Hypertonie, Obstipation, Schwitzen, Tinnitus, Hautausschlag, Anorexie, Gewichtsabnahme.

Krampfanfälle: Dies ist die bekannteste und klinisch bedeutsamste Nebenwirkung. Das dosisabhängige Anfallsrisiko liegt bei therapeutischen Dosen bis 300 mg bei etwa 0,1 %. Bei 450 mg steigt es auf etwa 0,4 %. Prädisponierende Faktoren (Vorgeschichte von Epilepsie, Essstörungen, Alkoholentzug, gleichzeitige Einnahme anfallsfördernder Substanzen) stellen Kontraindikationen dar.

Kardiovaskuläre Effekte: Blutdruckanstieg in 2–4 % der Fälle; Baseline-Blutdruckmessung empfohlen. Keine QTc-Verlängerung.

Psychiatrische Effekte: Agitation, Angstzustände und Stimmungsinstabilität können zu Therapiebeginn auftreten. Hypomanie und Manie sind selten, aber möglich.

Wechselwirkungen

  • MAO-Hemmer: Kombination kontraindiziert; mindestens 14 Tage Pause nach Absetzen eines irreversiblen MAO-Hemmers erforderlich.
  • Substanzen, die die Anfallsschwelle senken: Antipsychotika, trizyklische Antidepressiva, Tramadol, Theophyllin, systemische Steroide — erhöhtes Anfallsrisiko bei Kombination.
  • CYP2D6-Inhibition durch Bupropion: Bupropion ist ein starker CYP2D6-Inhibitor und erhöht die Spiegel von Substanzen, die über CYP2D6 metabolisiert werden, erheblich. Dazu zählen: Codein (Umwandlung zu Morphin wird gehemmt), Metoprolol, trizyklische Antidepressiva, Aripiprazol, Atomoxetin, Haloperidol.
  • Alkohol: Senkt die Anfallsschwelle; abrupter Alkoholentzug unter Bupropion besonders riskant.
  • Dopaminerge Substanzen (Levodopa, Amantadin): Erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen wie Agitation, Restlessness, Übelkeit.

Besondere Hinweise

Kontraindikationen: Epilepsie oder Anfallsleiden in der Vorgeschichte, Bulimia nervosa und Anorexia nervosa (erhöhtes Anfallsrisiko durch Elektrolytstörungen), akuter Alkohol- oder Benzodiazepin-Entzug, bekannte ZNS-Tumore, gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern.

Schwangerschaft: Bupropion ist nicht teratogen im Tierversuch; humane Daten zeigen kein konsistentes Fehlbildungsmuster. Bei Raucherentwöhnung in der Schwangerschaft ist die Nutzen-Risiko-Abwägung besonders sorgfältig durchzuführen; Nikotinersatztherapie ist als erste Wahl anzusehen. Bupropion geht in die Muttermilch über; Stillen wird nicht empfohlen.

Kein Absetzsyndrom: Bupropion verursacht kein ausgeprägtes Absetzsyndrom. Die Therapie kann bei Bedarf ohne schrittweises Ausschleichen beendet werden, obwohl ein graduelles Vorgehen bei langer Therapiedauer ratsam ist.

Raucherentwöhnung: Patienten, die Bupropion zur Raucherentwöhnung nehmen, sollten über psychiatrische Symptome (Stimmungsveränderungen, Agitation, suizidale Gedanken) aufgeklärt werden. Diese können sowohl auf Bupropion als auch auf den Nikotinentzug selbst zurückzuführen sein.

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Häufig gestellte Fragen

Macht Bupropion schlank?

Bupropion kann zu einem geringen Gewichtsverlust führen, da es die Ess- und Kalorienaufnahme reduziert und den Grundumsatz leicht steigert. Dieser Effekt ist jedoch kein therapeutisches Ziel und ersetzt keine Gewichtsreduktionstherapie. In den USA ist eine Fixkombination aus Bupropion und Naltrexon (Contrave) zur Adipositasbehandlung zugelassen, in der EU jedoch nicht.

Warum darf ich Bupropion nicht bei Essstörungen nehmen?

Bulimia nervosa und Anorexia nervosa sind Kontraindikationen, da diese Erkrankungen mit Elektrolytstörungen (Hypokaliämie, Hypomagnesiämie) einhergehen können, die die Anfallsschwelle bereits senken. In Kombination mit der anfallsfördernden Wirkung von Bupropion ist das Epilepsierisiko deutlich erhöht.

Wie unterscheidet sich Bupropion von SSRI?

Bupropion hemmt Noradrenalin- und Dopaminwiederaufnahme, nicht Serotonin. Dadurch fehlen SSRI-typische Nebenwirkungen wie sexuelle Dysfunktion und Gewichtszunahme. Dafür besteht bei Bupropion ein dosisabhängiges Anfallsrisiko, das bei SSRI praktisch keine Rolle spielt. Bupropion wirkt eher aktivierend, SSRI wirken oft initial eher sedierend oder neutral.

Kann Bupropion beim Aufhören mit dem Rauchen helfen?

Ja. Bupropion (Zyban) ist für die Raucherentwöhnung zugelassen und verdoppelt die Erfolgschance im Vergleich zu Placebo. Die Behandlung beginnt eine bis zwei Wochen vor dem geplanten Rauchstopp. Bupropion mindert Entzugssymptome und das Verlangen nach Nikotin durch nikotinische Rezeptorblockade und dopaminerge Effekte.

Quellen

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