Etomidate: Englische Schreibweise des Imidazol Hypnotikums Etomidat

Etomidate ist die englische Schreibweise des Wirkstoffs Etomidat, eines kurz wirksamen intravenösen Hypnotikums aus der Imidazol Klasse. Seit der Einführung 1972 hat sich Etomidate zur Anästhesieinduktion bei kreislaufinstabilen Patienten etabliert, denn es bietet im Vergleich zu Propofol oder Thiopental eine bemerkenswerte hämodynamische Stabilität. International schreibt man Etomidate, in Deutschland Etomidat.

Charakteristisch ist die selektive Hemmung der Cortisolsynthese in der Nebennierenrinde durch Hemmung der 11 beta Hydroxylase. Daraus folgt ein wichtiger Sicherheitsaspekt: Etomidate eignet sich nicht für die Dauerinfusion zur Sedierung kritisch Kranker, da längere Anwendung zu klinisch relevanter Nebennierensuppression führt.

Wirkmechanismus

Etomidate verstärkt die Wirkung von GABA am GABA A Rezeptor, einem Liganden gesteuerten Chloridkanal im ZNS. Über eine spezifische Bindungsstelle erhöht es die Affinität von GABA zum Rezeptor und hält den Chloridkanal länger geöffnet. Die Folge ist eine ausgeprägte Hyperpolarisation der Neuronen mit raschem Bewusstseinsverlust und tiefer Sedierung.

Im Vergleich zu Propofol oder Thiopental beeinflusst Etomidate Blutdruck und kardiale Kontraktilität kaum, was die hämodynamische Stabilität bei der Narkoseeinleitung erklärt.

Die Hemmung der 11 beta Hydroxylase in der Nebennierenrinde führt zu einer dosisabhängigen Suppression der Cortisol und Aldosteronsynthese. Diese Wirkung tritt bereits nach Einzelgabe auf und kann bis zu 24 Stunden anhalten. Bei wiederholter Anwendung oder Dauerinfusion potenziert sich der Effekt.

Anwendungsgebiete

  • Narkoseeinleitung: vor allem bei kardiovaskulär instabilen Patienten, Polytrauma, Sepsis
  • Notfallmedizin: rapid sequence induction bei kritisch kranken Patienten
  • Kurze diagnostische und therapeutische Eingriffe: Kardioversion, Reposition von Frakturen, endoskopische Eingriffe
  • Off Label diagnostisch: Etomidate Test in der Endokrinologie zur Beurteilung der Cortisolsuppression

Etomidate ist nicht zur kontinuierlichen Sedierung kritisch Kranker auf Intensivstationen geeignet, da die Cortisolhemmung mit Mortalität assoziiert ist.

Dosierung und Anwendung

Erwachsene Narkoseeinleitung: 0,2 bis 0,3 mg pro kg Körpergewicht intravenös als Bolus über 15 bis 30 Sekunden.

Kinder ab 6 Monaten: 0,2 bis 0,3 mg pro kg, individuelle Anpassung.

Wirkbeginn nach 30 bis 60 Sekunden, Wirkdauer 5 bis 10 Minuten. Wegen kurzer Wirkdauer wird in der Regel eine Erhaltungstherapie mit anderen Hypnotika oder mit volatilem Anästhetikum kombiniert.

Anwendung: immer in einem klinisch ausgestatteten Setting mit Überwachung von Atmung, Kreislauf und Sauerstoffsättigung. Beatmungsbereitschaft, Intubationsbereitschaft, Notfallmedikation müssen verfügbar sein.

Nebenwirkungen

Sehr häufig: Schmerzen oder Brennen an der Injektionsstelle, Myoklonien (unwillkürliche Muskelzuckungen, vor allem bei der Einleitung), Übelkeit und Erbrechen postoperativ.

Häufig: kurze Phase der Bewusstseinstrübung, Husten, Schluckauf, leichte Atemdepression.

Gelegentlich: allergische Reaktionen, Tachykardie oder Bradykardie, Hypotonie selten ausgeprägt, Apnoe.

Selten und sehr selten: akute Nebenniereninsuffizienz vor allem bei kritisch Kranken oder nach wiederholter Anwendung, anaphylaktische Reaktionen, Krampfanfälle, Porphyrieexazerbation.

Wichtige Sicherheitspunkte:

  • Cortisolsuppression bis zu 24 Stunden nach Einzelgabe, klinisch relevant bei kritisch Kranken
  • Myoklonien können fehlinterpretiert werden, treten aber ohne ausreichende Prämedikation häufig auf; ggf. Vorgabe eines Opioids oder Benzodiazepins
  • Postoperative Übelkeit und Erbrechen häufiger als unter Propofol
  • Lipidemulsionen (Etomidate Lipuro) reduzieren Schmerzen an der Injektionsstelle

Wechselwirkungen

  • Andere Sedativa, Hypnotika, Opioide: additive Wirkung, Dosisanpassung
  • Antihypertensiva: additive Blutdrucksenkung
  • CYP3A4 Hemmer: theoretisch erhöhte Spiegel, klinisch bei Einzelanwendung selten relevant
  • Glukokortikoide: bei Cortisolsuppression durch Etomidate ggf. Substitution erforderlich

Besondere Hinweise

Schwangerschaft: Daten begrenzt. Bei dringender Indikation, etwa bei Notfallnarkose, akzeptabel.

Stillzeit: Wiederaufnahme des Stillens nach kurzer Sedierung üblicherweise möglich.

Kontraindikationen: bekannte Überempfindlichkeit, Sepsis (relativ kontraindiziert wegen Cortisolsuppression), akute Porphyrie, schwere Nebenniereninsuffizienz.

Sepsis und kritisch Kranke: die Cortisolsuppression kann den klinischen Verlauf negativ beeinflussen. Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Etomidate Einleitung und erhöhter Mortalität bei Sepsis. Eine Steroid Substitution nach Einsatz wird in einigen Leitlinien diskutiert.

Alternative Substanzen: Ketamin als Hypnotikum mit Sympatikoton verstärkender Wirkung kann eine sinnvolle Alternative bei kritisch Kranken sein, vor allem bei Hypotonie.

Patientenkommunikation: nach kurzer Sedierung können Patienten leichte Übelkeit oder Verwirrtheit erleben. Eine Aufklärung vor dem Eingriff sowie eine Begleitperson für die Heimfahrt nach ambulanten Eingriffen sind sinnvoll.

Verwandte Wirkstoffe

  • Propofol, weiteres intravenöses Hypnotikum
  • Thiopental, klassisches Barbiturat zur Narkoseeinleitung
  • Sevofluran, volatiles Anästhetikum für Aufrechterhaltung
  • Remifentanil, kurz wirksames Opioid in der Anästhesie

Häufig gestellte Fragen

Etomidate oder Etomidat?

Englisch Etomidate, Deutsch Etomidat. Identischer Wirkstoff.

Warum hat Etomidate so wenig Einfluss auf den Blutdruck?

Im Gegensatz zu Propofol oder Thiopental hat Etomidate nur minimale negativ inotrope und kardiodepressive Effekte. Diese hämodynamische Stabilität macht es zur ersten Wahl bei kreislaufinstabilen Patienten in der Notfallmedizin und bei polymorbiden Patienten.

Warum keine Dauerinfusion zur Sedierung?

Etomidate hemmt die Cortisolsynthese in der Nebennierenrinde. Bei Einzelgabe bleibt diese Hemmung vorübergehend und meist klinisch unbedenklich. Bei kontinuierlicher Anwendung über Stunden bis Tage entsteht jedoch eine relevante Nebenniereninsuffizienz, die bei kritisch Kranken mit erhöhter Mortalität assoziiert ist. Deshalb setzt man Etomidate ausschließlich zur Einleitung ein, nicht zur Erhaltungstherapie.

Was sind Myoklonien unter Etomidate?

Unwillkürliche Muskelzuckungen, vor allem zu Beginn der Sedierung, können bei der Hälfte der Patienten auftreten. Sie sind in der Regel harmlos und gehen schnell vorüber. Eine Prämedikation mit einem Opioid oder Benzodiazepin reduziert die Häufigkeit deutlich.

Quellen

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