Loratadin: Wirkung, Anwendungsgebiete und Hinweise

Loratadin ist ein Antihistaminikum der zweiten Generation, das bei allergischen Beschwerden eingesetzt wird. Im Vergleich zu Antihistaminika der ersten Generation verursacht Loratadin deutlich seltener Sedierung, also Müdigkeit und Schläfrigkeit. Dies macht es für den Alltag verträglicher und zu einem der meistverwendeten Antiallergika weltweit.

Der Wirkstoff ist in vielen Ländern sowohl rezeptfrei als auch rezeptpflichtig erhältlich, je nach Dosierung und Darreichungsform. In Deutschland ist Loratadin in bestimmten Dosierungen rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Seit dem Ablauf des Patentschutzes steht Loratadin als Generikum von verschiedenen Herstellern zur Verfügung, was die Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit verbessert hat.

Wirkweise von Loratadin

Loratadin wirkt als selektiver Antagonist am H1-Histaminrezeptor. Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der bei allergischen Reaktionen aus Mastzellen und basophilen Granulozyten freigesetzt wird und typische Beschwerden wie Juckreiz, Niesen, laufende Nase, tränende Augen und geschwollene Schleimhäute auslöst. Loratadin blockiert den H1-Rezeptor kompetitiv, sodass Histamin dort nicht mehr andocken und seine Wirkung entfalten kann.

Ein wesentlicher Unterschied zu Antihistaminika der ersten Generation liegt in der eingeschränkten Überwindung der Blut-Hirn-Schranke durch Loratadin. Dadurch wirkt der Wirkstoff bevorzugt an peripheren H1-Rezeptoren und verursacht weniger Wirkungen am Zentralnervensystem. Die sedierenden Effekte, die für ältere Antihistaminika typisch sind, treten bei Loratadin in therapeutischen Dosen deutlich seltener auf. Antihistaminika der ersten Generation wie Diphenhydramin oder Clemastin überqueren die Blut-Hirn-Schranke leicht und führen dadurch häufiger zu Müdigkeit und eingeschränkter Reaktionsfähigkeit.

Loratadin wird in der Leber zum aktiven Metaboliten Desloratadin umgewandelt, der ebenfalls antihistaminisch wirkt und als eigenständiger Wirkstoff zugelassen ist. Desloratadin gilt in einigen Studien als noch weniger sedierend als Loratadin selbst.

Anwendungsgebiete

Allergische Rhinitis

Das häufigste Anwendungsgebiet von Loratadin ist die allergische Rhinitis, umgangssprachlich bekannt als Heuschnupfen. Die typischen Symptome wie Niesen, Juckreiz in der Nase, laufende oder verstopfte Nase und tränende Augen können durch Loratadin gelindert werden. Dies gilt sowohl für saisonale Allergien wie die Pollenallergie als auch für ganzjährige Allergien wie Hausstaub- oder Tierhaarallergie.

Loratadin wirkt gut bei den durch Histamin vermittelten Akutsymptomen der allergischen Rhinitis. Die Nasenverstopfung, die stärker durch andere Mediatoren als Histamin bedingt ist, spricht möglicherweise weniger gut an als Niesen und Juckreiz.

Chronische idiopathische Urtikaria

Loratadin wird auch bei der chronischen spontanen Urtikaria (Nesselsucht) eingesetzt. Diese Erkrankung ist durch wiederkehrende Quaddeln und Juckreiz auf der Haut charakterisiert. Antihistaminika der zweiten Generation wie Loratadin gelten als Mittel der ersten Wahl bei dieser Erkrankung. Bei unzureichendem Ansprechen auf Standarddosen kann die Dosis unter ärztlicher Aufsicht angepasst werden.

Allergische Konjunktivitis

Auch bei allergischer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) mit Juckreiz und tränenden Augen kann Loratadin als systemisches Antihistaminikum zur Symptomlinderung beitragen, häufig in Kombination mit lokalen Augentropfen.

Weitere allergische Reaktionen

Bei anderen allergischen Hauterscheinungen mit Juckreiz sowie bei Insektenstichreaktionen kann Loratadin zur Beschwerdelinderung eingesetzt werden, immer unter Berücksichtigung der Ursache und in Absprache mit einem Arzt oder einer Ärztin.

Darreichungsformen und Dosierung

Loratadin ist als Tabletten, Schmelztabletten, Sirup und Kapseln erhältlich. Die übliche Dosierung für Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren beträgt 10 mg einmal täglich. Für jüngere Kinder gibt es gewichtsadaptierte Dosierungen, die der Packungsbeilage oder ärztlicher Empfehlung zu entnehmen sind: Kinder zwischen 2 und 12 Jahren mit einem Körpergewicht unter 30 kg erhalten in der Regel 5 mg täglich.

Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Bei Personen mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion kann eine angepasste Dosierung mit verlängertem Dosierungsintervall erforderlich sein, da der Abbau des Wirkstoffs verlangsamt sein kann.

Hinweise zur Anwendung

Loratadin gehört zwar zu den weniger sedierenden Antihistaminika, dennoch kann es in Einzelfällen zu Müdigkeit kommen. Die individuelle Reaktion auf den Wirkstoff kann variieren. Wer auf Loratadin empfindlich reagiert oder zu den seltenen Personen gehört, die trotzdem Schläfrigkeit erleben, sollte keine Fahrzeuge führen oder Maschinen bedienen, solange die individuelle Reaktion unklar ist.

Alkohol kann die sedierende Wirkung von Antihistaminika verstärken. Auch wenn Loratadin vergleichsweise wenig sediert, ist bei gleichzeitigem Alkoholkonsum Vorsicht angebracht. Bei der Einnahme von Loratadin sollte auf übermäßigen Alkoholkonsum verzichtet werden.

Unerwünschte Wirkungen

Loratadin gilt als gut verträglich. Mögliche unerwünschte Wirkungen umfassen:

  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit (seltener als bei Antihistaminika der ersten Generation)
  • Mundtrockenheit
  • Übelkeit (gelegentlich)
  • Sehr selten allergische Reaktionen auf den Wirkstoff selbst
  • Selten Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen

Wechselwirkungen

Loratadin wird über Leberenzyme (CYP3A4 und CYP2D6) abgebaut. Wirkstoffe, die diese Enzyme hemmen, können den Loratadin-Spiegel im Blut erhöhen. Dazu gehören bestimmte Antimykotika und Makrolid-Antibiotika. In der Regel sind diese Interaktionen bei Loratadin klinisch weniger relevant als bei Antihistaminika der ersten Generation, dennoch sollte eine gleichzeitige Einnahme mit anderen Medikamenten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Vergleich mit anderen Antihistaminika

Neben Loratadin stehen weitere Antihistaminika der zweiten Generation zur Verfügung, darunter Cetirizin, Fexofenadin und der Loratadin-Metabolit Desloratadin. Alle diese Wirkstoffe haben ein ähnliches Wirkprofil, unterscheiden sich aber leicht in Wirkungsdauer, Metabolismus und individuellem Verträglichkeitsprofil. Cetirizin wird häufig als etwas stärker sedierend eingeschätzt als Loratadin, zeigt aber bei manchen Patienten eine gute Wirksamkeit bei Juckreiz. Fexofenadin überwindet die Blut-Hirn-Schranke noch schwieriger als Loratadin und gilt als besonders wenig sedierend. Die Wahl des geeigneten Antihistaminikums sollte individuell und in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt erfolgen.

Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit

Die Anwendung von Loratadin in der Schwangerschaft sollte mit einem Arzt oder einer Ärztin besprochen werden. Vorliegende Daten zeigen bei Loratadin kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen, dennoch gilt das allgemeine Prinzip, in der Schwangerschaft nur dann Arzneimittel einzunehmen, wenn dies medizinisch notwendig ist. Loratadin geht in die Muttermilch über; bei Bedarf einer antiallergischen Behandlung in der Stillzeit sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Loratadin auf Sanoliste

Auf Sanoliste finden Sie Allergologen, Pneumologen und HNO-Ärzte, die bei allergischen Erkrankungen kompetente Beratung und Behandlung anbieten. Wer unter wiederkehrenden Allergiesymptomen leidet, profitiert von einer fachärztlichen Abklärung, um die auslösenden Allergene zu identifizieren und die am besten geeignete Therapie zu finden.

Die Inhalte auf dieser Seite dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und ersetzen nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Auch wenn Loratadin in bestimmten Dosierungen rezeptfrei erhältlich ist, empfiehlt sich bei anhaltenden oder starken Beschwerden immer eine ärztliche Abklärung.

Häufige Fragen zu Loratadin

Wie schnell wirkt Loratadin?

Loratadin beginnt in der Regel innerhalb von ein bis drei Stunden nach der Einnahme zu wirken. Die maximale Plasmakonzentration wird nach etwa einer bis zwei Stunden erreicht. Die Wirkdauer beträgt 24 Stunden, weshalb Loratadin einmal täglich eingenommen wird. Bei saisonalen Allergien empfiehlt es sich, Loratadin bereits einzunehmen, bevor die Pollensaison beginnt, da die Wirkung prophylaktisch stabiler ist als bei bedarfsweiser Einnahme.

Kann ich Loratadin täglich über längere Zeit einnehmen?

Loratadin ist für die Langzeitanwendung konzipiert, insbesondere bei chronischen Erkrankungen wie der ganzjährigen allergischen Rhinitis oder der chronischen Urtikaria. Bei anhaltenden Beschwerden über mehr als einige Wochen ist jedoch eine ärztliche Abklärung empfehlenswert, um die Ursache der allergischen Reaktion zu klären und gegebenenfalls weiterführende Therapien zu erwägen. Eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) kann bei nachgewiesener Allergie langfristig die Beschwerden reduzieren.

Darf ich Loratadin und Cetirizin gleichzeitig nehmen?

Die gleichzeitige Einnahme zweier Antihistaminika der gleichen Generation ist in der Regel nicht sinnvoll und wird nicht empfohlen, da kein zusätzlicher Nutzen zu erwarten ist, aber das Risiko von Nebenwirkungen steigen kann. Wenn eine antiallergische Behandlung nicht ausreichend wirkt, sollte der behandelnde Arzt oder die Ärztin aufgesucht werden, um alternative oder ergänzende Therapien zu besprechen.