Polidocanol: Sklerosierungsmittel bei Krampfadern und Besenreisern
Polidocanol ist ein Detergenz mit sklerosierender und lokalanästhetischer Wirkung, das seit den 1960er Jahren in der Phlebologie eingesetzt wird. Als Sklerosierungsmittel zerstört es gezielt die Innenwand erkrankter Venen und führt zu deren dauerhaftem Verschluss. Topisch wirkt Polidocanol in niedrigen Konzentrationen als Lokalanästhetikum und Antipruritivum.
In der Phlebologie ist die Sklerotherapie mit Polidocanol eine der häufigsten ambulanten Behandlungen für Besenreiser, retikuläre Varizen und kleinere Krampfadern. Dabei wird Polidocanol entweder als Flüssigkeit oder als Schaum direkt in das betroffene Gefäß injiziert. Topische Polidocanol-Cremes und -Lotionen werden bei Juckreiz verschiedener Ursachen eingesetzt.
Wirkmechanismus
Als Detergenz denaturiert Polidocanol die Proteine in der Endothelzellmembran der Venenwand. Dies führt zur Ablösung der Endothelzellen, Freilegung des subendothelialen Kollagens und Auslösung der Gerinnungskaskade. Das Resultat ist die Bildung eines Thrombus, der das Gefäß dauerhaft verschließt. Im Laufe von Wochen wird der Thrombus durch das körpereigene Fibrinolysesystem organisiert und das Gefäß durch Bindegewebe ersetzt (Fibrosierung). Als Schaum (Mikroschaum) hat Polidocanol einen ausgeprägteren Kontakt mit der Venenwand bei gleicher injizierter Menge.
Anwendungsgebiete
Polidocanol-Injektionslösungen sind zugelassen für die Sklerotherapie von Besenreisern (Teleangiektasien), retikulären Varizen und Stammvenen bis zu einem Durchmesser von etwa 8 mm (als Schaum). Es ist eine Alternative zur chirurgischen Varizenentfernung (Stripping) und zur endovenösen Laserbehandlung. Topische Präparate werden bei Pruritus verschiedener Genese (Ekzeme, Neurodermitis, Lichen simplex, Insektenstiche) eingesetzt. In der Dermatologie findet Polidocanol auch Anwendung bei hypertrophen Narben und Keloid-Behandlung.
Dosierung und Einnahme
Die Konzentration richtet sich nach dem Durchmesser der zu behandelnden Vene: Besenreiser (0,5 bis 1%), retikuläre Varizen (1 bis 2%), Stammvenen (2 bis 3%). Die injizierten Volumina pro Sitzung sollten 2 ml (flüssig) bzw. 10 ml (Schaum) pro Vene nicht überschreiten; das Gesamtvolumen pro Sitzung ist auf 4 ml (flüssig) oder 10 ml (Schaum) limitiert. Nach der Sklerotherapie ist das Tragen von Kompressionsstrümpfen für 2 bis 4 Wochen empfohlen. Topische Präparate: 1 bis 3-mal täglich dünn auftragen.
Nebenwirkungen
Lokalreaktionen wie Hämatome, vorübergehende Hyperpigmentierungen und Matting (feine Neugefäßbildungen) sind häufige Folgen der Sklerotherapie. Schmerzen an der Injektionsstelle sind unmittelbar nach der Injektion üblich. Thrombophlebitis im behandelten Gefäßbereich kommt gelegentlich vor. Systemische Reaktionen wie Schwindel, Kopfschmerzen und Sehstörungen wurden berichtet. Anaphylaktische Reaktionen sind selten, können aber lebensbedrohlich sein; deshalb sollte die Behandlung nur in Einrichtungen mit Notfallausrüstung erfolgen. Arterielle Fehlinjektionen sind seltene, aber schwerwiegende Komplikationen.
Wechselwirkungen
Klinisch relevante systemische Wechselwirkungen sind bei topischer Anwendung nicht beschrieben. Bei intravasaler Anwendung sollte die gleichzeitige Einnahme von Gerinnungshemmern (Marcumar, neue orale Antikoagulanzien) berücksichtigt werden, da erhöhte Blutungsneigung das Hämatom-Risiko nach der Injektion erhöht. Patienten unter Antikoagulanzien-Therapie sollten vor Sklerotherapie den Arzt informieren.
Besondere Hinweise
Injizierbare Polidocanol-Präparate sind verschreibungspflichtig. Kontraindiziert ist die Sklerotherapie bei akuter tiefer Venenthrombose, schwerer allgemeiner Erkrankung, bekannter Allergie gegen Polidocanol und bei fehlender Gehfähigkeit. In der Schwangerschaft sollte Sklerotherapie vermieden werden. Topische Polidocanol-Präparate sind ohne Rezept erhältlich. Aufgrund des Anaphylaxierisikos muss nach der Injektion eine Beobachtungszeit eingehalten werden.
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Häufig gestellte Fragen
Wie viele Sitzungen sind für die Behandlung von Besenreisern nötig?
Dies hängt von Ausdehnung und Anzahl der Besenreiser ab. Im Durchschnitt sind zwei bis vier Behandlungssitzungen im Abstand von vier bis sechs Wochen erforderlich. Das endgültige kosmetische Ergebnis zeigt sich oft erst nach drei bis sechs Monaten, da die fibrosierte Vene schrittweise verblasst.
Was ist Schaumsklerosierung und wann wird sie eingesetzt?
Bei der Schaumsklerosierung wird die Polidocanol-Lösung mit Luft oder CO2 zu einem Mikroschaum aufgeschlagen. Dieser Schaum verdrängt das Blut im Gefäß und hat dadurch einen intensiveren Kontakt mit der Gefäßwand bei geringerem Medikamentenvolumen. Die Schaumsklerosierung wird bei größeren Venen (Stammvenen, retikuläre Varizen) eingesetzt.
Können sich behandelte Besenreiser wieder neu bilden?
Einmal vollständig sklerosierte Venen können sich nicht neu bilden. Allerdings können in der Umgebung neue Besenreiser entstehen, da die genetische Veranlagung zur Varikose bestehen bleibt. Kompressionsstrümpfe, Gewichtsnormalisierung und Bewegung können das Neuauftreten verlangsamen.
Quellen
- DGP-Leitlinie Sklerotherapie der Varikose 2022
- Fachinformation Aethoxysklerol (Polidocanol), aktueller Stand
- Rabe E et al: Phlebological Sclerotherapy. Phlebology 2023