Paroxetine: Englische Schreibweise des SSRI Paroxetin

Paroxetine ist die englische Schreibweise des Wirkstoffs Paroxetin. In englischsprachiger Literatur, internationalen Fachinformationen und einigen Handelsnamen (Paxil in den USA, Seroxat in der EU) findet sich diese Form. In Deutschland ist die deutsche Schreibung Paroxetin gebräuchlich. Pharmakologisch handelt es sich in beiden Fällen um den gleichen Wirkstoff aus der Klasse der selektiven Serotonin Wiederaufnahmehemmer (SSRI).

Paroxetine zählt zu den potentesten SSRIs, ist aber gleichzeitig durch ein vergleichsweise ausgeprägtes Absetzsyndrom, eine starke Bindung an CYP2D6 und ein höheres Risiko für gewichtszunahme charakterisiert. Diese Eigenschaften beeinflussen die klinische Auswahl im Vergleich zu Sertralin, Citalopram, Escitalopram oder Fluoxetin.

Wirkmechanismus

Paroxetine hemmt selektiv den Serotonin Wiederaufnahmetransporter (SERT) am präsynaptischen Neuron. Dadurch erhöht sich die Konzentration von Serotonin im synaptischen Spalt, was die Aktivierung postsynaptischer Serotoninrezeptoren verstärkt. Die antidepressive und anxiolytische Wirkung resultiert aus einer Anpassung serotonerger Schaltkreise, die mehrere Wochen benötigt.

Im Vergleich zu anderen SSRIs hat Paroxetine zusätzlich:

  • Schwache anticholinerge Effekte über muskarinische Rezeptoren, was zu Mundtrockenheit, Verstopfung und sexuellen Funktionsstörungen beitragen kann
  • Schwache Hemmung des Noradrenalin Wiederaufnahmetransporters (NET) bei höheren Dosen
  • Sehr starke Hemmung von CYP2D6, was zu klinisch relevanten Wechselwirkungen führt

Paroxetine wird hepatisch verstoffwechselt, mit nichtlinearer Pharmakokinetik bei Dosissteigerung. Die Plasmahalbwertszeit beträgt etwa 21 Stunden, weshalb die einmal tägliche Einnahme ausreicht.

Anwendungsgebiete

  • Major Depression: akute und Erhaltungstherapie
  • Generalisierte Angststörung (GAD)
  • Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie
  • Soziale Phobie: Paroxetine zählt zu den am besten untersuchten SSRIs in dieser Indikation
  • Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
  • Zwangsstörung (OCD): oft in höheren Dosen erforderlich
  • Premenstruelles dysphorisches Syndrom (PMDD): Off Label oder gesondert zugelassen
  • Vasomotorische Symptome in der Menopause: niedrig dosiertes Paroxetin (Brisdelle in den USA)

Dosierung und Einnahme

Major Depression und GAD: Startdosis 20 mg morgens, schrittweise Steigerung auf 20 bis 50 mg pro Tag.

Panikstörung: Start mit 10 mg, langsame Steigerung auf 20 bis 40 mg.

Soziale Phobie: 20 bis 50 mg pro Tag.

OCD: 20 bis 60 mg pro Tag, oft im oberen Bereich.

Vasomotorische Symptome: 7,5 mg abends.

Die Einnahme erfolgt unabhängig von Mahlzeiten. Eine vorsichtige Aufdosierung reduziert anfängliche gastrointestinale Beschwerden und Schlafstörungen.

Langsames Ausschleichen: Beim Absetzen über mehrere Wochen die Dosis schrittweise reduzieren, um Absetzsymptome zu minimieren.

Nebenwirkungen

Sehr häufig: Übelkeit, sexuelle Funktionsstörungen (Libidoverlust, Anorgasmie, erektile Dysfunktion), Schlafstörungen, Schwindel, Mundtrockenheit, Schwitzen, Tremor.

Häufig: Gewichtszunahme, Müdigkeit, Verstopfung, Diarrhö, Sehstörungen, Gähnen, Asthenie, Akathisie, abnorme Träume.

Gelegentlich: Hyponatriämie (vor allem bei älteren Patienten), Anstieg der Leberwerte, Pruritus, allergische Hautreaktionen, Tachykardie, Synkope.

Selten und sehr selten: Serotonin Syndrom, Stevens Johnson Syndrom, Anaphylaxie, Hepatitis, Pankreatitis, suizidale Gedanken (vor allem zu Therapiebeginn und bei jüngeren Patienten), Knochenfrakturen.

Absetzsyndrom:

  • Bei abruptem Absetzen oder zu schnellem Ausschleichen häufig: Schwindel, Parästhesien (Stromschlag ähnlich), Übelkeit, Schlafstörungen, Reizbarkeit, grippeähnliche Symptome, sensorische Empfindungen
  • Beginn meist 1 bis 3 Tage nach letzter Dosis, Dauer 2 bis 4 Wochen, in Einzelfällen länger
  • Prophylaxe durch langsames Ausschleichen über Wochen bis Monate
  • Im Vergleich der SSRIs hat Paroxetine das ausgeprägteste Absetzsyndrom

Wechselwirkungen

  • MAO Hemmer (Tranylcypromin, Moclobemid): Risiko für Serotonin Syndrom, Kombination kontraindiziert; Mindestabstand 14 Tage
  • Linezolid, Methylenblau: ebenfalls Risiko für Serotonin Syndrom
  • Andere serotonerge Substanzen (SNRIs, Triptane, Tramadol, Pethidin, Lithium, Johanniskraut): additive Wirkung, klinisch oft tolerabel, aber Aufklärung über Warnzeichen
  • CYP2D6 Substrate (Metoprolol, Codein, Tamoxifen, Trizyklika): Spiegelveränderungen; Vorsicht vor allem bei Tamoxifen, da Wirkung abgeschwächt sein kann
  • NSAR und Antikoagulantien: erhöhtes Blutungsrisiko durch SSRI bedingte Thrombozytenaggregationshemmung
  • Cimetidin: Spiegelerhöhung von Paroxetin
  • Phenytoin, Phenobarbital, Carbamazepin: Spiegelabfall

Besondere Hinweise

Schwangerschaft: Paroxetine zeigt im Vergleich zu anderen SSRIs ein leicht erhöhtes Risiko für angeborene Herzfehler (vor allem im ersten Trimenon) und neonatale Anpassungsprobleme. Wenn ein SSRI in der Schwangerschaft notwendig ist, werden in der Regel Sertralin oder Fluoxetin bevorzugt.

Stillzeit: Paroxetine geht in geringen Mengen in die Milch über, Stillen ist nach individueller Abwägung möglich. Beobachtung des Säuglings auf Trinkschwäche oder Reizbarkeit.

Kinder und Jugendliche: erhöhtes Risiko für suizidale Gedanken und Verhaltensweisen, Anwendung nur unter strenger Indikation und kinderpsychiatrischer Begleitung.

Ältere Patienten: erhöhte Empfindlichkeit, Risiko für Hyponatriämie und Frakturen. Niedrige Anfangsdosen, vorsichtige Aufdosierung.

Tamoxifen: Paroxetine kann die Aktivierung von Tamoxifen zum aktiven Metaboliten Endoxifen reduzieren, mit theoretisch geringerer antitumoraler Wirkung. Bei Mammakarzinom Patientinnen daher Alternative wie Venlafaxin oder Citalopram bevorzugen.

Verkehrstüchtigkeit: in den ersten Wochen oder bei Dosisänderungen vorsichtig sein, da Schwindel, Konzentrationsstörungen oder Schläfrigkeit auftreten können.

Patientenkommunikation: realistische Erwartung der Wirkung (4 bis 6 Wochen bis volle Wirkung), Aufklärung über Nebenwirkungen und Absetzproblematik, gemeinsame Therapieentscheidung erhöhen die Adhärenz und das Vertrauen in die Therapie.

Verwandte Wirkstoffe

Häufig gestellte Fragen

Paroxetine oder Paroxetin?

Englisch Paroxetine, Deutsch Paroxetin. Beide Begriffe meinen den gleichen Wirkstoff aus der Klasse der SSRIs.

Warum macht Paroxetine besonders Probleme beim Absetzen?

Paroxetine hat eine relativ kurze Halbwertszeit und keine aktiven Metaboliten mit langer Wirkung. Beim Absetzen sinken die Spiegel rasch ab, was zu Entzugssymptomen führen kann. Wirkstoffe mit langer Halbwertszeit wie Fluoxetin sind in dieser Hinsicht günstiger. Ein langsames Ausschleichen über Wochen bis Monate reduziert die Beschwerden deutlich.

Warum ist Paroxetine bei Tamoxifen problematisch?

Paroxetine ist ein starker CYP2D6 Hemmer. Tamoxifen wird durch CYP2D6 in seinen aktiven Metaboliten Endoxifen umgewandelt. Eine Hemmung verringert daher die antitumorale Wirkung. Bei Frauen mit Mammakarzinom sollte Paroxetine vermieden und auf eine Alternative wie Venlafaxin oder Citalopram umgestellt werden.

Wie schnell wirkt Paroxetine?

Erste Effekte auf Schlaf und Antrieb können nach 1 bis 2 Wochen erkennbar sein, die volle antidepressive Wirkung entwickelt sich über 4 bis 6 Wochen. Bei Angststörungen kann die Verbesserung etwas länger dauern. Wichtig ist Geduld und konsequente Einnahme.

Quellen

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