Tirbanibulin: Wirkung bei aktinischer Keratose

Tirbanibulin (Handelsname Klisyri) ist ein neuartiges topisches Antiproliferativum für die Therapie der aktinischen Keratose im Gesicht und auf der Kopfhaut. Die Substanz wurde 2021 in Europa zugelassen und stellt eine wichtige Erweiterung der dermatologischen Therapieoptionen für diese häufige Hauterkrankung dar. In Deutschland wird Tirbanibulin als 1 Prozent Salbe in Einzelportionsbeuteln vertrieben und ausschließlich auf ärztliche Verordnung angewendet. Die Therapie ist mit fünf Tagen vergleichsweise kurz und damit eine attraktive Option gegenüber älteren Therapien wie 5 Fluorouracil oder Imiquimod, die deutlich längere Anwendungszeiten haben.

Die aktinische Keratose ist eine durch UV Strahlung verursachte präkanzeröse Hautveränderung, die unbehandelt in ein Plattenepithelkarzinom übergehen kann. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter und mit kumulativer UV Belastung zu. Hellhäutige Personen, Personen mit Outdoor Berufen oder mit immunsuppressiver Therapie sind besonders betroffen. Tirbanibulin bietet eine kurze und in Studien wirksame Therapieoption für leichte bis mittelschwere Befunde an Gesicht und Kopfhaut bis 25 cm² Fläche.

Wirkmechanismus

Tirbanibulin ist ein dualer Inhibitor von Tubulin und der Src Tyrosinkinase. Durch die Bindung an Tubulin verhindert die Substanz die Polymerisation der Mikrotubuli, die für die Mitose der Zellen notwendig sind. In schnell teilenden Zellen wie aktinischen Keratose Zellen wird der Mitosezyklus gestoppt und es kommt zur Apoptose. Die zusätzliche Hemmung der Src Tyrosinkinase, eines wichtigen Signalmoleküls in der Tumorgenese, verstärkt den antiproliferativen Effekt.

Die Substanz ist selektiv für schnell proliferierende Zellen, daher werden gesunde, langsam teilende Hautzellen vergleichsweise wenig beeinträchtigt. Diese Selektivität ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber älteren topischen Therapien. Im Vergleich zu 5 Fluorouracil ist die Hautreaktion in der Regel weniger ausgeprägt, was die Compliance verbessert.

Pharmakokinetisch wird Tirbanibulin nach topischer Anwendung minimal systemisch resorbiert. Die Plasmakonzentrationen sind sehr niedrig und führen zu keiner relevanten systemischen Pharmakologie. Die hauptsächliche Wirkung findet lokal in der Behandlungsfläche statt. Die kurze Therapiedauer von fünf Tagen ist ausreichend, um die antiproliferative Wirkung in den aktinischen Keratose Läsionen voll zu entfalten.

Anwendungsgebiete

  • Aktinische Keratose Grad I bis II nach Olsen Klassifikation im Gesicht und auf der Kopfhaut bei Erwachsenen
  • Behandlungsfläche bis 25 cm², etwa 5 mal 5 cm
  • Patienten mit ausgedehnter Feldkanzerisierung in spezifischen Konstellationen, oft als ergänzende Therapie zu Kryotherapie oder anderen Verfahren

Tirbanibulin ist nicht zur Anwendung an Schleimhäuten, an den Augenlidern, in der Nähe der Augen, an offenen Wunden oder bei stark hyperkeratotischen Läsionen geeignet. Bei Verdacht auf invasives Plattenepithelkarzinom ist eine Biopsie und entsprechende Therapie notwendig.

Dosierung und Anwendung

Erwachsene: einmal täglich Tirbanibulin 1 Prozent Salbe an fünf aufeinanderfolgenden Tagen auf die Behandlungsfläche auftragen. Anwendung bevorzugt morgens, etwa zur gleichen Tageszeit.

Behandlungsfläche: bis maximal 25 cm² zusammenhängend im Gesicht oder auf der Kopfhaut.

Anwendung: die Hände vor und nach Anwendung gründlich waschen. Behandlungsfläche reinigen und gut trocknen. Den Inhalt eines Einzelportionsbeutels mit dem Finger gleichmäßig auf die Behandlungsfläche auftragen, bis die Salbe verschwunden ist. Nicht abwaschen, sondern einziehen lassen. Etwa 8 Stunden nach Anwendung kann die Stelle mit Wasser gewaschen werden.

Verhalten nach Anwendung: die Hände nach Anwendung gründlich waschen. Hand Augen Kontakt vermeiden, weil die Substanz augenirritierend ist. Behandlungsfläche nach Anwendung 8 Stunden nicht waschen, abdecken oder mit Cremes bedecken.

Beurteilung: nach 8 Wochen klinische Verlaufskontrolle, bei Restläsionen ggf. erneute Therapie nach individueller Bewertung.

Niereninsuffizienz / Leberinsuffizienz: aufgrund der minimalen systemischen Resorption keine Anpassung erforderlich.

Nebenwirkungen

Sehr häufig: lokale Hautreaktionen (LSR) im Behandlungsareal, darunter Erythem (Rötung), Schuppung, Krustenbildung, Schwellung, Erosionen oder Ulzerationen. Diese Reaktionen sind erwartet und Zeichen der Wirkung. Maximum etwa 8 Tage nach Therapiebeginn, Abklingen über etwa 2 Wochen.

Häufig: Pruritus, Schmerzen oder Brennen an der Anwendungsstelle, Erysipel artige Hautreaktion, Hautabschuppung.

Gelegentlich: Hautulzerationen, postinflammatorische Hyperpigmentierung, vorübergehende Hypopigmentierung.

Selten: schwere allergische Reaktionen, Augenreizung bei akzidenteller Augenexposition, periorbitales Ödem.

Hinweis: die lokalen Hautreaktionen sind im Vergleich zu 5 Fluorouracil oder Imiquimod in der Regel weniger ausgeprägt und kürzer. Die Reaktion ist Zeichen der Wirkung und kein Grund zum Therapieabbruch, sofern keine schwere Komplikation vorliegt.

Wechselwirkungen

  • Andere Topika auf der Behandlungsfläche: während der 5 Tage Therapie und während des Abklingens der lokalen Hautreaktionen sollten keine anderen topischen Wirkstoffe oder Kosmetika auf die Stelle aufgetragen werden.
  • Systemische Medikamente: aufgrund der geringen systemischen Resorption sind keine relevanten systemischen Wechselwirkungen bekannt.
  • UV Strahlung: die Behandlungsfläche während und nach Therapie konsequent vor Sonne schützen, weil UV Belastung die Reaktion verstärken kann und die aktinischen Keratosen vorbestehende UV Schäden sind.
  • Andere Therapien der aktinischen Keratose (Kryotherapie, photodynamische Therapie, 5 Fluorouracil, Imiquimod): zeitlich versetzte Anwendung in einem strukturierten Therapieplan möglich.

Besondere Hinweise

Schwangerschaft: nicht empfohlen, da begrenzte Daten vorliegen. Bei zwingender Indikation strenge Risiko Nutzen Abwägung. Stillzeit: nicht empfohlen, alternative Therapien erwägen.

Kinder: nicht für Kinder zugelassen, weil aktinische Keratose praktisch ausschließlich bei Erwachsenen auftritt.

Kontraindikationen: bekannte Überempfindlichkeit gegen Tirbanibulin oder Hilfsstoffe, Anwendung an Schleimhäuten, Augenlidern, in der Nähe der Augen oder an offenen Wunden.

Vor Anwendung: ausführliche dermatologische Anamnese und klinische Beurteilung der Hautläsionen. Bei Verdacht auf invasives Plattenepithelkarzinom Biopsie. Hautlasionen klinisch dokumentieren, ggf. fotografisch.

Während der Therapie: Hautreaktionen beobachten, Patienten zur richtigen Anwendung und zum Verhalten anleiten. Bei schweren Komplikationen wie Infektion oder ulzerierenden Reaktionen Therapie pausieren.

Nach Therapie: Verlaufskontrolle nach 8 Wochen, Beurteilung des Behandlungserfolgs. Konsequenter UV Schutz mit Lichtschutzfaktor 50 oder höher, breitkrempige Hüte und Vermeiden direkter Sonneneinwirkung. Regelmäßige Hautkrebsvorsorgeuntersuchungen.

Lebensstil: umfassender Lichtschutz, Verzicht auf Sonnenstudios, regelmäßige dermatologische Vorsorge bei UV Risikoprofil.

Verkehrstüchtigkeit: nicht beeinträchtigt durch lokale Anwendung.

Das könnte Sie auch interessieren

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert die Tirbanibulin Therapie?

Die Anwendungsdauer beträgt nur 5 aufeinanderfolgende Tage. Damit ist Tirbanibulin deutlich kürzer als ältere topische Therapien wie 5 Fluorouracil (2 bis 4 Wochen) oder Imiquimod (4 bis 6 Wochen). Nach den 5 Anwendungstagen folgt eine etwa 2 wöchige Phase mit lokalen Hautreaktionen, danach beginnt die Heilungsphase. Die Beurteilung des Behandlungserfolgs erfolgt nach 8 Wochen.

Sind die Hautreaktionen ein gutes oder schlechtes Zeichen?

Die lokalen Hautreaktionen mit Rötung, Schuppung und Krustenbildung sind Zeichen der Wirkung des Medikaments. Sie zeigen, dass die aktinischen Keratose Zellen abgetötet werden und die Haut sich erneuert. Daher sind diese Reaktionen erwünscht und sollten nicht zum Therapieabbruch führen, solange sie im erwarteten Rahmen bleiben. Bei sehr ausgeprägten oder schmerzhaften Reaktionen oder bei Anzeichen einer Infektion ärztliche Rücksprache.

Was ist die aktinische Keratose und warum ist die Behandlung wichtig?

Die aktinische Keratose ist eine durch UV Strahlung verursachte präkanzeröse Hautveränderung. Unbehandelt kann ein Teil der Läsionen in ein invasives Plattenepithelkarzinom übergehen. Die Wahrscheinlichkeit pro Läsion und Jahr ist niedrig, jedoch summiert sich das Risiko bei vielen Läsionen und Langzeitverlauf. Die Behandlung ist daher eine wichtige Vorsorgemaßnahme, vor allem bei ausgedehnter Feldkanzerisierung.

Kann ich Tirbanibulin im Sommer anwenden?

Eine Anwendung im Sommer ist möglich, jedoch ist konsequenter UV Schutz besonders wichtig. Während der Therapie und in der Phase der Hautreaktion sollte die Behandlungsfläche vor direkter Sonne geschützt werden. Hellhäutige Patienten und Personen mit ausgeprägter Sonnenexposition sollten die Therapie idealerweise außerhalb der starken Sonnenintensität (Spätherbst, Winter, Frühjahr) planen, sofern dies klinisch vertretbar ist.

Quellen

Rechtliche Hinweise und Haftungsausschluss

Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar. Sie ersetzen nicht den Rat eines approbierten Arztes oder Apothekers. Tirbanibulin ist verschreibungspflichtig und sollte unter dermatologischer Aufsicht angewendet werden, insbesondere bei differentialdiagnostisch unklaren Hautläsionen. Alle Angaben basieren auf zum Zeitpunkt der Erstellung veröffentlichten Fachinformationen und anerkannten wissenschaftlichen Quellen, maßgeblich ist stets die jeweils aktuelle Fachinformation des Herstellers. Sanoliste übernimmt keine Haftung für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der dargestellten Informationen. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie den Notruf 112.