Triptophan: Schreibvariante der essentiellen Aminosäure L Tryptophan
Triptophan ist eine häufige Schreibvariante der essentiellen Aminosäure L Tryptophan. Korrekt ist Tryptophan, das in der Schreibung mit y die genaue chemische Bezeichnung trägt. Die Schreibvariante Triptophan entsteht oft durch falsche Aussprache oder Tippfehler. Pharmakologisch und biochemisch handelt es sich um identische Substanz.
Tryptophan ist eine der neun essentiellen Aminosäuren und wird mit der Nahrung aufgenommen. Reiche Quellen sind Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier, Hülsenfrüchte, Nüsse und Schokolade. Klinisch bedeutsam ist Tryptophan vor allem als Vorstufe von Serotonin und Melatonin sowie der Synthese von Vitamin B3 (Niacin) und NAD.
Wirkmechanismus
L Tryptophan wird im Körper über mehrere Wege metabolisiert:
- Serotoninsynthese: Tryptophanhydroxylase wandelt Tryptophan zu 5 Hydroxytryptophan, das anschließend zu Serotonin umgesetzt wird. Serotonin reguliert Stimmung, Schlaf, Appetit, Schmerzwahrnehmung und Magen Darm Funktion
- Melatoninsynthese: Serotonin wird in der Zirbeldrüse zu Melatonin umgewandelt, dem Schlafhormon
- Niacinsynthese (Vitamin B3): über den Kynurenin Pfad wird ein Teil des Tryptophans zu NAD und NADP umgewandelt
- Proteinbiosynthese: Tryptophan ist Bestandteil zahlreicher Proteine
Eine zusätzliche Tryptophanaufnahme über Supplemente erhöht die Verfügbarkeit für die Serotoninsynthese, sofern die Aufnahme ins ZNS gegen die Konkurrenz anderer großer neutraler Aminosäuren gelingt. Kohlenhydratreiche Mahlzeiten verbessern die Tryptophanaufnahme ins Gehirn, da Insulin die anderen Aminosäuren in die Muskelzellen verschiebt.
Anwendungsgebiete
- Schlafstörungen, vor allem Einschlafstörungen: als unterstützende Therapie
- Depressive Verstimmungen: Off Label, vor allem als Augmentation oder bei Patienten, die keine klassischen Antidepressiva wünschen
- Saisonal affektive Störung (SAD): ergänzend zu Lichttherapie
- Premenstruelles Syndrom (PMS): Off Label
- Pellagra: Niacinmangel mit Diarrhö, Demenz und Dermatitis, durch Tryptophan und Niacin substituierbar
Tryptophan ist als Arzneimittel (Kalma) und Nahrungsergänzungsmittel verfügbar. Bei diagnostizierten psychiatrischen Erkrankungen sollte die Anwendung in das Gesamtkonzept eingebettet sein.
Dosierung und Einnahme
Schlafstörungen: 500 bis 1.000 mg etwa 30 Minuten vor dem Schlafengehen, mit kohlenhydratreicher Nahrung kombiniert.
Depressive Verstimmung: 1.000 bis 3.000 mg pro Tag, verteilt auf zwei bis drei Einzeldosen.
Die Einnahme erfolgt zwischen den Mahlzeiten oder mit kohlenhydratreichem Snack, um die ZNS Aufnahme zu fördern. Nicht zusammen mit proteinreicher Nahrung einnehmen, da andere große Aminosäuren um den gleichen Transporter ins Gehirn konkurrieren.
Therapiedauer: bei Schlafstörungen kurzzeitig oder zur Bedarfsanwendung, bei chronischen Beschwerden sollte die Diagnose und das Gesamtkonzept reevaluiert werden.
Nebenwirkungen
Häufig: Übelkeit, Bauchschmerzen, Sodbrennen, Verstopfung, Müdigkeit, Mundtrockenheit.
Gelegentlich: Kopfschmerzen, Schwindel, leicht erhöhte Leberwerte, Hautausschlag.
Selten: Eosinophilie Myalgie Syndrom (EMS) bei kontaminierten Tryptophan Präparaten in den 1990er Jahren, was zur kurzzeitigen Marktrücknahme führte; aktuelle Präparate aus geprüften Quellen gelten als sicher.
Besondere Hinweise:
- Beim Eosinophilie Myalgie Syndrom (1989) waren Verunreinigungen der Hauptauslöser, nicht die Aminosäure selbst
- Bei Kombination mit serotonergen Medikamenten Risiko für Serotonin Syndrom
- Bei längerer Hochdosis Anwendung mögliche Beeinflussung des Vitamin B3 Stoffwechsels
Wechselwirkungen
- MAO Hemmer (Tranylcypromin, Moclobemid): Risiko für Serotonin Syndrom, Kombination kontraindiziert
- SSRIs, SNRIs, Triptane, Lithium, Tramadol, Pethidin: additive serotonerge Wirkung, Risiko für Serotonin Syndrom; Kombination möglich, aber Aufklärung über Warnzeichen
- Sedativa und Hypnotika: additive Sedierung
- Antikonvulsiva: theoretisch Spiegelveränderungen, klinisch selten relevant
- Eisen Mangel: Tryptophanhydroxylase benötigt Eisen als Cofaktor; bei Eisenmangel verminderte Serotoninsynthese
Besondere Hinweise
Schwangerschaft und Stillzeit: Tryptophan aus der Nahrung ist unproblematisch. Eine Supplementierung in pharmakologisch hohen Dosen sollte mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Kinder: Tryptophan Supplementation bei Kindern ist selten indiziert; Schlafprobleme sollten zuerst nichtmedikamentös angegangen werden.
Vorerkrankungen: bei Lebererkrankungen, Niereninsuffizienz oder neurologischen Erkrankungen ärztliche Rücksprache vor Beginn.
Realistische Erwartung: Tryptophan ist kein klassisches Antidepressivum oder Schlafmittel im pharmakologischen Sinn. Studien zeigen moderate Effekte, vor allem bei subklinischen Beschwerden. Bei klinisch relevanter Depression oder Schlafstörung sollten etablierte Therapien Vorrang haben.
Lebensstil: regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, Schlafhygiene, Stressmanagement und ausreichende Lichtexposition sind oft genauso wirksam wie Tryptophan und sollten Grundlage jeder Therapie sein.
Verwandte Wirkstoffe
- Tryptophan, korrekte Schreibweise
- Agomelatin, melatoninerges Antidepressivum
- Zolpidem, kurzwirksames Hypnotikum
- Buspirone, 5 HT1A partieller Agonist als Anxiolytikum
Häufig gestellte Fragen
Triptophan oder Tryptophan?
Korrekt ist Tryptophan mit y. Triptophan ist eine Schreibvariante. Beide Begriffe meinen die gleiche essentielle Aminosäure.
Macht Tryptophan müde?
Tryptophan kann über die Serotonin und Melatoninsynthese leicht beruhigend und schlaffördernd wirken, vor allem in Kombination mit kohlenhydratreicher Nahrung. Die Wirkung ist deutlich milder als bei klassischen Schlafmitteln und bei vielen Menschen subjektiv kaum spürbar.
Was war das Eosinophilie Myalgie Syndrom?
1989 traten in den USA Tausende Fälle von Eosinophilie und schweren Muskelschmerzen unter einem Tryptophan Präparat auf. Ursache war eine Verunreinigung im Herstellungsprozess. Der Wirkstoff selbst gilt seitdem als sicher, sofern die Reinheit gewährleistet ist. Heute zugelassene Präparate sind streng kontrolliert.
Kann ich Tryptophan auch über die Ernährung aufnehmen?
Ja. Reiche Quellen sind Pute, Huhn, Fisch, Milchprodukte, Eier, Nüsse, Hülsenfrüchte, Sojaprodukte und Schokolade. Eine ausgewogene Ernährung deckt den Bedarf in der Regel vollständig. Eine Supplementierung ist nur bei spezifischen Indikationen oder Beschwerden sinnvoll.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung Referenzwerte
- BfArM Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
- BfR Bundesinstitut für Risikobewertung
- Gelbe Liste Tryptophan Wirkstoffprofil
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