Cinnarizine: Englische Schreibweise des Antischwindelmittels Cinnarizin

Cinnarizine ist die englische Schreibweise des Wirkstoffs Cinnarizin. In englischsprachiger Fachliteratur, in vielen internationalen Handelsnamen und in Kombinationspräparaten findet sich diese Form. In Deutschland ist die deutsche Schreibung Cinnarizin gebräuchlich. Pharmakologisch handelt es sich um den gleichen Wirkstoff, eine Mischsubstanz mit Calciumkanal blockierenden und H1 antihistaminischen Eigenschaften.

Cinnarizine wird seit über 60 Jahren bei Schwindel verschiedener Genese, Reisekrankheit und Migräneprophylaxe eingesetzt. In manchen Ländern ist auch eine Kombination mit Dimenhydrinat (Arlevert in Deutschland) erhältlich, die bei vestibulärem Schwindel besonders bewährt ist.

Wirkmechanismus

Cinnarizine wirkt an mehreren Angriffspunkten:

  • Hemmung des spannungsabhängigen Calciumeinstroms in glatten Muskelzellen, vor allem in den Vasa nervorum des Innenohrs
  • Blockade von H1 Histaminrezeptoren mit antihistaminischer und antiemetischer Wirkung
  • Modulation der vestibulären Funktion auf Hirnstammebene
  • Schwache Hemmung dopaminerger und serotonerger Rezeptoren

Die Kombination dieser Effekte macht Cinnarizine wirksam bei vestibulärem Schwindel, Reisekrankheit und Migräne. Die Calciumkanalblockade ist im Vergleich zu Verapamil oder Nifedipin schwach und kardiovaskulär wenig relevant.

Cinnarizine wird hepatisch metabolisiert, die Halbwertszeit beträgt etwa 4 bis 5 Stunden, weshalb mehrmals tägliche Einnahme üblich ist.

Anwendungsgebiete

  • Vestibulärer Schwindel: bei Morbus Menière, vestibulärer Migräne, vertebrobasilärer Insuffizienz, peripherem Schwindel unklarer Genese
  • Reisekrankheit (Kinetose): Prophylaxe und Behandlung
  • Migräneprophylaxe: Off Label oder im Rahmen vestibulärer Migräne
  • Tinnitus: begleitende Therapie bei manchen Patientinnen mit Innenohrproblemen
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): historische Indikation, heute weniger gebräuchlich

Dosierung und Einnahme

Schwindel: 25 mg dreimal täglich, eventuell schrittweise Steigerung auf bis zu 75 mg pro Tag. Bei akuter Symptomatik kann eine höhere Initialdosis sinnvoll sein.

Reisekrankheit: 30 Minuten vor Reise 25 mg, ggf. Wiederholung alle 6 bis 8 Stunden während der Reise. Maximal 75 mg pro Tag.

Kinder ab 5 Jahren: halbe Erwachsenendosis nach individueller Beurteilung.

Die Einnahme erfolgt mit ausreichend Flüssigkeit, vorzugsweise nach den Mahlzeiten, um gastrointestinale Beschwerden zu minimieren.

Nebenwirkungen

Häufig: Sedierung, Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, gastrointestinale Beschwerden, Gewichtszunahme.

Gelegentlich: Hautausschlag, Pruritus, Schwitzen, Tremor, depressive Verstimmung.

Selten und sehr selten: extrapyramidale Symptome (Parkinsonoid), vor allem bei älteren Patientinnen und langer Therapiedauer; Lupus erythematodes ähnliche Reaktion, Cholestase, Lichen planus.

Wichtige Punkte:

  • Sedierung beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit, vor allem zu Therapiebeginn
  • Bei längerer Therapie ältere Patientinnen auf extrapyramidale Symptome beobachten
  • Anticholinerge Effekte können bei Engwinkelglaukom oder Prostatahyperplasie problematisch sein
  • Bei Morbus Parkinson kontraindiziert wegen Verstärkung der Symptome

Wechselwirkungen

  • Alkohol und ZNS Dämpfer: additive Sedierung, Vorsicht oder vermeiden
  • Trizyklische Antidepressiva, Antipsychotika: additive anticholinerge Effekte und Sedierung
  • Antihypertensiva: additive Blutdrucksenkung möglich
  • L Dopa: antagonistische Wirkung, Verstärkung von Parkinson Symptomen

Besondere Hinweise

Schwangerschaft: begrenzte Daten, Anwendung nur bei klarer Indikation.

Stillzeit: nicht ausreichend untersucht, daher zurückhaltend.

Ältere Patientinnen: erhöhte Empfindlichkeit, Sturzrisiko durch Sedierung, Risiko für extrapyramidale Symptome bei längerer Therapie. PRISCUS Liste stuft Cinnarizine als potentiell ungeeignet ein.

Kontraindikationen: Morbus Parkinson, akute Engwinkelglaukom Anfälle, Phäochromozytom, schwere Herzinsuffizienz mit kardialer Dekompensation.

Verkehrstüchtigkeit: insbesondere zu Therapiebeginn beeinträchtigt.

Patientenkommunikation: bei chronischem Schwindel sollte die Diagnostik die Ursache klären, bevor symptomatische Dauertherapie begonnen wird. Bei vestibulärer Migräne sind moderne Therapien (Triptane, Antiemetika, Migräneprophylaktika) oft besser geeignet.

Verwandte Wirkstoffe

Häufig gestellte Fragen

Cinnarizine oder Cinnarizin?

Englisch Cinnarizine, Deutsch Cinnarizin. Identischer Wirkstoff mit Calciumkanal blockierenden und H1 antihistaminischen Eigenschaften.

Was unterscheidet Cinnarizine von Dimenhydrinat?

Beide sind H1 Antihistaminika mit antiemetischer Wirkung. Cinnarizine hat zusätzlich eine schwache Calciumkanal Blockade und wirkt direkt auf die Innenohrdurchblutung. Bei vestibulärem Schwindel wird oft eine Fixkombination beider Wirkstoffe (Arlevert) eingesetzt, die in Studien Vorteile gegenüber den Einzelsubstanzen zeigte.

Hilft Cinnarizine bei Migräne?

Bei vestibulärer Migräne kann Cinnarizine eine sinnvolle Option sein, vor allem als Prophylaxe. Die Datenlage zur reinen Migräneprophylaxe ist begrenzt; moderne Optionen wie Topiramat, Betablocker, CGRP Antikörper oder Onabotulinumtoxin A haben mehr Evidenz.

Warum nicht bei Morbus Parkinson?

Cinnarizine hat eine schwache dopaminerge Hemmwirkung. Bei Patientinnen und Patienten mit Morbus Parkinson kann der Wirkstoff Symptome verstärken oder ein medikamentös induziertes Parkinsonoid auslösen. Die Anwendung ist daher kontraindiziert.

Quellen

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