Trankimazin: Spanischer Markenname für Alprazolam
Trankimazin ist der spanische Markenname für Alprazolam, ein kurz bis mittellang wirksames Benzodiazepin aus der Klasse der Triazolobenzodiazepine. In Spanien und einigen lateinamerikanischen Ländern findet sich Alprazolam unter dem Handelsnamen Trankimazin oder Trankimazin Retard. International ist der Wirkstoff vor allem als Xanax (USA, Kanada, Großbritannien) und Tafil (in einigen Ländern Latam) bekannt. In Deutschland ist Alprazolam als Tafil und in zahlreichen generischen Präparaten verfügbar.
Alprazolam wurde 1981 zugelassen und gehört zu den weltweit am häufigsten verschriebenen Benzodiazepinen, vor allem bei Panikstörung und akuten Angstzuständen. Aufgrund des hohen Abhängigkeitspotenzials und der ausgeprägten Absetzproblematik ist die Anwendung in den letzten Jahren restriktiver geworden.
Wirkmechanismus
Wie alle Benzodiazepine bindet Alprazolam allosterisch an den GABA A Rezeptor und verstärkt die Wirkung des inhibitorischen Neurotransmitters GABA. Dadurch erhöht sich die Öffnungsfrequenz des Chloridkanals, das Neuron wird hyperpolarisiert und seine Erregbarkeit reduziert. Die klinischen Effekte sind:
- Anxiolyse, vor allem an limbischen Strukturen
- Sedierung über kortikale und thalamische Bahnen
- Antikonvulsive Wirkung
- Muskelrelaxation auf spinaler Ebene
- Anterograde Amnesie
Im Vergleich zu anderen Benzodiazepinen hat Alprazolam eine besonders hohe Bindungsaffinität an Benzodiazepin Bindungsstellen mit Schwerpunkt auf Anxiolyse. Die mittlere Halbwertszeit beträgt 9 bis 16 Stunden. Charakteristisch sind ein rascher Wirkbeginn und eine vergleichsweise kurze Wirkdauer, weshalb Alprazolam mehrmals täglich gegeben wird.
Anwendungsgebiete
- Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie: klassische Indikation, in der Akutphase rasche Symptomlinderung
- Generalisierte Angststörung: kurzfristige Therapie, langfristige Behandlung mit SSRIs, SNRIs, Pregabalin oder Buspirone bevorzugt
- Akute Belastungs und Erregungszustände: nicht zur Dauertherapie
- Off Label Anwendungen: prämedikative Anxiolyse vor Eingriffen, Hilfe bei alkoholbedingter Entzugssymptomatik (selten und kontrolliert)
Alprazolam ist nicht zur Therapie von Depression als Monotherapie geeignet und nicht für die Langzeitanwendung optimiert.
Dosierung und Einnahme
Generalisierte Angststörung: 0,25 bis 0,5 mg dreimal täglich, schrittweise Aufdosierung. Maximaldosis 4 mg pro Tag.
Panikstörung: 0,5 bis 1 mg viermal täglich, schrittweise Aufdosierung. Maximaldosis 6 bis 10 mg pro Tag.
Trankimazin Retard: einmal täglich 0,5 bis 6 mg, abhängig von der Indikation.
Die Einnahme erfolgt mit Wasser, unabhängig von Mahlzeiten. Aufdosierung in kleinen Schritten alle 3 bis 4 Tage, Reduktion sehr langsam über Wochen bis Monate.
Therapieziel: möglichst kurze Therapie, niedrigste wirksame Dosis. Übliche Empfehlungen sehen eine Therapiedauer von maximal 8 bis 12 Wochen, einschließlich der Ausschleichphase.
Nebenwirkungen
Sehr häufig: Sedierung, Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Reaktionsverlangsamung, Muskelschwäche, anterograde Amnesie.
Häufig: Mundtrockenheit, Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall, Kopfschmerzen, verwaschene Sprache, Doppeltsehen.
Gelegentlich: paradoxe Reaktionen mit Erregung, Aggressivität, Albträumen (vor allem bei älteren Patienten und Kindern), Hypotonie, Sehstörungen, Hautausschlag.
Selten: schwere allergische Reaktionen, Atemdepression vor allem in Kombination mit anderen ZNS Dämpfern, Krampfanfälle nach abruptem Absetzen, Dystonien.
Toleranz und Abhängigkeit:
- Toleranz für sedierende Effekte entsteht meist innerhalb von Wochen
- Abhängigkeit kann sich bereits nach 4 bis 6 Wochen regelmäßiger Anwendung entwickeln
- Beim abrupten Absetzen oder zu schnellem Ausschleichen drohen Entzugssymptome bis hin zu Krampfanfällen
- Alprazolam hat im Vergleich zu vielen anderen Benzodiazepinen ein besonders ausgeprägtes Absetzsyndrom, das oft als Rebound mit verstärkter Angst beginnt
Wechselwirkungen
- Andere ZNS Dämpfer (Alkohol, Opioide, Antipsychotika, sedierende Antihistaminika): additive Sedierung, Atemdepression, in Kombination mit Opioiden besonders gefährlich
- Starke CYP3A4 Hemmer (Itraconazol, Ketoconazol, HIV Proteaseinhibitoren, Erythromycin, Grapefruitsaft): deutliche Spiegelerhöhung, verstärkte Sedierung
- Starke CYP3A4 Induktoren (Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Johanniskraut): reduzierte Wirksamkeit
- Cimetidin und Ranitidin: moderate Spiegelerhöhung
- Levodopa: abgeschwächte Antiparkinson Wirkung
- SSRIs, SNRIs: additive Sedierung möglich, klinisch oft tolerabel
Besondere Hinweise
Schwangerschaft: nicht empfohlen, vor allem nicht im ersten Trimenon. Im dritten Trimenon Risiko für Floppy Infant Syndrom und Neonatale Entzugssyndrome.
Stillzeit: Übergang in die Milch, Anwendung möglichst meiden.
Kinder und Jugendliche: nicht zugelassen, paradoxe Reaktionen häufiger.
Ältere Patienten: erhöhte Empfindlichkeit, Sturz und Frakturgefahr, kognitive Störungen. PRISCUS Liste stuft Benzodiazepine als potentiell ungeeignet ein.
Suchtanamnese: bei Alkohol oder Drogenabhängigkeit Anwendung möglichst vermeiden.
Verkehrstüchtigkeit: insbesondere zu Therapiebeginn und bei Dosiserhöhung deutlich eingeschränkt.
Ausschleichen: bei längerer Anwendung sehr langsam reduzieren, oft über mehrere Monate. Eine Umstellung auf das länger wirksame Diazepam kann das Ausschleichen erleichtern.
Patientenkommunikation: realistische Erwartungen vermitteln, Therapiedauer und Ausstiegsstrategie von Beginn an besprechen, alternative Therapien (Psychotherapie, SSRI) einbeziehen.
Verwandte Wirkstoffe
- Bromazepan, mittellang wirksames Benzodiazepin
- Zolpidem, kurzwirksames Hypnotikum
- Buspirone, nicht abhängigkeitserzeugendes Anxiolytikum
- Pregabalin, alternative Therapie bei Angststörung
- Paroxetine, SSRI bei Panikstörung
Häufig gestellte Fragen
Was ist Trankimazin?
Trankimazin ist der spanische Markenname für Alprazolam, ein Benzodiazepin der Wirkstoffklasse Triazolobenzodiazepine. In Deutschland heißt der gleiche Wirkstoff Tafil oder ist als Generikum verfügbar.
Wie schnell macht Alprazolam abhängig?
Bereits nach 4 bis 6 Wochen regelmäßiger Anwendung können sich Toleranz und Abhängigkeit entwickeln. Alprazolam gilt unter den Benzodiazepinen als besonders schnell und stark abhängigkeitserzeugend, vor allem in höheren Dosen oder bei mehrfach täglicher Einnahme.
Wie wird Alprazolam ausgeschlichen?
Sehr langsam, oft über Wochen bis Monate. Ein häufiges Vorgehen ist die schrittweise Reduktion um 5 bis 10 % der aktuellen Dosis pro 1 bis 2 Wochen oder die Umstellung auf das länger wirksame Diazepam in äquivalenter Dosis und anschließendes langsames Ausschleichen. Die Begleitung durch eine erfahrene Ärztin oder einen erfahrenen Arzt ist sinnvoll.
Welche Alternativen gibt es?
Bei Panikstörung sind SSRIs und SNRIs Mittel der ersten Wahl, oft kombiniert mit kognitiver Verhaltenstherapie. Buspirone ist eine nicht abhängigkeitserzeugende Option bei generalisierter Angststörung. Pregabalin ist bei generalisierter Angst ebenfalls wirksam. Auch Achtsamkeitsbasierte und psychotherapeutische Verfahren zeigen gute Wirksamkeit.
Quellen
- EMA Europäische Arzneimittelagentur
- BfArM Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
- AWMF Leitlinie Angststörungen
- Gelbe Liste Alprazolam Wirkstoffprofil
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