Mifepristone: Englische Schreibweise von Mifepriston (Progesteron Antagonist)

Mifepristone ist die englische Schreibweise von Mifepriston, einem Steroid mit Progesteron Rezeptor antagonistischer und teils Glukokortikoid Rezeptor antagonistischer Wirkung. Beide Formen bezeichnen denselben Wirkstoff. International wird der Wirkstoff je nach Markt unter den Handelsnamen Mifegyne (Europa, Frankreich), Mifeprex (USA, früher RU 486 Forschungsname) und Korlym (Cushing Indikation) vertrieben.

Mifepriston wurde in Frankreich von der Firma Roussel Uclaf entwickelt und 1988 erstmals zugelassen. Die Substanz war international aus politischen, ethischen und religiösen Gründen umstritten, hat sich aber in der modernen Reproduktionsmedizin als sicheres und wirksames Mittel etabliert. Hauptindikation in Europa ist der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch in Kombination mit Misoprostol bis zur 9. Schwangerschaftswoche, in den USA bis zur 10. Woche. Eine spezielle hochpotente Form (Korlym) wird in den USA für das Cushing Syndrom verwendet.

Wirkmechanismus

Mifepriston bindet mit höherer Affinität an den Progesteron Rezeptor als Progesteron selbst und wirkt dort als kompetitiver Antagonist. Es bindet zusätzlich an den Glukokortikoid Rezeptor und in geringerem Maß an den Androgenrezeptor. Die antiprogestative Wirkung ist die klinisch relevanteste.

In der frühen Schwangerschaft führt der Progesteronrezeptor Antagonismus zu einer Destabilisierung der Decidua, Loslösung der Eizelle vom Endometrium und Erhöhung der Empfindlichkeit der Gebärmutter für Prostaglandine. Bei nachfolgender Gabe von Misoprostol (synthetisches Prostaglandin E1 Analogon) kommt es zu Gebärmutterkontraktionen und zum Schwangerschaftsabbruch.

Bei Cushing Syndrom blockiert Mifepriston den Glukokortikoid Rezeptor und wirkt dem Hypercortisolismus entgegen, ohne den Cortisolspiegel selbst zu senken. Die Diagnostik wird dadurch erschwert, da Cortisolspiegel hoch bleiben.

Pharmakokinetisch wird Mifepriston oral gut resorbiert (Bioverfügbarkeit etwa 70 Prozent), Halbwertszeit etwa 18 Stunden, Metabolisierung über CYP3A4. Aktive Metaboliten verlängern die Wirkung.

Anwendungsgebiete

  • Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch: bis zur 9. Schwangerschaftswoche (Europa) bzw. 10. Woche (USA), in Kombination mit Misoprostol
  • Vorbereitung der Zervix vor instrumentellem Schwangerschaftsabbruch: erleichtert die Dilatation
  • Geburtsbeschleunigung bei intrauterinem Fruchttod: in spezialisierten geburtshilflichen Zentren
  • Notfallkontrazeption (sehr niedrige Dosis): historisch und off label, durch ulipristal verdrängt
  • Cushing Syndrom (USA, Korlym): bei Hyperglykämie infolge endogenen Hypercortisolismus, wenn Operation nicht möglich
  • Off label: Endometriose, Uterusmyome, Meningeome (in Forschung)

Dosierung und Anwendung

Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch: 200 mg Mifepriston oral als Einzeldosis, gefolgt von 800 Mikrogramm Misoprostol bukkal, sublingual oder vaginal nach 24 bis 48 Stunden. Die Wirksamkeit liegt bei über 95 Prozent bis zur 9. Woche. Eine Nachuntersuchung 1 bis 2 Wochen später bestätigt den vollständigen Abbruch.

Cushing Syndrom (Korlym in den USA): Initial 300 mg täglich, Steigerung bis maximal 1.200 mg täglich.

Beratungspflicht: der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch in Deutschland erfordert nach Paragraph 218 StGB eine vorherige psychosoziale Beratung in einer staatlich anerkannten Beratungsstelle und eine dreitägige Bedenkzeit. Mifepriston darf nur in zugelassenen Einrichtungen ausgehändigt werden, nicht in der Apotheke.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (im Zusammenhang mit Schwangerschaftsabbruch): Vaginale Blutung (über 95 Prozent, kann mehrere Tage anhalten), Bauchschmerzen und Krämpfe (über 80 Prozent), Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Müdigkeit, Schwindel.

Häufig: Kopfschmerzen, Hautausschlag, Fieber, lange anhaltende Schmierblutung über mehrere Wochen.

Gelegentlich bis selten: starke Blutung mit Hämoglobinabfall (etwa 1 Prozent), unvollständiger Schwangerschaftsabbruch mit Bedarf für instrumentellen Eingriff (etwa 2 bis 5 Prozent), Infektion (Endomyometritis), allergische Reaktionen.

Schwerwiegend, sehr selten: tödliche septische Schocks durch Clostridium sordellii (vor allem bei vaginaler Misoprostol Anwendung berichtet), schwere Hämorrhagie mit Bluttransfusion oder Hysterektomie (sehr selten).

Wichtig: Patientinnen werden über Warnsymptome aufgeklärt: starke Blutung (mehr als 2 dicke Binden pro Stunde über 2 Stunden), starke Bauchschmerzen über mehrere Tage, hohes Fieber, übelriechender Ausfluss. Bei diesen Symptomen ist eine sofortige ärztliche Vorstellung erforderlich.

Wechselwirkungen

  • Starke CYP3A4 Hemmer (Ketoconazol, Itraconazol, Erythromycin, HIV Proteasehemmer): erhöhte Mifepriston Spiegel
  • Starke CYP3A4 Induktoren (Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Johanniskraut): reduzierte Mifepriston Wirkung
  • NSAR (Aspirin, Ibuprofen, Naproxen): theoretischer Antagonismus zu Misoprostol; klinisch nicht eindeutig relevant, in den meisten Protokollen werden NSAR weiterhin als Schmerzmittel eingesetzt
  • Glukokortikoide: Mifepriston antagonisiert deren Wirkung, wichtig bei Patientinnen unter Cortisol Substitution oder bei Asthma Therapie
  • Antikoagulantien: erhöhtes Blutungsrisiko

Besondere Hinweise

Rechtlicher Rahmen in Deutschland: der Schwangerschaftsabbruch ist nach Paragraph 218 StGB grundsätzlich strafbar, bleibt aber unter bestimmten Bedingungen straffrei (Beratungsregelung, medizinische oder kriminologische Indikation). Der Abbruch ist nur nach gesetzlich vorgeschriebener Beratung und Wartezeit zulässig. Mifepriston wird ausschließlich in zugelassenen Einrichtungen aus den Beständen der Großhändler bezogen.

Kontraindikationen: bestätigte Extrauteringravidität (Mifepriston wirkt nicht), unkontrollierte Asthmaerkrankung, chronische Niereninsuffizienz, Porphyrie, Gerinnungsstörungen, langfristige Glukokortikoid Therapie, Verdacht auf Mifepriston Allergie.

Begleitung der Patientin: der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch erfolgt zu Hause, sollte aber durch eine Vertrauensperson begleitet werden. Erreichbarkeit der medizinischen Einrichtung muss gewährleistet sein.

Nachsorge: 1 bis 2 Wochen nach Mifepriston/Misoprostol Anwendung erfolgt die Nachuntersuchung mit klinischer Beurteilung, Hormonbestimmung (Beta hCG) und Sonographie zur Sicherung des vollständigen Abbruchs.

Kontrazeption danach: die Fruchtbarkeit kehrt sehr rasch zurück, eine zuverlässige Verhütung sollte bei Wunsch direkt nach dem Abbruch begonnen werden.

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Häufig gestellte Fragen

Ist Mifepristone dasselbe wie Mifepriston?

Ja. Mifepristone ist die englische Schreibweise (e am Ende), Mifepriston die deutsche Form. Beide bezeichnen denselben Wirkstoff (ATC G03XB01), einen Progesteron Rezeptor Antagonisten.

Wie sicher ist der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch?

Bei korrekter Anwendung in der Frühphase der Schwangerschaft (bis zur 9. Woche) ist die Methode sehr sicher und liegt in den Wirksamkeitsraten bei über 95 Prozent. Schwere Komplikationen wie starke Blutungen oder Infektionen treten in unter einem Prozent der Fälle auf. Die Methode ist deutlich sicherer als eine ausgetragene Schwangerschaft mit normalem Geburtsverlauf.

Wie lange dauert der Vorgang?

Mifepriston wird als Einzeldosis eingenommen, danach folgt nach 24 bis 48 Stunden die Misoprostol Anwendung. Die Blutung beginnt meist innerhalb weniger Stunden und dauert mehrere Tage bis Wochen. Die meiste Patientinnen erleben den Abbruch innerhalb von 4 bis 6 Stunden nach Misoprostol, mit krampfartigen Bauchschmerzen, Blutung und Abgang von Schwangerschaftsmaterial.

Beeinträchtigt Mifepriston meine spätere Fruchtbarkeit?

Nein. Studien haben gezeigt, dass medikamentöser Schwangerschaftsabbruch keine Auswirkungen auf die spätere Fruchtbarkeit, das Risiko von Frühgeburten oder die Möglichkeit einer normalen Schwangerschaft hat. Die Fruchtbarkeit kehrt sehr schnell zurück, oft schon in der nächsten Zykluspause, weshalb zuverlässige Verhütung sofort beginnen sollte, wenn keine weitere Schwangerschaft gewünscht ist.

Quellen

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