Xylometazoline: Englische Schreibweise von Xylometazolin (Alpha Sympathomimetikum)
Xylometazoline ist die englische Schreibweise des Wirkstoffs Xylometazolin (mit y und ohne e am Ende), beide Formen bezeichnen denselben Wirkstoff. International wird die englische Form vor allem auf importierten Produkten und in englischen Studien verwendet. Auf /wirkstoff/xylometazolin finden Sie die ausführliche deutsche Pillar Page.
Xylometazolin gehört zur Gruppe der direkt wirkenden Alpha Sympathomimetika und wird seit den 1960er Jahren als topisches abschwellendes Mittel bei akutem Schnupfen, allergischer Rhinitis und Sinusitis eingesetzt. Bekannte Handelsnamen sind Otriven, Olynth, Snup und Schnupfenspray. Es ist eines der meistverkauften rezeptfreien Mittel in deutschen Apotheken und Drogerien.
Wirkmechanismus
Xylometazolin ist ein Imidazolin Derivat und bindet selektiv an Alpha 1 Adrenozeptoren in der Nasenschleimhaut. Daneben wirkt es agonistisch an Alpha 2 Adrenozeptoren, insbesondere postsynaptisch in den Gefäßen. Die Aktivierung der Alpha Rezeptoren führt zu einer Vasokonstriktion der submukösen Gefäße der Nase, mit Reduktion der Schleimhautschwellung und der Sekretproduktion.
Klinisch tritt die abschwellende Wirkung innerhalb von 5 bis 10 Minuten ein und hält 6 bis 8 Stunden an. Diese lange Wirkdauer ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber älteren Substanzen wie Phenylephrin (Wirkdauer 1 bis 4 Stunden).
Die topische Anwendung beschränkt die systemische Resorption auf etwa 5 bis 10 Prozent der applizierten Dosis. Bei korrekter Anwendung sind systemische Nebenwirkungen daher selten, bei Überdosierung, häufiger Anwendung oder bei Säuglingen können systemische Effekte (Tachykardie, Hypertonie, ZNS Wirkung) jedoch klinisch relevant werden.
Anwendungsgebiete
- Akuter Schnupfen (Rhinitis): bei verstopfter Nase
- Allergische Rhinitis: akut symptomatische Behandlung
- Sinusitis: zur Verbesserung der Drainage
- Otitis media: Eustachischen Röhrenfunktion verbessern
- Vor diagnostischen oder therapeutischen Eingriffen in der Nase
- Tubenkatarrh: zur Erleichterung des Druckausgleichs vor Flugreisen
Dosierung und Anwendung
Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren: 0,1 Prozent Lösung, ein Sprühstoß oder ein bis zwei Tropfen pro Nasenloch zwei bis dreimal täglich.
Kinder 2 bis 11 Jahre: 0,05 Prozent Lösung, ein Sprühstoß oder ein bis zwei Tropfen pro Nasenloch zwei bis dreimal täglich. Säuglinge und Kleinkinder unter 2 Jahren: 0,025 Prozent Lösung speziell für Säuglinge, ein Tropfen pro Nasenloch ein bis zweimal täglich. Anwendung bei Säuglingen unter 4 Wochen nur nach ärztlicher Verordnung.
Maximale Anwendungsdauer: 7 Tage am Stück, um eine Rhinitis medicamentosa (reaktive Schwellung der Nasenschleimhaut nach Absetzen) zu vermeiden. Bei länger bestehenden Beschwerden ärztliche Vorstellung.
Nebenwirkungen
Häufig: lokale Reizung der Nasenschleimhaut, Brennen, Trockenheitsgefühl, Niesen.
Gelegentlich: reaktive Schleimhautschwellung nach Absetzen (Rhinitis medicamentosa) bei längerer Anwendung, Kopfschmerzen, Übelkeit.
Selten, aber wichtig: bei Säuglingen und Kleinkindern können nach Überdosierung systemische Effekte mit Bradykardie, Hypotonie, Sedierung bis Koma auftreten (paradoxe ZNS Wirkung). Bei Erwachsenen Tachykardie, Hypertonie, Schlafstörungen, Angstzustände bei Hochdosis. Anaphylaktoide Reaktionen.
Wichtig: die Rhinitis medicamentosa ist ein häufiges klinisches Problem nach mehrwöchiger oder monatelanger Anwendung. Patientinnen und Patienten klagen über zunehmende Verstopfung der Nase, die nur durch immer häufigere Anwendung kurzfristig gelindert werden kann. Der Entzug erfordert Wochen, manchmal mit medizinischer Begleitung.
Wechselwirkungen
- MAO Hemmer (Tranylcypromin) und trizyklische Antidepressiva (Amitriptylin): potenzielle hypertensive Reaktion, vor allem bei systemischer Resorption
- Andere Sympathomimetika: additive kardiovaskuläre Effekte
- Alpha Blocker: antagonistische Wirkung
- Volatile Inhalationsanästhetika: additive Arrhythmie Risiken bei systemischer Resorption
Besondere Hinweise
Schwangerschaft und Stillzeit: kurzfristige Anwendung bei Bedarf möglich, langfristige Anwendung wird vermieden. Bei Schwangerschaftsschnupfen sind Salzwasser Spülungen und Inhalationen die Erstlinie.
Engwinkelglaukom und Prostatahyperplasie: systemische Resorption kann diese Erkrankungen verschlechtern; Patientinnen und Patienten sollten die Anwendung vorher mit der Praxis besprechen.
Hypertonie und kardiovaskuläre Vorerkrankungen: bei Hochdruck oder koronarer Herzkrankheit sollte Xylometazolin nur kurzzeitig und in der niedrigsten effektiven Dosis angewendet werden.
Säuglinge und Kleinkinder: nur die spezielle 0,025 Prozent Säuglingslösung, niemals die Erwachsenenkonzentration anwenden. Bei Säuglingen unter 4 Wochen nur nach ärztlicher Verordnung.
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Häufig gestellte Fragen
Ist Xylometazoline dasselbe wie Xylometazolin?
Ja. Xylometazoline ist die englische Schreibweise (e am Ende), Xylometazolin die deutsche Form. Beide bezeichnen denselben Wirkstoff (ATC R01AB06), ein topisches Alpha Sympathomimetikum.
Was ist eine Rhinitis medicamentosa?
Bei längerer Anwendung über etwa 7 Tage hinaus reagiert die Nasenschleimhaut paradox mit einer reaktiven Schwellung, die nur durch immer häufigere und höhere Dosen kurzfristig gelindert werden kann. Diese Abhängigkeit macht den Schnupfen chronisch. Der Entzug erfordert mehrere Wochen, manchmal mit Glukokortikoid Nasenspray oder ärztlicher Begleitung. Die wichtigste Vorbeugung ist die strikte Begrenzung der Anwendung auf maximal 7 Tage.
Wie schnell wirkt Xylometazoline?
Die abschwellende Wirkung tritt innerhalb von 5 bis 10 Minuten nach Anwendung ein und hält 6 bis 8 Stunden an. Dies erlaubt eine zwei bis dreimal tägliche Anwendung über kurzen Zeitraum.
Kann ich Xylometazoline meinem Baby geben?
Bei Säuglingen und Kleinkindern muss unbedingt die spezielle Säuglingslösung mit 0,025 Prozent verwendet werden. Die Erwachsenen Lösungen können bei Säuglingen schwere systemische Reaktionen mit Bradykardie und Sedierung auslösen. Bei Säuglingen unter 4 Wochen nur nach ärztlicher Verordnung.
Quellen
- Gelbe Liste, Xylometazolin Wirkstoffprofil
- AWMF Leitlinien Rhinosinusitis
- BfArM, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
- EMA Fachinformationen Xylometazolin Präparate
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