Lisdexamfetamine: Englische Schreibweise von Lisdexamfetamin (Prodrug von Dexamfetamin)
Lisdexamfetamine ist die englische Schreibweise von Lisdexamfetamin (auch Lisdexamphetamine). Beide Formen bezeichnen denselben Wirkstoff, ein Prodrug, das im Körper enzymatisch zu pharmakologisch aktivem Dexamfetamin umgewandelt wird. Die Unterscheidung der Schreibweisen ergibt sich aus internationaler Nomenklatur: Lisdexamfetamine ist die nach BAN (British Approved Names) und INN (International Nonproprietary Name) verbreitete Form, während Lisdexamfetamin im deutschen Sprachraum üblich ist. Eine ausführliche deutsche Pillar Page finden Sie unter /wirkstoff/lisdexamfetamin.
In Europa ist Lisdexamfetamin unter dem Handelsnamen Elvanse (in den USA Vyvanse) seit 2013 zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern ab 6 Jahren zugelassen, in Deutschland zudem für Erwachsene mit fortbestehendem ADHS, das auf Methylphenidat unzureichend angesprochen hat. In den USA besteht zusätzlich eine Zulassung für die mittelschwere bis schwere Binge Eating Disorder bei Erwachsenen. Aufgrund des Suchtpotenzials unterliegt Lisdexamfetamin in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz (BtM Rezept).
Wirkmechanismus
Lisdexamfetamin ist ein Konjugat aus L Lysin und d Amfetamin. Als Prodrug ist es selbst pharmakologisch inaktiv, erst im Blutkreislauf wird es enzymatisch (überwiegend in den Erythrozyten) hydrolysiert und setzt allmählich Dexamfetamin frei. Diese verzögerte Freisetzung erzeugt einen sehr gleichmäßigen Wirkspiegel über 12 bis 14 Stunden und reduziert das Risiko für Spitzen induziertes Missbrauchspotenzial.
Dexamfetamin selbst wirkt durch zwei Mechanismen. Erstens setzt es Noradrenalin und Dopamin aus präsynaptischen Speichervesikeln über Reverse Transport am vesikulären Monoamintransporter VMAT2 frei. Zweitens hemmt es die Wiederaufnahme dieser Neurotransmitter über DAT und NET. Die kombinierte Wirkung führt zu einer deutlichen Erhöhung der dopaminergen und noradrenergen Signaltransmission im präfrontalen Kortex, was die Aufmerksamkeit, Konzentration und Impulskontrolle verbessert.
Aufgrund der Prodrug Eigenschaften und der erythrozytären Aktivierung lässt sich Lisdexamfetamin nicht durch Schnupfen oder Spritzen umgehen, was es weniger missbrauchsanfällig macht als sofort wirksames Dexamfetamin. Diese Eigenschaft hat zur Entwicklung als zugelassenes ADHS Medikament beigetragen.
Anwendungsgebiete
- ADHS bei Kindern ab 6 Jahren: als Teil eines therapeutischen Gesamtkonzepts, wenn nicht medikamentöse Maßnahmen allein nicht ausreichen, nach unzureichendem Ansprechen auf Methylphenidat
- ADHS bei Jugendlichen und Erwachsenen: bei fortbestehender Symptomatik nach umfassender Diagnostik
- Binge Eating Disorder mittelschwer bis schwer: in den USA zugelassen, in Europa off label
- Narkolepsie und Hypersomnie: historisch und off label, durch andere Substanzen verdrängt
Dosierung und Einnahme
ADHS Erwachsene und Jugendliche: Initialdosis 30 mg morgens, Titration in 20 mg Schritten in wöchentlichem Abstand bis zur effektiven Dosis (typisch 50 bis 70 mg/Tag, maximal 70 mg). Kinder ab 6 Jahren: Initialdosis 20 mg morgens, Titration analog.
Einnahme: einmal täglich morgens, entweder als Kapsel oder durch Auflösen in Wasser, Joghurt oder Orangensaft. Späte Einnahme nach Mittag kann zu Schlafstörungen führen. Mit oder ohne Nahrung möglich, fettreiche Mahlzeiten verzögern die Resorption nicht relevant.
Niereninsuffizienz: bei eGFR 15 bis 30 ml/min Maximaldosis 50 mg, bei eGFR unter 15 ml/min Maximaldosis 30 mg. Therapieabbruch: langsam ausschleichen ist nicht zwingend, wird in der Praxis aber häufig empfohlen, um Reboundsymptome zu mildern.
Nebenwirkungen
Sehr häufig: Appetitminderung, Gewichtsverlust, Schlafstörung, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Tachykardie, Blutdrucksteigerung, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen.
Häufig: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Tic Verstärkung bei Tic Störung, Angst, depressive Verstimmung.
Schwerwiegend, selten: Psychose oder Manie, vor allem bei vorbestehenden psychiatrischen Erkrankungen; ischämische Ereignisse, Myokardinfarkt, Schlaganfall (vor allem bei kardiovaskulären Risikofaktoren); Aggression; Suizidalität bei Jugendlichen; ischämische Hautveränderungen vor allem an Fingern und Zehen mit Hinweis auf Raynaud Phänomen.
Wichtig: Patientinnen und Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen, vorbestehender Psychose, Glaukom, ausgeprägter Angststörung oder Substanzabhängigkeit sollten Lisdexamfetamin in der Regel nicht erhalten.
Wechselwirkungen
- MAO Hemmer (Tranylcypromin, Moclobemid, Linezolid): hypertensive Krise möglich, Kombination kontraindiziert; mindestens 14 Tage Karenz
- Serotonerge Wirkstoffe (SSRI, SNRI, Triptane, Tramadol): Serotonin Syndrom Risiko, Vorsicht und Aufklärung der Patientinnen und Patienten
- Sympathomimetika (Pseudoephedrin, Phenylephrin): additive kardiovaskuläre Effekte
- Antihypertensiva: reduzierte Wirkung, Blutdruck Kontrolle erforderlich
- Magensäurebeeinflussende Wirkstoffe (Ascorbinsäure, Natriumbicarbonat): verändern Resorption durch pH Verschiebung
- Trizyklische Antidepressiva: verstärkte sympathomimetische Wirkung
Besondere Hinweise
Schwangerschaft und Stillzeit: kontraindiziert, da Amphetamine Plazenta und Muttermilch passieren und beim Kind kardiovaskuläre und neurologische Effekte auslösen können.
BtM Status: Lisdexamfetamin unterliegt in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz und wird auf BtM Rezept verschrieben. Die Verordnung ist auf 30 Tage Bedarf begrenzt, eine ärztliche Therapieüberwachung ist obligatorisch.
Kardiovaskuläre Abklärung vor Therapie: EKG, Anamnese kardiovaskulärer Erkrankungen, Familienanamnese auf plötzlichen Herztod, Blutdruckmessung. Bei auffälligen Befunden Kardiologie konsultieren.
Wachstum bei Kindern: regelmäßige Kontrolle von Größe und Gewicht, da Lisdexamfetamin das Wachstum verlangsamen kann; bei deutlicher Verzögerung Therapieanpassung erwägen.
Therapieferien: in Wochenenden, Schulferien oder Urlaub kann die Therapie nach individueller Absprache pausiert werden, um Wachstum, Appetit und Allgemeinbefinden zu verbessern. Diese Praxis ist umstritten und sollte mit der behandelnden Praxis abgestimmt werden.
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Häufig gestellte Fragen
Ist Lisdexamfetamine dasselbe wie Lisdexamfetamin?
Ja. Lisdexamfetamine ist die englische Schreibweise (BAN/INN), Lisdexamfetamin die im deutschen Sprachraum übliche Form. Beide bezeichnen denselben Wirkstoff (ATC N06BA12), ein Prodrug von Dexamfetamin.
Warum ist Lisdexamfetamin als Prodrug entwickelt worden?
Die Bindung an L Lysin verzögert und glättet die Freisetzung von Dexamfetamin und macht das Molekül beim Schnupfen oder Spritzen wirkungslos. Das senkt das Missbrauchspotenzial im Vergleich zu sofort wirksamen Amphetaminen und ermöglicht eine einmal tägliche Einnahme.
Macht Lisdexamfetamin abhängig?
Lisdexamfetamin gehört zur Gruppe der Stimulanzien mit grundsätzlichem Abhängigkeitspotenzial und unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz. Bei korrekter Indikation und ärztlich überwachter Anwendung ist die Suchtgefahr für ADHS Patientinnen und Patienten gering. Studien zeigen sogar, dass behandelte ADHS Patientinnen und Patienten ein niedrigeres Risiko für späteren Substanzmissbrauch haben als unbehandelte.
Wie merke ich, dass die Therapie wirkt?
Patientinnen und Patienten beschreiben oft, dass sie sich besser konzentrieren können, weniger ablenkbar sind, Aufgaben zu Ende führen und impulsives Verhalten reduzieren. Eine objektive Verlaufsbeurteilung erfolgt durch standardisierte ADHS Skalen (CAARS für Erwachsene, Conners für Kinder), Schul oder Arbeitsleistung und Rückmeldungen aus dem sozialen Umfeld.
Quellen
- EMA, Elvanse (Lisdexamfetamin) EPAR
- AWMF S3 Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
- Gelbe Liste, Lisdexamfetamin Wirkstoffprofil
- BfArM, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
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