Fenoterolhydrobromid: Salzform von Fenoterol als kurzwirksames Beta 2 Sympathomimetikum
Fenoterolhydrobromid ist die in Arzneimitteln gebräuchliche Salzform von Fenoterol, einem kurz bis mittellang wirksamen Beta 2 Sympathomimetikum (SABA, short acting beta 2 agonist). Bekannte Handelsnamen sind Berotec (inhalativ bei Asthma und COPD) und Partusisten (intravenös und oral als Tokolytikum in der Geburtshilfe).
Fenoterol war eines der ersten selektiven Beta 2 Agonisten und hat in der Asthma und COPD Therapie eine lange Geschichte. In der modernen Pulmonologie wird Fenoterol heute weitgehend durch Salbutamol oder Formoterol ersetzt, weil es ein etwas ungünstigeres kardiovaskuläres Nebenwirkungsprofil zeigt. In der Geburtshilfe spielt Fenoterol als intravenöses Tokolytikum allerdings weiterhin eine wichtige Rolle bei der Wehenhemmung in der Frühgeburtsbestreben Situation. Eine ausführliche Pillar Page zum Wirkstoff selbst finden Sie unter /wirkstoff/fenoterol.
Wirkmechanismus und Salzform
Das Hydrobromid Salz entsteht durch Protonierung der Stickstoffbase im Fenoterol Molekül und Bindung eines Bromid Ions. Das Salz ist gut wasserlöslich und chemisch stabil, weshalb es in nahezu allen pharmazeutischen Zubereitungen die Wirkform darstellt. Pharmakologisch dissoziiert es im Körper sofort in Fenoterol und Bromid, sodass die Wirkung ausschließlich durch Fenoterol getragen wird.
Fenoterol bindet an Beta 2 Adrenozeptoren in der glatten Muskulatur der Atemwege und der Gebärmutter. Über die Aktivierung der Adenylatzyklase und Erhöhung von intrazellulärem cAMP entspannt sich die glatte Muskulatur, was zu Bronchodilatation in den Atemwegen und Tokolyse (Wehenhemmung) im Uterus führt.
Im Vergleich zu Salbutamol hat Fenoterol eine etwas geringere Beta 2 Selektivität, was bei höheren Dosen zu vermehrten Beta 1 Wirkungen am Herzen (Tachykardie, Inotropie Steigerung) führen kann. Pharmakokinetisch wird Fenoterolhydrobromid nach Inhalation rasch lokal wirksam, mit Wirkbeginn innerhalb von 5 Minuten und Wirkdauer 4 bis 6 Stunden. Nach intravenöser Gabe ist die Wirkung praktisch sofort.
Anwendungsgebiete
- Akute Bronchospastik bei Asthma: Reliever Therapie bei Anfall, in Notfallsituation
- COPD Exazerbation: akute Erleichterung der Atemnot
- Bronchospasmus Provokation: als Bronchodilatator vor Lungenfunktionsmessung
- Tokolyse (Wehenhemmung) als Partusisten: bei drohender Frühgeburt zur Verzögerung der Geburt um 24 bis 48 Stunden, um die Wirksamkeit der Lungenreifung mit Glukokortikoiden zu erreichen
- Akute fetale Distresssituation: kurzfristige Tokolyse bei pathologischem CTG, um eine Notoperation vorzubereiten
- Drohende Uterusruptur unter der Geburt: als kurzfristige Tokolyse
Dosierung und Anwendung
Inhalativ akut (Berotec): 1 bis 2 Sprühstöße (100 bis 200 Mikrogramm) bei Atemnot, ggf. nach 5 Minuten wiederholen. Maximal 8 Sprühstöße pro Tag, bei höherem Bedarf medizinische Reevaluation.
Tokolyse intravenös (Partusisten): Initial 0,5 bis 1 Mikrogramm/Minute als Dauerinfusion, Anpassung nach Wehenfrequenz und mütterlicher Toleranz. Maximaldosis 4 Mikrogramm/Minute. Therapie meist über 48 Stunden, dann Auslassversuch.
Bei Niereninsuffizienz und Leberinsuffizienz: Dosis vorsichtig wählen, da Akkumulation und kardiovaskuläre Nebenwirkungen zunehmen können.
Nebenwirkungen
Häufig (inhalativ): Tremor (vor allem feinschlägiger Handtremor), Tachykardie, Palpitationen, Kopfschmerzen, Unruhe, Mundtrockenheit, lokale Reizung der Mund und Rachenschleimhaut.
Häufig (Tokolyse intravenös): mütterliche Tachykardie, Tremor, Schwitzen, Übelkeit, Hypokaliämie, Hyperglykämie, Hypotonie. Beim Fötus reaktive Tachykardie.
Schwerwiegend, selten: Lungenödem (vor allem bei prolongierter Tokolyse mit kontinuierlicher Volumengabe), Herzrhythmusstörungen einschließlich Vorhofflimmern, Myokardischämie bei kardial Vorerkrankten, schwere Hypokaliämie mit Krampfanfall oder Arrhythmie, paradoxer Bronchospasmus inhalativ.
Wichtig: Patientinnen und Patienten unter inhalativer SABA Therapie sollten bei steigendem Bedarf ärztlich vorgestellt werden, da häufiger Reliever Bedarf auf unzureichende Asthmakontrolle hinweist und das Risiko schwerer Asthmaanfälle erhöht.
Wechselwirkungen
- Andere Sympathomimetika: additive kardiovaskuläre Effekte, Vorsicht
- Beta Blocker (vor allem nicht selektive wie Propranolol): Antagonismus der Bronchodilatation, kontraindiziert bei Asthma
- Diuretika und Glukokortikoide: additive Hypokalzämie und Hypokaliämie
- Theophyllin: additive Tachykardie und Tremor
- MAO Hemmer und trizyklische Antidepressiva: verstärkte kardiovaskuläre Wirkung
- Volatile Inhalationsanästhetika (Halothan, Sevofluran): Risiko schwerer Arrhythmien
Besondere Hinweise
Schwangerschaft: in der Tokolyse Indikation gezielt erwünscht, ansonsten zurückhaltend. Inhalative Anwendung gilt als sicher in der Schwangerschaft, weil die systemische Resorption gering ist.
Stillzeit: inhalative Anwendung unbedenklich. Intravenöse hochdosierte Therapie nur unter strenger Indikation.
Tokolyse Risiken: die Anwendung als Wehenhemmer in der Geburtshilfe erfolgt unter stationären Bedingungen mit kontinuierlichem maternalem und fetalem Monitoring (CTG, Blutdruck, Herzfrequenz, Elektrolyte). Bei mütterlicher Tachykardie über 120 Schläge/Minute, Lungenödem oder Brustschmerzen sofortige Therapieunterbrechung.
Asthma Stewardship: SABA wie Fenoterol sind Reliever, nicht Controller. Häufige Anwendung (mehr als 2 Mal pro Woche) weist auf unzureichende Controller Therapie hin und sollte mit der Praxis besprochen werden. Aktuelle GINA Empfehlungen bevorzugen ICS-LABA Kombinationen statt reiner SABA Monotherapie.
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Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Fenoterol und Fenoterolhydrobromid?
Pharmakologisch keiner. Fenoterolhydrobromid ist die wasserlösliche Salzform, die in fast allen Arzneimitteln verwendet wird. Im Körper dissoziiert sie sofort in das wirksame Fenoterol und Bromid.
Warum darf ich Fenoterol nicht zu oft nehmen?
Häufiger SABA Bedarf weist auf unzureichend kontrollierte Asthma oder COPD hin. Studien haben gezeigt, dass intensive SABA Anwendung mit erhöhter Mortalität bei Asthma assoziiert ist. Aktuelle Leitlinien (GINA) empfehlen eine ICS-LABA Kombination als Basistherapie statt SABA Monotherapie. Bei Bedarf von mehr als 2 SABA Inhalationen pro Woche sollte die Asthmatherapie überprüft werden.
Wie lange dauert eine Tokolyse mit Partusisten?
Die intravenöse Tokolyse mit Fenoterol wird in der Regel über 24 bis 48 Stunden gegeben, um die volle Wirksamkeit der mütterlichen Lungenreifung mit Glukokortikoiden zu erreichen. Eine Verlängerung über 48 Stunden bringt keinen klaren Nutzen und erhöht die Risiken (Lungenödem, kardiovaskuläre Komplikationen).
Können Asthma Inhalatoren das Herz beeinflussen?
Ja. Beta 2 Sympathomimetika wie Fenoterol haben in höheren Dosen oder bei häufiger Anwendung kardiovaskuläre Effekte (Tachykardie, Palpitationen, in seltenen Fällen Arrhythmien). Bei Patientinnen und Patienten mit koronarer Herzkrankheit, Hypertonie oder Vorhofflimmern sollte der Einsatz vorsichtig und unter Berücksichtigung der Komedikation erfolgen.
Quellen
- Gelbe Liste, Fenoterol Wirkstoffprofil
- GINA Global Initiative for Asthma Empfehlungen
- DGGG Leitlinie Frühgeborene und Tokolyse
- BfArM, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
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