Fexofenadin: Nicht-sedierendes Antihistaminikum der 2. Generation

Fexofenadin ist ein selektives, nicht-sedierendes H1-Antihistaminikum der zweiten Generation und der aktive Metabolit von Terfenadin. Es wird zur Behandlung saisonaler und perennialer allergischer Rhinitis sowie chronisch-spontaner Urtikaria eingesetzt. Im Vergleich zu Antihistaminika der ersten Generation passiert Fexofenadin die Blut-Hirn-Schranke kaum, weshalb es in therapeutischen Dosen kein nennenswertes Sedierungspotenzial besitzt. In Deutschland ist der Wirkstoff unter verschiedenen Handelsnamen wie Telfast und zahlreichen Generika erhältlich.

Allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen und Urtikaria betreffen Millionen Menschen in Deutschland. Fexofenadin hat sich als besonders gut verträgliches Antihistaminikum etabliert, das die Alltagsfunktion und Fahrtüchtigkeit der Patienten in der Regel nicht beeinträchtigt. Seine klinische Wirksamkeit gegen nasale Symptome wie Niesen, Rhinorrhoe und Nasenjucken sowie gegen Urtikaria-Symptome wie Quaddeln und Pruritus ist durch zahlreiche randomisierte kontrollierte Studien belegt.

Wirkmechanismus

Fexofenadin wirkt als selektiver, kompetitiver Antagonist an peripheren H1-Histaminrezeptoren. Durch die Blockade dieser Rezeptoren verhindert Fexofenadin die Bindung von Histamin, das aus Mastzellen und basophilen Granulozyten nach Allergenkontakt freigesetzt wird. Dies hemmt die durch Histamin vermittelten Sofortreaktionen: Vasodilatation, erhöhte Kapillarpermeabilität (verantwortlich für Ödem und Quaddeln), glattmuskuläre Kontraktion in den Bronchien sowie die Stimulation sensibler Nervenendigungen (verantwortlich für Juckreiz und Niesen).

Ein entscheidender Vorteil gegenüber klassischen Antihistaminika ist die geringe ZNS-Penetration von Fexofenadin. Das Molekül ist ein Substrat des P-Glykoproteins (P-gp, ABCB1) an der Blut-Hirn-Schranke, das Fexofenadin aktiv aus dem ZNS heraustransportiert. Dadurch sind die Hirnkonzentrationen minimal und das Sedierungsrisiko klinisch vernachlässigbar. In Studien zeigte Fexofenadin in Dosierungen von 60 mg bis 240 mg keine statistisch signifikante Beeinträchtigung der psychomotorischen Leistungsfähigkeit im Vergleich zu Placebo.

Fexofenadin hemmt ausschließlich H1-Rezeptoren und zeigt keine relevante anticholinerge, antidopaminerge oder antiserotoninerge Aktivität. Damit fehlen die bei Antihistaminika der ersten Generation häufigen Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Harnverhalt, Akkommodationsstörungen und kognitive Beeinträchtigung.

Anwendungsgebiete

  • Saisonale allergische Rhinitis (Heuschnupfen): Linderung von Niesen, Rhinorrhoe, Nasenjucken und Konjunktivitis durch Pollenallergie
  • Perenniale allergische Rhinitis: Dauerhafte Allergie gegen Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilze
  • Chronisch-spontane Urtikaria (CsU): Reduktion von Quaddeln und Pruritus; zugelassene Dosis 180 mg einmal täglich
  • Begleittherapie bei Insektengiftallergie: Off-Label als Ergänzung zur spezifischen Immuntherapie
  • Kontaktallergie und allergisches Ekzem: Symptomatische Linderung von Pruritus (Off-Label)

Fexofenadin ist ab einem Alter von 6 Jahren zugelassen; Kinder zwischen 6 und 11 Jahren erhalten eine reduzierte Dosis von 30 mg zweimal täglich.

Dosierung und Einnahme

Bei saisonaler und perennialer allergischer Rhinitis beträgt die empfohlene Dosis 120 mg einmal täglich. Bei chronisch-spontaner Urtikaria ist eine höhere Dosis von 180 mg einmal täglich zugelassen. Beide Dosierungen werden unabhängig von der Mahlzeit eingenommen, wobei Grapefruitsaft und Aluminiumhydroxid-haltige Antazida die Resorption erheblich reduzieren können (siehe Wechselwirkungen). Die Einnahme sollte daher möglichst nicht gleichzeitig mit diesen Substanzen erfolgen.

Kinder von 6 bis 11 Jahren erhalten 30 mg zweimal täglich. Bei Jugendlichen ab 12 Jahren und Erwachsenen gelten die Erwachsenendosierungen. Eine einmal tägliche Einnahme ist für die meisten Patienten angenehm und verbessert die Therapieadhärenz. Der Wirkungseintritt erfolgt nach etwa einer Stunde, die maximale Plasmakonzentration wird nach 1 bis 3 Stunden erreicht. Die Halbwertszeit beträgt 14 bis 16 Stunden, was die einmal tägliche Dosierung pharmakokinetisch stützt.

Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz (GFR unter 20 ml/min) sollte die Dosis auf 60 mg einmal täglich reduziert werden, da Fexofenadin überwiegend renal eliminiert wird. Bei Leberinsuffizienz ist keine Dosisanpassung erforderlich, da der Wirkstoff kaum hepatisch metabolisiert wird.

Nebenwirkungen

Fexofenadin gilt als eines der am besten verträglichen Antihistaminika. In klinischen Studien lag die Häufigkeit unerwünschter Wirkungen auf Placebo-Niveau. Sehr häufige Nebenwirkungen sind nicht bekannt.

Häufige Nebenwirkungen (1 bis 10 %): Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Müdigkeit. Diese treten in der Regel mild auf und bilden sich spontan zurück. Schläfrigkeit kommt vor, ist aber deutlich seltener als bei Antihistaminika der ersten Generation und tritt häufiger bei Tagesdosen über 240 mg auf.

Gelegentliche Nebenwirkungen (0,1 bis 1 %): Schlaflosigkeit, Nervosität, Dyspepsie. Seltene Hypersensitivitätsreaktionen wie Hautausschlag, Urtikaria, Angioödem und anaphylaktische Schocks sind beschrieben, aber sehr ungewöhnlich für ein Antihistaminikum. Das Fehlen einer QTc-Verlängerung (im Gegensatz zu seinem Vorläufer Terfenadin) macht Fexofenadin kardiovaskulär sicher.

Wechselwirkungen

Grapefruitsaft, Orangensaft und Apfelsaft können die Bioverfügbarkeit von Fexofenadin durch Hemmung von Transportproteinen (OATP1A2, OATP2B1) im Darm um bis zu 36 bis 47 % reduzieren. Patienten sollten darauf hingewiesen werden, Fexofenadin nicht gleichzeitig mit großen Mengen Fruchtsäften einzunehmen, sondern mit Wasser.

Aluminiumhydroxid- und Magnesiumhydroxid-haltige Antazida (z. B. Maaloxan) vermindern die Resorption von Fexofenadin erheblich, wenn sie zeitgleich eingenommen werden. Ein zeitlicher Abstand von mindestens 2 Stunden wird empfohlen. Erythromycin und Ketoconazol erhöhen die Plasmaspiegel von Fexofenadin um ca. 80 bis 150 %, ohne dass klinisch relevante Nebenwirkungen auftraten; die Kombination ist dennoch mit Bedacht einzusetzen.

Als Substrat von P-Glykoprotein und OATPs kann Fexofenadin durch eine Reihe weiterer Arzneimittel in seiner Plasmakonzentration beeinflusst werden. ZNS-Dämpfer (Alkohol, Benzodiazepine, Opioide) sollten trotz fehlender pharmakodynamischer Interaktion mit Bedacht kombiniert werden, da individuelle Sedierungseffekte variieren können.

Besondere Hinweise

Schwangerschaft und Stillzeit: Fexofenadin passiert die Plazentaschranke und geht in die Muttermilch über. Tierexperimentelle Studien zeigten keine teratogenen Effekte. Wenn die Behandlung einer Allergie in der Schwangerschaft zwingend erforderlich ist, kann Fexofenadin als eine der sichereren Optionen unter den neueren Antihistaminika gelten, jedoch sollte die Indikation streng gestellt werden.

Fahrtüchtigkeit: Fexofenadin beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen nach verfügbaren Studiendaten nicht. Dennoch sollten Patienten bei der Ersteinnahme die individuelle Reaktion beobachten, da es bei empfindlichen Personen zu leichter Schläfrigkeit kommen kann.

Laktose: Einige Fexofenadin-Formulierungen enthalten Laktose. Bei bekannter Laktoseintoleranz sollte das Beipackzettel geprüft oder ein geeignetes Präparat gewählt werden.

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Häufig gestellte Fragen

Macht Fexofenadin müde?

Fexofenadin passiert die Blut-Hirn-Schranke kaum und wird aktiv durch P-Glykoprotein aus dem ZNS transportiert. In klinischen Studien zeigte es keine statistisch signifikante Sedierung im Vergleich zu Placebo. Die meisten Patienten können Fexofenadin einnehmen, ohne ihre Arbeit oder das Autofahren einzuschränken.

Was ist der Unterschied zwischen Fexofenadin 120 mg und 180 mg?

120 mg ist für die Behandlung der allergischen Rhinitis (Heuschnupfen) zugelassen, 180 mg für die chronisch-spontane Urtikaria. Die höhere Dosis ist pharmakologisch sinnvoll, da bei Urtikaria eine stärkere H1-Blockade angestrebt wird.

Kann Fexofenadin dauerhaft eingenommen werden?

Ja. Fexofenadin ist für die Langzeitanwendung geeignet. Bei perennialer Allergie, also ganzjährigen Beschwerden wie Hausstaubmilbenallergie, kann es durchgehend eingenommen werden. Bei saisonaler Allergie wird es über die Pollensaison eingenommen.

Darf ich Fexofenadin mit Fruchtsaft einnehmen?

Nein. Grapefruitsaft, Orangensaft und Apfelsaft hemmen Transportproteine im Darm und reduzieren die Resorption von Fexofenadin um bis zu 47 %. Die Einnahme sollte ausschließlich mit Wasser erfolgen.

Quellen

  • Fachinformation Telfast® 120 mg/180 mg, Sanofi-Aventis, aktueller Stand
  • Hampel FC et al. Double-blind, placebo-controlled study of azelastine and fexofenadine in seasonal allergic rhinitis. Ann Allergy Asthma Immunol. 2010;105(2):168–173
  • Meltzer EO et al. Fexofenadine HCl, 120 and 180 mg, improves nasal symptoms and quality of life in seasonal allergic rhinitis. Clin Drug Investig. 2004;24(9):529–537
  • Dresser GK et al. Fruit juices inhibit organic anion transporting polypeptide-mediated drug uptake to decrease the oral availability of fexofenadine. Clin Pharmacol Ther. 2002;71(1):11–20
  • European Medicines Agency (EMA): Telfast – EPAR, aktueller Stand

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