Fenoterol

Kurzwirksames Beta 2 Sympathomimetikum bei Asthma und Wehenhemmung

Fenoterol ist ein kurzwirksames β2 Sympathomimetikum, das Boehringer Ingelheim 1968 erstmals als Berotec zur Inhalation in den Markt brachte. In der Pneumologie gehört es seit Jahrzehnten zu den Rescue Bronchodilatatoren bei Asthma bronchiale und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung. In der Geburtshilfe kam Fenoterol zudem als Tokolytikum zur vorübergehenden Wehenhemmung zum Einsatz, in dieser Indikation hat die Bedeutung allerdings stark abgenommen, nachdem das Präparat Partusisten mit dem Ende seiner Vermarktung in Deutschland inzwischen nur noch in spezialisierten Zubereitungen verfügbar ist.

Die Substanz bindet hochselektiv an β2 Adrenozeptoren und entspannt glatte Muskulatur in Bronchien und Uterus. Der Wirkeintritt nach Inhalation erfolgt binnen weniger Minuten, die Wirkdauer liegt bei vier bis sechs Stunden. Wie jedes kurzwirksame β2 Mimetikum (SABA) ist Fenoterol als Bedarfsmedikation konzipiert und ersetzt bei Asthma nicht die antiinflammatorische Basistherapie mit inhalativen Kortikosteroiden.

Wirkmechanismus

Fenoterol aktiviert β2 Adrenozeptoren auf der glatten Muskulatur der Bronchien. Der Rezeptor ist G Protein gekoppelt, Gs aktiviert die Adenylatcyclase, die cAMP erhöht und die Proteinkinase A stimuliert. PKA phosphoryliert die Myosin-Leichtketten-Kinase und senkt den intrazellulären Calciumspiegel. Die glatte Muskulatur entspannt sich, das Bronchiallumen weitet sich, Atemwegswiderstand und Atemarbeit sinken.

In der geburtshilflichen Anwendung nutzt man denselben Signalweg an β2 Rezeptoren des Myometriums. Die Wehenaktivität lässt nach, der Uterustonus sinkt. Dieser Effekt ist dosisabhängig und tritt nach intravenöser Gabe innerhalb von Minuten ein. Wegen der verbreiteten β2 Expression an Gefäßen, Skelettmuskulatur und Herzen zeigen sich parallel typische systemische Effekte wie Tachykardie, Tremor und Hypokaliämie.

Die β2 Selektivität ist relativ, in höheren Dosierungen wirkt Fenoterol auch auf β1 Rezeptoren am Herzen. Im Vergleich zu Salbutamol gilt Fenoterol als etwas weniger selektiv und klinisch stärker kardiovaskulär wirksam. Daten aus Neuseeland aus den 1980er Jahren wiesen auf eine erhöhte Asthma Mortalität bei hohen Dosen hin, was weltweit zu Dosisbegrenzungen und zu strikten Kombinationen mit Ipratropiumbromid führte.

Anwendungsgebiete

  • Akuter Asthmaanfall: Bedarfsinhalation zur raschen Bronchodilatation
  • Asthma bronchiale Dauertherapie (Bedarf): Rescue Medikation, nicht als Monotherapie bei persistierendem Asthma
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD): in der Kombination mit Ipratropiumbromid (Berodual) sehr gebräuchlich
  • Bronchokonstriktion bei Belastung oder durch Allergene: prophylaktisch 15 Minuten vor Exposition
  • Tokolyse: kurzfristige Wehenhemmung zwischen der 22. und 37. Schwangerschaftswoche, als intravenöse Akuttherapie bei vorzeitiger Wehentätigkeit, heute meist durch Atosiban ersetzt

Dosierung und Einnahme

Inhalation Erwachsene und Jugendliche: 1 bis 2 Hübe à 100 µg Fenoterol bei Bedarf, maximal 8 Hübe pro Tag. In der Kombinationsform Berodual enthält ein Hub 50 µg Fenoterol plus 20 µg Ipratropiumbromid. Kinder ab 6 Jahren: 1 Hub bei Bedarf, ärztlich titriert.

Intravenöse Tokolyse: unter kontinuierlichem Kreislauf und CTG Monitoring in der Geburtsklinik, individuell nach Wehentätigkeit, Kaliumspiegel und Pulsfrequenz. Niereninsuffizienz: keine formale Dosisanpassung, bei schwerer Einschränkung Vorsicht wegen Hypokaliämierisiko. Leberinsuffizienz: keine formale Anpassung nötig. Patienten sollten die Inhalationstechnik gut erlernen, Spacer erhöhen die Deposition und senken den oropharyngealen Niederschlag.

Nebenwirkungen

Häufig (1 bis 10 Prozent): feinschlägiger Tremor vor allem der Hände, Tachykardie, Palpitationen, Kopfschmerzen, Unruhe, Husten, Mund und Rachentrockenheit.

Gelegentlich bis selten: Hypokaliämie (besonders bei Kombination mit Diuretika oder Kortikosteroiden, klinisch relevant bei schwerem Asthma), paradoxe Bronchokonstriktion (sofortiger Therapieabbruch), kardiale Arrhythmien, Übelkeit, Muskelkrämpfe, allergische Hautreaktionen.

Wichtig bei Tokolyse: maternale Nebenwirkungen wie Lungenödem, Myokardischämie, Hyperglykämie und Hypokaliämie sind beschrieben. Besonders bei Zwillings oder Mehrlingsschwangerschaften ist das Risiko eines Lungenödems erhöht, Flüssigkeitsbilanzierung und Kaliumkontrolle sind obligat.

Wechselwirkungen

  • Andere Sympathomimetika: additive kardiovaskuläre Effekte, Kombination meiden
  • Betablocker (Propranolol, unselektive): Antagonismus der Bronchodilatation, Kombination vermeiden, bei Notwendigkeit kardioselektive β1 Blocker wählen
  • Diuretika (Schleifendiuretika, Thiazide): verstärkte Hypokaliämie
  • Systemische Kortikosteroide: verstärkte Hypokaliämie, Kaliumkontrolle bei längerer Kombination
  • MAO Hemmer und Trizyklische Antidepressiva: verstärkte kardiovaskuläre Wirkung
  • Inhalative Anästhetika (Halothan, Enfluran): erhöhtes Arrhythmierisiko, besondere Vorsicht in der perioperativen Phase

Besondere Hinweise

Schwangerschaft: Inhalatives Fenoterol ist bei dringlicher Asthmatherapie zulässig, weil die unkontrollierte Bronchokonstriktion für Mutter und Kind das größere Risiko darstellt. Die systemische Exposition ist nach Inhalation gering. Stillzeit: Übergang in die Muttermilch ist gering, Inhalation gilt als vereinbar.

Herz Kreislauf Vorerkrankungen: Bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung, schwerer Herzinsuffizienz, Tachyarrhythmien, Hypertrophe Kardiomyopathie oder Phäochromozytom Anwendung nur unter strenger ärztlicher Kontrolle. Diabetes mellitus: β2 Mimetika können Blutzuckerspiegel erhöhen, bei insulinpflichtigem Diabetes häufigere Kontrollen.

Monitoring: Kaliumspiegel bei schwerem Asthma und unter Kombinationstherapie kontrollieren. Bei steigendem Bedarf an Bedarfsinhalation ist die Grunderkrankung entgleist, die Basistherapie muss neu bewertet werden. Ein hoher SABA Verbrauch (mehr als 3 Inhalatoren pro Jahr) gilt international als Marker für schlechte Asthmakontrolle.

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Häufig gestellte Fragen

Wie schnell wirkt Fenoterol bei einem Asthmaanfall?

Die Bronchodilatation setzt innerhalb von ein bis drei Minuten ein, das Wirkmaximum wird nach etwa 30 Minuten erreicht. Die Wirkdauer beträgt vier bis sechs Stunden. Bleibt die Besserung nach zwei Hüben aus, sollte ärztliche Hilfe gerufen werden, weil ein schwerer Anfall vorliegen kann.

Warum soll ich Fenoterol nur bei Bedarf nehmen?

Kurzwirksame β2 Sympathomimetika behandeln nur Symptome, nicht die zugrunde liegende Entzündung der Atemwege. Regelmäßiger Gebrauch ohne antiinflammatorische Basistherapie führt zu Toleranz, schlechterer Asthmakontrolle und laut großen Kohortenstudien zu einer erhöhten Exazerbationsrate. Die Therapiesäule bei persistierendem Asthma ist das inhalative Kortikosteroid.

Was ist Berodual und wie unterscheidet es sich vom reinen Fenoterol?

Berodual kombiniert Fenoterol mit dem Anticholinergikum Ipratropiumbromid. Die beiden Wirkstoffe greifen unterschiedliche Regulationswege der Atemwegsverengung an. Die Kombination wirkt stärker bronchodilatatorisch als die Einzelsubstanzen und wird vor allem bei COPD und bei schweren akuten Asthmaanfällen in der Notaufnahme eingesetzt.

Ist Fenoterol in der Schwangerschaft erlaubt?

Inhalativ in therapeutischer Dosis ist die Anwendung vertretbar, weil unbehandeltes Asthma das größere Risiko für Mutter und Kind darstellt. Die systemische Exposition ist gering. Zur Tokolyse in höheren intravenösen Dosen ist eine strenge geburtshilfliche Indikation nötig, heute wird häufiger Atosiban eingesetzt.

Quellen

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